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Sind Ideologien der falsche Ansatz, das Funktionieren von Gesellschaften zu beschreiben?

Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass Ideologien uns nicht helfen können, Aussagen über die „richtige“ Konstruktion einer Gesellschaftsform zu treffen. Dass ich überhaupt auf die Frage gekommen bin, liegt in dem Ablauf der aktuellen Revolutionen rund um die Welt, die Liste ist inzwischen schon so lang, dass ich erst gar kein Land aufzählen möchte. Überall wollen die Menschen auf der Straße nichts mehr von den Ideologien und den sie als Heil versprechenden Parteien. Spürt der Schwarm, dass diese Ideologien nicht in der Lage sein können, Gesellschaften so zu konstruieren, dass es den Bürgern auf Dauer gut gehen könnte?

Woran liegt es, dass die Schwarmintelligenz dies spürt? Irgendwie haben alle bisherigen Formen der Gesellschaft, angefangen bei Kaiserreichen, Königsreichen, Gottesstaaten und Diktaturen als auch der realexistierende / -existierte Kommunismus gezeigt, dass sie am Ende zu Korruption führen und die Bürger knechten. Und so wie es aussieht, müssen wir erkennen, dass es in unserer repräsentativen Demokratie im Zusammenspiel mit dem neoliberalen Kapitalismus auch nicht zum Besten steht. In diesem Fall scheint die Abhängigkeit von Geldverleihern und Großkonzernen, um das Wachstum für den angehäuften Schuldenberg zu gewährleisten, zu einer ähnlichen Korruption zu führen. Und am Ende können wir nicht mehr so schnell wachsen, um noch irgendwie gegen die Weiterverschuldung abarbeiten zu können. Wozu auch, denn all das Geld geht mehr und mehr an die Geldverleiher, und wenn das nicht mehr geht, wird das Tafelsilber zu Geld gemacht, siehe Griechenland jetzt. Island ist da eine rühmliche Ausnahme. Dieses kleine Volk hat den Bankiers die Nase gezeigt. Darüber dürfen unsere Lohnschreiber übrigens wohl gerade auch nicht berichten.

Braucht es nun eine andere Ideologie? Oder sind Ideologien grundsätzlich zum Scheitern verurteilt und wenn ja, warum? Aber schauen wir erst einmal, was eine Ideologie ist (Wikipedia):

Als wertfreier Begriff ist Ideologie „die allen politischen Bewegungen, Interessengruppen, Parteien, aber auch Konzepten immanente“ Summe der jeweiligen Zielvorstellungen

Es geht also um die Beschreibung von vielen Regeln, die zusammenwirken und darauf basierend ein Gesellschaftsmodell entwirft. Es geht also um die Konstruktion eines sehr komplexen Gebildes, das in sich eine stabilisierte Gesellschaft in Wohlstand für alle anstrebt.

Komplexität: genau hier liegt der Hase im Pfeffer, wie mein alter Herr gerne zu sagen pflegte, wenn er eine Erkenntnis gewonnen hatte.

Hier dürfen wir spontan an die Vorhersagen von Wetter denken. Ich denke, dass die Komplexität unserer Gesellschaften es mit der des Wetters aufnehmen dürfte. Egal wie viele Messpunkte wir haben, da es zu viele Instabilitäten im System gibt, werden Vorhersagen über 3 Tage schon schwierig, über 2 Wochen schon fast unmöglich.

Ähnliches gilt auch für Vorhersagen, die unsere Firmenlenker zu treffen haben, wenn es darum geht, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Wird es als Innovation akzeptiert oder wird es doch eher ein Rohrkrepierer? In den meisten Fällen ist es wohl ein Glücksspiel oder eine Frage der Marktdominanz (Monopol). Andreas Zeuch hat das Thema in seinem Buch Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen sehr detailliert besprochen und empfiehlt aufgrund der Komplexität in der Geschäftswelt, sich mehr auf seine Intuition zu verlassen und diese zu trainieren. Eine Firma, die sehr gut praktiziert habe ich hier kurz besprochen: agiles Geschäftsprozessmanagement durch intuitive Improvisation a la SCRUM

Aktuell lese ich in dem Buch Die Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen von Dietrich Dörner. Auch hier ist klar zu erkennen, wie komplex unsere Welt ist, wie Alles mit Allem zusammenhängt. Es gäbe kaum eine Möglichkeit, nur an einer Stellschraube zu drehen, denn meist müsse dann auch anderer Stellen nachjustiert werden. Sehr interessant fand ich im Übrigen seine Analyse über den Gau von Tschernobyl. Hier hatte das mehrfach ausgezeichnete Team versagt. Nur mal so zum Thema der Sicherheit eines AKWs. Selbst noch so gute Technik hilft keinem Team, dass sich über die Jahre zu viel Risiken zutraut.

Mein Fazit ist daher: es kann keine Ideologie geben, die in der Lage wäre ein Gesellschaftsmodell komplett zu entwerfen, so dass es über Jahre stabil genug wäre.

Aber was wäre denn eine Lösung? In der Wirtschaft geben sich Firmen Leitplanken, in denen sie agieren. So möge man nur Mitarbeiter mit einer bestimmten Ausbildung einstellen. Oder man stellt als oberstes Ziel, nur absolut zufriedene Kunden zu haben. Was könnten da Leitplanke für eine Gesellschaft sein?

Gut, da wären die Menschenrechte zu nennen, und die Prämisse, dass es jedem Menschen wohlergehen soll. Das hat aber wie oben beschrieben, nicht die Ergebnisse erzielt. Insbesondere werden nicht nur die Menschen ohne Ende ausgebeutet, es gehen auch gleich alle Ressourcen der Welt drauf: Überfischung, Rodung der Regenwälder, Nahrungsmittel für Sprit, mit Plastiktüten verdreckte Meere, …

Was also, wenn neben den Menschenrechten nicht mehr der Profit über alles gestellt wird sondern die Nachhaltigkeit das wichtigste Kriterium wird? Damit unsere Kinder und Kindeskinder auch noch menschenwürdig leben dürfen. Und damit es keine Kriege um die Ressourcen dieser Welt mehr gibt.

Was, wenn wir nicht mehr Parteien mit Programmen, die unsere Lebenskomplexität eh nicht beherrschen können, wählen, sondern das Gelingen unserer Welt wissenschaftlich angehen? Wenn die in Parteien gruppierten Menschen nicht durchblicken können, macht es keinen Sinn nur die roten, grünen oder gelben wirken zu lassen? Wäre es nicht besser, ganz auf diesen Parteienapparat zu verzichten? Sollten wir nicht lieber Menschen unseres Vertrauens für die anstehenden Projekte auf Dauer des Projekts als Projektmanager wählen und ihnen die Rahmen klar vorgeben? Und sie durch Simulationsprogramme unterstützen lassen? Und da ja auch die Simulationen nicht genau sein können, da sie die ganze Welt auch nicht enthalten, besser im Sinne von Experimentieren entsprechende Pilotprojekte zu starten, deren Ergebnisse zu analysieren und ggf. anzupassen. Und wenn sich zeigt, dass die Hypothese verkehrt war, mit einer anderen Hypothese neu aufzusetzen? Und in allem wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Und wo es um wichtige Änderungsvorschläge geht, müssten Klärungen über Bürgerbegehren erfolgen.

Hm, wo ich das gerade so geschrieben habe: die Firma in dem oben erwähnten Post zur Intuition und SCRUM verfährt sehr ähnlich. Da man nie wisse, was die Zukunft bringt, würde immer wieder nachjustiert. Aus Fehlern lernen wird hier groß geschrieben. Denn das trainiert und bringt auch neue Erfahrung, die wieder für das intuitive Entscheiden wichtig ist.

Es gibt eine graswurzelartige Organisation namens The Zeitgeist Movement, die ähnliche Ideen verfolgt. Ich hatte mich letzte Woche mal in einen Chat eingeklingt, um mir einen ersten detaillierteren Eindruck zu verschaffen. Ich hatte schon einmal dazu gepostet und war darin eher skeptisch. Nach dem Chat bin ich soweit positiv gestimmt, so dass ich mich noch etwas mehr mit der ressourcenbasierten Wirtschaft auseinandersetzen werde. Es werden also weitere Posts folgen 😉

  1. klausbeyer
    August 8, 2011 um 6:14 am

    Danke, Martin.
    Dir eine schöne Woche ich wünsche. Sehr nachhaltig und nachdrücklich.

  2. August 8, 2011 um 9:10 am

    Hallo Martin,

    danke für diesen interessanten Artikel 🙂

    Du sagst: „Was, wenn wir nicht mehr Parteien mit Programmen, die unsere Lebenskomplexität eh nicht beherrschen können, wählen sondern das Gelingen unserer Welt wissenschaftlich angehen.“

    Wie stellst du dir das konkret vor ?

    • August 8, 2011 um 9:50 am

      Hallo Martin,
      ich sehe hier zwei Aspekte:
      1. Kybernetik
      Sowohl Dietrich Dörner als auch die Vertreter der Zeitgeistbewegung sehen den Einsatz von Computerprogrammen für die Simulation des „Was wäre wenn“ als ein wichtiges Arbeitsmittel zur Entscheidungsfindung.
      Forschung
      2. Wissenschaftler gehen interativ an die Findung einer Lösung heran. Hypothese aufstellen und mittels Experiment (-> Pilot) verifizieren. Nach einer Zeit Ergebnisse prüfen. Hypothese ggf. anpassen.
      In allen Schritte sind nach Bedarf die Bürger nochmals zu befragen.
      Ich habe gerade Dein Franchise-Vorhaben gesehen. Ich wünsche „uns Bürger“ viel Erfolg dabei.
      LG Martin

      • August 8, 2011 um 3:31 pm

        ja, das mit dem iterativen Vorgehen, kann ich auch aus eigener Erfahrung als optimale Methode empfehlen um komplexe Probleme zu lösen …

        Man tastet sich auf diesem Wege Schritt für Schritt an die Lösung heran und auch die Lösung selbst muss später nach und nach im Sinne aller immer weiterentwickelt bzw. an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

        Hier ein Beispiel, die auf diesem Prinzip beruhen:

        die gemeinsame Weiterentwicklung meines Lehrgangs:
        http://www.onlinetechniker.de/?q=node/271
        und hier die dahinter stehende, allgemein beschriebene Idee:
        http://www.onlinetechniker.de/?q=node/355

      • August 8, 2011 um 3:32 pm

        Das mit dem Programmieren stelle ich mir sehr schwer vor, da komplexe Probleme als Ganzes in ihren Auswirkungen und Zusammenhängen gar nicht erfasst werden können oder anders gesagt: Wir erkennen doch auch erst danach wie und warum die Dinge so verlaufen sind und nicht vorher oder wie Steve Jobs es formulierte:

        “Du kannst die Punkte nicht verbinden, wenn Du nach vorne blickst. Du kannst die Punkte nur verbinden, wenn Du zurück blickst. So musst Du daran glauben, dass sich die Punkte irgendwie in der Zukunft verbinden werden.“

        Klar kann ich exponentielle Abläufe als solche programmieren, etwa Geburtenraten, aber wie willst du eine Weltrevolution programmieren – das ist doch viel zu komplex.
        Ich denke da an meine Vision, das Bildungskonzept und das Gesellschaftskonzept und wie die einzelnen Teile zusammenwirken – meiner bescheidenen Meinung nach kann das nicht programmiert werden, sondern es muss real ausprobiert werden.
        Allerdings können wir es wie du schon sagtest iterativ verbessern.

  3. Kevin
    August 8, 2011 um 10:02 am

    Vergleichen Sie mal die von Ihnen zitierte Definition von Ideologie mit ihrer Lösung. Sie entspricht der vierten Alternative dieser Definition. Sie beinhaltet implizit sowohl normative als auch theoretische Annahmen. Ein Beispiel:

    „Was, wenn wir nicht mehr Parteien mit Programmen, die unsere Lebenskomplexität eh nicht beherrschen können, wählen sondern das Gelingen unserer Welt wissenschaftlich angehen.“

    Dieser Vorschlag beinhaltet die Annahme, dass eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Probleme der Welt (unter der Zielvorstellung das es dem Menschen und der Natur gut gehen soll) angemessen ist. Sie verkennen jedoch, dass auch in der Wissenschaft keine einheitliche Meinung über bestimmte Zusammenhänge herrscht. Was sich für die Naturwissenschaften möglicherweise durch Verbesserung der Datenbasis aufgrund ihres deterministischen Charakters noch in den Griff bekommen lässt, scheint bei den Gesellschaftswissenschaften unmöglich. Einzelne Bereiche sind hier seit langem in verschiedene Denkschulen aufgeliedert. Weiterhin ist auch Wissenschaft niemals eine wertfreie Angelegenheit und jeder, der sich mit ihr beschäftigt, verfolgt nicht nur sachliche Ziele.

    „Und in allem wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Und wo es um wichtige Änderungsvorschläge geht, müssten Klärungen über Bürgerbegehren erfolgen.“

    Angenommen die Wissenschaft käme zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel sich nicht auf den Menschen zurückführen ließe. Eine Minderheit von Wissenschaftlern behauptet aber genau das Gegenteil. Wie sollte der Bürger, der im Normalfall keinen blassen Schimmer von Klima und atmosphärischen Vorgängen hat, aufgrund dieser Informationen entscheiden?

    • August 8, 2011 um 12:02 pm

      Nun, keinen Hinweis gibt es: sich auf seine Intuition einzulassen. Wie wir unschwer bei „Wer wird Millionär“ erkennen können, sticht der Publikumsjoker den Expertenjoker bei Weitem. Wenn sich alle Bürger mit den bekannten Pros und Kons beschäftigen konnten (in der Schwiez gibt es einen entsprechenden Flyer vor jedem Bürgerentscheid), sollten sie auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen intuitiv entscheiden können. In Summe dürfte im Regelfall das Richtige beim raus kommen …

    • August 8, 2011 um 3:39 pm

      interessante Sichtweise 🙂

      zu dem Argument:
      „Weiterhin ist auch Wissenschaft niemals eine wertfreie Angelegenheit und jeder, der sich mit ihr beschäftigt, verfolgt nicht nur sachliche Ziele.“

      habe ich einen Artikel geschrieben, der Sie vielleicht interessieren könnte, hier die Adresse http://www.onlinetechniker.de/?q=node/392

  4. August 8, 2011 um 3:21 pm

    Florian Hauschild sieht in seinem neuesten Artikel Das alte System ist gescheitert auch die Missstände der Sozial- und Geisteswissenschaften:

    Geistes- und Sozialwissenschaftler sind besessen davon, immer mehr wissen und erklären zu wollen, und steigern sich deshalb sehr oft in eine theorielastige Phantasiewelt hinein. Mit der Zeit verlieren diese „Wissenschaftler“ dann den Blick für die Realität. Alles was dann nicht mehr in die theoriegeleitete Denkwelt passt, existiert für diese Menschen einfach nicht. Darüber hinaus lernt jeder „Wissenschaftler“ im Laufe seines Berufslebens, sich auf gewisse Teilbereiche zu spezialisieren, wodurch diese Menschen oft die Fähigkeit verlieren, die Welt als ein interdependentes System zu verstehen.

    Wenn es keine „wissenschaftliche“ Theorie gibt, die das Kollabieren eines Währungssystems erklärt, kann es für diese Menschen nicht kollabieren. Wenn es keine „wissenschaftliche“ Theorie gibt, die erklärt warum und wie sich seit Beginn des Jahres weltweit Millionen von Menschen zivilgesellschaftlich organisieren, dann existiert für diese Menschen diese Realität nicht. Wenn seit Anfang des Jahres überall auf dem Globus Revolten, Massendemonstrationen, gar Revolutionen stattfinden, erregt dies bei diesen „Wissenschaftlern“ keine besonders große Aufmerksamkeit, sofern sich diese Ereignisse gut mit irgendeiner ihrer Bereichstheorien erklären lassen.

  5. August 8, 2011 um 3:42 pm

    oh ja, das hört sich sehr logisch an – man kann die Wahrheit förmlich fühlen …

  6. Kevin
    August 8, 2011 um 4:35 pm

    Florian Hauschild scheint selbst kein Geisteswissenschaftler zu sein und seine Ausführungen sind völlig aus der Luft gegriffen. Er scheint ein Problem erkannt zu haben, aber seine Darstellung ist weit davon entfernt dieses Problem adäquat zu beschreiben. Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass ein Währungssystem nicht kollabieren kann, weil es keine Theorie darüber gäbe, die dies erklären könne, sind keine Wissenschaftler. Erstens weil sie nicht in der Lage sind Zusammenhänge zu erkennen und zweitens, weil sie nicht Wissen, wie man Bücher oder Literaturdatenbaken benutzt (denn es gibt diese Theorien). Mit solchen Wissenschaftlern hatte ich bislang noch nichts zu tun und ich bezweifle dass es sie tatsächlich (in größerer Zahl) gibt.

    Außerdem hat Herr Hauschild im selben Artikel die von mächtigen Interessen gesteuerten Massenmedien zum Thema gemacht, was ihn von vornherein als ernstzunehmenden Schreiber unglaubwürdig macht. Wenn er in China lebt, dann sollte dies auch kenntlich machen und wenn er in Deutschland lebt, dann sollte er nicht unbedingt die Bild Zeitung oder Bunte lesen… In einer freien Gesellschaft obliegt es jedem selbst, über die Qualität der Nachrichten zu entscheiden, die man konsumiert. Das es ein Überangebot an eher seichten Medien gibt, will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber wo es eine Nachfrage gibt, da gibt es auch ein Angebot 😉

    @ Martin: Das meiste was Sie in ihrem Artikel schreiben kann ich nachvollziehen. Lediglich über die Passage der „Systemhüter“ bin ich gestolpert. Ich denke, dass Beamten ein geringes Problem bei der finanziellen Abhängigkeit darstellen. Vielmehr ist es fragwürdig, wenn Universitäten und Institute von wirtschaftlichen Interessen abhängig sind. Gerade dann kann man sich nicht sicher sein, wie Forschungsergebnisse zu interpretieren sind.

    • August 8, 2011 um 8:59 pm

      @Kevin
      Ich denke, dass Beamten ein geringes Problem bei der finanziellen Abhängigkeit darstellen.

      Das mag sein in der Regel stimmen … – wegen dem unkündbaren Beamtenverhältnis. Was aber ist mit dem Beamten, der sich einmal hat hinreissen lassen, der einmal korrupt wurde, der kann von demjenigen der ihn korrumpiert hat, immer wieder erpresst werden …

      Nicht zuletzt, sind Beamte weisungsgebunden u. sie haben auch Verschwiegenheitspflicht u. sie können in eine andere Stadt versetzt werden – das alles sind sehr gute Machtinstrumente, mit denen man Beamte steuern u. kontrollieren kann …

  7. August 8, 2011 um 8:50 pm

    @Kevin
    Wie war das: „Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass ein Währungssystem nicht kollabieren kann, weil es keine Theorie darüber gäbe, die dies erklären könne, sind keine Wissenschaftler. Erstens weil sie nicht in der Lage sind Zusammenhänge zu erkennen und zweitens, weil sie nicht Wissen, wie man Bücher oder Literaturdatenbaken benutzt (denn es gibt diese Theorien).“

    Oh doch es sind Wissenschaftler – aber es sind Wissenschaftler, die mit ihrem Job Geld verdienen müssen um ihre Rechnungen, nicht selten sogar ihre Schulden zu bezahlen u. wer seinen Job u. damit die sichere Geldverdienstquelle nicht verlieren will, der sollte auch mal wegschauen können und muss dass natürlich irgendwie begründen, z. B. indem sie behaupten, daß es keine Theorie (nachweisbare Fakten usw) gäbe.

    Das ist ja das Kranke an diesem Macht- u. Kontrollsystem. Wenige Systemhüter versuchen mit aller Kraft, mit Hilfe von Hierarchien, repräsentativer Demokratie und dem Geld u. Gruppenzwang Macht und Kontrolle über viele Bürger/Angestellte auszuüben.

  8. Elke
    August 10, 2011 um 2:57 pm

    Hallo Martin,

    Ideologien sind so eine Sache. Es gibt so viele Unterschiedliche mit weit differenzierten. Zielen. Eine „richtige“Ideologie kann es nicht geben, da alle von Menschen entwickelt wurden/werden. Mit deinen angesprochenen „Leitplanken“ in Firmen verhält es sich ähnlich. Es wird ohnehin zu viel standardisiert. Meiner Erfahrung nach bleibt dabei oftmals die Menschlichkeit zugunsten geregelter Abläufe auf der Strecke.
    Politische Ideologien mögen noch so gut gemeint sein, am Ende wird wieder korrumpiert und Vetternwirtschaft betrieben, zugunsten einer Minderheit.
    Daher kann man sagen, „gute“ Ideologien sind gescheitert, weil die Raffgier der Menschen sie zerstört hat.

    Der „Schwarm“ spürt“ deshalb, und zwar wortwörtlich zu nehmen, dass etwas schief läuft. Zuerst diejenigen die benachteiligt ausgeschlossen, verdrängt, verjagt, verfolgt, diskriminiert und ausgebeutet werden. Irgendwann sind derer Viele und sie fangen an sich in kleinen Gruppen zu solidarisieren, oder andere denen es besser geht sehen diese Ungerechtigkeiten und greifen ein. Das ist auch gut so…

    Die momentanen Unruhen aufgrund von der sozialen Schieflagen oder anderer Widrigkeiten, sind die Rache des „kleinen Mannes“ Vergleichbar (trotz anderer Gegebenheiten) mit den geschichtlichen Baueraufständen. Die Zeit des Stillhaltens ist vorbei. Das Absahnen, plündern der Ressourcen, Ausbeuten armer Länder und dass Arbeitnehmer wie Sklaven nur das nötigste zum (Über-) Leben erhalten (wenn überhaupt) muss aufhören.

    Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sich ständig alles wiederholt – nur die Bedingungen sind verändert, genau wie die Umwelt, aber der Mensch handelt scheinbar nach gewohnten (evolutionären festgelegten ) Muster…

    Vielleicht sind wir gar nicht so klug, wie wir von uns selbst denken….

    LIeben Gruß
    Elke

    • August 10, 2011 um 9:39 pm

      Liebe Elke,
      das mit den Wiederholungen ist tatsächlich so eine Sache. Das ist sogar in Firmen zu beobachten: das was vor Jahren aus verändert wurde, weil man meinte, damit etwas verbessern zu können, wird nach einer Weile dann doch wieder so gemacht, weil man meint, dass es besser gehe. Nur, dass das dieses Mal die Nachrücker, die das Vorher nicht kannten, entschieden habebn.
      Vieles wird im gesellschaftlichen Gedächtnis einfach vergessen. Allerdings habe ich dieses Mal die Hoffnung, dass die Probleme erkannt werden sollten und es nicht wieder nach einem Aufnullsetzen wieder genauso gemacht wird.
      Lieben Gruß, Martin

  9. MP
    August 13, 2011 um 8:49 am

    Ich bin erstaunt über die teilweise naive pseudoreflektierte Art der Schilderung von Zusammenhängen und Entwicklungen sowie die wenig differenzierte Abstempelung der Geistes- und Sozialwissenschaften und dem damit verbundenen HOCH auf die Naturwissenschaft als „Problemlöser“, siehe Atomtechnik….
    Da frage ich mich doch, auf welchem Gebiet Dr.Bartonitz promoviert hat….
    Letzlich hängen doch in einer (offenen) Gesellschaft diese Dinge und damit alle(!) Disziplinen zusammen: naturwiss. Erkenntnis, technische Möglichkeiten, gesellschaftl. Bewertung und Entwicklung und damit Erkenntnis.
    Binsenweisheit des Tages: “ das Leben ist halt kompliziert!“ und in einer demokratisch strukturierten Gesellschaft können Entscheidungen nur in einem (fehlerbehafteten) Prozeß um Kompromisslösungen gefällt werden; das dauert und ist meist auch suboptimal – so ist dies eben.

    • August 13, 2011 um 9:11 am

      Hm, über die Aussage, dass ich nicht denken würde, dass Alles mit Allem verwoben ist, wundere ich mich schon. Denn das ganzheitliche Denken und Handeln ist genau das, was ich fordere. Aber genau das passiert weniger, wenn sich die Wissenschaftler zu sehr nur mit ihrem Fachgebiet beschäftigen. Und in dem Artikel drücke ich ja auch gerade aus, dass es aufgrund der Komplexität unserer Welt es gar nicht anders kommen kann, dass Entscheidungen fehlerhaft sind. Da dies aber so anzunehmen ist, muss auch so gehandelt werden: Entscheiden, ausprobieren, messen und bewerten, dann korrigieren oder ganz anders machen. Mit unserem ständigen Herumeiern durch den ständigen Politikwechsel und dem Versuch, um auch weiter an der Macht zu bleiben, werden aber Entscheidungen gefällt, die völlig an nachhaltigen Wohl unserer Gesellschaft vorbei geht. Daher bräuchten wir als ersten Schritt dringend Elemente der direkten Demokratie. Das Volk hat seine Macht durch Volksbegehren auszudrücken. Und das Volk ist in Summe nicht dümmer als die so genannten Experten, die bisher sichtbar unser großes Schiff an die Wand fährt.
      p.s.: ich habe übrigens Physik studiert. Physiker denken genau in Hypothesen und sind sich immer bewusst, dass diese jederzeit über den Haufen geworfen werden können, wenn neue Erkenntnisse entsprechende Beweise geben.

    • August 13, 2011 um 10:40 am

      Ich denke auch, daß alle Wissensgebiete ihre Berechtigung haben, aber natürlich nicht für jeden die gleiche Bedeutung.

      Es gibt aber einen fach- und themenuabhängigen Unterschied: Die vielen Gelehrten aus allen Wissenschaften, kauen häufig nur das nach, was die wahren Denker bzw. Erfinder durch langes und intensives Selbstdenken herausgefunden haben. Nicht selten sogar, reichern diese Gelehrten die wahren Erkenntnisse der Originale, mit ihren eigenen Theorien an und verwässern so die tiefgründigen Gedanken der wahren Schöpfer.

      Auch gibt es einen sehr großen Unterschied zwischen den Gelehrten aus allen Wissenschaften und den Schaffenden und Machern, während die einen Bücher schreiben um ihre sicheren Geldverdienstquellen zu erhalten, sind die anderen dem Ruf ihres Herzens gefolgt und haben beispielsweise tragfähige Technologien, Visionen und Konzepte in die Welt gebracht, die die anderen, die Arbeitsplatzbesitzer und Hüter der sicheren Geldverdienstquellen (darunter auch viele Wissenschaftler, Professoren, Lehrer, …) gar nicht haben wollen.

      Diese Schaffenden müssen sich damit abfinden, daß sie größtenteils ignoriert werden und ihnen der Geldhahn zugedreht wird, weil andere die vom herrschenden System profitieren, gar nicht wollen, daß sich ihre Mitmenschen wirklich weiterentwickeln.

  10. August 20, 2011 um 8:03 pm

    Antje Schrupp hat auf ihrem Blog „Aus Liebe zur Freiheit“ wieder einen schönen Artikel veröffentlicht, der in Teilen auf die Problemfelder der Ideologie eingeht. Hier ist es mehr der Organisationsapparat, in dem es am Ende nur wieder auf den eigenen Machterhalt nach innen als auch außen geht:
    Simone Weils Plädoyer für die Abschaffung der politischen Parteien

    Die Parteien sind ein fabelhafter Mechanismus, der bewirkt, dass über ein ganzes Land hinweg nicht ein einziger Geist seine Aufmerksamkeit der Anstrengung widmet, in den öffentlichen Angelegenheiten das Gute, die Gerechtigkeit, die Wahrheit zu erkennen. … Vertraute man die Organisation des öffentlichen Lebens dem Teufel an, er könnte nichts Tückischeres ersinnen.

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