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Wenn alle Menschen gleichermaßen an den Ressourcen der Welt Teil hätten, gäbe es dann noch Schuld?

Wir hatte in den letzten Artikeln immer mal wieder das Wort „Schuld“ angesprochen. Wir kennen Redewendungen wie:

Wer hat Schuld? Wem schulden wir etwas? Der Schuldige muss bestraft werden.

Mit einem Blick mal wieder in Wikipedia habe ich eine Passage zu Schuld und Verantwortung gefunden, die mich anschließend den Titel dieses Artikels forumlieren ließ:

Kaufmann entwickelt und belegt im Verlauf seiner weiteren Ausführungen die Theorie, dass Schuldgefühle in der Kindheit erlernt werden, wenn Eltern und vergleichbare Autoritäten Verbote ohne nachvollziehbare Rechtfertigungen aussprechen und bei deren Nichtbefolgung mit Strafe drohen. Der Inhalt des Schuldgefühls ist dann für Kaufmann hauptsächlich die Angst vor Strafe angesichts der Verletzung eines zufälligen Gebots. Was unter anderem erkläre, wieso manche Menschen wegen unbedeutender Kleinigkeiten in Schuld vergehen, während andere die größten Verbrechen mit ruhigem Gewissen verüben. Kaufmann nennt Schuldgefühle eine „ansteckende Krankheit, die die Befallenen schädigt und die in ihrer Nähe Lebenden gefährdet. Die Befreiung von der Schuld kündigt den Anbruch der Autonomie an.

Dass er mit dem letzten Satz richtig vermuten könnte, zeigt eine Erzählung, die ich vorhin in einem anderen Kommentar schon einmal brachte:

Als ich für mich erkannte, dass meine Suche nach Schuldigen im Grunde nichts anderes war, als der Ausdruck meiner Weigerung, Verantwortung für mich zu übernehmen, war das unangenehm und befreiend zugleich. Unangenehm, weil mir bewusst wurde, dass es an mir selbst und niemand anderen sonst ist, etwas zu ändern und das bedeutete Arbeit und Anstrengung für mich. Befreiend aber deshalb, da ich mit diesem Gedanken ein ganzes Stück erwachsen und unabhängiger wurde. Wenn es letztlich gar nicht mehr so wichtig wäre, wer nun genau Schuld an meiner Misere hätte, könnte ich all die Energie, die ich auf die Suche nach dem Schuldigen genutzt hatte und vor allem all die Kraft, die in meine Anklagen geflossen war, anders nutzen. Und zwar für mich. Dafür, meine Situation zu ändern. (Quelle)

Kann es also sein, dass jene ersten hierarchisch wirkenden Menschen die Idee der Schuld entwickelt haben, um damit zu rechtfertigen, dass sie mehr haben dürfen als andere und damit diesen Besitz über nicht nachvollziehbare Gebote unter Androhung von Strafe verteidigen konnten? Und damit verursachten, dass aus Angst vor Strafe ein anderer Schuldige gesucht wurde? Und sich damit die Schuldigfühlenden selbst die Freiheit nahmen.

Ich sehen auch heute noch immer wieder Menschen reflexartig bei Fehlern, die auffallen, sofort versuchen, ihre Schuld, sprich ihre Verantwortung für den Fehler auf andere zu lenken, auch wenn diese Situationen deutlich weniger werden …

  1. März 22, 2012 um 9:00 pm

    Androhung von Strafe

    Ja, hier sehe ich den Urgrund für unsere „Schuldgefühle“. Erst dadurch – auch hier gebe ich Dir recht – konnte sich die uns heute bekannte hierarchisch organisierte Gesellschaft entwickeln.

    Eine anderer Aspekt ist sicherlich, das Verlangen, „perfekt“ sein zu müssen. Wer das nicht kann (und keiner kann das), entwickelt Schuldgefühle, eben weil er nicht perfekt ist.
    Auch das hat mit Angst vor Strafe zu tun, wenn die Perfektion nicht erreicht wird.

    Die Befreiung von Angst und Schuld – wobei beides Geschwister sind, denn durch Schuld entsteht Angst und Angst (vor Strafe) führt zum Schuldgefühl – führt zur Befreiung der Menschen.

    Das beinhaltet selbstverständlich, die Verantwortung für das eigene Handeln selbst zu übernehmen. Auch davor haben Menschen Angst, einfach weil es ungewohnt und anspruchsvoll ist.

    Da wir alle in Schuldgefühlen erzogen wurden, wenn nicht zu Hause, so spätestens in der Schule, ist das ein nicht ganz einfacher Weg – aber er ist notwendig, um uns wahrhaft befreien und unser volles Potenzial frei entfalten zu können und muss – solange die Gesellschaft ein angst- und schuldfreies Leben nicht ermöglicht, sondern beides geradezu befördert, um nicht zu sagen „züchtet“ – von jedem Mensch allein gegangen werden. Keiner kann das für ihn tun. Es gibt ein paar Bücher, sicherlich auch mancher Trainer (manche nennen sie Meister, nämlich ihres eigenen Lebens), die helfen und den Weg weisen, aber gehen muss ihn jeder für sich.

    • März 22, 2012 um 9:05 pm

      P.S. Die Frage, die den Titel dieses Artikel stellt, ist natürlich mit einem eindeutigen „Nein“ zu beantworten.
      Wenn jeder alles besitzen kann, muss nichts unter Strafandrohung vor dem „unbefugten Zugriff anderergeschützt werden.“

  2. März 22, 2012 um 10:08 pm

    Solveigh Calderin :
    P.S. Die Frage, die den Titel dieses Artikel stellt, ist natürlich mit einem eindeutigen “Nein” zu beantworten.
    Wenn jeder alles besitzen kann, muss nichts unter Strafandrohung vor dem “unbefugten Zugriff anderergeschützt werden.”

    So würde man im ersten Moment meinen, aber wäre dem wirklich so ? Einzig, wenn Rohstoffe unendlich zur Verfügung stehen würden, wären die Voraussetzungen gegeben … aber, und das hatten wir ja schon bei der Freien Energie, dann kämen ganz andere Probleme auf uns zu, denn dann ginge es nicht um Haben oder Nichthaben, sondern um das Produkt, welches der Rohstoff ermöglicht. Ein Beispiel:

    Jeder Mensch auf der Erde hätte Zugriff auf Wasser. Wäre es immerzu in guter Qualität vorhanden, ginge es irgendwann darum, wer das größte Schwimmbad im Garten hätte.

    Da hier aber Rohstoffe gemeint sind, die endlich vorhanden sind, könnte man nun die vorhandene Menge durch die Anzahl der Menschen teilen und entsprechend auf- und verteilen. Problem gelöst ? Mitnichten, weil nicht alle Rohstoffe zugleich und im gleichen Maße gebraucht werden. Somit hätte der eine irgendwann mehr und ein anderer weniger. Die Zeiten ändern sich, und wenn plötzlich ein bestimmter Rohstoff besonders gebraucht würde, käme die selbe Problemkette wieder in Gang, die man damit eigentlich lösen wollte.

    Aussichtslos ? Interessanterweise funktioniert es bei der Atemluft. Im Grunde unendlich, frei und überall verfügbar, für jeden. Und es funktioniert, weil niemand auf Vorrat atmen kann und weil niemand jemand anderem etwas wegatmen kann. Niemand kann sich einen Vorteil eratmen.

    In der Tat kann kein Rohstoff gleichmäßig und gerecht auf alle verteilt werden, der angesammelt werden kann und dessen Einsatz/Verbrauch enormen Schwankungen unterworfen ist. Und aus Sicht des Ganzen würde es auch gar keinen Sinn machen.

    Nun ist nicht jede Ressource ein Rohstoff, wie Metalle, Wasser, Agrarprodukte, sondern darunter fallen auch nicht materielle Ressourcen, sei es Erfahrung, Liebe, Aufmerksamkeit. Auch diese sind im Grunde wie die Luft zum Atmen … aber auch sie sind nicht jederzeit und überall gleich ausgeprägt erwünscht und möglich.

    Die Gleichverteilung ist nicht realisierbar. Warum ? Nun, die Antwort gibt Martin mit dem verlinkten Zitat:

    Als ich für mich erkannte, dass meine Suche nach Schuldigen im Grunde nichts anderes war, als der Ausdruck meiner Weigerung, Verantwortung für mich zu übernehmen, war das unangenehm und befreiend zugleich. Unangenehm, weil mir bewusst wurde, dass es an mir selbst und niemand anderen sonst ist, etwas zu ändern und das bedeutete Arbeit und Anstrengung für mich. Befreiend aber deshalb, da ich mit diesem Gedanken ein ganzes Stück erwachsen und unabhängiger wurde. Wenn es letztlich gar nicht mehr so wichtig wäre, wer nun genau Schuld an meiner Misere hätte, könnte ich all die Energie, die ich auf die Suche nach dem Schuldigen genutzt hatte und vor allem all die Kraft, die in meine Anklagen geflossen war, anders nutzen. Und zwar für mich. Dafür, meine Situation zu ändern.

    Die Expansion ist ein Lernprozess … und Schuld ist eine der Lektionen, denn ohne Angst keine Expansion, keine Realisation von Unordnung, und damit keine Grundlagenschaffung für die Optimierung. Das Leben hat jederzeit genau die Energie, die Atemluft, die Rohstoffe und alle anderen Ressourcen zur Verfügung, die es braucht, um die Realität in Richtung des gemeinsamen Ziels voranzubringen … und ich denke, dass dieses eines der größten Geheimnisse des Universums ist.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

    • März 22, 2012 um 10:39 pm

      Guido,

      erst einmal: wieder großartiger Text, besonders der Hinweis auf unbegrenzte Resource Atmenluft; und eigentlich könnte auch Liebe unendlich vorhanden sein. Schade eigentlich.

      Du meinst, dass Schuld im Zuge der Expansion gewollt ist, um die Unordnung zu befeuern? Wäre das dann aktiv, weil so programmiert (siehe Memetik)?

      Ich vermute Mal, dass unsere indigenen Völker keine Schuld kennen. Denn sie lassen ihre Kinder relativ angstfrei aufwachsen. Sie sind eher achtsam, sowohl mit sich als auch der Umwelt. Warum hat es sie dann nicht erwischt?

      Ich wünsche eine gute Nacht,
      Martin

      • März 23, 2012 um 8:22 am

        Schuld ist nicht gewollt … sie ist MÖGLICH, andernfalls würde sie in der Realität nicht auftauchen. Dass sie dann im weiteren Verlauf zur Manipulation und dergleichen genutzt wird, und das ganz bewusst, ist wieder etwas anderes. Der Missbrauch geht aus der eigentlichen Möglichkeit hervor. Alle reaktiven Unordnungsbilder, sei es Macht, Gewalt, Zerstörung, Unterdrückung, haben ihren Ursprung in der MÖGLICHKEIT der Realwerdung. Was anschließend daraus wird, hängt vom Umfeld und dem verkörperten Bewusstsein ab, welches mit dieser Möglichkeit in Kontakt kommt. Hier kommt wieder die Resonanz ins Spiel.

        Warum es die indigenen Völker nicht erwischt hat ? Der relativen Isolierung wegen. In ihrem Bewusstsein bietet sich nicht die Möglichkeit derartiger Realisationen. Wären alle Menschen dieser Welt Teil indigener Völker könnte jedoch die Expansion nicht realisiert werden. Da die Realität aber der gemeinsame Konsens allen Lebens ist braucht es noch immer indigener Völker als energetisches Gegengewicht der Realisation. Das sieht man immer wieder daran, und aktuell zudem verstärkt, dass man sich auf diese Völker beruft, wenn es um die Vergleiche zwischen uns “modernen“ und diesen scheinbar ‚unmodernen“ Menschen geht. Dabei ist es immer der moderne Mensch, der nach Antworten bei den indigenen Völkern sucht … nicht umgekehrt, so als ahnte der moderne Mensch, dass die scheinbar Unmodernen ihnen doch etwas voraus haben …

        Gruß Guido

    • März 22, 2012 um 10:43 pm

      Ich habe mal wieder weiter gedacht als geschrieben. Denn ich hatte dabei die Abschaffung des Privateigentums insgesamt im Sinn und die Möglichkeiten der Technologie, genug von allen Gütern herzustellen, so dass jeder mehr als genug von allem haben kann – wenn er es denn möchte.

      Das hat nichts mit „Gleichmacherei“ zu tun. Ganz im Gegenteil! Nicht jeder mag blaue Hosen!

      Aber mit der MÖGLCIHKEIT; dass jeder ALLES haben KANN, entfällt dann auch eine „notwendige?“ Strafe und damit die Schuld.

      Also ehrlich, ich weiß nicht, ob die Menschen die „Erfahrung (Lernprozess)“ der „Schuld“ wirklich brauch(t)en oder ob das nicht einfach eiskalt und wissentlich von einigen Menschen benutzt wurde, um die Menschen in Knechtschaft zu bringen und dann darin zu halten!

      • März 23, 2012 um 8:35 am

        Aber wenn erst einmal die Möglichkeit der Realisation besteht, hört die weitere Entwicklung des Bildes nicht auf, wenn es denn dann real geworden ist. Die Bildverarbeitung nimmt ihren Lauf, eben weil alles in den gemeinsamen Prozess der maximalen Expansion einfließt. Nur weil jeder alles haben kann, hört die Entwicklung ja nicht auf, ganz im Gegenteil, sie würde sogar ins unkontrollierbare Chaos übergehen. Genau deshalb ist es nicht realisierbar, weil es den energetischen Grundlagen widerspricht.

        Ob wir eine Erfahrung brauchen, die Frage nach dem WARUM, ist irrelevant, weil diese Fragen nicht beantwortet werden können und einzig die weitere reaktive Unordnung nähren. Sich von Schuld und allen bildgewordenen Geschwistern zu befreien kann nur gelingen, wenn diesen Bildern die Möglichkeit der Realisation entzogen wird. Dafür braucht es aber die Energie, die wir immerzu in die Beantwortung nach dem WARUM stecken …

        Gruß Guido

  3. Elke
    März 22, 2012 um 10:41 pm

    Hallo Martin,

    Ja das ist tatsächlich so – man versucht gelegentlich „Schuld“- also die Verletzung gegen herrschende Regeln zu vertuschen. Ursache ist unser Denken in Werten und Normen, die das geltende Gesellschafts- und Rechtssystem vorgibt und diese bei Nichtbeachtung mit Strafen ahndet. Religionen spielen ebenfalls eine große Rolle – selbst für die, die nicht daran glauben. Das ist die eine Seite der Medaille.

    Die andere ist die Einsicht oder Erkenntnis, was auf durchgeführte Handlungen folgt. Wenn jemand unbedacht eine Katastrophe herbeigeführt hat, wird er Schuldgefühle haben – unabhängig vom Rechtssystem – er erkennt das Leid, was ausgelöst wurde. Das ist der Normalfall – denn meiner Meinung nach ist jeder Mensch bestrebt so zu leben, dass niemand anders dadurch zu Schaden kommt. Es gibt ein erlerntes Schuldgefühl, aber auch ein natürliches. Aber nicht bei jedem ist der Ausprägungsgrad gleich groß.

    Oder Unrechtssysteme, die sich als Staat bezeichnen- sie unterdrücken das Volk – es unterwirft sich, aber irgendwann werden immer mehr aufstehen und sich dagegen wehren, bis der Machthaber fliehen muss.
    Hier geht Kaufmanns Ansatz scheinbar nicht auf – denn geltendes „Recht“ wird bekämpft, da es das Gefühl der Menschen verletzt und ihr eigenes natürliches Verständnis von Recht verletzt – obwohl sie es staatlich verordnet bekommen haben.

    LG
    Elke

    • März 23, 2012 um 7:29 am

      … da es das Gefühl der Menschen verletzt und ihr eigenes natürliches Verständnis von Recht verletzt – obwohl sie es staatlich verordnet bekommen haben.

      Ja, Elke, hier scheinst Du etwas anzusprechen, was im Bereich der Commons-Forschung auch ehraus gefunden wurde:

      Gemeingüter werden dann gut gepflegt, wenn die Regeln der Nutzung gemeinsam festgelegt wurden. Dagegen funktioniert es schlecht, wenn die Regeln von außen vorgegeben werden. Und so ist das mit unserem Staat. Das Grundgesetz ist uns vorgegeben worden, und damit die Strukturen des Staats und des Miteinanderlebens. Und da es wenig Instrumente der Beteiligung gibt (Bürgerbegehren, Bürgerrat, etc.), ist ein Gefühö der Ohmacht vorhanden. Wolfgang hatte daher z.B. die Idee der Umfrage, die oben rechts noch immer zu sehen ist und sich leider so Wenige bisher beteiligt haben.

      Wenn wir von unten nnach oben regieren würden, sehen unsere Welt wohl deutlich anders aus und wir würden weniger über Schuld sprechen und auch weniger Menschen unter uns haben, die vor lauter Schuldgefühlen krank sind.

      LG Martin

  4. federleichtes
    März 23, 2012 um 1:33 am

    Startschwierigkeiten.
    Da ich nicht so inteligent bin, befragte ich Wiki zu „Ressource:
    Eine Ressource [rɛˈsʊrsə] (französisch la ressource [ʀəˈsuʀs] ‚Mittel‘, ‚Quelle‘, von lateinisch resurgere ,hervorquellen‘) ist ein Mittel, um eine Handlung zu tätigen oder einen Vorgang ablaufen zu lassen.

    Eine Ressource kann ein materielles oder immaterielles Gut sein. Meist werden darunter Betriebsmittel, Geldmittel, Boden, Rohstoffe, Energie oder Personen und (Arbeits-) Zeit verstanden, in der Psychologie auch Fähigkeiten, Charaktereigenschaften oder eine geistige Haltung, in der Soziologie auch Bildung, Gesundheit und Prestige.“ Zitatende

    Quelle für eine Handlung? Nach meiner Philosophie bedarf es für eine Handlung dreierlei: Energie, ein Motiv und eine Absicht. Wäre das – zusammengefaßt – die Quelle?
    Könnten wir Leben unter dem Gesichtspunkt betrachten, einen Vorgang ablaufen zu lassen?

    Wie verbinde ich Ressource, wie der Titel es mir abverlangt, mit der Schuldfrage?
    Ideen, Absichten und Energie sind sicher nicht gleichermaßen auf jeden Menschen verteilt. Weist der MInderbemittelte denen Schuld zu, die mehr Energie, Absichten und Motive haben? Oder haben die automatisch Schuld, die in diesem Sinne über mehr Ressourcen verfügen?
    Und wie verträgt sich das Konstrukt mit der Erkenntnis, dass der Arme, der nur über wenige FREMDE Ressourcen verfügt, gerade deswegen besonders glücklich ist (oder sein soll)?

    Jahre verbrachte ich mit dem Gedanken, Schuld und Verantwortung seien ein Pärchen. Heute betrachte ich das geringfügig anders:
    Dass der Schuldige die Verantwortung trägt für das, was der Mächtige ihm zuweist. so stehen sich mir nun Schuld und Macht gegenüber.
    Kleines Beispiel:
    Mit der Akzeptanz, sich regieren lassen zu müssen, gibt der brave Demokrat sein Stimmchen ab, und läßt folgend eine andere Macht über seine Existenz (und die Gesellschaft, in der er lebt) entscheiden. Da er seine Ressource Macht aus der Hand gab, wird er (nach dem Ursache-Wirkungs.Prinzip) schuldig an den Folgen.

    Hört sich ein bisschen merkwürdig an, gell.

    Schauen wir auf die indigenen Völker. Sie behielten die Quelle (das Leben als Energie, Motive und Absichten) in ihrer Hand, kontrollieren, was mit ihnen geschieht, sind in der (Eigen-)Verantwortung und – deswegen frei von Schuld und – glücklich?
    Verlangen wir also nach fremden Ressourcen und werden DADURCH unglücklich?

    Klar ist, Susanne und ich sind ab sofort ein indigenes Volk. Und Bruder

    Kleiber ist natürlich mit von der Partie. Foto: Susanne.

    Wolfgang

  5. März 23, 2012 um 7:46 am

    Armin Neutag hatte geschrieben auf Facebook:

    Wieso habe ich da Gefühl, dass die Headline (Wieso ist der Begriff Schuld in unserer Welt und wem nutzt er?) wenig mit dem Inhalt zu tun hat? 🙂

    Zur Headline meine ich das es nicht die gleichmäßige Teilhabe an der Verwendung wie an der Erschaffung von Ressourcen geben wird. Das halte ich für eine Utopie. Ob es von Nöten ist weiß ich nicht. Bestimmt aber spielt dabei Gier, Neid und Angst eine größere Rolle bei den materiellen Schulden.

    Im Text schreibst du von Schuld im Sinne von „sich schuldig fühlen“ Das sehe ich als ein Teil des Erwachsen werdens, des sich entwickeln und formen um sich von fremd aufgegebener Schuld zu befreien. Die hat nichts mit anderen zu tun sondern nur mit dem alten Denken in mir, vielleicht mit der angelernten Angst und dem angelernten, falschen Denken woanders suchen zu müssen als in mir.

    Schuldig im Sinne einer Verfehlung eines Gesetzes oder meiner inneren Überzeugung halte ich auch für etwas anderes. Geht es doch hierbei mehr um Angst vor der Strafe, günstigsten falls ist das Gefühl von Schuld auch Ausdruck dessen gegen meine innere Überzeugung gehandelt zu haben. Das Gefühl von Schuld zeigt mir doch dann nur meinen eigenen, inneren Konflikt an. Dabei habe ich, sofern richtig genutzt, die Chance meine innere Überzeugung kennen zu lernen. So kann ich ein überzeugter Dieb werden und brauche mich fortan nur mit der Angst vor möglichen Konsequenzen auseinander zu setzen oder ich habe die Chance mein Handeln zu überdenken und mich zu ändern.

    Da fällt mir wieder auf das diese Dinge leider nicht in der Schule erlernt werden können, diese persönliche Wachstum, obwohl es sehr hilfreich für das Leben währen. Statt dessen lerne ich vielleicht weitere Schuldgefühle zB. durch falsche religiöse Lehren.

    Und wenn ich mir das so ansehe, die materielle Schuld, die fremd auferlegte moralische Schuld und den Konflikt meiner inneren Schuld meine ich nicht das sich das jemand ausgedacht hat, damit wir uns mehrfach Schuldig fühlen. Ich glaube das ist eher ein Fall von unpräziser Sprache, von Unwissenheit und vielleicht von zu viel Phantasie 🙂

    • März 23, 2012 um 7:52 am

      Ja, in der Schule werden die Schüler leider nicht mehr auf das Leben sonder auf das Arbeiten vorbreitet: marktkonforme Schule, wie marktkonforme Demokratie.

      Es ist jedenfalls für mich eine spannende Fragen, wie sich der Begriff der Schuld entwickelt hat. Kenn z.B. indigene Völker den Begirff der Schuld? Sprich ist es ein natürliches Gefühl wie das der Angst, die uns vor Ungemach schützt? Oder wird sie nur in einer Kultur zusätzlich entwickelt und weitergegeben, wie z.B. die Faulheit als Verweigerung sich nicht in die Gemeinschaft einzubringen? Es bleibt noch viel zu erkennen, und das ist auch ein spannender Prozess …

  6. März 23, 2012 um 9:34 am

    Steve Dzicher hatte auf Facebook geschrieben:

    ständig wird das pferd von der falschen seite aus gesattelt… die frage müsste richtig heißen; „gäbe es ohne schuld eine gleichmäßig verteilte teilhabe aller menschen an allen ressourcen?“

    sicher gäbe es diese teilhabe, denn erst die schuld und das zugrundeliegende schuldgeldsystem usw, die ermöglichen, dass einige staaten die schulden der anderen akkumulieren und damit auch die ressourcen übernehmen können. schuld ist das übel dieser welt… nicht die ressourcen. ressourcen können ohne schuldgeld keine schulden generieren. ohne schuldgeld müssten sie leichmäßig verteilt werden. schuldgeld ist also DAS machtinstrument seit seiner entstehung.

    • März 23, 2012 um 9:42 am

      Kann es sein, dass in dem Augenblick, wo nicht mehr geschenkt wird, also wenn ich von dem, was ich selbst über habe, dem Anderen nicht gebe, der dieses gerade nicht hat, aber braucht, dieser Sndere sich in meine Schuld stellen muss, weil er mir das dann nur von mir Geborgte auf andere Weise wieder zurückgeben muss?
      Mit anderen Worten: Wenn ich in einer Kultur des bedingungslosen Schenkens lebte, würde ich mich dann nicht schuldig fühlen müssen, wenn ich ein Geschenk annehme?

      • März 23, 2012 um 11:31 am

        Vollkommen richtig!
        Und auch den Kommentar des Steve Dzicher unterschreibe ich.

      • federleichtes
        März 23, 2012 um 12:05 pm

        Leben impliziert Leistung – für sich selber UND die Gemeinschaft. Man macht uns nur etwas anderes glauben. und wir glauben es und handeln anders – und fühlen anders und handeln noch anders.
        Zuletzt weiß niemand mehr, worum es eigentlich geht – kommt Dir sicher bekannt vor.
        Setz Dich ruhig hin, spüre Glück und verbinde damit die Leistung für die Gemeinschaft. Punkt!

      • März 23, 2012 um 4:42 pm

        Fühlt sich das Leben schuldig, weil die Natur es beschenkt ? Oder sollte man Schenken vielmehr als die Zurverfügungstellung von Möglichkeiten ansehen, denn das ist ja, was die Natur macht … sie stellt Ressourcen zur Verfügung, damit das Leben das gemeinsame Ziel erreichen kann. Warum sich dann schuldig fühlen, wenn das, was zur Verfügung gestellt wird, im Sinne Aller gut und zielgerecht integriert wird ? Somit kann Schuld nur entstehen, wenn es nicht der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. Daher gehört Schuld zur Expansion und es entsteht die Verpflichtung sich für ein Geschenk erkenntlich zu zeigen.

        Horten und Ansammeln schafft immer ein Ungleichgewicht und Spannungen, durch immer weiter auseinandergehende Polaritäten. Indigene Völker kennen dieses nicht, da ihnen diese Polarität fehlt. Einzig, wenn derartige Völker zusammenkommen, durch Gegebenheiten in der Umgebung, und Völker untereinander vergleichen können/müssen, was die anderen haben, bildet sich Spannung, die, z.B. unter harten Umweltbedingungen, sich entladen können.

        Hätten wir das global village, dann könnte keine Spannung aufgebaut werden, doch dazu bedarf es erst der Entledigung jeglicher reaktiver Unordnung … und das ist ein Fall für die fortgeschrittene Optimierung, für deren Realisierung bereits jetzt schon Saatgut gesammelt wird … Dein Blog, Martin, ist solch eine Saat.

        Gruß Guido
        http://www.gold-dna.de

        • März 23, 2012 um 6:23 pm

          Somit kann Schuld nur entstehen, wenn es nicht der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird.

          Ja, das ist zu diesem Schluss eine gute Herleitung.

          Was das Horten von Nahrung angeht, so finden wir im Tierreich diesen Effekt nur wenig ausgeprägt. Mir fallen da spontan nur die Eichhörnchen ein, die sich ihren Wintervorrat an Eicheln und Nüssen überall verbuddeln. Und was nicht gegessen wird, wird zu neuem Leben, sprich ein Pflänzchen.

          Gut, es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten des Hortens, z.B. das Ansetzen von Winterspeck bei den Bären.

          Es scheint also eine besondere Leistung von Menschen zu sein, sich in jenen Regionen, die im Winter wenig Nahrung bieten, einen Vorrat für den Winter anzulegen. Und wenn der Vorrat nicht genügt, wird es eng und es begann der Kampf um´s Überleben. Nur heute, wo wir weltweit mehr Nahrung produzieren als wie brauchen, wäre es ein Leichtes, zu einer bedingungslosen Schenkkultur wechseln zu können. Das muss nur von Allen gewollt werden, sprich aktuell von Jenen, die die Verantwortung erhalten haben, so lange wir unsere Verantwortung nicht behalten.

  7. federleichtes
    März 23, 2012 um 11:39 am

    Leider nur sehr wenig Zeit, daher kurz.
    Schuld ist ein Begriff für ein Gefühl, das entsteht (geweckt wird), um mich in die Pflicht zunehmen.
    Leben IST mit einer Pflicht verbunden.
    Wir sprachen gerade hier bei Dir, lieber Martin, lange und ausführlich darüber, was durch Leben zu erschaffen ist: Bewusstsein.
    Genauer gesagt geht es um ein Bewusstsein für Existenz. Mit der Fragestellung: Wie erschaffe ich eine SICHERE Existenz.
    Das kann nur gehen, indem ich – unter Berücksichtigung anderer Existenzen – mit den Ressourcen vernünftig, nachhaltig umgehe.
    Konkret für den Menschen bedeutet dies: Mit einem Minimum an Verbrauch ein Maximum an Existenz-Qualität zu erreichen.
    Konkret bedeutet es: Erschaffe dir dein Glück und lasse es dir nicht wieder rauben. Glück ist DIE Existenzform. Man kann es aus sich selbst heraus generieren. Und man kann es mit anderen – unbeschadet der eigenen Existenz – teilen. Glück ist Inbegriff einer Schenkkultur. Schau Dir den Kern Deiner Fragestellungen an. Ist es nicht DAS, was Dich bewegt?

    Jetzt geht’s los.

    Euch einen guten Tag.

    Wolfgang

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