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Gruseliger Artikel: „This drive for luxury gives hope for civilization“

Plastischer als der Artikel mit dem obigen Titel es auf den Punkt bringt, geht es kaum mehr. Da Draußen sterben jede Minute 150 Menschen an Hunger und da schreibt Jemand, wie glücklich er ist zu sehen, mit welcher tollen Kraft wir Luxusartikel, hier Armbanduhren im Wert von 400.000 Pfund (eine dem Autor bekannte Chinesin hätte gleich 17 Stück gekauft), erstellen, weil es da Bedarf für gibt!

Gefunden habe ich den Artikel in einer kostenfrei verteilten „Bild“-ähnlichen Zeitung auf meiner Bahnfahrt aus London nach Stansted. Der Untertitel lautet dann: „A generation ago, a man of style owned one or two watches. A watch was for life. Now it´s a lifestyleaccessory“. Das kann ich bestätigen. Ich selbst habe immer noch nur zwei Uhren, aber es gibt Personen in meinem geschäftlichen Umfeld, die sammeln hochkarätige Uhren. Und dass sie nicht die Einzigen sind, sieht man an entsprechenden Foren, wo man sich so informieren täte.

Der gute Autor muss wohl gewisse Existenzängste, oder besser Luxusverlustängste ob der letzten Finanzkrise ausgestanden haben, sonst würde er nicht am Ende so schreiben: „After all, a culture that can devote such prodigious quantities and time and talent to the crafting of objects whose functon is primarily decorative must, by any definition, be a civilised one. … I can´t help but think that if more people had the means and opportunity to tell the time on a Cartier watch or sign their name using a Montegrappa pen, then the world would be just that little bit less unstable“.

Ich versuch mal mit ein wenig Google-Translation eine Übersetzung ins Deutsche: „Immerhin, eine Kultur, die solch ungeheure Mengen an Zeit und Talent zum Basteln von Gegenständen, deren Funktionen in erster Linie dekorativ sind, widmet, muss eine zivilisierte sein. … Ich kann mir nicht helfen, aber denke, wenn mehr Menschen über die Mittel und Gelegenheit verfügen, die Zeit auf einer Cartier Uhr abzulesen oder ihren Namen auf einem Montegrappa-Stift eingravieren zu lassen, dann wäre die Welt noch ein bisschen weniger instabil.“

Da scheint Einem jeder Realitätssinn abhanden gekommen zu sein. Wie gruselig kann es sein, an den Möglichkeiten solch überzogenen Luxus die höchste Stufe der Zivilisiertheit zu definieren? Es wird dringend Zeit umzudenken.

p.s.: Der Autor kam auf die Idee, da er bemerkt hat, dass Firmen, die Luxusartikel herstellen wie LVMH, Cartier, Vacheron, Constantin oder Alfred Dunhill, ein ziemliches Wachstum hingelegt hätten. Womit wieder einmal mehr bewiesen ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander geht.

Kategorien:Ethik, Gesellschaft Schlagwörter: ,
  1. März 9, 2011 um 5:07 pm

    Hi Martin,

    danke für den kritischen Artikel. Mir wird schlecht, wenn ich an diese Ideologie und dieses Weltverständnis denke. Vollkommen sinnentleert. Ja, es wird Zeit, nicht nur umzudenken, sondern auch andere Wege zu beschreiten.

    Andreas

  2. März 10, 2011 um 12:24 pm

    Waren es nicht die Herren die im Angesicht des Untergangs ihrer sagenumwobenen Insel … noch nach den Sklaven schrien oder war es nur die Zukunftsvision eines Denkers, der das Wesen des Menschen real erfasst hat?

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