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Gedanken zu einer Zeit nach dem Wachstumswahn …

… haben sich im letzten Jahr über 400 Menschen, darunter Forscher und Experten, aus 40 Staaten  in Barcelona während der  zweiten internationalen Postwachstumskonferenz gemacht. Über diese Information bin ich auf meiner Suche nach einer besseren Welt auf der Seite Jenseits des Wuchmstuns?! Ökoligische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben., einem Projekt von Attac, gestoßen.

Auf dieser Web-Site wird  zu einem Kongress in Berlin vom 20. – 22. Mai 2011 eingeladen. In der Technischen Universität  werden  über 100 ReferentInnen in über 70 Veranstaltungen mit den Teilnehmern darüber diskutieren, wie eine Postwachstumsökonomie aussehen könnte, welche Hindernisse es auf dem Weg zu einer solidarischen Gesellschaft ohne Wachstum zu überwinden gilt, und warum Umverteilung ein zentraler Bestandteil einer nicht wachsenden Wirtschaft sein muss. Neben Diskussionen in Podien, Foren und Workshops sind auch künstlerische Interventionen vorgesehen, die die Frage nach der Veränderbarkeit der Gesellschaft und unserer eigenen Wünsche auf eine andere Art thematisieren.

Ein interessante Kurzzusammenfassung über die Ergebnisse in Barcelona ist hier in einer deutschen Übersetzung zu finden:

<<<<<<< Beginn der Postwachstumserklärung von Barcelona 2010 >>>>>>

… [Es wird] auf die sich abzeichnende multidimensionale Krise hin[gewiesen], welche nicht nur finanztechnischer, sondern auch ökonomischer, sozialer, kultureller, politischer, energiepolitischer und ökologischer Natur war. Die Krise ist eine Folge eines scheiternden ökonomischen Modells, welches auf Wachstum beruht. Eine internationale Elite und eine „globale Mittelklasse“ verursachen verheerende ökologische Schäden durch einen auffallend übertriebenen Konsum und eine überzogene Inbesitznahme der natürlichen Ressourcen und des Humankapitals. Eine Nachahmung dieser Lebensweise durch den Rest der Gesellschaft (im Glauben, den sozialen Status über eine Anreicherung an materiellen Gütern zu verbessern) zieht weitere soziale und ökologische Schäden nach sich. Unverantwortliche finanzielle Institutionen, multinationale Aktiengesellschaften und Regierungen stehen zu Recht in der öffentlichen Kritik, diese Krise hat jedoch tiefere strukturelle Gründe.

Sogenannte Anti-Krisen-Maßnahmen, welche die Wirtschaft ankurbeln sollen, werden auf lange Sicht Ungleichheiten fördern und ökologische Bedingungen verschlechtern. Das Trugbild eines auf Schulden aufgebauten Wachstums – d.h. die Wirtschaft ist gezwungen zu wachsen um Schulden abzubezahlen – muss in einer sozialen Katastrophe enden: Sowohl die Schulden als auch die ökologischen Probleme werden den kommenden Generationen und den Armen aufgebürdet. Maßnahmen, die einen Rückgang des Wachstums einleiten, sind unabdingbar und werden letztlich auch der Umwelt zu Gute kommen. Wie aber diesen Prozess des Rückgangs regulieren, so dass er sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene sozial angemessen ist? Dieser Herausforderung stellt sich die Postwachstumsbewegung, welche ihren Ursprung in den reichen Ländern Europas hat – die den ökonomischen Wandel einleiten müssen.

Akademiker, Experten und Aktivisten haben sich in Barcelona getroffen, um Vorschläge für eine alternative, ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Postwachstumsgesellschaft zu strukturieren. Jeder konnte an der Konferenz teilnehmen und sich einbringen. Zusätzlich zu den gängigen wissenschaftlichen Vorträgen haben sich an die 29 Arbeitsgruppen mit konkreten Maßnahmen für einen Rückgang des Wachstums auseinandergesetzt und unter Berücksichtigung ökonomischer, sozialer und ökologischer Bedenken Forschungsfragen für die weitere Arbeit definiert. Abseits gängiger Debatten über Nachhaltigkeit wurden hier neue Ideen und Themen eingebracht und diskutiert: Währung und Finanzinstitutionen, Sozialversicherung und Arbeitszeit, Ressourcen- und Bevölkerungsverbrauch, Beschränkung der Werbung, Aufschub im Ausbau von Infrastruktur und Umweltschutzgebiete, u.v.m.

Daraus entstand eine Vielzahl an neuen Vorschlägen: z.B.

  • lokale Währungen ermöglichen (die Einführung vereinfachen);
  • eine stufenweise Abschaffung des Giralgeldes (Papiergeld ohne Deckung) und Zinsreformen;
  • eine Förderung für kleine, selbständige, nicht am Gewinn ausgerichtete Gesellschaften;
  • den Schutz und Ausbau des Gemeinguts und Klärung der Befugnisse für globale gemeine Ressourcen;
  • die Etablierung von Richtlinien zur Verringerung der Arbeitszeit (Arbeitsteilung) und Einführung eines Grundeinkommens;
  • die Institutionalisierung eines Maximaleinkommens basierend auf das Verhältnis minimales/maximales Einkommen;
  • den Überkonsum von Waren, die nicht lange halten, und die ausbleibende Nutzung haltbarer Waren durch Regulierung, Besteuerung, oder über die von unten nach oben aufbauenden hemmenden Ansätze;
  • den Verzicht auf große Infrastrukturmaßnahmen wie Atomkraftwerke, Dämme, Müllverbrennungsanlagen, und Hochgeschwindigkeitstransporte;
  • die Umwandlung einer auf Individualverkehr basierten Infrastruktur hin zum Ausbau von Fuß- und Fahrradwegen sowie zu freien öffentlichen Flächen;
  • eine Besteuerung auf unmäßig viel Werbung und Verbot von Werbung auf öffentlichen Plätzen;
  • eine Unterstützung für Gruppierungen der südlichen Halbkugel, welche für ökologische Gerechtigkeit und gegen den Abbau ihrer Ressourcen kämpfen;
  • die Einführung eines Moratoriums in Regionen mit hoher Biodiversität und kulturellem Wert sowie Entschädigungen für den Verzicht auf einen Abbau von Ressourcen;
  • die Abschaffung von Kontrollmechanismen der Gesellschaft von oben und eine Unterstützung der Rechte der Frau über ihre eigene Fortpflanzung; bewusste Zeugung;
  • das Recht auf (grenzüberschreitende) Migration und die Förderung eines Rückgangs der Weltbevölkerung;
  • Entkommerzialisierung der Politik und Verbesserung der Möglichkeiten des Einzelnen, direkt am Entscheidungsprozess teilzunehmen.

Wir beteuern, dass diese Vorschläge nicht utopisch sind: neue Steuern sollen Einkommensungleichheiten ausgleichen, mehr soziale Investitionen ermöglichen, Konsum negativ sanktionieren und Schäden an der Umwelt drosseln. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit verkürzt und ein verbessertes soziales Sicherungssystem Arbeitslosigkeit bewältigen. Einerseits würde die Ökonomie der reichen Regionen der Welt schrumpfen und unser Schaden an der Umwelt durch eine neue Infrastruktur und durch verbesserte Abbaumethoden eingeschränkt sein. Andererseits würde sich das Wohlbefinden durch Investitionen in kostengünstige soziale Güter verbessern.

Jeder neue Vorschlag erzeugt Einwände und wirft weitere Fragen auf. Wir behaupten nicht, wir hätten ein Rezept für die Zukunft. Wir können uns aber nicht länger einbilden, wir könnten weiter wachsen wie bisher. Wir schreiben das Ende der Torheit des Wachstums. Die neuen Herausforderungen liegen darin, die Postwachstumsgesellschaft einzuleiten und zu gestalten. Die Auseinandersetzungen dazu haben gerade erst begonnen.

<<<<<<< Beginn der Postwachstumserklärung von Barcelona 2010 >>>>>>

Ich hatte heute morgen in einem Gespräch zum Managen von Prozessen durch mehr Verantwortung dort, wo die Arbeit stattfinden und damit der Reduktion von Hierarchien, von meinem Gesprächspartner erfahren, dass er das Gefühl hätte, dass sich unsere Gesellschaft auf den Weg machen würden, ein parallel Welt zum etablierten Parteiensystem aufzubauen. Wir sind nicht weiter eingestiegen, da die Zeit fehlte.

Mir ist danach durch den Kopf gegangen, warum der, der sich schon engagiert, das Leben anders einzurichten, noch wählen gehen sollte, da sich für ihn mit der Wahl eh nicht viel ändern würde?

Wenn ich mit Kollegen arbeite, mit Freunden unterwegs bin, sieht die Welt ganz anders aus, als man sie aus unseren Medien wahrzunehmen scheint. Überall ist Augenhöhe, und wenig Hierarchie zu spüren. Ist unser politisches System doch mittlerweile schon soweit von uns Bürgern entfernt, wie es vor der  Wende in der DDR war? Wo die Menschen einfach merkten, dass die Zeit der Aufklärung angebrochen ist?

  1. Mai 21, 2011 um 1:04 am

    Es machen sich gerade über 1500 Menschen aus aller Welt in Berlin auf dem Kongress „Jenseits des Wachstums?!„, den das globalisierungskritische Netzwerk Attac in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-, der Heinrich-Böll-, der Otto-Brenner- und der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausrichtet, Gedanken um eine bessere Welt.

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