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Was ist ein Eid wert? Was ist ein Mensch wert? Wieso werten wir überhaupt?

Ich hatte lezte Woche dieses Kleinod von Fuhrmannseid von einem Kollegen in einem Vortragstext erhalten:

Ich schwöre einen Eid zu Gott,
dass ich das Gut,
das mir zu fahren aufgeladen wird,
für billigmäßige Belohnung dahin fahren,
treulich verwahren und redlich überliefern will,
kein Stück verfahren oder irgend anderswo
hinbringen als mir aufgegeben ist,
was mir etwa an Geld und Wechseln
zurück zubringen gereicht wird,
aufrichtig und ohne einzige Hinterhaltung
überreichen und mich in allen so betragen will,
wie einem redlichen, aufrichtigen
und getreuem Fuhrmann gebührt

das mich dann gleich wieder zum Denken angeregt hat. Wir haben in unseren Diskussionen schon mehrfach über die riesen Regelwerke gesprochen, die wir uns inzwischen verpasst haben und die Nick zu diesem kunstvollen Text antrieb:

Es kann einfach nicht richtig sein, wenn etwas grundsätzlich Richtiges, nämlich eine gewisse Regelung des Miteinander zu formulieren und als Spielregel einzuhalten, so dass keiner benachteiligt wird und alle berechtigten (sic!) Interessen wahrgenommen werden, dermaßen undurchsichtig ist für die Betroffenen, daß sie auf diese Weise indirekt vom Spiel ausgeschlossen sind, weil sie die Regeln gar nicht kennen können.

Wenn ich mal bei dem Spielregelbeispiel bleibe, dann wäre der derzeitige Zustand der Gesetzgebung etwa so, als würde ich “Fang-den-Hut” (analog: Staat) spielen und dazu ein mehrtausendseitiges Regelhandbuch (analog: Gesetzgebung) wälzen müssen, welches zu allem Überfluss so geschrieben ist, dass ich für seine Übersetzung und weitere Auslegung einen “Fang-den-Hut”-Spezialisten (analog: Jurist) einkaufen muss, weil mir Terminologie, Regellogik und Zeit fehlen, mich damit als normaler Spieler (analog: Bürger) auseinander zu setzen.
Wieviele Spieler würden wohl so ein Spiel spielen wollen und sogar noch Geld dafür zahlen???

Es ist für mich ausgemachte Sache, dass eine unnötige (weil in der Sache nicht zwingend vorausgesetzte) Verkomplizierung nur negative Beweggründe haben kann, als da wären:
– Bürger ausschliessen, damit sie erst gar nicht verstehen, wie ihnen geschieht (analog: Hütchenspielertrick!)
– eine Pseudolegitimation schaffen für Ansprüche, die unter übersichtlichen Verhältnissen keiner dulden würde, der halbwegs bei Verstand ist (analog: gezinkte Karten, Verschieben der Figuren bei Wegsehen, Regeländerungen nach Gutdünken während des Spiels, Absprachen zwischen Croupier und Bank usw.usf.)

Gute Spiele haben wenige, für jeden verständliche Regeln, die von ALLEN eingehalten werden, ansonsten wird das Spiel boykottiert.

Um das menschliche Miteinander in eine für alle erträgliche Form zu bringen, brauche ich keine zigtausend Paragraphen – das ist absolut lächerlich und eine Bankrotterklärung des sogenannten Ordnungswesens durch den Staat.

Und wir hatten zudem festgestellt, dass es nur einer einzigen Regel mit zwei Worten bedarf, um friedlich miteinander leben zu können:

Grundregel: „Schade Niemand“

Was wir sehen ist, dass je mehr Wert von einem Menschen „bewegt“ wird, desto häufiger trifft die Nichtverfolgung, sprich Korruption, ein. Und wie es die Zunft der Fuhrmänner zeigt, kam auch hier der eine oder andere nicht mehr wieder zurück, und konnte sich ein schönes Leben anderswo einrichten. Eine Nachhaltigkeit in seinem Handeln war nicht notwendig.

Was wir aber auch sehen ist, dass unsere Politiker einen Eid sprechen, denn auch ihnen übertragen wir große Werte, nur dass wir uns des Gefühls nicht erwehren können, dass sich unsere Volksvertreter nicht an diesen Eid gebunden fühlen. Verwunderlich ist aber auch inzwischen unser Gleichmut, mit dem wir das hinnehmen (Solveigh vermutet schon die Ruhe vor dem Sturm).

Hier noch der Text des Amtseides laut Grundgesetz:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden. (Art. 56 Satz 2 GG)

Der Eid war in Zeiten des ungeschriebenen Rechts noch sehr viel wert, denn stand bei seinem Bruch eine hohe Strafe an. Der Eidbrecher musste seinen Wirkungskreis verlassen, was in Zeiten engverbundener Gemeinschaften dass kärgliches Leben beduetete. Wem ist noch das Schlitzohr als sichtbares Zeichen der Bestrafung eines Zimmerers bekannt?

Warum aber lassen wir unsere Politiker einen Eid leisten, wenn nicht gleichzeitig die Strafe genannt wird und das Verfahren gleich mit geklärt. Wenn solch ein Eid also nichts wert ist, dann sollten wir ihn doch besser gleich lassen, oder?

Würden wir eingentlich die Aufrechungen von Werten nicht kennen, wenn wir bedingungslos das Teilen, was wir haben? Wie es z.B. im Falle des frühen Jägers war. Für den es eine entsprechende Ehre war, weil er froh war, ein so guter Jäger zu sein und nicht anders.

In unseren Zeiten haben werden wir Menschen sogar bewertet. Was kostet ein Mensch? Versicherungen wollen das wissen, denn welchen Verlust müssen sie bei seinem Tod ausgleichen. Kommunen wollen das wissen, wenn sie beurteilen wollen, was eine Verkehrsberuhigung bringt, sprich Kosten gegen angenommen vermeidete Todesfälle oder Schäden.

Bist Du Dir 1,2 Millionen Euro wert?

Ei mir nahestehender Mensche hatte mal auf die Frage „Wenn Dir das bewusst ist, warum leistest Du Dir kein gesundes Essen?“ formuliert, „weil ich das Gefühl habe, dass ich mir das nicht wert bin.“

Ich bin mir inzwischen sicher, dass das Bewerten uns zum Festigen der Hierarchisierung bringt. Der Würdigste steht bei uns ganz oben. Und schon lange nicht mehr wegen seines untadeligen Lebens in Bezug auf den Schutz der ihm Emfpohlenen …

Kategorien:Uncategorized
  1. Barbara Palme
    Februar 13, 2012 um 11:22 am

    Hallo Martin, ich betrachte unsere Gesetzbücher als etwas gewachsenes. Manche sagen urprünglich waren es 10 Gebote. Möglicherweise können wir viele unserer detaillierten Gesetze diesen einfachen zuweisen. Es ist sicherlich jede Menge Arbeit dies zu entwirren und jede Menge Arbeit die inneren Zusammenhänge zu verstehen, was über die Studienzeit hinausreicht. Wenn etwas gewachsen ist, heißt es nicht, dass es deshalb gut und richtig ist.

    Mir wird darin offensichtlich, dass Entwicklung die Aspekte menschlichen Seins nachzeichnet. Du schreibst, „wie es die Zunft der Fuhrmänner zeigt, kam auch hier der eine oder andere nicht mehr wieder zurück, und konnte sich ein schönes Leben anderswo einrichten“. Es gibt auch Auftraggeber/innen von Fuhrmännern und -frauen, die ihre Fracht nicht zahlten, oder schlecht wirtschaften und mit ihren Unternehmen scheitern – mit oder ohne betrügerische Absicht. Es gibt auch Rahmenbedingungen Krisen anderer Sektoren, die Scheitern mitverursachen. Es ist auch noch nicht geklärt, ob alle, die die Fuhre nicht ausgeliefert haben, in Folge ein gutes Leben hatten.

    Unter deinen mächtigen Worten ist auch die Kantsche Maxime vertreten, die diesen Anspruch formuliert und gleichzeitig in aufklärerischer Absicht zu Reflexion verführt.

    Wenn wir nur eine Richtlinie haben „Schade niemandem!“ dann ist es doch Interpretationssache, was Schaden bedeutet. Die Absicht zu schaden, ist damit auch noch nicht ausdifferenziert – war es aus versehen, war die Person im Streß oder dusselig, hat die Situation nicht durchschauen können, die zum Schaden führte, oder war es geplant und in voller Absicht oder gar mit Hinterhalt? Brauchen wir da nicht schon einige Hinweise, um Schaden und Beziehung zu verstehen?

    Wie oft werden Menschen aus Schaden klug? Sind nicht die Krisen wichtige Entwicklungsprozesse für uns und unsere Partner/innenschaften? Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse über die moralische (Lawrence Kohlberg) und soziale Entwicklung (Robert Selbman), die von der kognitiven Entwicklung begleitet und unterstützt werden (Jean Piaget). Wenn Menschen diese Entwicklungen nicht bis in die oberen Stufen vollenden können, weil ihre Lebensumstände diese Linien nicht ermöglicht haben, wie weit sind sie verantwortlich zu machen? (Ist nicht diese Disskussion hier im Blog getragen von der erlebten und geteilten Empörung? Ist diese Zeichen einer Krise, die wir erleben und zu verstehen versuchen bzw. das Problem zu lösen versuchen?)

    Ich möchte das Idealbild von Menschen hinterfragen, das dazu führt, diese Überlegungen anzustellen. Was passiert mit denen, die dem idealen Bild nicht oder nur teilweise entsprechen?

    Denken wir über eine Welt für alle nach oder nur für die guten? Und wer ist gut? und wer legt das fest? und können wir die auf diese Weise einige ’nicht guten‘ verleiten sich zu verändern?

    Eine Gesellschaft ist zu komplex als sie mit einem Spiel umfassend erläutern zu können. Die Regeln machen das Spiel und macht sie deshalb so wichtig! Doch die Empörung über Interpretationsweisen und Dissonanzen zwischen Erwartung und Umsetzung muss ausgesprochen werden, muss in den Diskurs eingebracht werden.
    Herzliche Grüße
    Barbara
    p.s. jetzt ist der Beitrag lang geworden – hätte sich fast gelohnt miteinander Tee zu trinken 🙂

    • Februar 13, 2012 um 2:16 pm

      Liebe Barabara,
      vielen Dank für Dein detailliertes Feedback, und ja, so manches Mal denke ich mir, wie schön es wäre, wir die Diskussion nicht nur zeitverzögert und virtuell liefe sonder bei einer Tasse Tee oder einem Bierchen 🙂
      Ja, es sind viele Aspekt, die es zu bedenken gibt. Inzwischen bin ich mir sicher, dass wir deutlich weniger Regeln hätten, müssten wir Eigentum nicht extra schützen, weil nicht via Gemeingüter denken und handeln. Dann müssen wir die Gesetze nicht mehr niederschreiben, weil sie jeder verinnerlichen kann und sie auch kaum noch verletzt würden. Siehe die noch heute lebenden, ca 75 indigenen Völker, u.a. die Indianer in Nordamerika.
      Liebe Grüße, Martin

  2. Barbara Palme
    Februar 13, 2012 um 1:49 pm

    Nachtrag, ich habe mich verschrieben – richtig heißt er: Robert Selman (1984) Die Entwicklung des sozialen Verstehens. Und wenn ich gerade dabei bin, empfehle ich in diesem Zusammenhang Robert Keagan. Die Entwicklung des Selbst. Er beschreibt die Entwicklungslinien augenfällig und verständlich. Das Jahr habe ich jetzt nicht im Kopf.
    LG Barbara

  3. Februar 13, 2012 um 3:06 pm

    Ich gebe Dir vollkommen recht, Martin.

    Ohne Privat-Eigentum sind Gesetze einfach nicht notwendig.

    Dass Eigentum die Ursache für alle Gewalt, alle sozialen Verwerfungen unserer menschlichen Gesellschaft überall auf unserer Erde sind, hatte auch Gandhi schon erkannt, als er sagte:

    „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.“

    Und Eigentum, egal welcher Art ist immer anderen mit Gewalt weg genommen = gewonnen….

    Genau da liegt der Hase im Pfeffer.

    Und darum ist ein Eid heute – insbesondere denen der Regierenden – nicht die Luft wert, die verbraucht wird, um ihn zu sprechen, ganz im Gegenteil, die reine Luft wird durch diese Lügen verpesstet.

  4. Barbara Palme
    Februar 13, 2012 um 5:57 pm

    Hallo Solveigh, hallo Martin,
    meines Erachtens geht es nicht nur um die Gegenstände, Gesetze oder Eigentum. Vielmehr ist es wichtig, die Menschen zu betrachten, die damit in Verbindung stehen. Wenn ich eurem Gedankengang folge, weniger Gesetze und Regeln – auf eine Regel reduziert, dann frage ich mich, welche Menschen bzw. welche Entwicklung unseres sozialen Verständnisses von Gesellschaft braucht es, um das „nur noch eine Regel Leben“ leben zu können? Wir sprechen hier von ganz großen Veränderungen im Zusammenleben.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Dieser Satz steht schon lange auf Papier auch in Stein und Metall. Doch entfaltet er seine Wirkung nicht in allen Situationen. Das mag mit den Eigentumsverhältnissen zusammen hängen, die sozialen Status abbilden. Wenn Eigentum abgeschafft würde, würde dieser Vorgang das Denken und Handeln der Menschen verändern, Martin. Mit wie viel Widerstand wäre zu rechnen? Braucht es nicht zuerst eine Veränderung des Denkens und Handelns, um selbst und freiwillig auf Eigentum zu verzichten.

    Die derzeitigen Verhältnisse mit Eigentum, das mit Gewalt genommen und mit Erbrecht aggregiert wurde und wird, sind real vorhanden. Möglicherweise wären weniger Gesetze und Regeln ohne Eigentum vorhanden, womit wir uns auf hypothetischem Gebiet bewegen. Dafür gibt es nur wenig empirische Erkenntnisse, außer aus kulturellen Bereichen, die mit einer hochentwickelten modernen Gesellschaft nur bedingt vergleichbar sind.

    Wie geht es von dieser Realtität aus in eine Realtität ohne Eigentum bzw. einfacher geregelt?

    Herzliche Grüße
    Barbara

    • Februar 13, 2012 um 6:55 pm

      Ich hatte vor einiger Zeit mal bei den Modellen des Zeitgeist Movements reingeschaut. Die arbeiten schon seit drei Jahren an einem entspreichenden Gesellschaftsmodell. Der Vordenker eigentlich schon seit mehreren Jahrzehnten.
      Hier hatte ich mal getextet und sogar Kommentierungen von engagierten Zeitgeistlern erhalten:
      Ist eine ressourcenbasierte Wirtschaft die Lösung für eine menschlichere Welt?
      Ja, das wird noch etwas brauchen. Aber ich denke, dass die Reichen auch nicht wirklich glücklich sind, leben sie doch selbst in Gettos weggesperrt …
      LG Martin

  5. Februar 17, 2012 um 9:44 pm

    Ihr schrei(b)t von Reichen und meint Finanzstarke – da fängt es für mich schon an …
    In der DDR hat ja alles dem Volk gehört …
    Nun, es gibt noch Fotos aus dieser Zeit …
    Wenn das Bewusstsein auf „Ich mach mir das Leben bequem“ ist, dann wird es ein neues DDR Ähnliches werden …
    Wenn das Bewusstsein „Wir sitzen alle in einem Boot, wenn ich irgendwelchen Schaden anrichte, schade ich dem Ganzen und das will ich nicht; ich will, dass es allen Lebewesen auf dieser einen Erde in diesem Welt-ALL gut geht!“ ist, wird ein Leben in Frieden und Freiheiterkeit gelebt werden!

    • Februar 17, 2012 um 10:09 pm

      Ja Berthild,
      wenn alle Menschen das wollten, sollte es so werden. Noch scheinen zu Viele es nicht zu wollen. Also müssen wir dran arbeiten, dass das Bewusstsein alle erreicht:
      Kooperation in gemeinsamer Liebe ist für Alle besser als Konkurrenz im Egoismus.
      LG Martin

  6. Februar 17, 2012 um 10:45 pm

    Bergpredigt:

    „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel noch bei der Erde“.

    Was mag es bedeuten?

    Wolfgang

    • Februar 17, 2012 um 10:50 pm

      Wird der Schwur nicht dann gebraucht, wenn nicht bedingunglos geschenkt wird, sondern Handel miteinander getrieben wird?
      Und ist es nicht so, dass wer handelt, daraus einen Gewinn für sich erzielen will?
      Und wer Gewinnt, der hat auf der andern Seite einen Verlierer? Und der Schwur soll den Gewinn absichern …

    • Februar 17, 2012 um 11:18 pm

      Meine Erfahrung: Wer schwört, ist der erste, der verrät. Wer schwört, der lügt oder hat die Absicht, das zu tun. (Durchaus nicht immer bewusst)
      Wer wahrhaftig und aufrichtig ist, der braucht keinen Schwur.

      • Februar 17, 2012 um 11:23 pm

        Ja, mein Bauch meldet mir auch gerade, dass das ehrlicher ist. Wer erst darauf zu sprechen kommen musst, hat schon Hintergedanken …

  7. Februar 18, 2012 um 12:29 am

    Und wie steht’s mit dem Treueschwur:

    „Bis das der Tod euch scheidet“?

    Mit Sicht auf Jesus zwei Paar Schuhe, die nicht zueinander passen?
    Sollte er da nicht besser aus der Kirche austreten?

    Ketzerisch: Oder hängt er deswegen immer noch am Kreuz?

    • Februar 18, 2012 um 1:03 am

      Stammt das wirklich von Jesus? Wem nützt es? Wer hat die Ehe warum wann erfunden?

      Wer solches schwört, wird (vielleicht) zusammen leben bleiben – aber spielt da Liebe eine Rolle?, vielleicht wird er wie Heinrich VIII. seine Frauen umbringen oder sich trotzdem auf irgend einem Wege trennen. Der Eid wird also in den allermeisten Fällen gebrochen (siehe meine Anmerkung zum Schwur oben).

      Liebe und Eheglück sind nicht erzwingbar. Mit keinem Schwur der Welt. Wer einen solchen Eid sprechen lässt, tötet Liebe, weil er sie ins Gefängnis des MUSS steckt.
      Liebe aber ist Freiheit.

      Ein solcher Schwur macht den Partner zum „Eigentum“ des anderen.

      Vielleicht gibt es darum soviel Gewalt in Familien. Vielleicht gibt es darum das Problem des „Fremdgehens“ und alle diese Unsäglichkeiten im familären Zusammenleben.

      • Februar 18, 2012 um 2:21 am

        Ja!!!
        Dazu noch einen „Eugen“, sein Schlußwort:

        Der Eid in der Kirche ist die klarste Manifestation der Angst, des psychischen Drucks und der inneren Doppelbödigkeit des Standes, der ihm unterworfen ist: der Kleriker selbst. Mit dem Eid verschließen sie sich die einzige Richtung, in die hinein es auch für sie so etwas geben könnte wie Reifung und Entwicklung, wie wachsende Vermenschlichung und sich entfaltende Integration. Mit dem Eid endgültig beginnt das Leben fertiger Beamter – ein hermetisches Getto ohne den geringsten Fluchtraum.

      • Februar 18, 2012 um 4:24 am

        Ich habe ihn das nicht sagen hören.

        Aus
        http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=238

        Menschenlehre wie die der Schriftgelehrten kommt immer in irgendeiner Weise dem Fleisch entgegen. Hier streicht sie etwas, dort fügt sie dem Wort Gottes etwas hinzu. Sie nimmt ihm dadurch nicht nur seine Schärfe und Kraft, sondern hindert auch den direkten persönlichen Zugang der Seele zu diesem Wort der Gnade. Solcher Menschenlehre stellt der Herr Jesus Sein göttliches „Ich aber ich sage euch: Schwört überhaupt nicht“ entgegen.

        Wenn er das sagte, sagte er etwas Richtiges.
        Ich schwöre nicht aus eigener Erkenntnis. Wer mir nicht glaiubt, soll seines Weges gehen – so einfach ist das, wenn man von der eigenen Wirklichkeit spricht, und nicht von Wahrheit.

        Wolfgang

  8. Februar 18, 2012 um 12:37 am

    Hier ist noch einer von einem Freund, Eugen Drewermann:

    Vorausgesetzt ist bei der Institution des eidlichen Treueversprechens, daß die jeweilige Gruppe um ihre eigene Instabilität sehr wohl weiß; sie ist sich also von vornherein darüber im klaren, daß die Attraktivität und innere Plausibilität der Gruppenmitgliedschaft an entscheidenden Stellen zu wünschen übrigläßt; und sie kennt zudem die latente Neigung ihrer Angehörigen, sich, wenn es darauf ankommt, aus dem Staube zu machen. Mit anderen Worten: der Eid ist solange notwendig, als es Gruppen gibt, die sich begründen im Status der Angst aller vor der Freiheit des jeweils anderen und die als Mittel zur Überwindung dieser Angst über nichts anderes verfügen als Fesselung der Freiheit, als den im Schuldgefühl verinnerlichten äußeren Zwang.

    Muss ein Beamter sich übrigens bei Strafandrohung an seinen AmtsEid halten – so müssen es die „obersten“ Repräsenten der Volksdummheit nicht. Ist das eine verschworene, auf ETWAS eingeschworene Gemeinschaft?
    Status Quo, weil jeder der Gang erpressbar ist?

    • Februar 18, 2012 um 12:56 am

      Frei nach dem Motto, denn sie wussten, was sie tun werden. Ist übrigens genauso beim ESM mit drin: keiner kann belangt werden …

      • Februar 18, 2012 um 2:41 am

        Ja, sie wissen, was sie tun.

        Aus dem Einführungseid der Jesuiten:

        Weiter verspreche ich, daß ich keine eigene Meinung oder eigenen Willen haben will oder irgendeinen geistigen Vorbehalt, was auch immer, selbst als eine Leiche oder ein Kadaver, sondern bereitwillig jedem einzelnen Befehl gehorche, den ich von meinem Obersten in der Armee des Papstes und Jesus Christus empfangen mag. Daß ich zu jedem Teil der Erde gehen werde, wo auch immer, ohne zu murren, und in allen Dingen unterwürfig sein will, wie auch immer es mir übertragen wird.

        Im weiteren „Christlicher“ Haß in Reinkultur:

        Außerdem verspreche ich, daß ich, wenn sich Gelegenheit bietet, unbarmherzig den Krieg erkläre und geheim oder offen gegen alle Ketzer, Protestanten und Liberale vorgehe, wie es mir zu tun befohlen ist, um sie mit Stumpf und Stiel auszurotten, …

        Man braucht sie nicht in die Hölle wünschen – sie leben darin.

      • Februar 18, 2012 um 10:00 am

        Man braucht sie nicht in die Hölle wünschen – sie leben darin.
        …und bringen jeden Andersgläubigen und -denkenden auch dahin!
        Darum auch sieht unsere Welt so aus, wie wir sie erleben.
        Es wird allerhöchste Zeit, uns von diesem jahrtausende alten Joch zu befreien!
        Übrigens, der plötzlich ach so sozial und gerecht gewordene Heiner Geisler ist Jesuitenschüler…

        • Februar 18, 2012 um 10:33 am

          Mit dem Jesuiten-Schwur wird einiges klarer. Ziemlich gruselig. Ebenso gruselig ist der Persilschein aus „Römer 13“, der Obrigkeit zu glauben, der es der christlichen Lehre vermutlich erst ermöglichte, zur Staatsreligion zu werden:

          1 Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten; denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott, und diese, welche sind, sind von Gott verordnet. 2 Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. 3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? So übe das Gute, und du wirst Lob von ihr haben; 4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse übst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut. 5 Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen. 6 Denn dieserhalb entrichtet ihr auch Steuern; denn sie sind Gottes Beamte, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. 7 Gebet allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt. 8 Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur einander zu lieben; denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn das: „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, laß dich nicht gelüsten“, und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Worte zusammengefaßt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe die Summe des Gesetzes.
          11 Und dieses noch, da wir die Zeit erkennen, daß die Stunde schon da ist, daß wir aus dem Schlaf aufwachen sollen; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir geglaubt haben: 12 Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen. 13 Laßt uns anständig wandeln wie am Tage; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; 14 sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an, und treibet nicht Vorsorge für das Fleisch zur Erfüllung seiner Lüste.

          Ob Paulus wusste, was er damit anrichten wird? Und diese Obrigkeitshörigkeit haben die Deutschen dann mit der Muttermilch aufgesogen …

      • Februar 18, 2012 um 1:35 pm

        Ja, ich denke, er hat genau gewusst, was er anrichtete.
        Er hat durch seine Briefen ja auch die weltweite Missionierung und „Verbreitung des wahren Glaubens auch an Unbeschnittene“ ermöglicht und „salonfähig“ gemacht…

  9. Februar 18, 2012 um 1:51 pm

    Nein, Paulus wusste es nicht, so wie Einstein nichts von Hiroshima wusste.

    In der Verbreitung von Wissen steckt immer die Gefahr des Missbrauchs, solange kein Bewusstsein besteht über die Möglichkleiten der Anwendung. Heute wird, wie eh und je, der Mensch für alle möglichen Zwecke missbraucht. Sehen wir auf den Vatter im Kan, könnte man meinen, dessen Mutter wurde bereits dazu miissbraucht*, einen Höllensohn zu gebären. Insofern, meine ich, sollten wir das, was geschehen ist, emotionslos bewerten unter der Prämisse: Es musste geschehen. Ich sehe Offenbarung als ein Recht der Schöpfung, andererseits für mich die Pflicht, Offenbarung nicht aus persönlichem Interesse zu betreiben.
    * Ist ein spannendes Thema. Herrscht hier Klarheit, entwickeln sich reaktive Erregungen (Emotionen) zurück zu Gunsten aktiver Gefühle.

    Solveigh arbeitete vor ein paar Wochen an anderer Stelle ein Thema heraus, das ich hier wieder aufgreifen möchte: Den Mangel.
    Mangel als Erscheinung ist naturgegeben bzw. demonstriert sich eindrücklich durch die Naturordnung. Mangel wird, das ist meine Auffassung, damit problematisiert. Mangel ist ein Kernthema, das Leben darzustellen hat. Aus einem einfachen Grund: Den Mangel zu beseitigen und ein Gleichgewicht zu schaffen. Da wir aus der Sicht des Mangels die Natur – weitgehend – kontrollieren (Licht rund um die Uhr, Logistik – Erdbeeren aus Brasilien, ausgefeilte Vorratshaltung etc.), bedurfte es des Geistes, den Mangel weiterhin und gewissermaßen künstlich zu problematiseren. Entsprechend sieht es so aus, als sei Mangel künstlich erschaffen, im Sinne der Schöpfungsordnung ist das Einwirken des Geistes allerdings ein natürlicher, ordnungsgemäßer Vorgang.

    Gleichgewicht
    Bereits seit einigen Wochen steht am Anfang des Blogs Folgendes:
    „Lebe nicht auf Kosten Anderer, und lasse nicht Andere auf deine Kosten leben.“
    Ich wunderte mich, dass Martin gerade diesen lapidar klingenden Spruch in einen Rang erhob, der ihm meinem Gefühl nach nicht zukam. Aber wie das so ist mit ihm: Martin, der Ahner. Er stellt mitten ins Licht eine kleine Kerze, weil er „weiß“, dass dort noch mehr Licht brennen muss.
    Gleichgewicht entsteht durch Autonomie, wenn jeder Mensch in einer Gemeinschaft ein Miteinander leben kann, dass sich nicht auf Bedürftigkeit begründet. Er gibt, wenn er kann, und er bekommt, wenn er braucht..

    Mangel korrespondiert mit Überfluss. Beides sind Zustände, die Disharmonie signaliseren. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Wüsten und Meere und Völker und Staaten, Disharmonie findet im Menschen ihren Ausdruck und im menschlichen Miteinander. Wenn wir konstatieren, dass ALLE Menschen GLEICHERMASSEN den Mangel und den Überfluss repräsentieren (Talent/Behinderung), landen wir bei einer der Eingangsfragen:
    Was ist der Mensch wert?

    Ich sprach bereits an anderer Stelle über mein Gefühl: Der Wert steckt im Leben selbst. Wenn es ein Wert ist, Mangel und Überfluss darzustellen, und wenn das dem Menschen eigene Suchen nach einer Lösung ein Wert ist, ergibt sich die Antwort federleicht:
    ALLE Menschen sind GLEICHermaßen wertvoll, indem sie an der Lösung eines – offensichtlich fundamentalen – Problems mitwirken. Da sich NIEMAND diesem Prozeß entziehen kann, bitte sehr: Wir sind eine große Gemeinschaft, die an einem Strang zieht, auch wenn wir das nicht wissen (dürfen).

    Warum bewerten wir? Ich werde meine Sicht darauf am Nachmittag darzulegen versuchen.

    Wolfgang

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