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Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen ….

Ohne weitere Worte, denn die braucht es nicht mehr, um Anderes zu wollen:

“Die sieben Lektionen des Lehrers“ von John Taylor Gatto

  1. Die erste Lektion, die ich unterrichte, ist Verwirrung“ (S. 18). So werde alles, was an Schulen gelehrt wird, aus dem Zusammenhang gerissen, sei der Stundenplan ein „Flickenteppich“, würde den Schülern nur ein „Werkzeugkasten oberflächlicher Begriffe“ mitgegeben. Die Kinder müssten die Lerninhalte so akzeptieren, wie sie vermittelt werden, und dann so wiedergeben. Kritisches Denken werde unterbunden, denn dann könnten ja auch z.B. die Dogmen des Lehrers hinterfragt werden.
  2. Das zweite Fach, das ich unterrichte, ist die unentrinnbare Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht. … Meine Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass es den Kindern gefällt, mit Kindern gleichen Niveaus zusammengesperrt zu werden oder dass sie es zumindest widerspruchslos erdulden. Wenn ich meine Sache gut mache, können sich die Kinder nicht einmal vorstellen, anderswo zu sein, denn ich habe ihnen beigebracht, die höheren Lernniveaus zu beneiden und ihnen mit Ehrfurcht zu begegnen, auf die darunter liegenden Niveaus dagegen mit Verachtung herabzublicken“ (S. 20). So lerne jedes Kind, dass es – auch später als Erwachsener – „den ihm angemessenen Platz in der Pyramide hat“ (S. 21).
  3. Das dritte Fach, das ich unterrichte, ist Gleichgültigkeit“ (S. 21). Selbst wenn Lehrer einen interessanten Unterricht machen oder von den Kindern verlangen, zumindest Begeisterung zu heucheln, sei mit der Pausenglocke alles schlagartig vorbei: Die Schüler „müssen sich wie ein Lichtschalter an- und ausschalten lassen. Nichts Wichtiges wird in meiner oder irgendeiner anderen mir bekannten Unterrichtsstunde jemals zu Ende geführt. … Die eigentliche Lektion der Pausenglocke ist, dass es keine Arbeit gibt, die es wert ist, zu Ende geführt zu werden. Warum also sollte man sich für irgendetwas engagieren?“ (S. 21).
  4. Das vierte Fach, das ich unterrichte, ist emotionale Abhängigkeit. Mit Fleißbienchen und Smileys, mit Lächeln und Stirnrunzeln, Auszeichnungen, Ehrungen und Strafen bringe ich den Kindern bei, ihren Willen der vorherbestimmten Befehlskette zu unterwerfen“ (S. 22). Die Schüler hätten keine Rechte, ihre Individualität würde zugunsten der Anpassung unterdrückt, ein Widerstand werde bestraft.
  5. Das fünfte Fach, das ich unterrichte, ist intellektuelle Abhängigkeit. Gute Schüler warten darauf, dass ein Lehrer ihnen sagt, was sie tun sollen“ (S. 22). Die Lehrer hätten die Macht zu kontrollieren, was Kinder denken. Und wer so denke wie erwartet, sei ein guter Schüler und würde entsprechend benotet. Dies sei die wichtigste Lektion von allen: Wir müssten die Abhängigkeit von anderen Menschen akzeptieren, denn darauf basierten Hierarchien, Wirtschaft, Sozialwesen, Rechtssystem usw.
  6. Das sechste Fach, das ich unterrichte, ist labiles Selbstbewusstsein. … Unsere Welt würde so, wie sie ist, eine Flut selbstbewusster junger Leute nicht sehr lange überleben, daher unterrichte ich, dass die Selbstachtung eines Kindes von der Meinung eines Experten abhängen sollte. Meine Kinder werden beständig ausgewertet und beurteilt“ (S. 24). Menschen dürften sich nicht selbst einschätzen, sondern müssten lernen, das Urteil „objektiver“ Dritter zu akzeptieren.
  7. Die siebte Lektion lautet, dass man sich nicht verstecken kann. Ich lehre die Schüler, dass sie immer unter Beobachtung stehen und immer überwacht werden“ (S. 25). Auch der Austausch mit den Eltern diene der Kontrolle. Mit Hilfe der Hausaufgaben werde die Schule in die Familie hinein ausgedehnt, „wo die Schüler sonst ihre freie Zeit nutzen könnten, um etwas zu lernen, was nicht autorisiert ist, zum Beispiel von den Eltern, durch eigenes Erkunden oder durch Kontakt mit einer kompetenten Person in der Nachbarschaft“ (S. 25 f.). Privatheit bzw. Privatsphäre müssten den Menschen vorenthalten werden, um die Gesellschaft zentral kontrollieren zu können.

Ich hatte vor einigen Wochen diesen Artikel begonnen, über den inzwischen ein Reihe interessanter Informationen zusammen gekommen sind, wie es besser gehen kann: So sollte Schule funktionieren: über Erfahrungsräume im Umgang mit Unvorhersehbarem und Übernahme von Verantwortung

  1. Januar 31, 2012 um 6:28 nachmittags | #1

    Alexander Berg hat in seinem Artikel Kinder und Schule – und der Versuch etwas erzwingen zu wollen, was zum Scheitern verurteilt ist gerade aufgerufen, einen andere Schule gestalten und formuliert u.a.:

    Es geht um unsere Kinder und ihre Zukunft, nicht um ein System, was Menschen wie Dinge behandelt und wegwirft. Was wir als Gesellschaft benötigen, ist eine wirksame Versorgungsbasis für alle, nicht jedoch auf Kosten der Menschen oder der Natur. Es gilt die zusammenhänge zwischen Natur-Gesellschaft und Wert schöpfende Strukturen (Lebensgrundlagen jeder größeren Gesellschaft) zu vermitteln und jedem Menschen den Sinn seines Tuns und seiner Aufgabe, also des Seins im größeren Ganzen selbst erkennen zu lassen.

  2. Januar 31, 2012 um 8:33 nachmittags | #2

    Das Thema lautet:
    …:wie wir unsere Kinder verdummen ….
    Wenn es erlaubt ist, schreibe ich das mal auf meine
    Weise:
    WIR verdummen unsere Kinder.
    Das ist aber eine Wirkung von:
    WIR haben uns verdummen lassen.

    Das System reflektiert nicht das Verhalten der Kinder, sondern das der “Erwachsenen”.
    Es gibt eine starke Mehrheit, die das System aufrecht erhält – und eine schwache Minderheit, die immer noch versucht, das Ungeheuerliche zu begreifen, zu formulieren und das Starre in Flexibilität und Kooperation zu wandeln –
    sozusagen das Ungeheuer zu bändigen,
    es zu zerlegen,
    es unsystematisch zu machen,
    das Ungeheuer – eines unsäglichen Geistes – aus dem System zu verbannen.

    Wir fühlen das Bessere. Allein das Gefühl ist noch zu schwach, und es wird nicht stärker durch die Menge der besseren Konzepte. Ich glaube, uns fehlt die echte, die starke Liebe zum Leben und die DARAUS wachsende Verantwortung. Sie, würde sie erkannt und zu Bewusstsein,.spräche:
    ICH verdumme unsere Kinder.

    Wolfgang

  3. Januar 31, 2012 um 9:02 nachmittags | #3

    Es sei erlaubt mal wieder Copy und Paste zu nutzen, um die Unordnung zu enttarnen:

    … auch innerhalb der Familien zeigt die Unordnung wie ernst es ihr mit ihrer stetigen Zunahme ist. Erziehungsprobleme und Unsicherheiten seitens der Eltern zeigen dieses deutlich. Was meinen moderne Eltern nicht alles unternehmen zu müssen, um nur das Beste für ihren Nachwuchs zu erreichen. Förderungen, Unterricht, Untersuchungen, eigenes Zimmer, Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Impfkalender, Abwechslung, Geschenke … und dabei wird von den Eltern oft die Aufgabe der Resonanz übersehen. Vor allem in der sogenannten westlichen Welt. Nun soll das Ganze hier nicht in einen Erziehungsratgeber ausarten, was auch gar keinen Sinn machen würde, denn es handelt sich, wie unschwer zu erkennen, auch hier wieder um eine weiße Leinwand. Westliche Eltern tendieren dazu, ihre Kinder möglichst schnell an ein eigenes Bett in einem eigenen Zimmer zu gewöhnen, dabei wäre es aus Sicht der Ordnung optimaler, dass die Familie sich ein Schlafzimmer teilt … nicht für immer, um des Lebens willen, aber doch solange, bis Kinder selbst auf ihr eigenes Bett bestehen. Diese Entwicklung dient der Resonanzbildung. Die Atmung und auch Träume spielen dabei eine zentrale Rolle, später im Obergeschoss, komme ich darauf zurück. Eine Familie ist eine Einheit, die in der Lage ist, Unmengen von Unordnung aus dem Umfeld zu bändigen. Je inniger das Verhältnis in einer Familie untereinander, desto mehr Unordnung kann abgefangen werden. Gerade Kinder sehnen sich nach Aufmerksamkeit, ihr ganzes Verhalten ist von Geburt an darauf ausgerichtet. Nichts wäre schlimmer, als ignoriert zu werden … was nicht nur auf Kinder zutrifft. Wahrgenommen zu werden steht für diese kleinen, expandierenden Universen ganz oben … und gilt damit auch für das gesamte Universum. Und wie wir dieses Universum wahrnehmen, jeden einzelnen Tag, wir beschäftigen uns mit seiner Vergangenheit und wollen alles wissen, wann, wie, wo, warum. Wir setzen unsere Sinne dafür ein, unentwegt, und forschen mit hoch technisierten Geräten, erstellen Theorien und finden Zusammenhänge, sammeln Unmengen an Daten und Fundstücken, streben nach mehr Auflösung, Klarheit und Informationsdichte. Nur unsere Kinder werden von uns oftmals falsch wahrgenommen, wobei es uns nur allzu oft passiert, dass wir mit den Werkzeugen unseres eigenen Universums, das ihrige zu verstehen und zu interpretieren versuchen … und damit scheitern wir zunehmend. Kinder haben in ihren eigenen Betten zu schlafen, von klein an, möglichst früh gehören sie in Kinderkrippen und fremde Hände, sie sollen in Vereine, Musikinstrumente lernen, zu den Besten gehören, sie müssen gehorchen, aufräumen, höflich sein, flott sein, nicht trödeln, vor Krankheiten müssen sie beschützt werden, vor schlechten Einflüssen sowieso, und vor Sonnenstrahlen auf alle Fälle, Gemüse sollen sie essen, und vieles mehr. Unzählige Ratgeber und Zeitschriften nehmen sich dieser Themen an. Das Bild unseres eigenen Universums auf diese kleinen Universen zu übertragen kann nur zu mehr Unordnung und Resonanzverlust führen … und genau dieses Bild sehen wir auf unserer realen Leinwand. Was soll man dagegen machen ? Es gibt wieder nur zwei Möglichkeiten: Mit der Unordnung schwimmen, oder anfangen zu lernen. Eltern können ihre eigene Mittellinie erst überschreiten und selbst zur Optimierung übergehen, wenn sie ihr eigenes Erbe an ihre Kinder übergeben haben. Nicht das materielle Erbe, sondern das Erbe, das die Eltern zu dem gemacht hat, was sie sind, aufgebaut aus Erfahrungen, Können, Träumen, Erlebnissen … kurz, all diese Werkzeuge, die es dem Nachwuchs ermöglichen sollen, selbst den Weg der Optimierung zu begehen. Kinder sind sozusagen die Weiterentwicklung unserer eigenen Vergangenheit, wobei wir selbst wiederum die Weiterentwicklung einer noch weiter zurückliegenden Vergangenheit sind … ein wesentliches Merkmal von Lebewesen, egal, welcher Gattung sie angehören.

    http://www.gold-dna.de/ziel18.html

    Gruß Guido

    • Januar 31, 2012 um 11:31 nachmittags | #4

      Oh ja, und darin ist eine Antwort auf die Frage Ist der Mensch von Natur aus faul? gleich mit gegeben. Ein Mensch, der so beachtet aufwächst, wir sich und alle mit ihm Lebenden sein Leben lang weiter entwickeln. Wir werden unseren Drang, den uns in die Wiege gelegt wurde, weiter verfolgen. Daher stehe ich weiterhin auch für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein, so lange wir noch Geld benötigen. Am Ende sollte es ein Bedingungsloses Geben und Nehmen sein.

  4. Februar 1, 2012 um 1:10 vormittags | #5

    Natürlich ist der Mensch von seiner Natur aus strebsam.

    Aber wie sieht die Realität aus:
    Man baut etwas auf, es wird zerstört oder es wird gestohlen.
    Man setzt Kinder in die Welt, voller Hoffnung, um miterleben zu müssen, wie sie, ohne Chance das verhindern zu können, in den Sumpf des Systems abgleiten, kriminalisiert und entsozialisiert werden.
    Man rackert und schuftet, um im Alter dumm dazu zu stehen mit der Erkenntnis, andere reicher und auch noch Parasiten genährt zu haben.
    Man sieht die Anderen, gescheitert an Krankheit, zerbrochen an ihren Ehen, verunglückt, entlassen, alle in den Trümmern ihres Strebens stehend.

    Welche Schlüße zieht “man” daraus?
    Ist es nicht auch natürlich, die Lust an solchen Lebenswegen zu verlieren? Wo ist die Motivation, mit seiner Arbeit ein im Kern asoziales System zu finanzieren?
    Ist es nicht natürlich, vor den globalen Bedrohungen zu flüchten und sich noch ein paar schöne Tage zu machen?

    Ich glaube, es werden immer mehr Menschen, die einfach einem “Gefühl” folgen und sich dem System verweigern.
    Und ich glaube weiterhin, dass viele von diesen “Verweigerern” sich wieder wie vernünftige, sprich tatkräftige und interessierte Bürger zurück verwandeln, wenn man sie auch wie Menschen behandelt, deren Individualität mehr wert ist, als Kanonenfutter oder ein Huhn in der Legebatterie.

    Wolfgang

  5. Mai 4, 2012 um 6:56 nachmittags | #6

    Familienpolitik Deutschland: Kinder unerwünscht, von Joachim Sundern, der Rest kommt auf der Tonspur.

    Die Wahrung der Kinderrechte ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Wer zulässt, dass Politiker die Kindeserziehung nach einer festen Norm festlegen, missachtet folglich den wahren familiären Wert. Kinder müssen geschützt und ihrer freien Entwicklung, unabhängig von jedweden politischen Ideologien, gefördert werden.

    Infolgedessen zerstört das System die Träume kleiner Kinder, gibt ihnen keine „Forschungsmöglichkeiten“, kreativen Freiraum, um ihre eigenen Ideen umzusetzen. Doch wie lebenswert ist eine Welt ohne Fantasie? Sollten Eltern nicht viel mehr aus dem gewohnten Muster ausbrechen, ihren Kindern aufzeigen, dass es Wege gibt, die sie selbst leider bisher ignorierten? Kinder können das Herz einer Nation wieder stärken, wenn unsere Gesellschaft bereit ist, Wurzeln zu pflegen: die Familiengründung!

    • Mai 4, 2012 um 9:55 nachmittags | #7

      wenn unsere Gesellschaft bereit ist, Wurzeln zu pflegen

      Dazu ist diese Gesellschaft nicht bereit. Sie reißt jede kleinste Wurzel aus.
      Wurzellose Menschen sind leichter zu manipulieren und also zu dirigieren und also zu beherrschen.

      Es hat System in diesem System.

      • Mai 4, 2012 um 9:56 nachmittags | #8

        P.S. Kinder können doch die anderen kriegen – ist eh zu teuer für Deutschland!

        So kann ein Volk auch ausgerottet werden!

        • Mai 4, 2012 um 11:16 nachmittags | #9

          hm, wie war das noch, die Amerikaner haben einen ökologischen Fußabdruck von 6. D.h. wenn deren Lebensstandard beibehalten werden soll, dies aber alle Menschen auf der Erde haben sollten, müssen 5/6 von ihnen von der Erde verschwinden. D.h. wir müssen weniger werden …

        • Mai 4, 2012 um 11:28 nachmittags | #10

          Wobei der Lebensstandard des Durchschnittsamerikaners ja nun auch nicht gerade berauschend ist… Die sind wohl nur von den oberen zehntausendern ausgegangen?

          Ich denke nicht, dass Menschen sich das ewig gefallen lassen. Ich denke, Nicks Vorschlag ist der einzig Vernünftige.

          Einfach umdrehen, weggehen und sie sich an sich selbst zerfleischen lassen.

      • Mai 4, 2012 um 11:14 nachmittags | #11

        Das Ent-wurzeln hat es mindestens auch schon bei Alexander dem Großen gegeben. Er hat die Menschen in den eroberten Gebieten auch ver-pflanzt und damit entwurzelt und ge-hor-sam gemacht.
        Man lasse sich die Worte auf der Zunge zergehen …

        • Mai 4, 2012 um 11:35 nachmittags | #12

          Genau. Und ent-wurzeln kannst Du Völker auch – ich denke, das passiert zeitgleich, wenn Du ihnen ihre Kultur und damit ihre Identität nimmst.
          Siehe Abschaffen der Nationalität – Stichwort Sorben.
          Siehe unser Bildungssystem.
          Lernen unsere Kinder noch die deutschen Klassiker von der Vogelweide, Lessing, Schiller, Goethe, Heine bis zu den moderneren Tucholsky, Hesse, Rilke und Brecht und wie sie alle heißen kennen?
          Lernen sie die Musik von Händel und Bach, von Strauß und Offenbach kennen?

          Nimm’ einem Volk seine Tradition, Kultur und Sprache (denke an die immer mehr werdenden Anglizismen) und es verliert seine Identität – es hört auf, als Volk zu existieren…
          Ist das gewollt?

        • Mai 4, 2012 um 11:39 nachmittags | #13

          Sicher. Eine andere Art von Kommunismus, würde die Einen sagen: je gleicher Alle sind, desto weniger Probleme. Kulturell ist man dabei, aber dass man den Reichtum dabei vergessen hat, scheint mir dann ein Denkfehler …

        • Mai 5, 2012 um 8:30 vormittags | #14

          Dabei hat das mit Kommunismus überhaupt nichts tun! Das ist Propaganda der heute (und damals) Herrschenden.
          Gerade wir – und auch die Sowjetunion – legten großen Wert auf die nationalen Identitäten und auf das Bewahren ihrer Sprachen und Kultur.
          Da russisch die Amtsprache in der Sowjetunion war, lernte ein Kasache, zum Beispiel, russisch ab der dritten Klasse als erste und wichtigste Fremdsprache. Seine Muttersprache aber war die Hauptsprache, in der alles andere unterrichtet wurde.

          Eine staatenlose und klassenlose Gesellschaft, wie sie der Kommunismus anstrebt hat gar nichts mit Gleichmacherei und Verlust der nationalen Identitäten zu tun.
          Ganz im Gegenteil! Erst jetzt – ohne Staaten – wird es möglich sein, dass sich die einzelnen Nationen – so sie es wünschen – in einem gemeinsamen Siedlungsraum niederlassen und ihre nationalen Eigenarten, nationales Kulturerbe und ihre Sprachen pflegen. Selbstverständlich können sie auch da leben bleiben, wohin sie die vielen Wanderbewegungen der Völker verschlagen haben… Ohne Staaten ist das tatsächlich eine Entscheidung des freien Willens der Völker und seiner Menschen.

          Nur in der Vielfalt herrscht Reichtum und in der Zusammenarbeit der Verschiedenartigkeiten kann etwas herauskommen, was dann allen nützt.

        • Mai 5, 2012 um 10:10 vormittags | #15

          Nur in der Vielfalt herrscht Reichtum und in der Zusammenarbeit der Verschiedenartigkeiten kann etwas herauskommen, was dann allen nützt.

          Ja, Solveigh, das ist der wahre Nährboden für Innovationen …

  6. Mai 4, 2012 um 11:39 nachmittags | #16

    Mit dem Entwurzeln und Verpflanzen sprichst Du ein weitläufiges Thema an. Wie viele Menschen können heutzutage sagen, sie seien sesshaft, zuhause angekommen ? Wie viele haben zwar einen festen Wohnsitz, aber einen enormen (Re)Aktionsradius, allein schon berufsbedingt. Ich denke nach wie vor, dass die enorme Zunahme der Allergien auf dieser Scheinsesshaftigkeit beruht, erst recht, wenn man bedenkt, wie viele Ortswechsel von Kindheit an heutzutage über die Bühne gehen … und vor allem mit welcher Abruptheit. Innerhalb von Stunden können Ländergrenzen überschritten werden und weitere Sesshaftigkeit erprobt werden. Immer mehr eilen wir den nachhaltigen Anpassungsmöglichkeiten des Genoms voraus. Hatschi, juck, juck … kein Wunder.

    Warum sind Wildkräuter so vital und strotzen vor kraftvollen Inhaltsstoffen ? Weil sie vorleben, was es mit der Sesshaftigkeit auf sich hat … Viren übrigens auch, aber das ist ein anderes Thema …

    Gruß Guido

    • Mai 4, 2012 um 11:46 nachmittags | #17

      Das Thema der Entwurzelung dürften mittlerweile sehr viele kennen. Ich selbst doppelt. Mein Vater musste nach dem Krieg als 17-Jähriger seine Heimat verlassen und wanderten nach 4 Jahren ein zweites Mal von Rostock (Ost) nach Dortmund (West) weiter. Ich bin nach 33 Jahren von Dortmund weg nach Köln. Daher habe ich auch in dem Dorf, in dem ich nun lebe, nicht wirklich neue Wurzeln geworfen. Ich fühle mich als Deutschlandbummler, zumal ich viel in Berlin zum Arbeiten bin. Ich habe also einen Bekanntenkreis quer durch die Republik, denn meinen Freunden ging es nicht anders als mir. Alle sind verstreut.
      Es mag sicher auch etwas Gutes haben, fühle ich mich dadurch auch verstärkt als Bürger dieser Erde.

      • Mai 5, 2012 um 8:39 vormittags | #18

        Aber Du bist nirgends “zu Hause”. Du bist überall immer nur “Gast”
        Erst wenn Du an einem Ort Wurzeln geschlagen hast, wenn Du mit einem Ort verwachsen bist, kannst Du getrost in die Welt gehen und Dich als Weltbürger fühlen, das funktioniert jedoch gesund nur solange wie Du Deine Wurzeln, Dein Heim nicht verlierst. Ist das weg – wie sagst Du: Bin ich nie und nirgends heimisch…
        Das ist auch ein Teil der gewollten Entwurzelung der Menschen.
        Ein Baum mit flachen Wurzeln kippt beim ersten Sturm um. Insbesondere, wenn er dann noch einzeln steht und seine flachen Wurzeln sich nicht mit denen der Nachbarbäume verbinden konnten…
        Und die Menschen sind nicht nur entwurzelt, sie sind auch vereinzelt.
        Jeder ist gegen jeden aufgehetzt.
        Im Auto sitzen die Menschen allein. Überall sind sie allein.
        Und jetzt wird auch die “Teamarbeit” – der letzt Ort, wo mehr als zwei Menschen zusammenkommen – verteufelt…
        Alles, was ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt, wo Solidarität miteinander und Empathie füreinander entstehen kann, wird zerstört, die Menschen aufeinandergehetzt.

        • Mai 5, 2012 um 10:15 vormittags | #19

          Die Metapher mit dem flachwurzelnden Baum kann gefallen.

          Wo hast Du konkret wahrgenommen, dass Teamarbeit verteufelt wird?

          Ich sehe inzwischen an den Wurzeln viel Teamarbeit sich entwickeln. Das ist seit einigen Jahren in unserer Firma der Fall, wo sich je nach Aufgabe die richtigen Leute aus den Abteilungen zusammentun und einfach das Ding schaukeln.

          Und auch Borussia Dortmund hat uns jetzt im zweiten Jahr vorgemacht, dass das Team es ist und nicht der Einzelne.

          Wie immer sehen wir die Polarität stark wirken …

          LG Martin

    • Mai 5, 2012 um 8:31 vormittags | #20

      Richtig. Auch durch den Zwang zur “Flexibilität” werden die Menschen entwurzelt! Bin da völlig Deiner Meinung, auch was die gesundheitlichen Schäden betrifft.

  7. Mai 5, 2012 um 11:57 nachmittags | #21

    Martin Bartonitz :

    Wo hast Du konkret wahrgenommen, dass Teamarbeit verteufelt wird?

    Das war in dem Artikel zu den Leisen, die gezwungen werden in den überall herrschenden und propagierten Teams zu sein, wo sie doch viel lieber im stillen Kämmerlein sitzen würden.

    In diesem speziellen Zusammenhang mag das ja noch stimmen. Aber wird das von allen Menschen als “Spezialfall” wahr genommen? Oder lesen die meisten “flüchtigen” Leser daraus: Teamarbeit ist schlecht?
    Propaganda wirkt immer subtil. Einzelfälle werden genommen und beim Leser entsteht der Eindruck des Allgemeingültigen. Der nimmt das auch prompt so auf, wertet es so und trägt es so weiter.
    Das macht die Propaganda so gefährlich. Sie können nicht nur sehr gut mit den Worten umgehen, sondern sie sprechen auch immer das Unterbewusste an. Und das tun sie bewusst. Es ist nichts dem Zufall überlassen.

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  1. April 5, 2012 um 5:23 nachmittags | #1
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