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Werden wir Bürger vom Monster „Europäische Union“ entmündigt ohne es zu merken?

Oder besser: viel zu spät zu bemerken?

„Die Europäische Union ist auf dem Weg, ihre Bürger zu entmündigen. Aufhalten können sie dabei nur wir Europäer.“

So lautet das Resüme des neuen, 90 minütigen Essays von Magnus Enzensberger, der mal wieder akribisch zu Werke gegangen ist:

Während sich in der arabischen Welt die Völker erheben und nach Selbstbestimmung und Demokratie rufen, versinkt Europa in einer Diktatur. Seine demokratischen Traditionen werden ausgehöhlt und zerstört, seine Bürger schikaniert und gegängelt. Die Macht, die das Volk an seine Vertreter delegiert hat, ist klammheimlich weitergewandert, sie hat sich zurückgezogen an einen unzugänglichen Ort, den keines Menschen Auge je erblickt hat. Wer wirklich herrscht, wo die Fäden zusammenlaufen und von wem sie in welcher Absicht gezogen werden, das weiß niemand. Gesetze und Verordnungen werden erlassen, aber die Bewohner der alten Welt verstehen ihren Wortlaut nicht mehr. Fast könnte man meinen, ein Volk von Außerirdischen sei unbemerkt auf der Erde gelandet und hätte sich als erstes Europa unterworfen, vielleicht, weil seine Angehörigen dort besonders gut gedeihen. Es ist das Volk der Technokraten.

Hubert Spiegel mein in seinem Artikel Die Bürokratie frisst ihre Bürger weiter: „Jeder einzelne von ihnen sollte sich die Zeit nehmen, die knapp siebzig Seiten zu lesen, die Hans Magnus Enzensberger jetzt unter dem Titel „Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas“ vorgelegt hat. Diese Schrift ist das deutsche Gegenstück zu Stéphane Hessels französischer Kampfschrift „Empört euch!“, die im Heimatland des dreiundneunzigjährigen Franzosen eine Millionenauflage erreicht hat (F.A.Z. vom 5. Januar)

Ich habe es bestellt und bin gespannt. Nur, wie zähmt man dieses Monster wieder?

Passt aber sicher in das, auf das mich meine Intuition schon im letzten Jahr aufmerksam gemacht hat: Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen

Kategorien:Gesellschaft, Politik Schlagwörter: , , ,
  1. April 9, 2011 um 6:49 am

    Hallo Martin,

    dass Vieles durch die EU nicht gerade besser wird, dürfte klar sein. Indes hier von einer Diktatur zu sprechen, lässt mich unangenehm aufzucken. Ich halte das für eine Beschreibung, die reichlich daneben zielt.

    Ich erinner mich noch gut, wie ich mit meinen Eltern regelmäßig die frühere DDR bereiste, weil dort die Schwester meiner Mutter lebte. Und ich habe bis heute die menschenverachtende, kontrollsüchtige Atmosphäre in Erinnerung, wenn wir bei Helmstedt die Grenze passierten.

    Ich erinner mich noch intensiv daran, wie es bei einer Reise durch Polen war, als dort mein Vater bezichtigt wurde, „Tendenzfotos“ zu schießen, also Aufnahmen von heruntergekommenen Häusern und Menschen zu machen, um damit im Westen Propaganda zu betreiben. Mein Vater und ich landeten für einen halben Tag hinter Gittern. Ich war damals vielleicht 10 oder 11.

    Diese Erlebnisse waren viel näher an einer Diktatur, als das, was wir heute in der großen post-postmodernen Gleichgültigkeit erfahren. Und die Vergleiche zum nahen Osten scheinen mir doch ebenfalls ziemlich skurril zu sein. Herr Enzensberger darf seine Gedanken formulieren, wir diskutieren hier in diesem Blog und ich darf auch so ziemlich alles schreiben, was ich will.

    Mit Diktatur hat das für mich nicht allzuviel zu tun. Brüssel scheint mir ein bürokratischer Moloch zu sein, in dem bei keiner eindeutig identififzierbaren Gruppe „Die Macht“ zusammenläuft. Enzensberger Ansatz, „den keines Menschen Auge je erblickt hat“, erscheint mir ziemlicher Quatsch zu sein. Wenn kein Mensch diesen Ort kennt, wer dann? Aliens? Ein Schätzing’scher Schwarm?

    Nein, was mir viel mehr Sorge bereitet ist die totale Ökonomisierung unserer Welt. Das selbst das Bildungssystem mittlerweile auf eine vollkommen sinnentleerte Art evaluiert wird und das Professoren in Universitäten genau dann glauben, besonders avantgardistisch zu sein, wenn Sie auf lächerliche Weise versuchen, Strukturen, Kulturen und Funktionen in die Unis zu übertragen, die wir normalerweise in tayloristischen Unternehmen finden, die uns täglich das Affenmärchen von der Arbeit erzählen wollen.

    Mir macht Angst, dass die meisten von uns im größten Teil Ihres Lebens, nämlich „auf Arbeit“ vergessen oder aufgegeben haben, nach ihrem Sinn zu suchen. Dass Geld die Welt regiert und dass auf eine Weise, die ziemlich idiotisch ist und mit der wir viel von dem, was wir mühevoll in den letzen 5 oder 6000 Jahren aufgebaut haben, wieder erfolgreich zerstören können. Dass wir Geld zu einer Ware gemacht haben und mit dem exponentiellen Wachstum des Zinseszins und dem Mindesteinlagesystem die Entkopplung der Finanz- von der Realwirtschaft möglich gemacht haben.

    Das sind Dinge, über die m.E. mehr Menschen nachdenken sollten, als über die eher schildbürgerartige Regelungswut europäischer Verwaltungsfetischisten.

    Das mal so als erstes Stimmungsbild am Morgen.

    Ein schönes Wochenende
    Andreas

    • April 9, 2011 um 10:23 am

      Hallo Andreas,
      Deine Wahrnehmung von Diktatur in der DDR kann ich bestätigen. Auch wir hatten Verwandte in der DDR, die wir regelmäßig besuchten. Und wenn das Auto auseinander genommen wurde und die von der Tante gebackene Torte sogar durchleuchtet wurde, dann war das sehr mulmige Gefühle. Ja, Diktatur mach da überzeichnet sein.
      Aber eines ist her ganz sicher. Wir verschwenden hier Geld und viel nicht sinnvolle Arbeit. Da könnten wir unsere Steuergelder viel besser in die Bildung stecken und diese reformieren, so wie der kleine animierte Film von RSA Animate und kürzlich Prof. Dueck in einem TED-Vortrag gut auf den Punkt bringt.
      Gewisse Dingen im Leben wären sicher gut, wenn sie Standardisiert sind, wie z.B. die unsere Schienen oder Steckedosen. Aber da, wo Kreativität schneller zu besserem Leben und sinnvollen Arbeiten führen sollen, braucht es mehr Freiheiten. Unser Wahn, alles vergleichbar zu machen, behindert uns mehr im gesellschaftlich Besserwerden als dass wir den Nutzen des Vertrauens (z.B: weil Jemand das Abi gemacht hat, ist er befähigt) daraus ziehen können. Wir sollte uns viel mehr darauf einlassen, wie Du das in Deinem Buch schreibst, unsere Intuition zu nutzen, einen Menschen im Umgang zu bewerten als über seine Zeugnisse.
      Ich wünsche Dir/uns ein, so wie es aussieht, ein sehr sonniges Wochenende.
      Martin

    • xray01
      April 13, 2011 um 7:37 pm

      Hallo Andreas,
      ich glaube, du hast überhaut nichts verstanden. Deine schlechten Erfahrungen mit der DDR sind gar nichts gegen das Monster, was sich hier auf leisen Sohlen anschleicht.
      Was wir jetzt brauchen sind Menschen mit klarem Blick für die Realität. Ich stimme Hr. Bartonitz voll zu und wünsche mir viel viel mehr Menschen wie Ihn.
      MfG
      Wolfgang

  2. stardust
    April 9, 2011 um 8:40 am

    auch ich spreche hier, von einer diktatur, diese schwachsinnige verbrecherbande in brüssel, bestimmt schon jetzt fast alles, was in den eu – staaten gesetz wird, sie träumen von einer zentralregierung, den anfang soll die wirtschaftsregierung machen, unsere schwachmaten, fahren die gleiche schiene, allen voran merkel und schäuble, in den jahren, seid bestehen dieses molch’s in brüssel, ist mehr schwachsinn verbrochen worden, als wie erträglich ist, aktuelles beispiel gestern, erhöhung der dieselsteuer, welch fölgen dass für die wirtschaft der einzelnen staaten und die nutzer von dieselfahrzeugen haben wird, ist verhärend, speditionen, die binnenschifffahrt, das transportgewerbe und die mobilität, von der immer so viel gefaselt wird, leidet darunter, weil sich diesen schwachsinn viele nicht mehr leisten können, es wird ein betriebssterben von einem enormen ausmaß einsetzen und ganze industriezweige betreffen, die hirnrissigen „strategen“ scheinen nur mist, statt gehirn zu haben, aber um diesen und den noch kommenden schwachsinn durch zu setzen, haben sie schon prävensiv das machwerk, „vertrag von lissabon“ kreiert, das ihnen alle machtmittel in die hand gibt, um so wie bisher, weiter machen zu können, nicht dabei bedenkend, dass ganze wirtschaften, ja staaten dabei kaputt gehen können, dieses machtkonstrukt ist im begriff, dass, was der eigendliche gedanke der gründung der eu war, zu zerstören, nur um ihre abgehobenen machtgelüste zu befriedigen, ja nur die europäer sind in der lage das zu verhindern, nur müssen sie erst einmal aufwachen und da haperts gewaltig, es reicht nicht wenn nur ein paar aufmucken, alle müssen afstehen und konsequent nein sagen, nur dann kann sich was ändern, ändern muss sich was, nur wann, wenn es schon zu spät ist, wir es schwerer werden.

    • April 9, 2011 um 10:03 am

      Hallo stardast,
      hm, wenn wir Alle was für unsere Umwelt machen wollen, müssen wir viel mehr Energie sparen und dazu gehört auch die Mobilität. Da der Transport so günstig ist, bewegen wir Waren des täglichen Bedarfs über lange Wege anstelle dafür zu sorgen, dass sie möglichst in der Näher produziert werden. Ja, das würden dann die vielen Transportarbeitsplätze kosten. Aber ich bin eh der Meinung, dass wir viel weniger arbeiten könnten, wenn wir unsere Resourcen gemeinsam abgestimmt einsetzen. Wenn wir Bürger uns dann z.B. ein Bedingungsloses Grundeinkommen zahlen würden, müssten wir uns auch keine Gedanken für die wegfallenden Arbeitsplätze machen. Jeder kann dann über die geringe Menge an Arbeit zur Deckung des Bedarfs hinaus sich mit weiteren sinnvollen Arbeiten kümmern, die im direkten Umfeld anfallen.
      Ich bin mir sicher, wir müssen noch viel weiter denken, als nur diese EU-Monster zu bezwingen.
      Viele Grüße, Martin

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