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Überall auf der Welt haben sich grundlegende Werte ausgebildet – Hoffnung für eine bessere Zukunft?

Älteste bekannte Darstellung von Augustinus in der Tradition des Autorbildes (Lateranbasilika, 6. Jahrhundert)

Älteste bekannte Darstellung von Augustinus in der Tradition des Autorbildes (Lateranbasilika, 6. Jahrhundert)

Ich hatte in dem Post Wenn unser Gewissen bei einer Regelverletzung anschlägt hilft Whistleblowing! über erste Inhalte aus dem Buch Das Gewissen, was es ist – wie es wirkt – wie weit es bindet, von Peter Fonk geschrieben. Auf Seite 87 fand ich eine schöne Zusammenfassung empirischer Forschungen, die in den unterschiedlichsten Erdteilen zum Thema Grundregelen, Normen und Wertorientierungen gemacht wurden. Da diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass es in der Natur der Menschen liegt, ein soziales Miteinander zum Besseren auszubilden, wollte ich diese im Kontext des Compliance Management nicht vorenthalten.

In der vergleichenden Kulturanthropologie werden die so genannten moralischen Universialien in 4 Gruppen differenziert.

1. Universalien, die sich auf die Verpflichtung innerhalb der Verwandtschaft beziehen

– Vermeidung inzestuöser Beziehungen
– Ablehnung des Ehebruchs (Anmerkung: wird zum Glück in unseren Landen nicht mehr bestraft, schon gar nicht mit Steinigung)
– Gebot der Heirat außerhalb der eigenen Familie
– gegenseitige Verpflichtung zwischen Eltern und Kindern und das Gebot zur Solidarität und Loyalität innerhalb der Familie (Anmerkung: kann leider auch dazu führen, dass Kindesmissbrauch vertuscht wird)

2. Universialien, die sich auf die Verwandtschaft oder sogar auf die eigene Gesellschaft (In-group) beziehen

– Kooperationsbereitschaft
– Pflicht zur Fürsorge für Arme und Benaqchteiligte
-Verhütung von Gewalt
– Gehorsamkeit gegenüber den Autoritäten
– Ächtung von Verunglimpfung religiöser Vorstellungen und Praktiken anderer Menschen

3. Verpflichtungen, die sich auf Verwandte, die eigene Gesellschaft oder auf alle Menschen beziehen

– Verbot des Mordes
– Verbot der Lüge
– Verurteilung der Vergewaltigung
– Respekt vor den Toten
– Einhalten von Versprechen

4. Verpflichtungen, die in ökonomischen Verhältnissen begründet sind

– Recht auf Eigentum
– Formulierung einer Vorstellung von Verteilungsgerechtigkeit (Anmerkung: bei der Realisierung scheint es nicht so zu klappen)
– klares Verbot des Diebstahls

Die Forschungsergebnisse bestätigen in großen Teilen die katholische Naturrechtsethik des Augustinus (354-430), der als Vater und Schöpfer der theologischen und philosophischen Wissenschaft des christlichen Abendlandes und deshalb als „Kirchenvater“ bezeichnet wir.

Aber genauso können die Ergebnisse Darwins Theorie untermauern. Wenn diese Regeln sozialen Gruppen bessere Überlebenschancen geben, dann sollten sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit überall einstellen.

In kleinen Gruppen scheinen die Regeln auch besser eingehalten werden zu können. Vermutlich auch ein Grund, warum kleinere Firmen intuitiv, d.h. ohne ein explizites Compliance Management korrekt handeln, weil vielleicht besser zu überschauen? In größeren Organisationen mit mehr Anonymität ein Compliance Management für mehr Transparenz sorgt und damit dem Gewissen (pass auf, Du wirst erwischt) besser auf die Sprünge hilft?

Kategorien:Ethik Schlagwörter:
  1. März 27, 2012 um 5:41 am

    Ich bin nicht sicher, ob die Größe der Organisation über Einhaltung entscheidet. Familien mit einem tyrannischen und kriminellen Oberhaupt sind da ein trauriges Gegenbeispiel. Vielleicht kommen wir mit Gewaltenteilung und Transparenz der Sache näher.

  2. federleichtes
    März 27, 2012 um 12:54 pm

    Stehen wir hier nicht wiederum im Kern des Miteinanders der VERSCHIEDENEN Menschen-Wesen?
    Es gibt keine gemeinsamen Werte!
    Der Egomane spielt doch nach ganz anderen Regeln, als der Sozialo.
    Sozialo braucht keine sozialen Regeln, er lebt danach.
    Und Egomane KANN nicht danach leben.

    Und so entsteht das Paradoxon:
    Die schwachen Egos rotten sich zusammen in Banden und Armeen, und nutzen das Gemeinschaftswesen als Hilfsmittel, um das echte Wesen der Gemeinschaft zu zerstören. Diese Zerstörung ist ihr Ethos.
    Und der wirkt auch in Familien. Und nicht wenige Familien werden nur gegründet, um den Familiengeist zerprügeln zu können.

    Mag es auch schwer sein, das Ungeheuerliche des differenzierten Ethos zu verstehen, so bleibt das Verstehen der einzige Weg, DAS „Normale“ (für Alle) nicht mit Gewalt erschaffen zu wollen.
    Wir erleben einen integrativen Prozeß. Daraus bilden sich neue Werte, die sowohl das egozentrische Individuum als auch das Wesen der Sozialität würdigen. Diese Werte können wir auch Bewusstsein nennen.

    Wolfgang

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