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Über unsere vermeintlich unpolitische Jugend und dem unterschwelligen Nicht-perfekt-sein …

Auf meiner Anreise nach Berlin saß heute ein junger Mann, fast fertig mit seinem Studium Drehbuch, und wir verkürzten unsere Reisezeit durch einen regen Gedankenaustausch. Dabei gab es zwei Aha´s:

Aha 1: Auch die Filmbranche ist von Werbegeldern abhängig und darf schon lange nicht mehr produzieren, was interessant ist. Zensur bestimmt das Drehen genau wie in den Printmedien das Schreiben.

Aha 2: Werbung lässt uns täglich als nicht perfekt fühlen, denn uns fehlt ja dauernd etwas, und sei es nur ein guter Duft, um mehr Chancen bei anderen Geschlecht zu haben. Das jedenfalls macht Werbung: Bedürfnisse wecken, die wir eigentlich gar nicht haben (müssen).

Der junge Mann hatte mir noch eine Vermutung bestätigt: Unsere Jugend ist nicht unpolitisch, nur weil man sie kaum kritisieren sieht. Sie verweigern sich einfach diesem unsäglichen Politiktheater und gestalten schon die alternative Welt, sprich leben an der alten vorbei.
Das bestätigt wiederum eine Studie, nach der in Amerika inzwischen 1/3 Kultur-Kreative andere Wege der Ökonomie beschritten haben:

Ihrer selbst nicht bewusst, gibt die globale Zivilgesellschaft den Werten der Kulturschöpferischen
bereits organisierten Ausdruck, denn viele Inhalte der Aktivisten der Zivilgesellschaft sind dieselben,
die in der bahnbrechenden Studie über die Kulturschöpferischen entdeckt wurden. … Unser Ausflug in
die Welt der Kulturschöpferischen ist gleichzeitig eine Entdeckungsreise in die Welt der globalen Zivilgesellschaften.
Den verschiedenen Formen vom globalen Aktivismus der Zivilgesellschaft liegt eine
massive radikale Umwandlung von Werten in vielen Teilen der Welt zugrunde, eine Wende, wie es sie
in der neueren Geschichte noch nicht gab, eine Wende, mit dem Namen „die Kulturschöpferischen“.
Man könnte fast sagen, dass wir hier vor uns einen kurzen Blick in die langsamen, jedoch epochalen
Bewegungen eines großen Prozessen werfen können, die wir nennen können „die Evolution des
menschlichen Bewusstseins in Aktion“ und die Auswirkungen auf das globale Gleichgewicht der
Weltmächte werden erheblich sein. (Quelle)

Armin Köhler hatte auf Facebook zum anders leben kommentiert:

Für mich bedeutet es, mich zu erinnern, wer ich bin, was ich hier im Leben will und zu erkennen, welchen Preis ich bislang für den Verrat meiner Selbst bezahlt habe.

Wenn DAS in irgendeiner Weise eine Reaktion in mir auslöst, dann beginnt der Transformationsprozess bereits. Wenn es nur ein Schulterzucken auslöst, ist der Verrat zu weit fortgeschritten, um eine Rückbesinnung zu bewirken.

Mike hatte gestern geschreiben, was er zu dem Andersleben wahrgenommen hat:

Die Zukunft fängt doch aber schon an, jetzt, um nicht zu sagen sie läuft schon eine ganze Weile! Sie läuft nicht mit Plakaten durch die Straßen und schreit sich die Kehle aus dem Hals. Sie kommt auf ganz leisen Sohlen daher und findet einfach statt. Ich bin noch einmal bei dem Zitat von A. Einstein. Wir schauen immer noch auf dieses verstaubte Buch, was ja wirklich mal ein Meilenstein in der Geschichte war “und kehren unser verirrtes Auge zu Sonn, als drüber wär ein Ohr zu hören meine Klage ein Herz wie meins, sich des Bedrängten zu erbarmen…” (J.W.v.G.). Was nutzt uns eine Verfassung, die wieder nur wenigen nützt, denn was anders könnte diese Regierung nicht beschließen. Dabei gibt es sie schon, die neue Verfassung und unzählige Menschen leben schon nach ihr. Sie kann in vielen Sätzen ausgesprochen werden und meint immer das Eine, I respect you! Am Freitag hatte ich eine Veranstaltung, das war Kunst in völlig neuer Dimension. … Da will keiner mehr irgendwelche Urheberrechte, das ist alter Kram. Sie entsteht in dem Augenblick und für die Leute die vor einem stehen. Das will keiner mehr mit nach Hause schleppen und sich unter das Kopfkissen legen.
Heute war veganer Brunch, völlig andere Gruppe, aber das gleiche Prinzip, so sprießen sie aus dem Boden und beginnen sich schon zu vernetzen. Noch hängen wir an der Nabelschnur der alten Gesellschaft und wir brauchen sie noch, damit nicht alles zusammenbricht.
In den letzten Tagen habe ich den life-ticker für Ostafrika ins Leben gerufen, um den gleichgeschalteten Medien eine kleine Alternative entgegenzusetzen. Sie steht noch auf wackligen Beinen, wie ein Neugeborenes. Seit einigen Wochen habe ich einen neuen Freund auf fb. Sein Name ist Councillor Mrefu und er wohnt in Nairobi, Kenya. Er ist Musiker und hat mir versprochen, mir Informationen zur Verfügung zu stellen. Vielleicht finden sich noch andere Menschen, die sich daran beteiligen wollen. Und so gibt es bis zu vielen, die hier aktiv schreiben, Parallelen.
Ich hatte vor einem reichtlichen 1/4 Jahr über Harambee berichtet. Da bewegt eine Frau, ich weiß nicht wie viele Menschen dazu, mitten in Kenia eine Schule zu errichten und aufrecht zu erhalten. Da gehen ca. 500 Kinder KOSTENLOS zur Schule auf Privatschulenniveau. Nicht genug nun bauen sie für die Ärmsten Häuser.

Was das Thema Werbung angeht, so hatte es bei mir Klick gemacht, was das unterschwellige Nicht-Perfekt sein angeht. Kein Wunder, dass sich die Vielfernsehschauer wenig selbstlieben und sich durch Fremdlob bestätigen lassen müssen …

Aber manche Werbung macht auch gute Stimmung, wenn sie Schmunzeln lässt 🙂

  1. Februar 13, 2012 um 8:45 pm

    Reblogged this on SunnyRomy.

  2. Februar 13, 2012 um 9:40 pm

    … und, nimmst Du nun Axe? hehehe….

    Vielen Dank für diesen Artikel, Martin. Er macht Mut.

  3. Februar 13, 2012 um 10:03 pm
    • Februar 13, 2012 um 10:40 pm

      Wir müssen dem Giganten die Gelegenheit geben, sich zur Ruhe zu setzen.

      Welch‘ wundervoller Schluss-Satz. Möge er so müde sein, dass er nichts anderes mehr will.

  4. Februar 13, 2012 um 10:49 pm

    Entweder ist die Jugend unpolitisch oder eine oder die andere Extreme

  5. Februar 13, 2012 um 11:43 pm

    Vielen Dank, Martin, für die PDF des Zukunft-Zentrums, sehr lesenswert.

    Gruß Guido

  6. Februar 14, 2012 um 7:04 pm

    Hier ist ein Beispiel unserer Jugend, das das Thema Revolution beim Essen auch aufgegriffen hat:

    • Februar 14, 2012 um 8:33 pm

      Stimmt. „Du bist satt, aber nicht voll, Du fühlst Dich leicht und energetisiert.“
      Ja, das ist auch meine Erfahrung.

  7. Heinrich Schmitt
    Februar 17, 2012 um 5:49 pm

    Die Jugend unpolitisch?
    Etwa 10 Jugendliche eines kleinen Dorfes in der Eifel und aus dessen Umgebung trafen sich eines Abends bei mir auf der Wetterwarte. Der Pfarrer hatte sie aus dem Jugendraum bei der Kirche gejagt, weil sie gequalmt hatten. Also bei mir durften sie das zwar auch nicht, aber einer brachte einen Action-Film mit, den sie sie dann bei mir auf Video ansehen wollten. Beim Einschalten des TV begann gerade der Film „Schindlers Liste“. So entschlossen sie sich,statt des Actinfilmes den Film von Steven Spielberg anzusehen, der ja bekanntermassen Ueberlaenge hat. Die darauffolgende Diskussion dauerte bis tief in die Nacht. Unpolitisch??

    • Februar 17, 2012 um 6:10 pm

      Hallo Heinrich,

      solche Infos werden mehr gebraucht. Denn es ist das, was vermutet werden darf: Sie diskutieren und bringen sich ein, nur nicht über den überholten (?) Parteienpfad. Daher sieht man sie kaum …

      LG Martin

  8. Februar 17, 2012 um 6:06 pm

    Die Jugend“ ist jedenfalls nicht so „blöd“, wie es auf Grund ihrer Erziehung im gesellschaftlichen Umfeld zu erwarten wäre.
    Für wen sollen sie kämpfen? Für ihre Eltern? Von denen lernten sie nicht, wie das geht.
    Für eine bessere Welt, um sich selber eine schlechtere Welt zuu erschaffen?

    Abwarten und Grünen Tee trinken. Es gibt einige schlafende Potenziale, die aufwachen, wenn die Knallerbsen verschwinden, die die Sicht versperren.

    Wolfgang

  9. Februar 18, 2012 um 10:41 pm

    Der im Artikel erwähnte junge Mann ist nun von der Berlinale zurück und hat mir folgende Nachricht auf Facebook hinterlassen:

    Hey Martin,

    fühl mich geehrt, dass ich es in deinen Blog geschafft habe.

    Na ja, nach der stressigen Berlinale wieder zurück in Köln dachte ich, ich antworte dir kurz… ( ich hatte erhlich gesagt nicht recht Lust mir die Finger auf dem iPhone wundzutippen und nen längeren Text zu verfassen :-))

    Ich hab deinen Blog etwas verfolgt und in der ein oder anderen Leerlaufphase mal ein paar Artikel gelesen, die ich bei dir gefunden habe… hervorragend, bin sehr froh da so eine interessante Quelle aufgetan zu haben

    Mir ist aufgefallen, wie ausführlich Leute auf deine Blogs antworten und wirklich in die Tiefe gehen…das finde ich schön und kann da hoffentlich noch Einiges lernen… hab auch schon das Ein oder Andere gelesen, was du hier auf Facebook postest…

    Eine andere Tendenz ist mir aber auch mal wieder ins Gesicht gesprungen… Jemand schreibt einen Blog-Artikel darüber, dass wir alle Sklaven sind und gefälligst aufzuwachen haben… genauso wie ich das ähnlich sehe, gefällt mir aber der Ton des Blogs nicht… es ist ein großer Unterschied ob jemand mit Dringlichkeit argumentiert… oder sich eben als neue Elite zu profelieren versucht, die etwas erkannt hat, wofür der Normalbürger zu dumm ist… man kann sich solcher Gedanken kaum erwheren, doch denke ich, man solte sich immer vor Augen halten, dass ein solches Elitedenken ja eben die Wurzel allen Übels ist… also wieder das Prinzip… von Prinzip und Inhalt, das wir auf unserer Zugfahrt ja bereits angesprochen hatten…

    Ich war dann froh, dass sich in den Kommentaren sehr schnell Stimmen gefunden haben, die eben dies anmerkten…

    Auch ich hab unsere Zugfahrt sehr genossen… witztigerweise, hatte ich auch auf der Rückfahrt sehr intersannte Gespräche… teils ging es um soziale Ungerechtigkeit; oder den Druck der Pharmakonzerne auf alternative Medizin ( funktionierende Methoden, die einen ein für alle Mal heilen und wirkliche Linderung verschaffen… kontra einer Medikamentenabhängigkeit die Profit bringt… ein AHA für mich, nicht nur die Psyche hat Auswirkungen auf die Körperhaltung, sondern die Körperhaltung hat Auswirkungen auf die Psyche… man kann sogar Despressionen heilen … also öfter Mal gerade hinstellen ;-)) Na gut, ich gebe zu, das ist etwas vereinfacht wiedergegeben…

    Interressanterweise habe ich in der Regionalbahn selten solche Gespräche. Frage mich, woran es liegen mag… an der Sicherheit, dass man viel Zeit miteinander verbringen wird und sich so besser arrangiert und kennenlernt… vielleicht auch die Tatsache, dass man in Zweiersitzen zusammensitz und so ein Paar bildet und keine Person hat, auf die man ausweichen kann… vielleicht hatte ich auch nur einfach gesprächige offen Menschen neben mir sitzen, vielleicht war ich auch gut drauf und habe mir unterbewusst ausgesucht, dort zu sitzen und es ACHTUNG: mit meiner Körpersprache signalisiert.

    Nun ich weiß nicht, es ist schon seltsam, eine Reise zu tun und die Zugfahrten als vergnüglichsten und interessantesten Teil der Reise im Gedächtnis zu behalten…

    Arme Filmindustrie, arme Berlinale…

    Nun schließe ich erstmal mein Hamsterrad Studium und steige in ein größeres um… hoffentlich gelingt es mir

    In diesem Sinne

    Wer im Geiste buckelt, tut es auch mit seinem Leib…
    Richtet euch auf, so dass ihr wieder sehen könnt, dass noch immer die Sonne scheint…

    Lieben Gruß

    • Februar 18, 2012 um 11:13 pm

      Interessante Nachricht…

      Vielleicht bringt er sich ja auch hier in die Unterhaltunge ein. Das wäre bestimmt eine Bereicherung.

      Ich kenne den Blog, auf den er hier anspielt. Ich glaube, da hat er den etwas aufrührerischen und forschen Ton ein wenig in den falschen Hals bekommen. Ich habe den Artikel nicht so empfunden. Aufrüttelnd, ja. Beleidigend und überheblich, nein.

      Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass diese Leute auf dem Blog da eine „neue Elite“ bilden wollen. Das ist überhaupt nicht deren Absicht… Ganz im Gegenteil. Eine „neue Elite“ würde wohl kaum die „Schwarmintelligenz“ der Basisdemokratie als Grundlage einer neuen Gesellschaft ansehen…

      Sie machen Fehler, weil sie suchen und für mein Dafürhalten zu sehr aus Spanien kopieren wollen. Ein Protest ist nicht zu erzwingen. Die Menschen können nicht „dazu gebracht werden“, auf die Straße zu gehen. Und eine Revolution ist nicht zu exportieren. Wenn die Situation nicht stimmt (und das scheint in Deutschland – noch? – nicht der Fall zu sein), passiert auch nichts. Das haben diese Menschen da wohl noch nicht so ganz verstanden…

      Nichts desto trotz ist ihr Engagement beachtens- und unterstützenswert, meiner Meinung nach.

      Den Zusammenhang von Körperhaltung und Geisteshaltung, den kenne ich auch – und vielleicht haben meine Eltern darum darauf geachtet, dass ich aufrecht gehe…

      • Februar 18, 2012 um 11:36 pm

        Ja, den Kopf hochzuhalten hatte mir mein Vater auch immer wieder „eingeimpft“. Auch zu rechten Zeit einen forschen Schritt zu haben, denn der zeugt von innerer Energie …

        Und ja, ich habe Alex aufgefordert, sich zu beteiligen. Schau´n wir mal.

    • mahnred
      Februar 19, 2012 um 9:59 pm

      Zuerst meinen herzlichen Dank an dieser Stelle !
      „neue Elite“… oder „alte“ ist eigentlich auch egal…
      Alle „Besser-Wisser-Gefühle“ beschädigen die Kraft der Liebe…
      – und fordern sie heraus 😉

      „Wer im Geiste buckelt, tut es auch mit seinem Leib…“
      Es ist mitunter äußerst schwer, alte Ge-Wohn-Heiten abzulegen…
      und aus dem Dunkel (wieder) in das helle Sonnen-Licht zu sehen .und diese Sonne scheint, auch wenn sie von schweren Wolken (noch) verdeckt ist.

      Ich wünsche mir kurze und knappe „wissenschaftliche“Darstellungen als Einstiegs-Hilfen, auf die ich mich berufen kann.
      Vieles ist einfach zu lang oder zu detailliert ausgedrückt …um in kurzen Gesprächen Interesse zu wecken…

      „in der Regionalbahn“ … damit hab ich auch oft – aber NICHT IMMER ! – Kontakt-Schwieriegkeiten. Aber mittlerweile bin ich so dreist und spreche auch Leute auf der gegenüberliegenden Seite an, wenn ich meine , eine Möglichkeit dazu gefunden zu haben.
      Hat bis jetzt nur eine wirkliche Abfuhr gegeben .
      Auf meine Frage auf dem Bahnsteig beim Warten auf die nächste U-Bahn:
      „Bitte, haben Sie etwas von dem „Tag der Demokratie“ gehört ?“
      kam sehr laut als AW :
      „Lassen Sie mich damit in Ruhe! Wir haben schließlich Wochenende !“
      und der dazugehörige Mann kam mit Faust im Anschlag angerannt :
      „Will die was von dir ?!?“
      naja , aber der nächste Versuch glückte besser…
      Nicht aufgeben !
      Weiter-leben !
      😉

      • Februar 19, 2012 um 11:39 pm

        Liebe Gartenamsel,
        ich bemerke, dass es inzwischen immer leichter ist, mit Fremden ins Gespräch über Gott und die Welt und unsere Krisen zu kommen. Und immer auf einer freundlichen Art.
        Vor nunmehr fast 8 Monaten bin ich mit meinem Sitznachbarn ausgestiegen und hatte uns zum Abschluss umarmt, da das Gespräch so inspirierend war.
        Ich wünsche Dir, mir und uns, dass wir noch viel mehr solche Erlebenisse haben dürfen.
        Liebe Grüße, Martin

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