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Boykott des E10-Agrosprit

für die Umwelt

für die Umwelt

Das ist schon sehr zum Gruseln, was hier wieder für ein Unsinn zum vermeintlich Besseren mit unserer Umwelt gemacht wird. Jetzt stecken wir schon unsere Lebensmittel in den Tank, nur um beim Fahren von A nach B ev. CO2 zu sparen. Dass unterm Strich die Gesamtökobilanz ziemlich mau aussieht, konnte scheint´s so mancher vermeintlich helle Kopf dieser Innovation nicht erfassen.

Und dass wir damit die Nahrungsmittel noch weiter verteuern und die derzeit Revoltierenden auf der Welt nicht mehr nur zu Hause ihr Recht nach Grundrechten einfordern sondern vielleicht demnächst noch viel fordernder direkt bei uns Nahrungsmitteltankern auftreten, darf uns dann nicht wundern.

Weil der Sachverhalt so haarsträubend ist, ruft das Umweltinstitut Münchene.V. alle Autofahrer zum Boykott des neuen Kraftstoffs auf. Ich kann nur jedem den sehr ausführlichen Artikel des Instituts zur Lektüre empfehlen.

Wir sollten eher zusehen, dass wir wieder weniger Waren durch die Gegend karren, dann braucht auch nicht mehr so viel getankt zu werden.

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Hier noch der Abstract des Artikels:

Ab Februar 2011 wird ein Großteil der Tankstellen in Deutschland den neuen Kraftstoff E10 anbieten. Er besteht zu 90 Prozent aus Benzin und zu 10 Prozent aus „Bio“-Ethanol, einem Alkohol aus pflanzlichen Rohstoffen, wie Rüben, Getreide oder Zuckerrohr. E10 soll laut Umweltministerium die CO2-Emissionen reduzieren und die Erdölreserven schonen.

Doch ob E10 der Atmospääre tatsächlich CO2 erspart, ist mehr als fraglich. Sicher ist aber: Der Anbau von „Energiepflanzen“ konkurriert mit dem Anbau von Nahrungsmitteln und zerstört natürliche Ökosysteme. Das Umweltinstitut München ruft daher alle Autofahrer zum Boykott des E10-Kraftstoffes auf.

Kategorien:Ethik, Gesellschaft Schlagwörter: ,
  1. Februar 7, 2011 um 7:03 pm

    Hallo Martin
    Seit dem Nahrungsmittel auch für Treib- und Brennstoffherstellung benutzt werden, sind in vielen Entwicklungsländer die Nahrungsmittelpreise bis zu 30% gestiegen. Vielen Dank für den Artikel. Ich habe ihn gleich bei facebook gepostet. mike

  2. Februar 7, 2011 um 7:57 pm

    Die Mexikaner haben auch schon seit einigen Jahren mit dem Preisanstieg für Mais zu kämpfen, da die Amerikaner diesen fleißig in ihre Tanks gießen 😦

  3. Februar 9, 2011 um 8:44 pm

    Hallo Dr. Martin Bartonitz,
    gleiches kann ich aus Kenia berichten

  4. Februar 26, 2011 um 5:47 pm

    Ich habe gerade im Wirtschaftsteil des Kölner Stadt-Anzeigers den Artikel BUND nennt Biosprit eine „Mogelpackung“ gelesen. Hier gibt es noch einen weiteren wichtigen Hinweis: wir können die 10% Beimischung gar nicht aus Eigenproduktion decken. Daher müssen wir aus anderen Ländern einführen. Damit werden weitere Urwälder gerodet, was genau den umgekehrten Effekt hat, d.h. es wird mehr CO2 freigesetzt.
    Diese Gesetz ist sofort zu kippen. So lange es auf der Welt Hunger gibt, darf keine Anbaufläche für Biosprit verwendet werden!

  5. März 3, 2011 um 8:15 am

    Im heutigen Frühstücksfernsehen, das sich 5 Minuten mit dem E10 beschäftigte, waren die ökoligischen Bedenken nur einen Nebensatz wert. Es interessierte wohl mehr, ob der Kraftstoff, dass es für den Motor schlechter wäre und ob die Versorgung mit dem normalen Super noch gewährleistet werden könnte. Schlecht recherchiert scheint mir.

  6. März 3, 2011 um 7:20 pm

    Jetzt versuchen sie sogar auf dei Tränendrüsen zu drücken: http://auto.t-online.de/e10-an-tankstellen-grosse-probleme-mit-super-plus/id_44721842/index

  7. März 5, 2011 um 11:46 am

    Ganz langsam wird von den Medien auch der ethische Aspekt angesprochen, dass man keine Lebensmittel in Sprit verwandeln dürfte, solange noch so viele Menschen hungern und dabei auch sterben. Aber dass die Ökobilanz eher schlechter weg kommt, bleibt weniger diskutiert.
    Was mir aber zeigt, dass es überwiegend unmündige, sprich wenig interessierte Bürger gibt, zeigen die Interviews an den Tankstellen. Die Gefragten haben eher Angst um ihren Motor als um die Hungernden oder die Landschaft. Oder wollen uns die Medien auch hier „verdummen“ bzw. hinters Licht führen?

  8. März 5, 2011 um 5:00 pm

    Hallo Martin es sind ca. 24000 täglich also rund 9 Mio. (2x eine Stadt wie Berlin) im Jahr, die an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, da sind alle jene, die durch einseitige Ernährung, also nur Mais (Uni food) an anderen Krankheiten in Folge von Immunschwäche sterben, noch nicht mit erfaßt.

    Was erwarten wir von die überwiegenden Menge unserer Bevölkerung, sie bangt jeden Tag um seinen Job, es muß zusätzlich Harz IV beantragen, die Zahl der Festangestellten geht zurück, zu Gunsten von Zeitarbeit und free lancer. Die wissen, das sie bei KICK Waren kaufen, die durch Kinderabeit hergestellt wurde, es stand ja in großen Lettern in der BILD. Weshalb lieben sie denn ihren KTvG, weil er die „Säcke mal hinters Licht gefühtrt hat“ (O-Ton) und die so erbärmlich sind, das sie ihm noch nachtrauern. Weiß Du wie lange es gedauert hat, bis sich ’89 Arbeiter den Montagsdemos anschlossen hatten. Wer hat denn da die Reden geführt? Willst Du die Wahrheit wirklich wissen? Martin Du lebst in einer anderen Wellt, es gibt nicht nur Bürger in zwei Klassen. Wahrscheinlich habe ich Mühe in einem halben Jahr so viel zu verdienen wie andere monatlich erhalten. PS: ich bin jetzt steuerlich begünstigt worden, ich brauche keine Vorsteuer mehr im Voraus abzuführen, weil ich im Jahresumsatz unter 1000 € Mehrwertsteuer liege. Damit Du mal eine Relation hast, wo ich einkommenstechnisch angesiedelt bin. Um so geringer die Einnahmen, um so geringer auch die Möglichkeiten zu investieren.
    Die sind nicht unmündig, das wollen bestimmte Kreise vielleicht, es geht ihnen schlicht weg am A…. vorbei! Trotzdem freue ich mich diebisch, das die mit ihrem Nahrungsmittelbenzin erstmal eine Bauchlandung gemacht haben.

  9. März 6, 2011 um 10:32 pm

    Berliner Morgenpost titelt: Biosprit – Bürger wehren sich gegen den Murks
    „Doch die Bürger haben durchaus verstanden. Sie sind nicht so dumm, wie manch einer augenscheinlich glaubt. Die breite Verweigerungshaltung gegen den vermeintlichen Ökosprit ist nicht eine Revolte autovernarrter Michels, die jedem Fortschritt mit Abwehrreflexen begegnen. Der Streik an den Tanksäulen ist ein Aufstand gegen den Murks. Gegen die verkorkste Informationspolitik der Benzinkonzerne, die es offenbar nicht für nötig hielten, ihre Kunden über den Wechsel im Sortiment umfassend zu informieren. Gegen die Politik, die offenbar weder in der Lage noch willens war, den ökologischen Nutzen von E10 umfassend nachzuweisen und zu dokumentieren. Gegen das Versäumnis der Autobauer, die Wirkung des neuen Treibstoffs in Langzeittests ernsthaft zu untersuchen. Und gegen den Verdacht, dass die Umstellung an den Zapfsäulen von der Mineralölwirtschaft hemmungslos zu Preisaufschlägen genutzt wurde.
    Wer glaubt, dass hier ein paar beschwichtigende Worte vom Gipfel herab ausreichen werden, um die Verunsicherung und den Ärger der Autofahrer zu beseitigen, der dürfte sich irren. Der mündige Bürger, der von der Politik sonst so gern beschworen wird, will eine vollständige Kosten/Nutzen-Analyse – sowohl in ökologischer wie auch in finanzieller Hinsicht. Und er verlangt ein sichtbares Zeichen der Einsicht. Soll die Idee des Biosprits nicht vollends diskreditiert werden, bleibt nur der Rücktritt – pardon der Rückzug.“
    Na also, Demokratie geht auch anders!
    Besser wär aber, wenn unsere Volksvertreter etwas besser ihre Hausaufgaben machten.

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