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Wenn wir ein Grundeinkommen hätten, bräuchten wir keine Lobbyisten mehr

meint die Kabarretistin Hanny Hartmann, gelernte Diplomvolkswirtin, zu hören in einem kleinen Ausschnitt ihres Solauftritts, wo sie auf eine sehr sympathische Weise die Ideen des Grundeinkommens erklärt und aber auch Wirtschaftswissenschaftler auf die Schüppe nimmt.

Argumente, die sie anführt:

Finanzierbarkeit

Das z.B. 1.500 € pro Monat gezahlte Grundeinkommen (auf dieses käme noch das drauf, was eine Firma bereit wäre zusätzlich zu zahlen) ließe sich allein durch den Wegfall des Verwaltungsapparats der Jobagenturen und der Rente finanzieren. Auch das Finanzamt könnte deutlich verkleinert werden, denn der von Merz avisierte Bierdeckel, auf den die Steuererklärung passt, wäre dann Realität.

Sinnvolles Arbeiten – weniger Depressionen

Mit dem Grundeinkommen könnte jeder Bürger der für ihn sinnvollsten Arbeit nachgehen. Umfragen ergaben, dass spontan 80% gesagt haben, dass sie trotzdem arbeiten gehen würden, wenn sie ein Grundeinkommen beziehen würden.

Jeder Mensch will einer Tätigkeit nachgehen, um seinem Leben einen Sinn zu gehen. Und da die Menschen dann mit Spaß zur Arbeit gehen, gibt es weniger Krankheiten, die ja auch finanziert werden müssen. Auch hier rentiere sich das Grundeinkommen.

Kulturdenkanstoß vor dem Petitionsausschuss des Bundestags

Am 8.1.2011 wurde die Idee des Grundeinkommen im Petitionsauschuss des Bundestags (ePetition) behandelt. Mit an die 53.000 Unterschriften im Rücken verteidigte die Petetnin und sehr authenthisch wirkende Tagesmutter Susanne Wiest (Profil auf taz.de) über 2 Stunden ihr Anliegen, siehe mein Post: Könnte das Bedingungslose Grundeinkommen uns zu einem würdevolleren Leben führen?

Podiumsdiskussion „Bedingungsloses Grundeinkommen“

Ich bin dann leider in Berlin, aber wer interessiert ist und mehr darüber wissen will und auch in der Gegend von Köln wohnt, kann sich hier informieren:

ZeitOrtErstellt vonWeitere Informationen

Donnerstag, 16. Juni · 19:30 – 21:00

Rautenstrauch-Joest-Museum

Cäcilienstr. 29-33
Köln, Germany


Anlässlich des ersten Absolvententages von Common Purpose Köln findet am 16. Juni 2011 ein Veranstaltungsabend zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ statt.Dank freundlicher Unterstützung durch VHS-Leiterin und CP-Köln-Kuratorin Gabriele Hammelrath findet der Absolvententag im erst Ende letzten Jahres neu erbauten Rautenstrauch-Joest-Museum am Neumarkt statt (Saal der VHS). Die Diskussion mit prominenten VertreterInnen zum Thema beginnt um 19:30 Uhr.

Wir freuen uns, ein prominent besetztes und an Expertise und Meinungsvielfalt reiches Podium präsentieren zu können. Mit dabei sind: Dr. Lale Akgün (MdB a.D., Politikerin, Ärztin, Psychologin, Autorin), Dr. Sascha Liebermann (Mitbegründer und Sprecher der Initiative „Freiheit statt Vollbeschäftigung“), Wolfgang Scheiblich (Geschäftsführer des Sozialdienst katholischer Männer e.V.), Christoph Schlee, Gründungsmitglied der Kölner Initiative Grundeinkommen e.V., sowie Dr. Sebastian Lotz, Volkswirt beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Moderieren wird die Diskussion Kerstin Stromberg-Mallmann.

Grundeinkommens-Interessierte und MitstreiterInnen sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Da die Platzanzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per E-Mail mit Angabe der zu erwartenden Personenzahl an barbara.pelz@commonpurpose.de bis spätestens zum 10. Juni 2011.

Eine Veranstaltung von Common Purpose Köln in Zusammenarbeit mit der Kölner Initiative Grundeinkommen e.V.

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  1. Juni 3, 2011 um 3:14 pm

    Hallo Martin, alles schön, alles wird besser doch nichts wird wieder gut!
    Es ist eben kein bedingungsloses … und wir bauen es auf einem Wirtschaftssystem auf, das sich an Ländern außerhalb der Wohlstandsfestung bereichert und unsere Interessen in Einflußzonen sogar mit Waffengewalt durchsetzen. Was machen wir mit Einwanderen und Flüchtlingen? Wenn wir damit gleichzeitig die Möglichkeit schaffen, den Welthunger und die Verschleuderung der Ressourcen zu verringern, hättet ihr einen Mitstreiter mehr. Es ist Stückwerk und beantwortet keine Frage der gesellschaftlichen Entwicklung in einer globalisierten Welt. Frau Wiest ist eine gute PR-Nummer oder nur Eine die leider jetzt dazu genutzt wird. So lange es eine Nabelschau bleibt und wir nur unser Ego damit beruhigen wollen, sorry da bleibe ich lieber arm und solidarisch!
    Wenn am 16. nur BGE-Interessierte und MitstreiterInnen eingelanden sind, bekomme ich langsam ein ungutes Gefühl, ja ja so ist das mit der deutschen Sprache. Wo sind die kritischen Stimmen die etwas komplexer an die Sache gehen?

    • Juni 3, 2011 um 9:39 pm

      Hallo Mike,
      ja, da werden wir noch genauer hinschauen müssen. Um eine weitere Verwaltung des Grundeinkommens mögen wir für eine gewisse Zeit nicht herum kommen. Entweder kontrollieren wir, um ein Minimum an sozialer Arbeit geleistet wird, oder wir kontrollieren, dass er nur Jemand bekommt, der eine gewisse Zeit im Land ist. Das erinnert mich aber an die „freie Stadtluft schnuppern“. Im Mittelalter gab es für die außerhalb einer Stadt geborenen die Möglichkeit zur Stadt zu gehören, wenn man sich ein Jahr als Bettler in der Stadt halten konnte. Ab dann durfte man aucn eine Arbeit annehmen.
      Mal schauen, welche kreativen Lösung wir hier gemeinsam noch finden werden. Die Spanier und Griechen haben ja schon intensiv begonnen, in Arbeitsgruppen nachzudenken.
      Lieben Gruß, Martin

  2. Juni 4, 2011 um 11:25 am

    Lieber Martin, ich will es mal andersherum sagen und Dich selbst in gewisser Weise zitieren, „Die einzige (Ge)Währung ist das Leben selbst“. Anbetracht der Tatsache das es immer weniger „wirtschaftlich verwertbare Arbeit“ geben wird, wollt ihr das unsicherste und gefährlichste Bindeglied der menschlichen Gesellschaft, das Geld, zum Primat erheben. Das eine Hausfrau (Tagesmutter) das vielleicht nicht überblickt und sich von den gebratenen Tauben hinreißen läßt, so eine Petition zu verfassen, mag ich noch verstehen. Was geschieht, und der Tag ist nah, wenn diese finanzielle Blase, die ein Mehrfaches des realexistierenden Weltsozialproduktes darstellt, platzt. Was geschieht, wenn die 1500 € (Götz Werner hat sich ja wenigsten mit Zahlen noch zurück gehalten, wie sie das errechnet haben will, Hut ab) nichts mehr wert sind und es auch keine Arbeit mehr gibt, weil keiner sie bezahlen kann? Ich kann mir nicht vorstellen, das unsere Regierung in der Lage sein wird 80 Mill. Rettungsschirme aufzuspannen.
    Da wir uns ja darüber im klaren sind, das diese Wegwerfgesellschaft uns an den Rand des Ruines getrieben hat, liegt für mich klar auf der Hand, das wir wieder mehr auf langlebige Produkte setzen müssen. Damit liegt klar auf der Hand, der Konsum muß zwangsläufig sinken. was passiert ,wenn die heilige Kuh nicht mehr so viel Milch abwirft, das es für alle reicht? Wir wissen, das Wachstum nur noch temporär (bei Neuentwicklungen)stattfinden wird, aber beim BGE von den schon jetzt fragwürdigen Grundsatz ausgegangen wird?
    Was mich, Dich ausgenommen, noch stört, ist eine gewisse „fachliche Ignoranz“ vieler, denen ich Fragen gestellt habe, ich hatte es ja schon erwähnt.
    Da ist nichts mit mal „noch genauer hinschauen“ Ich kann es nicht unbedingt wissenschaftlich belegen, aber der Mensch hat sich durch soziale Interaktion, Arbeit, zu dem Wesen entwickelt(auch wenn er immer noch nicht perfekt ist), das er jetzt ist. Was ist an dem Kommunismus so schlecht, jeder bringt sich bei gesicherter Existenz nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten ein? Wo ist der Unterschied zum „Affenmärchen“? Warum soll das eine funktionieren und das andere zum Scheitern verurteilt sein. Gibt es da doch einen Unterschied, die Besitzverhältnisse? Es macht die Menschen nicht gleicher und spielt nur der Goldgräbermentalität in die Arme, es ist ein neuer claim abgesteckt mehr nicht! Selbst das würde mich ja nicht stören, aber wir wissen doch ganz genau, das solche Insellösungen nicht einmal in der EU Bestand haben werden. Sicherlich wird es auch in den anderen Ländern Menschen geben, die ihr Heil in der Flucht nach vorn suchen werden und diesen unausgegorenen Gedanken (entschuldige, für mich ist er unausgegoren) propagieren werden. Was ist so schlecht an der Arbeit, das sie keiner mehr machen will? Warum nehem wir den alten Hammer nicht wieder in die Hand, das uns vielleicht fünf Jahre weniger leben läßt, aber dafür unseren Kinder noch eine Existenz ermöglicht. Leider werden auch im „Affenmärchen“ wieder nur die Beispiele zitiert, die der Argumentation dienlich sind. Als wissenschaftlich kann ich es damit nur begrenzt bezeichnen, populistisch schon. Was heute vielleicht noch gut ist, kann sich schon morgen ín sein Gegenteil verwandeln. Ich will damit sagen, das diese Gedanken alle nachvollziehbar und sicherlich auch ernst gemeint sind, nur liegen vor diesem Schritt ein Aufgabengebiet, das es zu lösen gilt, damit sich diese gut gemeinten Gedanken nicht in ihr Gegenteil umkehren. Da hilft es nicht nur über die Verwaltung nachzudenken.
    Wenn Du hier Dinge aus dem Mittelalter vorschlägst, weißt Du aber auch, das es zu dem Zeitpunkt noch keine „Pariser Kommune die Welt erschüttert hat und es kein Grundgesetz gab. Damit läßt Du für einen unbegrenzten Zeitraum die Würde dieser Menschen außer acht, wie wir es jetzt schon mit rund 10% unserer Bevölkerung, mit Menschen in den neuen EU-Ländern (Rumänien, Bulgarien usw.) und allen Entwicklungsländern geschehen lassen, ohne das es jemanden ernsthaft kratzt. Würdest Du es auch für Dich hinnehmen oder gehen wir, aus welchen Gründen auch immer, davon aus, das es uns ja nicht betrifft? Ich stelle mir immer die Frage, wem nützt es? In Anbetracht der Globalisierung der Welt, die ja weiter voranschreiten wird, nutz dieser Vorschlag im Moment nur ganz wenigen und deshalb lehne ich ihn unter diesen Bedingungen ab. Machen wir es doch einfach sozial. Man hat festgestellt das jeder mind. 10€ in der Stunde 45 Jahre lang verdienen muß, für mich schon zu spät, um nicht als Rentner unter die Armutsgrenze zu fallen. Das wäre, um ein Gegenbeispiel aufzumachen rund 1760 €. Schreiben wir doch das als Verdienstuntergrenze fest und zahlen jedem Arbeitslosen die Hälfte davon, das wäre etwa das errechnete Minimum um eine würdiges Leben mit gesellschaftlicher Teilhabe führen zu können. Die Binnennachfrage würde sich sofort sprunghaft erholen und wir bräuchten kein Fleisch aus Argentinien importieren, weil unser Bauern ohne Subvention, mit weniger Soja aus den Urwäldern, wieder leben könnten.
    Unsere Häuptlinge wollen nun ja einen Mindestarif von 7 € einführen, hört hört! Das sind auf’s Jahr gerechnet rund 8000 € weniger, in 45 Jahren rund 350.000, die der Unternehmer pro Arbeitskraft nicht aufwenden muß.
    Oder sind die Entscheidungsfinder einfach zu weit weg und haben den Blick auf die Realität am überfüllten Banketten verloren? Millionen für Banken und 5€ für Harz IV – Empfänger, deutlicher kann sich eine zwei Klassengesellschaft nicht ausdrücken! Daran wird unter gleichen politischen Bedingungen und über die wird ja nicht gesprochen, nichts ändern, nur alle Ampel sind auf grün geschaltet und nur die schnellsten Autos entkommen der Massenkarambolage, nach dem Motto „Rette uns, wer kann! „Sicher Dir die Poleposition, dann kannste dem Dilemma noch mal entwischen ;-)“
    Viele Grüße com. Mike
    PS: ich bin gestern auf für mich Seelenbalsam gestoßen, den ich gerne teile: http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

  3. Juni 22, 2011 um 10:51 pm

    Christoph Butterwegge, renommierten Armutsforscher und Kölner Soziologie-Professor, spricht sich in seinem Buch Armut in einem reichen Land gegen das BGE aus:

    Das klingt zunächst einmal verlockend und findet quer durch die Parteienlandschaft Zustimmung. Butterwegge aber ist strikt gegen ein derartiges Transfermodell: Zum einen, weil es kaum zu finanzieren ist und zum anderen, weil es die Transferempfänger noch mehr vom Arbeitsmarkt entfernt. Aus seiner Parteilichkeit macht er dabei keinen Hehl. Butterwegge macht die Parteinahme in seiner Einleitung vielmehr zum notwendigen Ausgangspunkt der Sozialwissenschaft. Im Fall der Armutsforschung scheint die Parteilichkeit besonders dringlich, da es kaum gelingen werde, die Armen selbst zu mobilisieren. Denn bekanntlich macht Not eher apathisch als rebellisch.

    Ich kann dieser Argumentation nicht folgen. Wer frei ist und nicht arbeiten muss, was ihm aufgezwungen wird, wird selbstbewusster und sich dann auch eine für ihn sinnvoll erscheinende Tätigkeit suchen. Also auch nicht dem „Arbeitsmarkt“ fernbleiben. Wir werden dann nämlich einen ganz anderen Arbeitsmarkt bekommen, wo endlich Tätigkeiten anerkannt werden, wo heute noch die Nase zu gerümpft wird.

  4. Juni 23, 2011 um 12:09 pm

    Hallo Martin,
    vielen Dank für Deine Objektivität, da ist ja doch noch nicht alles verloren. Ich will es mal aus einer anderen Sicht darstellen und damit auch einige scheinbare Automatismen auflösen. Sicherlich gibt es in jedem Land einen kleinen Prozentsatz von Menschen, die zu dem Klischee das im Allgemeinen allen Arbeitslosen übergestülpt wird, passen. Sicherlich sind es in vielen Fällen auch soziologischen Ursachen, also in welchem Umfeld du groß geworden bist und welche Erfahrungen der einzelne gemacht hat. Für jemanden, der eine gute Entwicklung genossen hat, ist es sicherlich schwer vorstellbar, was es heißt, sich immer wieder zu bewerben und doch keine Arbeit zu bekommen. Was Ihr wollt ist die weitere Freiheit des Intellektuellen. Was ich ja verstehe, den kann man es ja so wie so nicht recht machen, die suchen ja noch nach Raupen im Sauerkraut. Wer hat denn die Wende in den Gang gebracht und jault heute laut auf, wenn er unter die Räder der real existierenden Kapitalismus kommt. Welches Land war denn höher verschuldet und damit näher am Staatsbankrott. Der Unterschied lag doch nur allein in der Möglichkeit einen Kredit aufzunehmen. Es ging und geht um größere Zusammenhänge als persönliche Freiheit oder Glück.

    Abgesehen von der Tatsache das wir an diesem Punkt eine Nabelschau in eine globalisierten Welt betreiben, gibt es doch ganz andere wesentlich naheliegendere Aufgabenfelder. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir anfangen gerechtere Löhne zu zahlen, also über 10 EURO die Stunde und somit die Strukturen im eigenen Lande festigen und Geiz, weil Kinderarbeit in Entwicklungsländern (Kick), ist geil endlich unter Strafe stellen, weil es menschenrechtswidrig ist. Damit würden wir die Binnennachfrage sofort verbessern und der Ran nach Billigprodukten, weil mehr können sich viele Familien nicht leisten, hört auf. Die Schreckensszenarien unsere Politiker, daß das Geld nicht vernünftig ausgegeben werden würde, siehe Harz IV-Erhöhung sind nicht nur unhaltbar, sondern menschenverachtend und haben einen egoistisch Hintergrund. Was ist in den letzten Jahren geschehen mit dem Mittelstand? Gut funktionierende Betriebe sind in den Ruin gewirtschaftet worden durch den Preisdruck der großen Firmen, die sich sogar „leisten können“ über Jahre hinweg selbst Verluste zu „erwirtschaften“, um die Konkurrenz auszuschalten, um am Ende die Preise bestimmen zu können. Der Wettbewerb hat sich in seine zweite Seite verwandelt, dem erbarmungslosen Verdrängungskampf, weil auf Grund des Egoismus und der finanziellen Zwänge die Firmen i.d.R. gar keine andere Wahl haben, als so zu agieren.

    Du sprichst von Selbstbewußtsein. Das entsteht doch aber nicht im luftleeren Raum, sondern setzt eine sinnvolle Betätigung, nach den Möglichkeiten des Einzelnen, voraus. Ich frage, warum ist gerade unter der Jugend heute die Resignation so groß. Weil sie in einen Arbeitsmarkt kommen, der für 30% gar keinen Platz mehr hat. Meinst Du die Firmen sprießen dann wie Pilze aus der Erde? Ich glaube nicht, das Märchen mit den blühenden Landschaften per se ist ausgeträumt. Wir müssen aufhören zu glauben, das alle ein Hochschulstudium absolvieren können, Bildungsgesellschaft. Es wird immer Menschen geben, die Schwierigkeiten haben, zu rechnen oder zu schreiben. Für die muß auch eine Tätigkeit da sein. Ich kenne viele sehr einfache Menschen, die stolz sind Koch oder auch Putzfrau zu sein und durchaus selbstbewußter sind als manch gut gekleideter Geschäftemacher. Wer da glaubt, das diese Welt schlagartig besser wird, nur weil wir jedem unter bestimmten Zugangsvoraussetzungen ein Bestechungsgeld zahlen, das er alles beim Alten läßt und die Augen und den Mund verschließt, ist auf dem Holzweg und hat wiedereinmal Ursache und Wirkung vertauscht.

    Wir sollten anfangen hiunzusehen, was hier gespielt wird und den Leichenfledderen, Wegelageren und Blutsauern das kriminelle Handwerk legen. Es muß doch schon längst aufgefallen sein, das wir die vielen Um- und Weiterbildungseinrichtungen nicht benötigen, da sie Berufe ausbilden, die am Ende den Absolventen auch bloß wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen. Fangen wir an, die Erkenntnisse des Bund für Steuerzahler oder des Rechnungsprüfungshofes doch mal ernst zu nehmen und stopfen die Löcher, wo Geld auf nicht legalem (kriminellen) Wege im Untergrund versickert.
    Ich stehe für den längeren menschlicheren Kreuzweg, der versucht Strukturen zu fördern, die es Menschen ermöglicht sich zu entwickeln und ein Selbstbewußtsein zu erlangen, das ein menschliches Miteinander möglich und lebenswert macht. „You must say I’m a dreamer, but I only one“ – and we work for this.

    • Juni 23, 2011 um 12:57 pm

      Hallo Mike,
      wie immer ein eindrucksvoller Text, danke dafür.
      Du schreibst, dass wir inzwischen für 30% der Schulabgänger keine Arbeite mehr haben. Das sieht in vielen Ländern sogar noch schlimmer aus.
      Woher kommt das?
      Ich sehe hier die Globalisierung (Du sprachst schon die Kinderarbeit an). Wenn wir unsere Waren nicht mehr selbst produzieren, müssen wir uns als nicht wundern, wenn immer weniger eine Erwerbsarbeit finden.
      Und ja, wenn wir höhere Löhne auch wieder im Niedriglohnsektor (gruseliges Wort) zahlten, könnten wir auch mehr eigenproduzierte Waren kaufen und damit den Binnenmarkt befeuern.
      Aber genau das wollen ja die von Dir angesprochenen Großkonzerne nciht, denn sie verdienen derzeit ja sehr gut an der hohen Preisdifferenz der Waren, die außer Deutschland produziert werden und hier gekauft werden. Wir Bürger haben primär auch was davon, da wir mehr kaufen können. Sekundär machen wir auf Dauer unseren Arbeitsmarkt selbst kapuut. Also lieber weniger konsumieren, dafür wieder selbst mehr Erwerbesarbeit im Land fördern.
      Das ist im Prinzip doch sehr einfach. Warum nur sehen dies unse gewählten Vertreter nicht selbst. Oder werden sie von den falschen Beratern beraten, weil sie nicht durchblicken können oder wollen?
      Wäre eine direktere Demokratie anstellen unserer repräsentativen doch besser. Viele Menschen sind weniger leicht zu erpressen oder bestechen als viele?
      Lieben Gruß, Martin

  5. Juni 23, 2011 um 2:27 pm

    Guten Tag Herr Bartonitz,

    über Ihren Kommentar zu http://theintelligence.de/index.php/enthuellungen/terror-krieg-geheimdienste/2845-pro-gaddafi-massendemonstration-restlos-ignoriert.html bin ich auf Ihren Blog gestoßen. Haben Sie schon einmal vom Bandbreitenmodell gehört?

    Mit diesem Ausdruck wird ein Steuerkonzept beschrieben, das sämtliche Steuern abschafft und durch eine Umsatzsteuer ersetzt, die ihrerseits innerhalb einer gewissen Bandbreite schwankt, die von der Beschäftigtenquote abhängt. Viele Branchen und kleine Unternehmen sind gänzlich von der Umsatzsteuer befreit, Unternehmen mit sehr wenig Beschäftigten pro Umsatzmillion zahlen viel Umsatzsteuer und können den Umsatzsteuersatz dadurch drücken, dass sie mehr Mitarbeiter einstellen.

    Dadurch wird staatlicherseits das Übel unserer Wirtschaftsordnung beseitigt, die Beschäftigtenquote auf 100 % geschraubt, die Rentenkassen fühlen sich, die Krankenkassen werden saniert und vor allen Dingen der Staatshaushalt. Der Staat kann endlich wieder die Aufgaben übernehmen, für die er zuständig ist. Der Staatsverschuldung kann innerhalb kurzer Zeit abgebaut werden, der öffentliche Personennahverkehr und der öffentliche Rundfunk werden kostenfrei usw.

    Das sind natürlich teilweise Ziele, die über das reine Steuermodell hinausgehen und von der Deutschen Demokratischen Partei ddp aufgestellt worden sind, die 2009 aus dem Zusammenschluss dreier Kleinparteien entstand und den Erfinder des Bandbreitenmodells, Jörg Gastmann, als Vorsitzenden gewählt hat. Das Bandbreitenmodell wurde von ihm 2006 in seinem Buch „Die Geldlawine“vorgestellt.

    Unter http://www.bandbreitenmodell.de/bge.html wird ein Vergleich zwischen dem bedingungslosen Grundeinkommen nach den Ideen von Götz Werner und dem des Bandbreitenmodells angestellt.

    Mich würde Ihre Einschätzung interessieren. Ist das ein Konzept, das Ihnen einleuchtet, oder enthält es wesentliche Denkfehler? Würde dieser Ansatz Ihre Unterstützung finden können oder müssten Sie es aus grundsätzlichen Erwägungen bekämpfen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Popken

    • Juni 23, 2011 um 11:25 pm

      Hallo Herr Popken,
      nach der Lektüre Ihres Kommentars war meine spontane Reaktion, dass das nicht funktionieren wird. Ich hatte verstanden, dass das Steuergesetz die Unternehmer dazu treiben würde, mehr Arbeitesplätze zu schaffen. Das wäre einerseits gut gewesen, Andererseits würde auf Teufel komm raus irgendwas produziert und vermarktet werden, um nur ja in eine bessere Steuersituation zu kommen. Also weiter die Anfeuerung von Ressourcenverbräuchen und damit zur Verwundung unserer Mutter Erde.
      Dann habe ich aber begonnen, die Texte auf der verlinkten Web-Seite anzuschauen und muss sagen, dass mit der Reduktion von Arbeiteszeiten zur besseren Verteilung der vorhandenen, durch den Menschen zu leistenden Arbeiten, ein wichtiges Element ist, das auch ich als notwendig erachte. siehe meinen Post Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: konstante Arbeitslosenzahl, Zocken mit Geld, Hungern durch Fleisch, riskante Großprojekte ….
      Ich werde am Wochenende weiterlesen und kommentiere dann weiter.
      Viele Grüße, Martin

  6. Juni 23, 2011 um 5:50 pm

    Hallo Martin, noch einmal ich, also die Prozentzahl zu Beginn war grob über den Daumen geschätzt. Ich glaube es liegt ein wesentlicher Irrtum vor, wenn wir von Demokratie reden. Unsere Politiker verschleiern das auch gerne. Sie vertreten schon den Teil der Bevölkerung der Einfluß hat, wir erleben es doch ständig. Es ist überhaupt nicht gewollt das gesamte Volk zu vertreten. Das steht den Interessen der Mächtigen sogar im Wege, wie es am Beispiel der Auflösung des Mittelstandes deutlich wird. Herr Götz Werner könnte da sicherlich aus dem Nähkästchen plaudern, kommt er ja aus dieser Schicht. Es wird aber auch klar, das dieses Modell so nicht weitermachen kann, weil der Exodus ganzer Regionen heute sich schon abzeichnet. M.E. ist BGE ob nun 1.0 oder 2.0 (damit werde ich mich noch näher befassen) die Flucht nach vorn. Sicherlich wird es Nischen geben, wo sich dieses Grundeinkommen auch positiv niederschlägt, siehe Ausführungen von Gebhard Brock, gar keinen Zweifel, aber gesamtgesellschaftlich wird es den erwünschten Erfolg nicht haben, weil es weiter entsolidarisiert. Wir werden noch weniger Arbeit haben und da soll JEDER sich dann nach seinen Wünschen einbringen können. Entschuldigung ich hatte da in der Schule ein wenig aufgepaßt. Neue tragfähige Wirtschaftsmodelle ja, die endlich auch in dem Teil des menschlichen Lebens kriminelle Handlungen, wie Spekulation, Niedrigpreispolitik usw.unter Strafe stellt und alle Personen vor dem Gesetz gleichstellt, dann hätten wir schon viel erreicht. Es kann doch nicht sein das ein Arbeitgeber menschenunwürdige Billiglöhne zahlen darf und nicht zur Verantwortung gezogen wird, aber eine Verkäuferin wegen einem Brötchen auf Grund des Vertrauensverlustes entlassen wird. Aber da träume ich vielleicht ein wenig, eher geht besagtes Kamel durch ein Nadelöhr. Wie werden Länder darauf reagieren, wenn ihnen Gewahr wird, das Sie mit ihrem Blut diesen Schlendrian mitfinanzieren und dabei ihre Umwelt unwiederbringlich zerstören (z. B. Tansania, Brasilien)? Am den wesentlichen Fragen, Ressourcen sparen, Energie verringern, bescheidenere Lebensumstände, mehr Dezentralisierung, um nur einige aufzuzählen, geht doch dieser Ansatz vorbei. Es geht doch immer noch um mehr Konsumtion, um größeren Wachstum nicht um weniger! Wir müssen eine solide Bestandsaufnahme machen und umdenken. Es sind Nebelkerzen die verschleiern sollen, das dieses Schiff Zivilisation außer Kontrolle geraten ist, denn es werden nur gebetsmühlenartig die Thesen wiederholt und Milchmädchenrechnungen an die Wand gemalt. Wer sich in der Geschichte nur ein wenig auskennt, wird Parallelen zweifelsfrei finden, zerstörte Finanzmärkte, Eskalation von Gewalt, Zunahme kriegerischer Krisenregionen. Es fehlt nur ein brauchbarer Zündfunken und die Welt fliegt in die Luft. Bei allen Dingen haben wir uns angewöhnt, selbst bei der e-post es im Feldversuch zu testen. Und hier wollen wir es einfach so riskieren in der Art der Goldsucher und Glücksritter? Wie gesagt ich warte immer noch, das die von mir aufgeworfenen Fragen jemand ernsthaft beantwortet. Es ist ein gutes Geschäft geworden, den anderen ihre Angst zu verdeutlichen und scheinbare Zukunftsvisionen herzuleiten. Wenn sie von diesen Tatsachen so überzeugt sind, warum halten sie ihre Vorträge nicht ehrenamtlich und verschenken ihre Bücher unter ihren Jüngern?

  7. Juni 23, 2011 um 9:32 pm

    @muzungumike

    „Wir werden noch weniger Arbeit haben“ – genau das ist der springende Punkt. Man muss die Wirtschaft so umgestalten, dass jeder einen Arbeitsplatz bekommt, der einen haben möchte, und zwar unkompliziert und ohne Diskriminierung und mit Konditionen, die ein menschenwürdiges Leben, angepasst an unsere Wohlstandsverhältnisse, ermöglichen.

    Die Mär von den Arbeitsplätzen, die einfach irgendwie verschwinden und verdunsten und weg sind und nicht mehr wiederkommen, kann man getrost ins Reich der Fabel verbannen. Arbeitsplätze wachsen nämlich nicht auf Bäumen, sondern sie werden geschaffen, und in diesem Falle ist es der Gesetzgeber, der durch seine Steuergesetzgebung dafür sorgt, dass jeder Unternehmer darauf achtet, so viele Arbeitsplätze zu besetzen, wie es seinem Unternehmen guttut.

    Wenn für diese Arbeitsplätze gar nicht genug Arbeit da ist, beispielsweise weil der ganze Laden fast vollautomatisch läuft (und das wird irgendwann zwangsläufig überall der Fall sein), beschäftigt der Unternehmer also Kräfte, die nicht anwesend sind und deshalb voll über ihre Zeit verfügen können. Die verdienen allerdings weniger als Leute, die tatsächlich Arbeit leisten. Wer also mehr verdienen möchte, wird sich um diese Arbeitsplätze bemühen müssen.

    Es bleibt also alles beim Alten – wir brauchen keine neuen Menschen, keine neue Ideologie, lediglich zwei neue Gesetze, und schon ist der ganze Spuk vorbei.

    Alle anderen Fragen haben mit dem Bandbreitenmodell nichts zu tun, das sind Fragen politischer Natur. Eine Partei muss natürlich auf solche Fragen ebenfalls Antworten haben, und da werden rechte Parteien andere Antworten geben als linke oder solche in der Mitte. Das Bandbreitenmodell als solches ist parteineutral und kann von jeder Partei instrumentalisiert werden, um die inhärenten Widersprüche der freien oder sozialen Marktwirtschaft oder wie man das jetzige System immer bezeichnen möchte aufzulösen.

    Dazu muss man freilich einmal querdenken. Das liegt auf der Hand: Man kann die Probleme, an denen man erstickt, nicht mit denselben Mitteln analysieren und lösen, die sie verursacht haben. Wenn man den Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen. Das sind Binsenweisheiten.

  8. Juni 26, 2011 um 3:49 pm

    Heute versuche ich es kurz zu machen, versprochen. Ich bin gerade auf einen Artikel gestoßen, der mein Gefühl unterstreicht: http://www.freitag.de/positionen/0912-trauma-gesellschaft-amoklauf
    Darin wird die These behandelt, dass die Individualisierung das soziale Immunsysten zerstört. Was wir heute noch deutlicher schon erleben, wenn alle einen Grundbetrag X erhalten, fallen die letzten sozialen Bindungen.
    Andersherum, wie lange braucht heute ein Arbeiter – ich rede nicht von Arbeitnehmer, weil das schon eine Verzerrung der Tatsachen darstellt, denn an der Arbeit bereichert sich der Unternehmer, also nimmt er sie und nicht um gekehrt – und wieviel verdient das arme, stressgeplagte Unternehmerlein pro Stunde an ihm? Jetzt wollen wir jedem freistellen, ob er eine unliebsame Arbeit macht oder nicht. Hinter der Bühne werden die Kosten der Grundsicherung aus dem Unternehmen herausgeschoben und verstaatlicht. Dem Unternehmer ist dann freigestellt, was er zusätzlich dem Arbeitgeber zahlt. Dass wir schon immer ein Problem mit der Freiwilligkeit hatten, wie das gerade unsere umstrukturierte Armee und der Griechenland-Rettungschirm beweist, bleibt dabei unberücksichtigt. Ich wiederhole es noch einmal, alle diese Fragen sind immer noch nicht beantwortet, aber ihr behauptet euer Modell ist tragfähig, vielleicht…. für Engel, aber für Memschen?

  9. Juni 27, 2011 um 1:03 pm

    Hallo Werner Popken, ich bin schon groß und finde mich zurecht. Die Seiten hatte ich schon gefunden, ebenso die von der ddp.
    Zum neuen Menschen können wir uns nur selbst entwickeln, in dem wir Fehler erkennen und sie selbst in Angriff nehmen. Von der Kanzel herunter das ist schon 2000 Jahre lang schiefgegangen.
    Ich habe nie gesagt, das es nicht gehen würde, aber meine Einwände, eines einfachen Menschen, sind nirgendwo entkräftet, deshalb bleiben sie und verhärten sich noch. Ich gebe ja zu, ich bin befangen. Ich habe die Diskussionen am Runden Tisch teilweise mit erlebt und miterstritten. Alle berechtigten Zweifel damals wurden nach dem gleichen Schema im Ernstfall mit Todschlagargumenten vom Tisch gewischt. Selbst die düstersten Zukunftsbilder wurden schon wenige Monate von der Realität weit übertroffen. Sorry, ich habe keine Zeit mehr, nach meiner Wurst zu springen, um es mit G. Gundermann zu sagen: http://www.youtube.com/watch?v=MIZh24etwko
    „Wenn jemand in Dein Haus kommt, um Dir etwas Gutes zu tun, so laufe um dein Leben“ (D. H. Thoureau)…und so laufe ich um mein Leben und gegen den Lebenslauf.

  10. Juni 27, 2011 um 3:29 pm

    Ich verstehe nicht recht; wer braucht wofür einen neuen Menschen? Wo sind irgendwelche Totschlagargumente benutzt worden?

    Ich bin gern bereit, mich auf Argumente einzulassen, aber ich habe keine Lust, sie zu suchen oder gar darüber zu spekulieren. Ich möchte sie schon deutlich formuliert bekommen.

    Im übrigen darf jeder weglaufen, soviel er will. Wer sich aber an einer Diskussion beteiligen möchte, muss diskussionsfähig sein. Immerhin investiere ich ebenfalls kostbare Lebenszeit, die ich nicht gern verschwenden möchte.

    Also: Worum geht’s? Worauf darf ich antworten? Mit welchen Einwänden darf ich mich beschäftigen?

  11. Juni 27, 2011 um 6:13 pm

    Ich glaube wir haben ein Verständigungsproblem, hier haste es mit einem Wilden zu tun der jeden morgen blutiges Fleisch braucht und keen Jeld. Nee Spaß bei Seite ich komme zu Sache und will Deine kostbare Zeit nicht verschwenden. Hier in meinen Kommentaren gibt es genügend Problematiken die aus meiner Sicht nicht beantwortet sind. Zum Beispiel fangen wir mal mit dem Unternehmergewinn an, den will er doch nicht für die hungernden Kinder in Afrika spenden oder. Welche Steuerungselemente habt ihr vor einzuführen, was ist mit Export- und Importartikeln die gegen bestehendes Menschenrecht (Kinderarbeit, Waffenhandel) verstoßen. Gibt es zukünftig die kriminelle Handlungen unter Strafe stellen? Unter welchen Bedingungen wird an wen BGE 2.0 gezahlt. Also Du findest in meinen Kommentaren genügend Ansatzpunkte. Wie gesagt grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht, aber der Rahmen muß gestaltet werden.

  12. Juni 27, 2011 um 6:31 pm

    Also mal vorab: Das Lesen möchte ich Ihnen nicht ersparen, zumindest nicht das, was online verfügbar ist. Im übrigen handelt es sich bei dem Bandbreitenmodell um ein Konzept, das in einem Buch mit 200 Seiten entwickelt worden ist. Dieses Buch kann man erwerben und lesen.

    Unternehmer werden gebraucht und müssen Gewinne machen. Mit dem Bandbreitenmodell ist das noch schöner als sonst, da außer der Umsatzsteuer keinerlei Steuern anfallen. Infolgedessen werden alle international tätigen Unternehmen ihre Zentrale in dem Land ansiedeln, wo das Bandbreitenmodell eingeführt worden ist. Das wiederum wird alle anderen Länder dazu zwingen, selber auch das Bandbreitenmodell einzuführen.

    Wenn man nun dagegen ist, dass immer mehr Kapital sich in den Händen von immer weniger Leuten befindet, hat das mit dem Bandbreitenmodell nichts zu tun. Das Bandbreitenmodell löst ein wirtschaftliches Problem, kein politisches.

    Jede politische Partei kann sich das Bandbreitenmodell auf die Fahnen schreiben und ansonsten fordern, was sie will. Bisher gab es erst drei kleine Parteien, die das Bandbreitenmodell im Programm hatten; die haben sich zur Deutschen Demokratischen Partei ddp zusammengeschlossen und konsequenterweise den Autor des Bandbreitenmodells zum Vorsitzenden gewählt.

    Die ddp versteht sich als liberal und konsequent den Menschenrechten verpflichtet. Deshalb hat sich die ddp auch Gedanken zur Vermögensverteilung gemacht. Das aber hat mit dem Bandbreitenmodell selbst nichts zu tun.

    Das Bandbreitenmodell dient auch nicht dazu, jegliches Unrecht aus der Welt zu schaffen. Das kann man von einem Wirtschaftssystem nicht verlangen. Der spätimpressionistische Maler Max Liebermann soll einmal über mäkelnde Kunden gesagt haben, die wollten, dass ein Portrait auch noch Mama und Papa sagen kann. Damit hat er des Pudels Kern getroffen. Das ist eine unfaire Kritik, mit der man sich nicht auseinandersetzen muss.

    Die Bedingungen für das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen 2.0 werden ja ganz klar genannt: Da der Staat die Bedingungen festlegt, wird er diese so definieren, dass steuerpflichtige Unternehmen so viele Mitarbeiter beschäftigen wollen, dass die Beschäftigtenrate 100 % beträgt. Jeder, der einen Arbeitsplatz sucht, wird einen bekommen.

    Vielleicht wird er mit dem Grundeinkommen von 2000 €, für das er nicht präsent sein muss, nicht zufrieden sein; dann wird er sich um einen Arbeitsplatz bemühen müssen, mit dem sich mehr verdienen lässt.

    Das steht übrigens fast alles bereits in der genannten Seite – muss man nur lesen.

  13. Juni 27, 2011 um 10:04 pm

    vielen Dank für Ihre Bemühungen, so viel hatte ich auch schon mitbekommen und daraus hatten sich meine Bedenken ergeben.
    Ich bin als Kleinunternehmer sicherlich keiner der sich durch schleppen lassen will, aber wie gesagt Idee ist gut taugt aber ohne Rahmenbedingungen nicht sehr viel, weil es an den globalen Anforderungen der Zeit, die wir ja erst geschaffen haben, vorbei geht. Ich will keinen Unternehmer enteignen und kommunistische Verhältnisse einfügen, aber alle Mechanismen die heute wirken und eine weitere Verarmung der Schwellenländer verursachen werden außen vor gelassen, als Beispiel. damit lösen wir vielleicht unsere Situation auf Kosten Dritter, mehr nicht.

  14. Juni 28, 2011 um 1:45 am

    Hallo,
    Darf ich die Diskussion vielleicht mit ein paar Gedanken bereichern:
    Was mag der Unternehmer wohl lieber: jede Menge Steuerarten- und Berechnungen, dazu Abschreibungsmöglichkeiten, Sozialversicherungsmeldungen, Lohnsteuerprüfungen usw. oder einfach nur eine einzige (Umsatz-) Steuer, die er selbst (genügend Mitarbeiter auf der Gehaltsliste) auf den branchenbezogenen Niedrigstsatz (erneuerbare Energien, Nahrungsmittel, Bildung, Hausbau -> NULL Prozent), also bei typischen Konsumgütern eher höher als die hiesige MwSt. Das soll schon einmal aufzeigen, daß es weniger um Enteignung oder kommunistische Verhätlnisse geht, sondern um wirkliche Arbeitsvereinfachung und dem Grundsatz: lieber mehr Angestellte, als mehr Niedriglohn- oder HartzIV Menschen, die arbeiten oder arbeiten wollen, aber nichts anständiges finden (das ist der Skandal: ein reiches Land mit immer reicheren Reichen und immer mehr Armen). Also in andern Worten: Wer Geschäfte machen will in Deutschland, muß Beschäftigung in Deutschland bieten. Hätte z.B. die Nebenfolgen: weniger Transportwege, bessere Qualität und mehr produktive Arbeit in Deutschland (mit unseren hohen Umwelstandards!). Wenn wir in Deutschland ein faires „funktionierendes“ Steuersystem schaffen, dann werden automatisch auch andere Länder dem nacheifern. Momentan eifern die Chinesen nur den letzten Bastionen der Maschinenbautechnik in Deutschland nach, danach (siehe Transrapid) werden sie uns einfach nur noch überrumpeln; es ist an der Zeit, daß das Land der „Dichter und Denker“ endlich wieder gescheite Ideen enwickelt und umsetzt. Man muß sich nur etwas aus dem bisherigen System (Gestrüpp) lösen. Ich sage: der Mensch braucht ein Dach über den Kopf und etwas zu essen (beides Steuerfrei im bandbreitenmodell), das ist die Pflicht – daran scheitert es schon (viel Spaß bei der Niedrigrente mit dem Miete bezahlen), alles weitere ist die Kür. Also, ich bin erst zufrieden, wenn der Staat den Menschen die Möglichkeit bietet, möglichst autark (nicht abhängig von Geld- oder Transferleistungen zu sein) zu werden. Die Grundabsicherung erfolgt im bandbreitenmodell durch die Unternehmen (die das Geld haben oder Geschäfte machen wollen), nicht durch den (momentan total) Pleite-Staat. Wenn die Unternehmen sich an der Gesellschaft beteiligen (höhere Lohnsummen!), dann wird dem ekelhaften umverteilen des Geldes von unten nach oben (auch da die Reichen und Lobbyisten gerne mal über den Gesetz stehen) eine sehr gute Bremse eingebaut.

    • Juni 28, 2011 um 8:55 am

      Mit diesen Zielen bin ich komplett einverstande!!
      Was mich intuitiv weniger gut berührte, ist die Art und Weise der Umsetzung, wie sie in den Worten von Herrn Popken durchschwingt:
      „Die Masse ist dumm und gefährlich. Daher braucht es einen intelligenten Führer, der weiß, wo es lang geht, und dem besser alle wie Lemminge folgen sollten.“
      Das ist so nicht direkt formuliert, schwingt aber ziemlich in seinen Texten durch.
      Gab es nicht schon genug Propheten, die am Ende im patriarchalen System (Hierarchie: Steuern von oben nach unten) selbst korrupt wurden? Wenn ein Konzept in sich schlüssig und tragfähig ist, sprich sich die Menschen darin wiederfinden, braucht es keinen Propheten, dem zu folgen ist. Solch ein Konzept würde sich sehr schnell in Kommittees, wie wir sie gerade in Spanien wahrnehmen, verbreiten können. Und dann trägt es sich auch von unten (Organisation ohne Hierarchie = direkte Demokratie).
      VG Martin Bartonitz

  15. Juni 28, 2011 um 9:33 am

    Vielen Dank für diese Rückmeldung! In der Tat bin ich sehr angetan von der Tatsache, dass es jemanden gibt, der den Durchblick zu haben scheint – ich habe ihn nicht, und Sie scheinen ihn auch nicht zu haben, und ich bezweifle, dass irgendjemand auf den Straßen in Griechenland oder Spanien den Durchblick hat.

    Wenn es so einfach wäre, dass eine gute Idee sich von ganz alleine durchsetzt, würde die Welt nicht so chaotisch sein wie sie ist. Die Erwartung, dass eine gute Idee sich von allein durchsetzen muss, beinhaltet logisch die Konsequenz, dass eine Idee, die in der Welt ist und sich nicht von alleine durchsetzt, nicht gut sein kann.

    Da das Bandbreitenmodell bereits 2006 vorgestellt wurde und das Buch auf keinerlei öffentliche Resonanz stieß, insbesondere nicht in der Presse, und auch die Veröffentlichung im Internet nicht zu einem Sturm der Begeisterung geführt hat, fünf lange Jahre nicht, müsste die Idee nach dieser Logik so tot sein wie eine Idee nur sein kann.

    Ich teile alle Bedenken nicht nur gegen die sogenannten großen Männer, sondern auch gegen die Verselbstständigung guter Ideen, die sich bisher so gut wie immer in ihr Gegenteil verkehrt haben. Deshalb wollte ich, bevor ich mich näher mit dem Bandbreitenmodell beschäftige, etwas über den Urheber wissen, insbesondere dessen Integrität und politische Grundüberzeugungen ausloten.

    Diese Recherche hat mich fast mehr überzeugt als das Konzept selbst. Als nächstes wollte ich natürlich wissen, wie man dieses gute Konzept missbrauche könnte. Und ich fand, dass der Urheber sich auch darüber sehr viele Gedanken gemacht hatte.

    Dann entschloss ich mich, etwas für die Durchsetzung dieses Konzepts zu tun, nach meinen Kräften.

    Diese Reaktion ist unerwartet und erinnert mich an eine Erfahrung, als ich Anwaltskanzleien mit EDV ausstattete. Das war damals Neuland und viele Anwälte waren sehr skeptisch. Es gab die großen Anbieter wie IBM und Nixdorf und dann Nonames, die ich vertrat. Konnte man denen vertrauen?

    Nun hatte ich ein Gespräch mit einem Interessenten und schon einige zufriedene Kunden. Ich empfahl ihm, dort anzurufen und sich zu erkundigen. Das tat er auch, aber das Ergebnis war völlig unerwartet. Die Auskunft war so positiv, dass er sich das nur so erklären konnte, dass ich entweder bei dem Gespräch mithörte und der Kunde mir also nach dem Munde reden musste oder aber er deshalb so positiv beurteilte, weil er dafür eine Provision bekam.

    Er kaufte dann bei Nixdorf. Nixdorf bezahlte tatsächlich mehr oder weniger offen Provisionen und seifte die potentiellen Kunden mit Incentives ein, wie man wohl heute sagen würde.

    Eine Journalistin, die ich versuchte zu einem Interview mit Jörg Gastmann zu bewegen, drückt das so etwas freundlicher aus: „Wem das Herz voll ist …“ Auch hier wieder die Unglaubwürdigkeit durch Engagement.

    Ich nehme an, dass die meisten gar nicht mehr wissen, dass man sich ehrlich für etwas begeistern kann. Man ist so daran gewohnt, das man verarscht wird, das man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass jemand meint, was er sagt. Schade.

    Noch eine Erinnerung kommt hoch: In der Gründungsphase der Universität Bielefeld musste vieles neu gefasst werden. Als studentischer Vertreter war ich in mehreren Kommissionen tätig und versuchte, emanzipatorische Positionen einzubringen. Damit kam ich noch nicht einmal bei meinen Kommilitonen durch. Einer von denen sagte dann irgendwann: „Ich kann jetzt nicht mehr argumentieren, aber ich bin trotzdem dagegen.“

    Auch damals habe ich mich schon für die Dinge begeistern können, für die ich mich eingesetzt habe, und genau das wird es gewesen sein, was gestört hat.

    • Juni 28, 2011 um 12:05 pm

      Ja, eine zu Begeisterung, die zu stark wahrgenommen wird, kann sicherlich kontraproduktiv sein.
      Und wenn ich formuliert habe, dass sich tragfähige Ideen von alleine durchsetzen werden, ist das sicherlich auch zu stark schwarz/weiß gemalt. Es gab schon viele gute Ideen, die sich nicht durchsetzen konnten, weil Mächtige davon nicht profitieren konnten und mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht dagegen gingen.
      Mit den neuen Möglichkeiten des Internets sehe ich hier doch weit aus bessere Chancen, dass sich gute Ideen auch besser verbreiten lassen.
      Ich werde mich auf jeden Fall noch etwas intensiver mit dem Bandbreitenmodell auseinandersetzen. Gibt es schon Videomitschnitte von Vorträgen dazu?
      Viele Grüße, Martin Bartonitz

  16. Juni 28, 2011 um 1:19 pm

    Nein, sehen kann man leider noch nichts, aber hören:

    Bürgerstimme: Interview mit dem Autor des Buches „Die Geldlawine“ Teil 1-4, Einstieg über YouTube:
    http://www.youtube.com/results?search_query=gastmann+geldlawine&aq=f

    Interview Radio in Luxemburg mit Herrn Gastmann zum Thema Automation und Arbeitsmarkt – Mechanismen der Ökonomie zum Wohle der Menschen nutzen (25 min., mp3)
    [audio src="http://www.bandbreitenmodell.de/downloads/radiolux100komma7_interview_automation_und_arbeit_08Apr2011.mp3" /]

    Hier noch weitere Interviews zum Lesen:

    J. Gastmann (ddp): „Eine Partei zur Entmachtung der Parteien!“
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34089/1.html

    J. Gastmann: “Am Machtkartell sind 500 kleine Parteien gescheitert”
    http://andere-parteien.de/2011/03/17/17-03-2011-j-gastmann-am-machtkartell-sind-500-kleine-parteien-gescheitert-2000

    Helmut Reinhardt: Das Bandbreitenmodell – Ein Gespräch mit Jörg Gastmann (Teil 4) (bisher erst Teil 4 freigeschaltet)
    http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&no_cache=1&tx_t3blog_pi1%5BdaxBlogList%5D%5BshowUid%5D=10246&tx_t3blog_pi1%5BdaxBlogList%5D%5Binsert%5D=1&tx_t3blog_pi1%5BdaxBlogList%5D%5Buid%5D=10246

  17. Juni 28, 2011 um 8:12 pm

    erst einmal vielen Dank, ich melde mich später, da ich noch ein Interview machen muß, vielen dank für eure Mühe viele Grüße Mike

  18. Juni 9, 2012 um 1:03 am

    Und hier kommen wir zum Schnittpunkt von Freiheit und dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das BGE wäre die Art von Sicherung, die jedem Menschen ein gleiches Grundeinkommen zugestehen würde, damit die verlässliche finanzielle Absicherung von Geburt an für jeden und in der Folge das Tor zur Freiheit, öffentlich aktiv zu handeln. Es würde die Wahlfreiheit mit sich bringen, das Basis-Einkommen temporär oder dauerhaft als alleiniges finanzielles Mittel zu nutzen oder als verbürgtes Einkommen, das durch eine weitere Erwerbstätigkeit aufgebessert werden kann. Die Bedrohung durch Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen finanziellen Mittellosigkeit fiele damit weg. Die Grundsicherung würde eine „gesellschaftliche Verlässlichkeit“ darstellen und den Menschen von einiger Existenzangst befreien.5 Das Schreckgespenst des Existenzverlusts könnte im Sinne von Arendt auch als Gewalt im privaten Raum gesehen werden.

    Ein Klima der Verantwortung lässt so etwas wie soziales Vertrauen entstehen, soziale Fantasie, Freiräume werden geöffnet; der Mut zu Experimenten wird gefördert; da die Erpressbarkeit des Menschen sinken würde, würde auch die Veränderungsbereitschaft der Menschen zunehmen.

    Durch das gesicherte Einkommen würde die Basis für einen öffentlichen Raum gelegt werden, einer vollkommenen Gemeinschaft in der antiken Bedeutung, ein Raum unter Gleichen, in dem jeder sowohl das Recht als auch die Freiheit hat, mitzusprechen. Das wäre im Sinn von Hannah Arendt ein aktives und tätiges Leben.

    gefunden in: Freiheit oder Arbeit – Hannah Arendt und das BGE

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