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Ist der Staatsapparat ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat?

Auf meiner Suche nach einer besseren Welt habe ich als nächstes danach geforscht, warum so viele in unserem Volk derzeit das Gefühl haben, dass unsere Demokratie nicht so wirklich richtig zu funktionieren scheint. Da sagen machen, dass man wählen mag, wen man will, es passiert doch immer nicht das, was man sich vorgestellt hat. Die Politikverdrossenheit greif um sich, Stuttgart 21 gebiert den Wutbürger, und Fukushima hat nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Regierung im letzten Jahr eine Laufzeitverlängerung auf den Weg gebracht hat, die doch kaum Jemand wollte.

Ich habe einen Artikel gefunden, der mich extrem zum Nachdenken gebracht hat. Schon die Anfänge des Häppchen-weise-Buchs Affenmärchen von Gebhard Borck hat mich zum ersten Mal den Gedanken aufblitzen lassen, dass ich doch unfrei bin, da mich der Zwang zum Einkommmen unfrei macht, quasi Sklaverei über einen anderen Mechanismus. Andreas Popp hat heute den Artikel „Der Staat“ – was ist das eigentlich? auf MMNews veröffentlich und geht der Definition und der Historie von Staat und Demokratie auf den Grund. Und liefert viel starken Tobak, so diesen hier:

Fast alle historischen Rechtswissenschaftler definieren den Staat als menschliche Verbände in einer bestimmten räumlichen Region, in der gewisse Personen alle Macht an sich ziehen, um die Untertanen zu steuern. Daher auch der Begriff Steuern. Der Staat sanktioniert, also steuert, mit diesen willkürlichen Eingriffen in das Vermögen der im Staatsgebiet ansässigen Völker deren Verhaltensweisen.

Der große Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises äußerte einmal: „Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden.“

Mit der Erfindung des Staates im 17. Jahrhundert sollte die Fixierung der Machtverhältnisse, dem Status möglich werden.

Kaum jemand macht sich klar, dass der Begriff „Staat“ z.B. in Deutschland erst im 17. Jahrhundert auftauchte und man seine sprachlichen Wurzeln im Italienischen findet. Trotz der lateinischen Wurzeln geht das Wort allerdings nicht auf das alte Rom zurück. Staat leitet sich von „Status“ (Stand) ab und beschreibt eine Art „Ist-Zustand“. Es geht also um den Erhalt eines Standes, der im Rahmen des Materialismus wohl einen „Vermögensstand“ zementieren soll. Die unmittelbare Verbindung des Staates mit der politischen totalen Macht entwickelte sich erst im Laufe der Zeit. Man fabulierte lieber von einem Gemeinwesen (oder britisch Commonwealth), um die tatsächliche Herrschaft über die Menschen in geopolitisch definierten Gebieten zu verschleiern. Viele Gelehrte wiesen in den letzten Jahrhunderten immer wieder darauf hin, dass „Staat“ nicht mit „Stand“ zu verwechseln sei, denn die Erhaltung einer halbwegs ehrlich rechtlichen- und materialistischen Situation hatten die Erfinder des Staates offenbar gar nicht vor, wie es anfänglich suggeriert wurde. Immer wieder gab es die Warnung von Intellektuellen, dass die Einführung der juristischen Person „Staat“ letztlich nur auf die Zerstörung der unterprivilegierten Menschheit ausgelegt war.

Bis zur Einführung des Staates gab es auch kein öffentliches Recht, sondern lediglich private Vereinbarungen unter den Menschen, um sich zu „vertragen“ (daher der Begriff „Vertrag“). Durch die Einführung dieser neuen konstruierten „Person“ Staat wurde die Grundlage für unbegrenzte Ansprüche gegen die Menschen eines Landes zementiert, deren Auswirkungen bis heute dramatisch weiter wirken bis… ja bis wohin eigentlich? Die heutigen tyrannischen Gesetze der Regierungen helfen offenbar nicht, Konflikte zu vermeiden, nein sie schaffen sie erst.

Was mir weniger gefällt ist, dass er der Meinung ist, dass die Masse eher weniger intelligent ist. Da sieht es so aus, dass er z.B. Bürgerbegehren eher ablehnen würde. Da halte ich eher die Erfahrungen mit dem Publikums- und Experten-Joker dagegen. Ersterer hat deutlich höhere Trefferquoten. Und wenn wir Prof. Gunter Duecks letzte Rede anschauen, dann sehen wir, dass wir uns innerhalb von 10 Minuten im Internet zu einem Thema selbst ziemlich schlau machen können.

Am Ende seines Artikels meint Herr Popp, dass der Mensch auch ohne Staat auskäme:

Schnell würden wir begreifen, dass Personen grundsätzlich natürlich sein sollten undgeboren werden statt gegründet. Wir würden verstehen, dass wir weder Staaten, noch Aktiengesellschaften oder GmbHs benötigen und auch keine Regierungen oder Banken, wie wir sie heute kennen. Die regionalen, autarken und gesunden Strukturen würden wieder erstarken und könnten den Globalisierungswahn endlich ad absurdum führen. Kleine kommunale Führungsebenen könnten die Geschicke der Regionen managen. Die kommunale Verschuldung könnte sofort der Vergangenheit angehören, wenn wir es wollten. Der Mittelstand könnte wieder als Garant einer vernünftigen Wirtschaftsordnung fungieren. Ein gesunder Protektionismus (ein positives Wort) und eine neue Definition der Wirtschaft mit allen Aggregaten würden tatsächlich blühende Landschaften hervorbringen.

Da wäre ich wieder bei ihm, ähnliche Gedanken hatte ich ja auch schon geäußert.

Dennoch muss ich jetzt erst einmal drüber schlafen. Meine Intuition sagt mir, dass seine Analyse die Situation ziemlich auf den Punkt gebracht hat. Aber dürfen wir so schlecht über unseren demokratischen Staat denken?

Herr Popp ist auch beteiligt an der Wissensmanufaktur, deren Ziele wie folgt sind:

Wir wenden uns an alle Menschen, die sich mit den Begriffen Ethik und Moral auseinandersetzen und längst verstanden haben, dass diese Eigenschaften die Grundlage für eine faire Gesellschaftsordnung bilden müssten.

Unser Ziel ist Aufklärung!

Wir wenden uns nicht nur an Menschen, die bereits tief im Thema stehen, sondern auch an Systemvertreter und Lobbyisten, die zumindest im Unterbewusstsein längst wissen, dass unser gesamtes Finanz- und Wirtschaftssystem auf den Prüfstand gehört.

Wir möchten keine Konfrontation sondern Kommunikation!

Sachliche Argumente sollten untereinander ausgetauscht werden. Die auf uns zukommenden Umtstrukturierungen werden nicht einfach sein. Die Menschen müssen die Angst vor den Veränderungen verlieren, um sich sachlich und entspannt darauf vorzubereiten.

Und auf dieser Web-Site, hinter dem eine Reihe hochkarätiger Persönlichkeiten stehen, habe ich folgenden weiteren Artikel von Andreas Popp gefunden, den ich mir auch noch anschauen werde:  Demokratie als Religion? Über die erschreckenden Hintergründe eines Dogmas

  1. Wolf
    Juni 12, 2012 um 9:56 am

    Was mir in diesem Text fehlt, ist ein Weiterdenken in Richtung Anarchie. Dabei formuliert Andreas Popp Vieles, was durchaus anarchisch ist. Der Anarchist Franz Oppenheimer mag hier tröstlich sein, wenn auch nur langfristig:

    Nicht bitter werden! Der Mensch ist nicht gut und nicht böse, er folgt dem Gesetz des geringsten Widerstandes. Je nachdem die Verhältnisse sind, benimmt er sich anständig oder unanständig; Macht wird immer mißbraucht: darum soll man nicht versuchen, die Menschen zu bessern, sondern soll die Verhältnisse ändern, soll Macht ausrotten. Und das ist möglich. Es muß und wird immer Führerschaft geben, aber es hat in vielleicht hunderttausend Jahren menschlicher Geschichte keine Herrschaft gegeben; die gibt es erst seit etwa fünftausend Jahren, und die wird es sicherlich keine fünfhundert Jahre mehr geben. Also: nicht bitter werden! (Franz Oppenheimer)

    Franz Oppenheimer (geb. 30. März 1864 als Sohn eines Rabbiners in Berlin;
    gest. 30. September 1943 in Los Angeles) war ein deutscher Arzt, Soziologe und Nationalökonom. )

    Oppenheimers Weltanschauung besitzt einen ausgesprochenen libertären Charakter. Besonders deutlich zeigt sich dies in der von ihm vertretenen Staatstheorie, die er seiner ökonomischen Theorie vorausschickt. Die Natur und die Geschichte des Staates analysierend, kommt Oppenheimer zu der zwingenden Schlussfolgerung:

    Der Staat ist und war immer das Ergebnis aggressiver Gewalt, Eroberung und Plünderung. Die Sicherung seiner Existenz erfolgte stets durch die massive Ausbeutung und Unterdrückung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder.

    Kurzfristig und heute praktiziert erscheinen viele kleine Kommunen und Initiativen.

    Alle dreißig Kilometer findet sich ein solidarisches Unternehmen, eine Genossenschaft oder ein Gemeinschaftsprojekt, Leute, die Stadtgärten organisieren, die sich um Junkies kümmern usw. Wenn sich all diese Inseln im Meer des Wahnsinns vernetzen würden, wäre das eine große, auch politische Macht.
    Schließlich brauchen wir einen langen Atem, wenn wir die Welt verbessern wollen. Oder, etwas weniger naiv formuliert: Die Demut vor dem gesellschaftlichen Prozess. Und den Zorn, der weit mehr ist als Wut.

    • federleichtes
      Juni 12, 2012 um 12:39 pm

      Gute Hinweise, danke.

      Aber die Gewalt des System, ich formuliere das mal allgemein, lässt uns erst los, wenn wir die GRUNDSÄTZLICHEN Schwächen sowohl des Individuums als auch der Gemeinschaft gelöst und in ECHTE Stärken gewandelt haben.
      Wir müssen, ja, MÜSSEN lernen, schwache Gemeinschaften nicht zu zerschlagen, sondern sie zu stärken. Lernen, auf ein schwaches Individuum nicht einzuschlagen, sondern es zu stärken.
      Und – müssen wir nicht auch lernen, uns vor starken Gemeinschaften UND starken Individuen zu schützen?

      Ja, der Zorn; gut ist, wenn seine Energie aus der Wurzel Barmherzigkeit strömt.

      Ja, Langmut; gut ist, wenn er aus der Wurzel der Weisheit gespeist wird.

      Wolfgang

  2. Januar 21, 2013 um 4:14 pm

    Lassen wir uns unrechtlich ausrauben? Wem gabst DU wann das Recht dazu?

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