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Wieso wird Ethik in den Kulturen so unterschiedlich ausgelegt?

Auf meiner Suche nach einheitlichen, tauglichen (=Tugend) Gesellschaftsregeln (siehe hier mein erster Artikel dazu: Überall auf der Welt haben sich grundlegende Werte ausgebildet – Hoffnung für eine bessere Zukunft?) bin ich gerade über den Begriff Nahrungstabu (eine kleine Übersicht) auf Wikipedia gestolpert. Die Lektüre des Wikipedia-Artikels macht mal wieder deutlich, dass Regeln sehr unterschiedlich ausfallen und die Kulturen sich entsprechende Regeln für Ernährung meist aus Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen (mit möglichst wenig Aufwand den größten Nutzen erzielen, daraus wurde die Theorie rund um den Homo Oeconomicus entwickelt) gegeben haben. Es war das zu essen verpönt, was entweder generell schlechter verwertbar war oder lebend besser. Was den Einen also als ethisch vertretbar ist, da ekeln sich Andere wieder vor.

Wikipedia

Dass so viele unterschiedliche Regeln zu sehen sind, deutet darauf hin, dass es kein objektives „so ist es absolut richtig“ gibt, denn was für den Einen richtig ist, ist für den Enderen falsch. Besser, wir gewöhnen uns daran, über „das ist auf Basis unserer jetzigen Erkenntnis zuträglich (oder nicht zuträglich; taugen-> Tugend)“. Damit ist der Prozess eingebaut, dass wir als Sinn unseres Lebens mehr Erkenntnisse gewinnen sollen, um unser Leben und damit das Gesamtbewusstsein laufend weiterzuentwickeln. So müssen sich Regeln entsprechend schnell anpassen. Und das geht am besten, wenn möglichst dezentral regiert wird, sprich von unten nach oben und nicht von oben nach unten mit möglichst immer zentraler.

In den Firmen wird damit schon begonnen, den Menschen mehr Entscheidungsverantwortung zu übertragen, dort wo sie arbeiten (sehr butes Beispiel ist DM oder Semco). In der Politik sehen wir dagegen die Bestrebung der Zentralisierung, hin zu immer mehr EU, und danach die ganze Welt.

Besser, wir sorgen dafür, dass Alles fließen kann, nicht nur Wasser und Energie sondern auch unsere Regeln. Lasst uns Vielfalt zulassen, denn das sorgt gepaart mit Transparenz, das das notwendige Vertrauen gibt (was uns in unserem Politiksystem inzwischen völlig abgeht), für die notwendige Kultur zur Innovationskraft. Wer im Vorhandenen erstarrt, der scheint mir schon tot. Besser wir hinterfragen und prüfen wieder vermehrt, was für uns zuträglicher ist.

Dass es uns schwer fällt, einmal Gelerntes und Praktiziertes aufzugeben, weil wir Anderes als zuträglicher erkennen könnten, zeigt dieser Artikel auf The Intelligence auf: Vier Hindernisse am Weg zur Objektivität. Besonders der darin verlinkte Film, den ich her auch schon mal brachte, mit einem Vortrag der leider schon verstorbenen Vera F. Birkenbihl ist sehr lehrreich:

Kategorien:Bildung, Ethik, Gesellschaft Schlagwörter: , , , ,
  1. März 24, 2012 um 1:38 pm

    Überall da, wo – nicht nur – die Essensvorschriften, die ja sicherlich einmal Empfehlungen waren, zum bloßen Ritual erstarrt ist, weil es eben „geschrieben steht“ und der eigentliche Sinn dahinter verloren gegangen ist, wird die ganze Vorschrift zur Farce, verkommt zur Abgrenzung von anderen, wird wie irrsinnig immer und immer wieder wiederholt, obwohl es gar keinen Sinn (mehr) macht.

    Das Schweinefleisch ist den Muslimen verboten (worden), weil es viel zu teuer ist, ein Schwein groß zu ziehen, um es hinterher zu essen. In der Wüste gab es weder genug Wald, um die Schweine sich ihr Futter selbst suchen zu lassen noch genügend Abfälle, um damit ein Schwein groß zu ziehen.
    Ziegen und seltener Rinder wurden vor allem wegen ihrer Milch gehalten.
    Es war und ist also rein von den Umweltbedingungen her unsinnig, in der Wüste Schweine züchten zu wollen.
    Dennoch befolgen die Muslime auch in anderen günstigeren Lebens-Umwelten dieses Gebot aus dem Koran blind.

    Ja, es ist sehr hilfreich, alles zu hinterfragen, statt sich hinter „Gesetzen“ und „es war schon immer so“ und „es steht geschrieben“ zu verstecken…

    „Bewegung ist Leben. Stillstand ist Tod“, wußten schon die Alten Chinesen…

    http://www.myvideo.de/watch/7314693/Holger_Biege_Sagte_mal_ein_Dichter

  2. März 25, 2012 um 3:35 am

    So macht es ja auch Sinn, denn gäbe es etwas, dass überall auf der Erde dahingehend gültig wäre, dass sich Ordnung damit erreichen ließe, und zwar dauerhaft, dann würden wir uns alle draufstürzen und es anwenden. Da aber die Unordnung vorgegeben ist und nach und nach in Ordnung überführt werden muss, kann es keine Ordnungsschaffung ohne Probleme geben … zumindest solange die Unordnung zunimmt und das Bild des Universums expandiert … auch wenn besagtes Universum nicht wirklich expandieren muss, sondern einzig die Interpretation zählt … und die hat ja noch Bestand, schließlich ist es die allgemeinhin akzeptierte Sicht.

    Gäbe es in der Expansion somit ein wirklich wirksames Heilmittel gegen Krebs oder Infarkt, käme es einer energetischen Abkürzung gleich, die es aber nicht geben kann.
    Gäbe es ein Nahrungsmittel, welches ideal für alle Menschen wäre, eines, welches alle mit Appetit essen würden, eines, welches die Gesundheit fördert, eines, welches immer und überall verfügbar wäre, und zudem nicht dick macht, dann wäre auch dieses eine Abkürzung zur Ordnung, die es in diesem Maß jedoch, aufgrund der Unordnungsvorgabe, nicht geben kann.
    Gäbe es eine Energiequelle … und so weiter, und so fort …

    Und die Moral von der Geschichte ?

    Da müssen wir alle gemeinsam durch, denn …

    Damit ist der Prozess eingebaut, dass wir als Sinn unseres Lebens mehr Erkenntnisse gewinnen sollen, um unser Leben und damit das Gesamtbewusstsein laufend weiterzuentwickeln.

    In der Tat. Nur so kann die Saat für die Optimierung entstehen.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

  3. März 28, 2012 um 11:04 pm

    Der Vater der Anarchie, Proudhon, hat ebenfalls ein Beispiel dafür, wie ethischen Aspekte sich in unterschiedlichen Rechtsauffassungen manifestierten (Quelle):

    Ist die Herrschaft des Menschen über den Menschen gerecht? Jeder wird antworten: Nein; über den Menschen herrschen darf nur das Gesetz, das Gerechtigkeit und Wahrheit sein soll. Die private Willkür gilt nichts bei der Regierung, deren Aufgabe es ist, einmal zu erkennen, was wahr und gerecht ist, um danach das Gesetz zu machen, und dann, die Ausführung dieses Gesetzes zu überwachen. -Ich untersuche jetzt nicht, ob unsere konstitutionelle Regierungsform diese Bedingung erfüllt, ob beispielsweise niemals die Willkür der Minister in die Erklärung und Auslegung des Gesetzes eingreift, ob unsere Abgeordneten in ihren Debatten mehr daran denken, durch die Vernunft als durch die Zahl zu siegen: es genügt mir, daß die anerkannte Idee von einer guten Regierung so ist, wie ich sie definiere. Diese Idee ist genau; dennoch sehen wir, daß den Völkern des Orients der Despotismus ihrer Souveräne ganz gerecht erscheint; daß die Alten und selbst ihre Philosophen die Sklaverei für gerecht hielten; daß im Mittelalter die Adligen, Äbte und Bischöfe es für gerecht hielten, Leibeigene zu haben; daß Ludwig XIV. im Recht zu sein glaubte, als er den Ausspruch tat: L’Etat c’est moi; daß Napoleon jeden Ungehorsam gegen seinen Willen als Staatsverbrechen betrachtete. Die Idee der Gerechtigkeit ist also in ihrer Anwendung auf Souveränität und Regierung nicht immer dieselbe gewesen wie heute; sie hat sich unaufhörlich entwickelt und wurde immer genauer bestimmt, bis sie endlich auf dem Punkt angekommen ist, wo wir sie erblicken. Aber ist sie in ihrer letzten Entwicklungsphase angelangt?

    Und dann kommt für ihn der Angriff auf das Ganze, damit das Elend auf der Erde ein Ende fände:

    Ich glaube es nicht: nur ein letztes Hindernis hat sie noch zu besiegen, um die Reform in der Regierung und die Revolution zu vollenden, und dies ist einzig das Eigentumsrecht, welches wir beibehalten haben. Dieses Recht müssen wir daher angreifen.

    • März 29, 2012 um 1:11 pm

      Ich glaube es nicht: nur ein letztes Hindernis hat sie noch zu besiegen, um die Reform in der Regierung und die Revolution zu vollenden, und dies ist einzig das Eigentumsrecht, welches wir beibehalten haben. Dieses Recht müssen wir daher angreifen.

      Sag‘ ich doch dauernd! 😀

  4. März 28, 2012 um 11:52 pm

    Anbei mal wieder ein Text, der viele Fäden zu einem Ganzen zusammenfügt:

    http://derstandard.at/1332324053522/Amazonas-Die-erstaunlichen-Testosteronwerte-der-Tsimane-Maenner

    Unordnung = Männlich = Emotionen
    Ordnung = Weiblich = Gefühle

    Lebt man in einer Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel ohne Konkurrenz, ohne Eigentum, überwiegt die Ordnung, von Natur aus.
    Lebt man in der modernen Zivilisation mit einem eigenen Ziel, ohne Gemeinschaftssinn, auf Eigentum bedacht, überwiegt die Unordnung.

    Und die Infektanfälligkeit ? Eine weiße Leinwand, mal wieder. Denn besagte Erkrankungen durch Erreger zeigen einzig auf, wo die Unordnung zuhause ist. Erreger erregen von sich aus keine Krankheit, sie weisen einzig auf unordentliche Zustände im Körper und der Umgebung hin … oder anders ausgedrückt: Erreger erregen entsprechend Aufmerksamkeit, als Krankheit wahrgenommen, und von vielen Menschen völlig verkannt als Werk von bösen Organismen, die doch in Wirklichkeit Helfer der Optimierung allen Lebens sind.

    Gruß Guido

    • federleichtes
      März 30, 2012 um 4:02 pm

      Könnte man die Infektanfälligkeit herleiten aus –
      von verwirrtem Geist und/oder negativen Emotionen verursachten Erregungen, die sich auf der körperlichen Ebene als destruktiv oder lebensfeindlich manifestieren? (Und das Virus weist mit dem Finger darauf?)

      Gruß
      Wolfgang

      PS.
      Dafür
      „Unordnung = Männlich = Emotionen
      Ordnung = Weiblich = Gefühle“
      hast Du Dir wohl das „Daumenrunter“ eingehandelt. Von mir gab’s ein Daumenrauf!
      (die Unordnung einiger „Männer“ scheint unter anderem darin zu bestehen, ihren Daumen nicht kontrollieren zu können)

  5. März 31, 2012 um 12:10 pm

    Im Grunde ist die sogenannte Infektanfälligkeit ein energetisches Maß für:

    1) die angesammelte Unordnung im Körper bzw. die noch bestehenden Ordnungsmöglichkeiten … ein Fall für Bakterien

    2) die Integrierbarkeit des Körpers in das Gesamtgefüge des Lebens … ein Fall für Viren

    Dass Emotionen hier eine Rolle spielen liegt auf der Hand, doch sind sie nicht alleiniger Grund für die Anfälligkeit.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

    • federleichtes
      März 31, 2012 um 12:52 pm

      Guido,
      könnte es eine Formel geben, die lautet:
      Informationen beschaffen Energie, und
      Energie mobilisiert Informationen?

      Und:
      Angst stoppt das natürliche Fließen (von Energie):
      Verwirrung schafft Unordnung.
      Wären demnach Bakterien dem Geist, und Viren den Emotionen zuzuordnen?
      Treffen hier Form und Stoff aufeinander?

      Gruß
      Wolfgang

  6. April 1, 2012 um 12:32 am

    Lass es uns vereinfachen: Information IST Energie.
    Informationen sind die Bausteine der Antworten auf alle Fragen des Universums.

    Bezüglich der Bakterien und Viren müsste es umgekehrt lauten: Bakterien zu Emotionen und Viren zu Geist … es ist die Bazille, die als Schimpfwort herhalten muss und das Virus, welches Bilder beschreibt, die rasch in verschiedene Bewusstseine eindringen, indirekt, wie direkt.

    Gruß Guido
    http://allesgruene.wordpress.com/

    • April 4, 2012 um 9:14 am

      Übrigens weiß die Wissenschaft noch immer nicht, wie genau die Information in uns gespeichert wird. Was, wenn die Information der Energie in den morphogenetischen Feldern außerhalb unseres Körpers liegen, quasi in der Cloud, und unser Gehirn nur die Antenne in diese Felder ist. Wir hätten dann in der Cloud einen persönlichen Speicher, und jene, die schon befähigter sind, haben den bewussten Zugang auch zu anderen Informationen.
      Damit könnte auch Telepatie leicht erklärt werden …

  7. April 4, 2012 um 9:07 am

    Gerade wurde auf den NachDenkSeiten ein Interview mit dem Buchautor Frank Überall veröffentlich, das dem Thema Ethik von Korrumpisten aufgreift. Hierin sagt er u.a.:

    … Diejenigen, die Korruption betreiben, haben meist keinerlei Unrechtsbewusstsein. Das ist ja keine offensichtlich grausame Tat wie etwa ein Mord oder eine Geiselnahme. Man ist ja auch nicht alleine: Der eine besticht, der andere lässt sich bestechen. Man muss das nur vor den anderen geheim halten, sonst gibt`s Ärger. Deshalb versucht man, eine rechtfertigende Ethik über das eigene verwerfliche Handeln zu legen. Man legt sich gemeinsam eine Sonder-Moral zu Recht. Das geht hin bis hin zu sprachlichen Codes. Da werden Schmiergelder als „Beraterhonorare“ oder „Provisionen“ deklariert, da wird mit breitem Grinsen die kriminelle Kumpanei angedient unter dem Motto „Es soll Dein Schaden nicht sein…“ Aber den Schaden haben eben andere… Die „Korruptionsethik“ hilft, sich so was schön zu reden. Nur, wenn wir Korrupte verstehen, können wir ihr kriminelles Handeln bekämpfen! …

    Wenn wir in einer Schenkkultur lebten, würde es Korruption nicht mehr geben und auch kein aufwändiges Compliance Management, oder?

  8. federleichtes
    Oktober 30, 2012 um 1:52 pm

    Ethik ist nicht Ethik!
    Weil die Vernunft des Überlebens verschieden sein MUSS –
    für Menschen, die sich vom Krieg ernähren MÜSSEN,
    und denen, die sIch verteidigen MÜSSEN.

    Warum ging’s hier nicht weiter?

    Wie stehst Du, lieber Guido, mittlerweile zum Thema „Energie und Information“?

    Gruß
    Wolfgang

  1. März 26, 2012 um 9:10 pm
  2. Oktober 28, 2012 um 11:40 am
  3. Oktober 30, 2012 um 9:35 am
  4. Februar 18, 2014 um 9:20 am

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