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Folgen wir mit der Kapitalismusidee in den gesellschaftlichen Abgrund?

Ich hatte mit meinem Post Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: konstante Arbeitslosenzahl, Zocken mit Geld, Hungern durch Fleisch, riskante Großprojekte … deutlich machen wollen, dass mir meine Intuition sagt, dass in unserer Kultur etwas ganz schief läuft. Und zwar wider unserer menschlichen Natur. Das klar wahrnehmbare, immer schneller Auseinanderdriften zwischen Reich und Arm einhergehend mit der Verrohung unserer Gesellschaft kann nur ins Chaos führen. Was, wenn wir keinem mehr vertrauen können, im Konkurrenzkampf jeder gegen jeden steht? Kann dann überhaupt noch etwas gelingen?

Ist es dann nicht besser, wenn wir wieder mehr kooperativ werden, wenn wir wieder wirtschaften, damit wir Güter für ein besseres Leben produzieren und nicht damit mehr Geld angehäufelt wird. Ich habe mal wieder einen interessanten Beitrag zum Umdenken gefunden. Es ist noch ein Entwurf, veröffentlicht im letzten Monat auf der Plattform einer solidarischen und lebensdienlichen WirtschaftEine andere Wirtschaft ist möglich – Entwurf einer Solidarischen Ökonomie“. Darin ist im Kapitel 3.2  mit entsprechenden Quellenangaben zu lesen, dass wir Menschen zwei Pole in uns haben, aber vorrangig zum Gesellschafts-bejahenden tendieren:

Der Mensch existiert von seiner Evolution her nicht als Einzelwesen, sondern als Gemeinschaftswesen. D.h., dass der Mensch weder als Individuum noch als Gattung isoliert ohne andere oder gegen andere überleben kann, sondern nur als Sozialwesen und in einer sich Regeln gebenden Sozietät. Dieser einfache und scheinbar selbstverständliche Satz stellt das herrschende Denken und erst recht den Ansatz der herrschenden Ökonomie auf den Kopf. Nicht das isolierte Individuum und gelebter Egoismus machen den Menschen lebensfähig, sondern erfahrene Beziehung und Empathie. Descartes abgewandelt hieße das: „Ich nehme teil, also bin ich“.

Weiter gedacht bedeutet das, die Gemeinschaft wird nicht von Individuen geschaffen, sondern erst in erfahrener Gemeinschaft kommt das Individuum zur Welt. Hier liegt die sozialethische Bestimmung des Menschen. Sie hat genauer gesehen einen dreifachen Grund:

  • Einmal in unmittelbar gelebter Empathie bzw. in der Empathiefähigkeit des Menschen: Das Leid, die Not desanderen rührt sein Herz und führt zum solidarischen Handeln.
  • Darüber hinaus braucht es die begriffene Zweckmäßigkeit des Guten für das Individuum wie für die Gemeinschaft. Unübertroffen spricht es die „Goldene Regel“ vieler Religionen aus: „Was du willst, das dir die Leute Gutes tun, das tue ihnen auch“ – dies in der Erfahrung, dass damit Eigenwohlinteressen und Gemeinwohlinteressen am ehesten in Einklang gebracht werden können. Aus dieser Erfahrung entwickelten sich seit Beginn menschlicher Zivilisation ethisch und sozial bestimmte Regeln für das Miteinander derMenschen – von den Zehn Geboten über den Kantschen kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ bis zur Gesetzgebung eines modernen Staates.
  • Zum Dritten liegt die sozialethische Bestimmung des Menschen in ethischen Wertsetzungen aus dem Unabdingbaren: die spirituelle Erfahrung von Werten und Wahrheiten, der Antrieb zum Gutsein, zur Liebe, zurWahrheitssuche und Sinnfindung, die die jeweilige Zwecksetzung überschreiten.

Diese unabdingbaren, spirituell-ethischen Antriebe gibt es in religiöser, wie auch in säkularer Form, so erkennbar in Schlüsselsätze wie bei Immanuel Kant „Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“, bei Albert Schweitzerin der „Ehrfurcht vor dem Leben“, in der modernen Theologie „Gott als das Woher meines Umgetriebenseins“ oder bei Michail Gorbatschow: „Die mahnende Stimme des Gewissens“ und das „Muss des Lebens lehren uns“. Offensichtlich sind für die ethische Entwicklung der Menschheit unabdingbare ethische Wertsetzungen notwendig; denn die Zweckmäßigkeit des gegenseitigen Gutseins konnte z.B. die Sklaverei oderLeibeigenschaft innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Vorgaben mit der „Goldenen Regel“ nicht alleinüberwinden. So gibt es immer wieder spirituelle, ethische Inspirationen und Antriebe, die über das jeweilige Opportune hinausgehen, im Widerstand zum Bisherigen stehen, aber gerade so das Humanum emanzipierend weiterentwickeln. Dass sie dann zum neuen Paradigma werden können, zeigt sich z.B. in der Proklamation derMenschenrechte durch die Vereinten Nationen, die jedem Menschen die gleiche Menschenwürde unabhängigvon Nationalität, Religion, Rasse und sozialer Herkunft zusprechen, wie es das in früheren Kulturen so nicht gab.

Wer also den Menschen eher positiv in diesem Sinne von Kooperation sieht und nicht negativ in dem Sinne des Konkurrenz-vernarrten, kann nur zu dem Schluss kommen, dass wir unsere Wirtschaft neudenken müssen. Ich bin über dieses Kapitel noch nicht hinaus, bin aber gespannt auf die weiteren Argumente und Ideen eines gemeindlichen Wirtschaftens …

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