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Leiden.schafft.Vorsprung oder darüber, dass Leid uns erst überleben lässt …

Wikipedia: Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt

Wikipedia: Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt

Können wir an das Ende des Chaos nur gelangen, wenn uns die Gier möglichst viel Leid antut, so dass wir dann erst zu jener Leidenschaft gelangen, eine liebevolle, achtsame Welt schaffen zu wollen?

Ich hatte heute gelesen, dass der Lehrer George Gurdjieff zu der Erkenntnis gelangte (zu finden in PD Ouspenskys „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“):

Ein Mensch wird jeder Freude entsagen, die du willst, aber er wird nicht sein Leiden aufgeben. Der Mensch ist gemacht in einer Weise, dass er nichts so sehr anhaftet, wie seinem Leiden.

Das hört sich dann allerdings noch dramatischer an. Als wäre das Leiden genauso wichtig wie die Gier, damit wir überhaupt den Drang zum Überleben verspüren. Würden wir ohne Leid nichts mehr schaffen wollen?

Auf Wikipedia hatte ich noch gefunden, dass der Ausdruck Leidenschaft von Philipp von Zesen (1619 – 1689) für das lateinische Wort passio – Passion Jesus, der Leidensweg (siehe Bild oben) – in die deutsche Sprache eingeführt wurde.

Inzwischen ist der Begriff Leidenschaft eher positiv besetzt. „Ich bin ein leidenschaftlicher Naturfotograf“ würde bedeuten, dass ich mich dabei verlieren kann. Hm, auch schon wieder eine interessante Wortwendung: „verlieren“. Habe ich mich verloren, wenn ich nicht mehr bewusst bin sondern mich allein von meinen Gefühlen leiten lassen?

Unser Marketingleiter hatte vor zwei Jahren den Slogan „Leiden schafft Vorsprung“ für unsere Software SAPERION ECM Suite gewählt. Mit ihr können Dokumente elektronisch verwaltet werden. Firmen mit viel Papier in Archiven oder mit Unmengen an Dateien auf den File-Servern habe ihre liebe Mühe, bei Bedarf ein konkretes Dokument wiederzufinden. Viele Mitarbeiter leiden daran, 1/3 ihrer Arbeitszeit mit einer ineffizienten Suchen nach Dokumenten zu verbringen. Und so wird das Rad häufig mehrfach erfunden, weil die eigentlich schon vorhandene Information im Überfluss verloren ging.

Wer also Leid verspürt, der wird etwas dagegen tun wollen. Und mit der neuen Lösung hat er sich dann in Sinne des aktuellen Konkurrenz-Marktes einen Vorsprung vor den Anderen geschaffen.

Sollten wir also froh sein, dass sich in unserem System so viele Psychopathen entwickelt haben und in machtvolle Positionen kommen, und die uns so viel Leid bringen, damit wir endlich aus unserer Lethargie gerüttelt werden und damit bei uns bewusst beginnen, besser liebevoller und damit überlebenszuträglich zu handeln als uns dem Egoismus hinzugeben und immer zu abzuwägen, was es an Wert für uns hat?

  1. Mai 20, 2012 um 11:15 pm

    Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, so daß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen.

    Hoheslied 8,6-7

  2. Mai 20, 2012 um 11:27 pm

    Die höchste Schönheit, die der Mensch erreichen kann, ist, dass er alle Leidenschaften in sich zu einem Kunstwerk verarbeitet, dass er wie ein Gott über allen steht und sie regiert, so dass sie nur immer von der Kraft der Seele zeigen, aber nie in widrige Verzerrung ausarten.

    Sophie Bernhardi, Lebensansicht

  3. federleichtes
    Mai 21, 2012 um 2:12 am

    Wikipedia sagt:
    „Leid ist immer subjektiv. Was tatsächlich als Leid empfunden wird, hängt vom Individuum ab, also von eigenen Erfahrungen und Einstellungen.“

    Krishnamurti sagt:
    „Solange wir die Wahrheit nicht entdecken, gibt es keinen Ausweg aus unseren Problemen und unserem Leiden. Die Lösung ist die direkte Erfahrung der Wahrheit in der Stille des Geistes, in der Ruhe vollkommener Aufmerksamkeit, in der Offenheit äußerster Empfindsamkeit.“

    Antoine de Saint-Exupéry sagt:
    „Verwechsle nicht die Liebe mit dem Rausch des Besitzes, der die schlimmsten Leiden mit sich bringt. Denn du leidest nicht unter der Liebe, wie die Leute meinen, sondern unter dem Besitztrieb, der das Gegenteil der Liebe ist.“

    Gurdieff war ein ganz spezieller Bursche, entsprechend war seine Lehre und sein Institut.

    Gier schafft Leiden.
    Oh nein. Leiden schafft das Streben nach Dingen, die man zm Glücklichsein nicht braucht, sondern im Gegenteil das Glück verjagen.

    Leiden macht Täter, und die machen Opfer.
    Ich erweise den Menschen keinen Dienst, wenn ich mich zum Opfer machen lasse und damit Täter erschaffe.

    Leben wurde geschaffen, um ein Bedürfnis zu befriedigen.
    Solange man sein Leben dafür verwendet, entsprich man dem Wesen des Lebens – und sollte frei von Leiden sein. Das sage ich. Und warum sollte ich leiden darunter, das Leben noch besser verstehen zu wollen. Ist es nicht die reinst Freude, das tun zu KÖNNEN?
    Darum lasse ich die Psychopathen das tun, was sie können, und tue das, was ich kann. Ich nehme, nur das, was für alle verfügbar ist und was durch mein Nehmen nicht weniger wird. Sollte ich mit anderen Menschen Mitleid empfinden? Oh nein, ich halte es für vernünftiger, Solidarität zu leben und daraus gute Gefühle zu gewinnen. Folge ich als Naturfreund beim Fotografieren einer Leidenschaft? Eher nicht, ich folge allein meiner Vernunft, mit dem geringsten Einsatz den maximalen Gewinn zu erzielen.

    Meine Leidenschaften aus vergangenen Jahren erwiesen sich als Sprunbrett für eine etwas andere Form der Lebensführung: Hingabe. Erfahren, was ich noch geben kann. Erfahren, was ich noch tragen kann, und erfahren, was untragbar ist.
    Vielleicht war das die Grundidee von Gurdieff, den Menschen an seine Grenzen zu bringen und diese zu zerstören. Aber liegt das Suchen nach Grenzen und das Überwinden von Beschränkungen nicht im Wesen des Lebens. Solange man sich nicht limitiert gibt es im Leben keine natürlichen Grenzen; sie entstehen subjektiv, durch Vorstellungen.

    Große Psychopathen leiden unter ganz besonderen Bedürfnissen, und kommen durch die Art ihrer Bedürfnisbefriedigung immer weiter weg von dem, was sie wirklich brauchen. DESWEGEN sind sie große Psychopathen. Ja, und wir sollten dankbar sein, dass wir diese Rollen nicht spielen brauchen.
    Kleine Psychopathen lassen zu, dass die großen Psychopathen mit ihnen IHR Spiel spielen. Sie lassen sich ihre Gefühle rauben und tauschen sie mit den niederen Emotionen auf der Ebene der diebischen Freude ein. Ein kleiner Versicherungsbetrug, eine kleine Steuerhinterziehung, ein Schnäppchen, ein größeres Auto, einen größeren Fernseher, mehr Wissen, mehr Ansehen im Stile der kleinen Großkotze. Wir kennen das, und wir wissen, dass sie sofort ein anderes Spiel spielen, wenn sie nur können.

    Eine meiner größten Freuden ist, dass Viele so glücklich sein wollen wie ich, aber das Niemand mit mir tauschen will. Vielleicht wollen einige mein Glück nur deswegen nicht mit mir teilen, weil sie ahnen, dass mein Glück sich dadurch vermehrt.

    Die Menschheit schrieb ihre Leidensgeschichte mit blutroter Tinte. Solange ihr Wille nicht befreit ist von Leiden schaffenden Informationen, wird sich daran nichts ändern. Meine Leidenschaft beschränkt sich auf den Willen, das Mögliche zu definieren und – es zu tun. Das ist mein Weg und gleichzeitig mein Ziel. Scharfsinnige Denker werden bemerken, dass ich mit dieser EINSTELLUNG bereits am Ziel angekommen bin.

    Leiden ist Luxus, Freunde. Sollten wir in der heutigen Zeit auch diesbezüglich besser den Gürtel enger schnallen?

    Wolfgang

  4. Mai 21, 2012 um 8:49 am

    Und Jesus sprach: Abba, Vater! Es ist dir alles möglich; nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst. (Markus 14,36)

    Alles hat seine Zeit. Leiden und Lust.
    Die subjektive Interpretation was jemand als Leid/Lust empfindet und wie intensiv er diese skaliert ist eine Sache. Die andere ist, welchen Sinn und Bedeutung er seinen Leid-Erfahrungen und Empfindungen gibt.

    „Leiden schafft Vorsprung“, stimmt nur „unter gewissen Umständen“, nämlich dann, wenn dadurch die Fähigkeit und Kompetenz zum „Mitleiden“ vergrößert wird. Andernfalls wächst das Böse.

    Bin durch „Zufall“ auf den Blog gestoßen und freu mich über die „geistreichen“ Artikel und Beiträge.

    • Mai 21, 2012 um 12:43 pm

      Danke für´s Vorbeischauen und das Hinterlassen von Spuren, und die Blumen 🙂

  5. Mai 21, 2012 um 9:02 am

    Nur durch das Leiden – da gebe ich Gurdijev recht – sind die Menschen als Ganzes bis hierhin gekommen.
    Nur durch das Leiden des Frierens haben Menschen das Feuer zu nutzen gelernt.
    Nur durch das Leiden des Hungers haben Menschen gelernt, ständig Essen um sich herum zu haben (Tiere, die ihnen Milch und Eier geben, Körner, die ihnen Nahrung für ein ganzes Jahr und länger geben, Vorräte anlegen = Nahrung haltbar machen).

    Durch die aus Leiden entstandene Vorrats-Wirtschaft entstand langsam aber sicher das Leiden durch Privat-Eigentum = Reichtum weniger und Armut vieler mit der Herrschaft weniger über viele, was sich über die Jahrtausende immer weiter verstärkte und polarisierte bis wir zur heute 1:99 Polarisierung gekommen sind – ich denke, weiter kann diese Entwicklung in diese Richtung nicht gehen, denn die nächste Stufe ist ja 0:100 😀

    Dennoch ging es selbst den Armen insgesamt durch die lange Zeit der Leiden immer besser. Ein Sklave von heute ist in seinem Lebensstandard und Lebensstil einem König zur Zeit der Sumerer gegenüber unendlich besser gestellt.

    Dennoch hört das Leiden nicht auf. Psychopathen regieren die Welt und verstärken das Leiden, daraus ergibt sich für immer mehr Menschen die Notwendigkeit, das Leiden zu überwinden – occupy zeigt, wie die rechtlosen Sklaven das Leiden überwinden werden. Allein durch ihre schiere Masse. Ob der Leidensdruck heute ausreicht, eine neue, ko-operative Gesellschaft zu erschaffen, die eine ganz neue Form des Leidens, des Leidensempfindens und -überwindens hervorbringt, wird die Zukunft zeigen. Technologisch sind wir als Menschheit dafür weit genug entwickelt. Nach meinen Beobachtungen.

    Es ist nämlich auch ein Leiden, sich nicht in die Gesellschaft einbringen zu dürfen, ausgeschlossen zu sein… So mag es möglich werden, individuelles Leiden zu überwinden, indem sich die Menschen zur Verfügung stellen, das Leiden der Gesellschaft zu vermindern – ein bequemeres, schöneres, lichteres Leben zu erschaffen – ein unendlicher Prozess, denn Entwicklung hört nie auf, geht immer weiter. Irgend jemand hat einmal formuliert: Die Erfüllung eines Wunsches gebiert sofort tausend neue Wünsche…
    Daraus entsteht Entwicklung und es ist nur eine andere Beschreibung für das Überwinden von Leiden.

    So bringt das Leiden die Menschen insgesamt vorwärts, denn der Drang des Menschen besteht m.E. nicht im Leiden, sondern im Leiden überwinden – und das gelingt natürlich am besten in Liebe – nicht im „Besitzenwollen“, sondern in Liebe als Lebenseinstellung, nicht als „milde Gabe“.
    Diese Liebe wird bei den Christen auch Agape genannt. In dieser Liebe verliert sich der Mensch als Individuum tatsächlich, jedoch ohne seine Individualität aufzugeben. Er wird eins mit dem, was er tut, eins mit seiner Umwelt und handelt nur noch aus dieser allumfassenden, bedingungslosen, nichts erwartenden Liebe heraus.
    Wer jemals in seinem Tun Zeit und Raum und alles um sich herum, ja sich selbst vergessen hat, kennt Agape.

    Ich gehe nicht ganz mit der Definition Wikipedias von Agape mit, in der es heißt:
    Agape ist also eine bedingungslose, einseitige, befreiende, auf andere zentrierte Liebe. – Das auf andere zentrierte ist, was ich als „milde Gabe“ bezeichne.
    Für mich ist Agape eine Lebenseinstellung, die als erste Bedingung die Liebe zu mir selbst beinhaltet. Erst, wenn ich dazu fähig bin, lerne ich, diese Selbstliebe in alles, was ich tue und gegenüber jedem, mit dem ich zu tun habe, zum Ausdruck zu bringen, indem ich es einfach lebe und vor allem niemals rechne.
    Dennoch gilt: Alles, was ich aussende, bekomme ich vielfach verstärkt zurück. Das ist Gesetz. Und es funktioniert wie ein Gesetz: Ob ich es glaube oder nicht, ob ich es bewusst anwende oder nicht – es wirkt immer.
    Da wende ich es doch schon lieber bewusst an 😀

    • Mai 21, 2012 um 10:26 pm

      @solveigh calderin: „Diese Liebe wird bei den Christen auch Agape genannt. In dieser Liebe verliert sich der Mensch als Individuum tatsächlich, jedoch ohne seine Individualität aufzugeben. Er wird eins mit dem, was er tut, eins mit seiner Umwelt und handelt nur noch aus dieser allumfassenden, bedingungslosen, nichts erwartenden Liebe heraus.“

      Interessanter Gedanke. Und wie passt das in unsere Erfahrung?

      Müssen wir im Rückblick ehrlicher Erinnerung, nicht zugeben, dass wir Menschen Agape-Liebe allenfalls punktuell erfassten und auslebten? Ungeachtet einer ewigen Sehnsucht nach Konstanz in und unter allen Umständen? M.E. ist es ein großer Mythos und Illusion zu glauben, dass dies als Zustand z.B. durch ein „Erleuchtungserleben“, sei es „als Wiedergeburt“ oder als „Buddha“ – „ein für allemal“ hinreichend erlangt werden kann. Diese grundlegenden Erfahrungen sind Türen in einen Entdeckungsraum um Schritt für Schritt die Entropiekräfte immer stärker zu integrieren und zu versöhnen. Wirklich überwinden, werden wir sie nicht. Alles Leben endet im Tod. Das ewige Leben, mag im Hier und Jetzt beginnen. Aber Fleisch und Blut werden es nicht erben. Leiblichkeit bleibt dennoch das Ende der Wege Gottes.

      Biopsychosoziale Trauerprozeße im Sinne einer „Leid- und Schmerzbewältigung“ integrieren Entropieerfahrungen im betreffenden Erfahrungskontext, nachlaufend, als sinnvolles „Opfer“.

      Das Auf und Ab menschlicher Leidenschaften wird befeuert durch sein eifersüchtiges Sehnen nach wirklicher, individueller, göttlicher Identität und Zugehörigkeit.
      Es ist diese Eifersucht als Leidenschaft – welche mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
      „wie Gott sein wollen“ .

      Des Menschen Suchen und Sehnen Agape-Liebe (bedingungslose Liebe) zu erfahren und zu mitzuteilen, wird um so leidenschaftlicher, je umfassender sie erfahren wird. Sie macht leidensfähig ohne Entfremdungserleben bis zur Gefühllosigkeit. Diese Form von Leiden wirkt „verständnisvolles Mitgefühl“ und „mitfühlendes Verständnis“ für die grundsätzliche Unverfügbarkeit von Leben. Wir lernen jedes Leben um so mehr würdigen und wertschätzen, weil wir von ihm leben.

      • Mai 22, 2012 um 8:22 am

        Des Menschen Suchen und Sehnen Agape-Liebe (bedingungslose Liebe) zu erfahren und zu mitzuteilen, wird um so leidenschaftlicher, je umfassender sie erfahren wird. Sie macht leidensfähig ohne Entfremdungserleben bis zur Gefühllosigkeit. Diese Form von Leiden wirkt “verständnisvolles Mitgefühl” und “mitfühlendes Verständnis” für die grundsätzliche Unverfügbarkeit von Leben. Wir lernen jedes Leben um so mehr würdigen und wertschätzen, weil wir von ihm leben.

        Das kann gefallen. Mitfühlen scheint mir ein wesentliches Element des Lebens zu sein. Guido hatte auf die Möglichkeit eines „Gedankenfeldes“ hingewiesen, in dem alles gespeichert ist, was war und an dem wir unbewusst partizipieren, und gespeichert wird, was gerade neu bewusst wird.

        Mal grob angedacht: Wer bewusst mitfühlen kann, der mag die Kopplung an dieses Feld noch verstärken, d.h. sowohl sich wieder genesen aber durch seine positive Ausstrahlung andere genesen?

    • Manfred Voss
      Mai 22, 2012 um 10:17 pm

      Ich habs mal wieder mit den Dichtern, als „verdichtete“ Ergänzung:

      Das Vermächtnis

      Erlösung kommt von innen, nicht von außen,
      und wird erworben nur und nicht geschenkt.
      Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen
      rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.

      Was fürchtest du ? Es kann dir nur begegnen,
      was dir gemäß und was dir dienlich ist.
      Ich weiss den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
      das dich gelehrt, zu werden, was du bist.

      (Ephides)

      • Mai 22, 2012 um 11:15 pm

        Danke, Manfred, für das Gedicht, das auch hier zeigt, wie wichtig auch das Leid für die Entwicklung unseres Bewusstseins ist. Allein Glück im Überfluss würde doch nur Stagnation bedeuten, will mir scheinen.

        • Mai 23, 2012 um 12:11 am

          So dürfte es sein, denn paradiesische Zustände halten nur kurz. Und auch wenn wir uns noch auf dem Weg AUS diesem Paradies befinden, dürfte uns der Weg dorthin mit Glück erfüllen.

          Gruß Guido

          • Mai 23, 2012 um 12:20 am

            Wo Du das sagst, fallen mir die vielen großen alten Kulturen ein, denen man ein blühendes Leben nachsagt, die aber allesamt verschwunden sind. Eben weil der Weg noch aus dem Paradies zu gehen war, und daher das Glück nicht haltbar war?

        • Mai 23, 2012 um 8:43 am

          Dazu fällt mir Hermann Hesses „Stufen“ ein, Martin:

          Wohlan den, Herz,
          nimm‘ Abschied – und gesunde!

          • Mai 23, 2012 um 10:49 am

            Ja, das Gedicht zeigt auf, wie und dass unser Herz gesunden kann. Danke!

  6. federleichtes
    Mai 21, 2012 um 2:02 pm

    Wenn die Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft (des Miteinanders) finalen Charakters ist, verbindet sich mit der Entwicklung Sinnhaftigkeit – WENN das Ergebnis B einen vorherigen Zustand A verbesserte. Insofern sollte bereits der Verbesserungsprozess ein positives Vorzeichen tragen.
    In der Entwicklung der Menschheit sieht das anders aus, in gewissem Sinne wie eine verkehrte Welt: Menschen und Gemeinschaften schuften und leiden ins Blaue hinein, mit dem faden Beigeschmack, sie würden alles falsch machen, weil sich die Produkte ihres Schaffens auf die Existenzbedingungen negativ auswirken.

    Mag der Entwicklungsprozess auch eine Lösung bringen, er selbst schafft Leiden. Ich denke gerade an die Krankheiten meiner Kinderzeit, und an das Impfen gegen Krankheiten. Wenn’s mir schlecht ging, sagten sie: „Der brütet irgend etwas aus“. Wenn Menschen mit re-aktiven lebensfeindlichen Informationen „geimpft“ wurden und sie im Sinne einer Krankheit erleben, muss daraus – aus vielerlei Gründen – Leiden entstehen.

    Tatsache scheint mir, dass Leiden eine spezielle menschliche Fähigkeit ist, in dem Sinne, ihr Erleben nicht nur als Schmerz zu empfinden. Leiden ist, so sehe ich das, verbunden mit der Absicht, die Ur-Sache des Leidens zu überwinden: Hier hast du A als Problem, nun mache mal B als Lösung daraus.

    „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Wie auch, wenn sie gleich Versuchskaninchen mit ihnen unbekannten Informationen gefüttert werden und das Ziel des „Versuchs“ nicht kennen. Aber es gibt ja nicht nur das Gespann Täter und Opfer, sondern eine dritte Kraft, die aus der Wahrnehmung heraus Analyse betreibt, Bewusstsein schafft und Lösungen formuliert. Dafür braucht es sicher Empathie, aber auch die Fähigkeit, sich nicht an den Täter-Opfer-Spielen zu beteiligen. So gab es immer wieder Menschen, die ihre Liebe so verstanden, das Leben als den „Prozess der Lösung“ bedingungslos zu fördern. Diese Liebe kennt das Leiden, aber sie leidet nicht.

    Wolfgang

  7. swaantje janke
    Mai 21, 2012 um 4:22 pm

    leid kann auch töten! sicher kommt es immer auf das maß an. zu leiden und hilflos zu sein, ein ohnmächtiges, grausames gefühl, wie es wohl viele hungernde oder zu kriegen gehetzte menschen haben werden oder andere wehrlose opfer. leid in maßen kann sicher den blick in das leben vertiefen und zum besseren führen.

    • Mai 21, 2012 um 6:27 pm

      Ja, Swaantje, das Leid kann töten. Besonders durch den Hunger, den unsere Profitgier in viele Winkel dieser Erde trägt.

      Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind Hunger, 37.000 Menschen jeden Tag. Und weil das so nicht sein muss, ist das Mord.

      Jean Ziegler in seiner Rede, die er in Salzburg zu den Festspielen 2011 nicht mehr halten durfte, weil die Profiteure dieses Leids für seine Ausladung sorgten. Warum wird sehr schnell klar.

  8. Mai 21, 2012 um 9:08 pm

    Wolfgang hatte immer wieder durchblicken lassen, dass wir als Baby durch die Geburt ein heftiges Paket negativer Erfahrungen mit in unsere Leben schleppen. Prof. Bernd Senf spricht über eine sanfte Geburt und ein liebevolles Aufwachsen, so dass uns ein Teil von Leid gar nicht erst erwischt.
    Ab Minute 20 etwa spricht er über die Schocks, die wir während der Geburt in unserer „Zivilisation“ erleiden. Und dann folgen die Empfehlungen, wie eine Geburt besser ablaufen sollte.

  9. Mai 22, 2012 um 1:25 am

    Leiden, wie alle Bilder der Unordnung, entspringen der Tatsache, dass sich im Leben Ungleiches und Gleiches paart, aber Gleich und Gleich sich gern gesellt. Optimierung kann nur geschehen, wenn Ungleiches und Gleiches sich angleichen … bis man schließlich gleicher Meinung ist. Klingt aus heutiger Sicht nach Langeweile und Stillstand, nach einem Mangel an Entropie.
    Wieder so ein Paradoxum … verkehrte Welt … wie wahr … und doch, so muss es sein.

    Bezüglich der Impfungen noch Folgendes:

    Herdimmunität und Impfungen

    Der allgemeine und verbreitete Konsens besagt, dass, je mehr Menschen gegen eine Krankheit geimpft sind, desto eher können diejenigen nicht mit Krankheitserregern infiziert werden, die aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen, oder aufgrund des Alters, nicht geimpft werden können. Das nennt man besagte Herdimmunität. Wie schon an anderer Stelle beschrieben, gewinnt die Unordnung sowohl, wenn Impfungen funktionieren, wie es im Lehrbuch steht, als auch, wenn sie nicht für den Rückgang der Infektionserkrankungen verantwortlich sind. Dieses wird umso deutlicher, wenn man andere Bilder betrachtet, welche die reaktive Unordnung der Menschen und den Umstand, dass Unordnung von vornherein zu verführen weiß, darlegen. Dabei ist der Sirenengesang der Unordnung logisch. Wäre dem nicht so, würde das Leben dieser nicht so leicht verfallen und sich ihrer annehmen. Eines der ähnlichen Bilder sind Waldbrände, ein anderes das Weltwirtschaftssystem.
    Bezüglich Waldbränden hat der Mensch ein Überwachungssystem aufgebaut, um beginnende Brände schnell zu lokalisieren und nach Möglichkeit im Keim zu ersticken. Derartige Brände natürlichen Ursprungs, z. B. durch Blitzeinschlag oder langer Trockenheit, gibt es schon seit interpretierten Urzeiten. Trotz alledem konnten die Wälder üppig wachsen und reichlich Leben hervorbringen … bis der Mensch der Unordnung mehr und mehr verfiel und sich entsprechend zunehmend um die reaktive Unordnung seiner eigenen Taten kümmern musste.

    Waldbrände, einmal entfacht, finden irgendwann ein Ende, wie alles in der Realität. Lässt man einem Brand freien Lauf richtet er zwar enormen Schaden an, aber es ist die Basis, das Fundament, für einen Folgezyklus höherer Amplitude, für optimiertes Wachstum, mehr Gesundheit, mehr Entwicklung im Sinne des Erbes. Wird diese Entwicklung jedoch unterbrochen, um Hab und Gut zu schützen, oder im Namen des Klimaschutzes, oder um ein Ökosystem zu retten, dann wird die angesammelte Unordnung, die überhaupt erst den Ausbruch des Feuers ermöglichte, nicht komplett abgebaut. Ein Waldbrand erlischt, wenn sämtliche Unordnung beseitigt wurde … genau wie das Universum. Ein neuer Zyklus beginnt, neue Optimierungswege entstehen, ein neues Erbe wird weitergegeben. Das vorzeitige Löschen, durch das Eingreifen der Menschen, verhindert die Ausbildung dieses Zyklus, die angestrebte Optimierung kann somit nicht realisiert werden. Wäre es dagegen ein durch Brandstiftung absichtlich verursachtes Feuer, dann wären die Voraussetzungen für die Brandentstehung, sprich, die über längere Zeit angesammelte Unordnung, die Teil der Vergangenheit des Waldes ist, nicht gegeben, da Brandstiftung eine lokale Unordnung, in Person des Feuerverursachers, ist. Diese Unordnung hat nichts mit der Vergangenheit des Waldes gemein. Die Folge kann nur mehr Unordnung für den gesamten Wald bedeuten. Ein derartiges Feuer sollte auf jeden Fall möglichst schnell gelöscht werden, denn in diesem Fall muss bestehende Ordnung bewahrt werden und nicht, wie im Fall des natürlichen Brandes, angesammelte Unordnung beseitigt werden. Allerdings lässt sich schwer erkennen, was genau der Auslöser für einen Waldbrand war. Um auf der sicheren Seite zu sein, löscht der Mensch jeden Brand, zumindest versucht er es. Löscht er aber ein natürliches Feuer, schafft er im Nachhinein reaktive Unordnung. Handelt es sich dagegen um ein gelegtes Feuer, könnte er die Unordnung abfangen. Verrückte Welt ? Nein, nur ist mal wieder reichlich Unordnung am Werk, während die Sirenen singen, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen.
    Und Herdimmunität ? Krankheit ist die Ansammlung von Unordnung innerhalb der Hülle eines Lebewesens. Durch zyklische Abläufe wird diese Unordnung abgebaut. Auch hier gibt es natürliche Krankheiten, durch vermehrte aktive Unordnung, sowie künstliche Krankheiten durch reaktive Unordnung. Aktive Unordnung entspringt direkt dem energetischen Fluss, sie ist eine Vorgabe an das Leben, sie ist eine Aufforderung zu reagieren. Reaktive Unordnung entspringt dagegen den Reaktionen des Lebens. Künstliche Krankheiten gewinnen immer mehr an Boden, zu sehen an sämtlichen chronischen Erkrankungen. Diese entstehen, weil Krankheitszyklen, die ihren Ursprung in aktiver Unordnung hatten, unterbrochen, oder in ihrem Ablauf gestört wurden. Das natürliche Feuer konnte sich nicht ausbreiten … und nichts wird, insbesondere in Krankenhäusern, mehr bekämpft, als dieses Feuer, in Gestalt von Fieber. Hinzu kommt, unter anderem, die wachsende Zahl von Impfungen, weltweit, manchmal von Geburt an, vorangetrieben, damit eben besagte Herdimmunität aufgebaut werden kann.
    Natürliches Feuer breitet sich schnell und effektiv aus, vorausgesetzt, es hat sich genügend Totholz angesammelt. Damit ist Unordnung gemeint. Dieses Holz wird durch das Feuer in Ordnung umgewandelt, um als optimale Grundlage für neues Wachstum zu dienen. In jedem Lebewesen sammelt sich im Laufe der Zeit ähnlicher Ballast an, gerade in Menschen, aufgrund ihrer besonderen Ordnungsmöglichkeiten. Dabei handelt es sich sowohl um aktive, als auch um reaktive Unordnung. In Kindern allerdings überwiegt, von Natur aus, die aktive Unordnung, die zudem noch ein überschaubares Maß annimmt. Die klassischen Kinderkrankheiten gehören dazu. Das erklärt, warum gerade Kinder besonders gut und zügig auf Homöopathie und andere sogenannte Alternativen zur Schulmedizin ansprechen, und warum Kinderkrankheiten damit gut behandelt werden können. Es erklärt zudem, warum der Ausbruch einer Kinderkrankheit in Erwachsenen fatale Auswirkungen haben kann, ein Umstand, der erst durch die Impfungen möglich wurde.

    Sind Kinder heute gesünder ? Sind Impfungen und der angestrebte Aufbau der vermeintlichen Herdimmunität ein Garant für mehr Gesundheit ? Unwahrscheinlich, wenn man die Zunahme von Allergien, Atemwegserkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Verhaltensstörungen, psychische Auffälligkeiten und dergleichen betrachtet. Impfungen als alleinige Auslöser dieser Erkrankungen bloßzustellen ist nicht Ziel dieser Darstellung, aber es sollte inzwischen klar geworden sein, dass sie ihren Teil dazu beitragen, wenn man berücksichtigt, warum und wie Impfungen verabreicht werden, wann dieses geschieht, und was durch die Impfung in die Hülle des Lebewesens eingebracht wird.

    Wie sieht oben erwähnter Ballast in Menschen, aber auch in anderen Lebewesen, aus ? Es sind Zelltrümmer, Giftstoffe, Radikale, Fremdstoffe, im Grunde alles, was interne Resonanzen stört, beeinflusst und verändert, alles, was von außen nach innen vordringen kann. Insbesondere die Umgebung, in der der Mensch, und jedes andere Lebewesen natürlich auch, aufwächst, hat daher enormen Einfluss auf das Unordnungsgeschehen. Kann diese Unordnung nicht beseitigt werden, sammelt sich weitere reaktive Unordnung an, solange bis sich eine entsprechende Aktion manifestiert. Je mehr Ordnung im Umfeld, desto mehr Ordnung kann im Körper aufrechterhalten werden, bzw. desto mehr Unordnung kann im Innern angegangen werden. Zudem bleibt die bereits geschaffene Resonanz stabiler. Daher macht es keinen Sinn Kindern in aller Welt Impfungen zukommen zu lassen. Kindliche Entwicklung zu mehr Ordnung hin kann nicht mit reaktiver Unordnungsverabreichung realisiert werden. Die oftmals hohe Sterblichkeitsrate, die den Infektionskrankheiten zugeschrieben wird, hat ihren Ursprung einzig in der Unordnung, aus der sich das reale Bild der Umgebung, in der die Betroffenen leben, zusammensetzt. Das Durchmachen von Krankheiten ist wichtig für weitere Entwicklungen, sie dienen der dauerhaften Optimierung, vorausgesetzt sie entspringen aktiver Unordnung. Jegliche Unterstützung des Erkrankten, im Sinne des Erbes, im Sinne von Resonanzschaffung, ist dabei förderlich, ähnlich aufkommendem Wind, der das Feuer, des durch Blitzschlag ausgelösten Waldbrandes, vorantreibt. Dazu zählen Fürsorge, Pflege, Anwesenheit der Familie, natürliche Heilmittel oder, wie noch näher beschrieben wird, die Homöopathie.
    Die dauerhafte Ansammlung von reaktiver Unordnung, zum einen, und das künstliche Einmischen in Prozesse, ohne Rücksicht auf die Vergangenheit, zum anderen, zieht unausweichlich Konsequenzen nach sich. Was immer folgen wird, ist eine Reaktion, die sich auf das Erbe bezieht, denn egal wie viel reaktive Unordnung das Leben real werden lässt, das Erbe, und damit der energetische Fluss, als Quelle der Unordnung, geben vor, wann der Zenit einer Entwicklung erreicht ist … als Inszenierung von Mutter Natur. Der Ordnung wegen hat sie immer das letzte Wort, auch wenn, oder gerade weil, ihre Darbietungen auf der Bühne des Lebens stattfinden, mit unzähligen Akteuren, die unentwegt von der Unordnung lernen.

    Impfen bedeutet ein Feuer zu legen, welches in keinem Zusammenhang mit der Vergangenheit des betroffenen Menschens steht. Manches Feuer geht von alleine aus und zeigt sich als kurzfristige Reaktion an der Einstichstelle. Ein anderes Feuer breitet sich weiter aus, Fieber entsteht. Setzt man dagegen auf Herdimmunität, werden überall verteilt kleine Brandherde gelegt, die lokale Veränderungen auf kleinster Fläche bewirken. Betrachtet man einen solchen großflächigen Wald, der als Synonym für die Gruppe der zu Impfenden stehen soll, aus der Luft, scheint alles in Ordnung zu sein. Wogende Wipfel, soweit das Auge reicht, ein grünes geschlossenes Meer aus Blättern, keine Flammen in Sicht. Aber hier und da, verborgen im üppigen Dickicht, fressen sich kleinste Verschiebungen und Veränderungen durch die Vegetation und die zahlreichen Bewohner des Waldes. Über lange Zeiträume gewachsene Resonanzen lösen sich auf, verändern sich, Zyklen werden ihrer Amplitude beraubt, ihre Frequenzen verschieben sich, neue Bilder entstehen. Das Schicksal, wie man so sagt, nimmt seinen Lauf. Künstlich geschaffene Herdimmunität kann sich zu einer Katastrophe entwickeln, natürliche Herdimmunität dagegen zeugt vom perfekten Zusammenspiel des Lebens, einer Symbiose gleich. Sie kann aber nur in einer interpretierten Welt zunehmender Unordnung existieren und tritt nur lokal, niemals global, auf.
    Der Begriff Immunität ist typisch für reale Bilder in einem wachsenden Universum, denn er macht deutlich, dass Teile des Lebens bemüht sind, andere Teile auf Abstand zu halten, um sich von diesen zu isolieren. Pflanzen und Tiere senden Stoffe aus, um andere Lebewesen zu vertreiben, manche Pflanzenart produziert Substanzen, die Antibiotika sehr nahe kommen, damit sie nicht von Mikroorganismen befallen werden. Beispiele aus dem Reich der Natur sind zahlreich vorhanden, keine Frage, aber sie verdeutlichen, dass das Aufkommen dieser Art der Isolation der Expansion des Universums zugeschrieben werden muss. Es ist immer das Werk der Unordnung, wenn Lebensformen nicht symbiotisch agieren, sondern in Konkurrenz ihr Dasein fristen. Immunität, ob als Gruppe, Herde, Masse oder einzelnes Lebewesen, wird im Kosmos der Optimierung, wie so vieles, das wir aktuell als Gegeben ansehen, in dem Maße verschwinden, wie die Optimierung zunehmen wird.

    http://www.gold-dna.de/ziele2.html

    Gruß Guido

  10. federleichtes
    Mai 22, 2012 um 11:40 am

    Unsere Erfahrungen sind komplex und ungenügend zu beschreiben. Wer das hier versucht – RESPEKT.
    Ich meine, die Chinesen nennen das Unbeschreibliche „Tao“.

    Vollkommenheit ist nicht beschreibbar, weil in ihr kein Potenzial für das Beschreiben vorhanden sein kann.
    Nur das Unvollkommene versucht zu beschreiben, aber kann es nicht, weil es das Vollkommene nicht kennt.
    Man könnte auch sagen: Das Elelement, was beschreiben SOLL, zerstört das Ganze.
    Oder: Man muss das beschreibende Element aus dem Ganzen herausnehmen.

    Die einzige Möglichkeit zur Beschreibung der Vollkommenheit, die ich kenne, ist ein Beschluss, einen vollkommenen Zustand nicht aufrecht erhalten zu WOLLEN.
    So kommt die Vollkommenheit für Momente – und geht dann wieder. Ich meine, die großen Mystiker kamen in Bereiche der Vollkommenheit und versuchten zu beschreiben, was sie erlebten.

    Liebe ist ein schönes Wort, aber missbraucht. Insofern halte ich Solveighs kritische, hinterfragende Haltung für sehr angebracht. Agape ist neutraler und eignet sich vielleicht besser, über ein Phänomen zu sprechen, dass man (eigentlich) nur erleben kann.

    Agape und Leidenschaft
    sind zwei sehr verschiedene Zustände. Leiden-schaft entsteht aus den Erregungen, die Menschen Liebe NENNEN. Leidenschaft kann sein, kontrolliert zu sein oder kontrollieren zu wollen – oder beides. Gleichwie, es ist GEIST, der hier auf einer relativ niederen Ebene Beziehung-en kontrolliert. Wir sollten klarer erkennen, dass Geist Leiden-schafft.

    Agape ist ein ZUSTAND. Eine VÖLLIGE Verschmelzung. Was für unsere Realität bedeutet: Die ganze Gesellschaft zu SEIN.
    ALLES zu fühlen. Tatsächlich: Sein Ich GANZ aufgeben.

    Geist ist die andere Seite der Existenz: Individualität, in extremer Form: REINE Egozentrik. Beziehungslos. Reines Schöpfen, ohne Gefühl für die Folgen.

    Menschsein bedeutet ein SOWOHL-ALS-AUCH. Agape zu erleben und Individuum zu bleiben, und Schöpfer zu sein mit Bedacht (Gefühl für) die Gemeinschaft, das Soziale.

    Mag es zu Urzeiten zwei grundverschiedene Wesen gegeben haben, die vollkommen Agape und vollkommen Geist-Schöpfer SEIN-konnten. Der Schöpfung geht es darum, eine neue Eigenschaft für Wesen zu erschaffen: Bewusstsein, das erlaubt, Geist und Agape VEREINT zu erleben.

    Und auch hier mein Hinweis: Zustände lassen sich nicht beschreiben. Und: Auf oder in unserer Welt gibt es keine Zustände – ALLES ist Bewegung, Dynamik, Veränderung.
    Insofern ist meine Beschreibung auch nur ein Versuch der Beschreibung, ein Beitrag.

    Wolfgang

  11. federleichtes
    Mai 22, 2012 um 11:49 am

    Kleiner Nachtrag.
    In unserem Schöpfungsprozess geht es um die Veränderung der fundamentalen Eigenschaften von Wesen.
    Das IST ein SCHMERZ-hafter Eingriff.
    Leiden eine NATÜRLICHE Folge?
    Scheint mir logisch, wenn Bekanntes zerstört und Unbekanntes integriert wird.

    Das zu verstehen ist Bewusstsein.
    Und das Bewusstsein könnte uns davon befreien, eine notwendige Veränderung mit Scmerzen zu verbinden. Die Veränderung ist ja eine Bereicherung.

    Am Rande: Auf meinen Wegen durch Gestrüpp und unwegsames Gelände, spüre ich keine Schmerzen. Verletzungen werden nur sichtbare Zeichen eines Weges.

    Wolfgang

  12. federleichtes
    Mai 23, 2012 um 2:20 am

    Fragt sich, ob das Wesen der Schöpfung angelegt ist auf die Überwindung des Leidens. Fragt sich weiter, ob die Menschen diesen „Job“ zu erledigen haben.

    Kleiner Wiesenknopf

    Ich muss gestehen, ich bin ein merkwürdiger Mensch. Als ich vor fast 25 Jahren mit dem Fahrrad nach Moskau wollte, fuhr ich im Winter durch Deutschland – und im Hochsommer durch Griechenland über Berge, die es in sich hatten. Aber diese Strapaze durch schattenlose Wildnis brachte mir keine Leiden, sondern das Gegenteil, ein absolutes Hochgefühl.

    Habichtskraut

    Ich blieb merkwürdig, esse im Winter Eis und trinke bei Hitze Heißes.

    Graubinden-Labkrautspanner

    Heute hatte ich mir vorgenommen, Schmetterlinge zu fotografieren, genauer gesagt, einen bestimmten, den Schillerfalter. Es war sehr heiß, gute Voraussetzungen, dass er erscheinen würde. Erst mal erschien eine Goldammer.

    Ich lief etwa drei Stunden „vergebens“ in der prallen Sonne herum. Das Leid eines Naturfotografen? Jedenfalls war ich am Rande meiner körperlichen Leistungsfähigkeit angelangt, als ich meinen Freund Werner traf. Wir schlenderten in angeregter Unterhaltung des Weges, als ich plötzlich rief: „Da ist er“. Nein nicht der Schillerfalter, sondern der sehr seltene Blutbär war mir am Hang der Halde aufgefallen. Die kraxelte ich hoch, ein etwa 40 Grad steiler Abhang, sehr unwegsam und mit einem sehr lebendigen Schmetterling im Blick. So ein Bursche, setzte sich etwa nur eine halbe Sekunde hin, um dann zum nächsten Halbesekundelandeplatz zu fliegen.
    Normalerweise klappt der Blutbär, wenn er längere Pausen einlegt, sofort seine Flügel zusammen und sieht dann so aus.

    Hübsch, gell. Aber unvergleichlich sein Aussehen mit ausgebreiteten Flügeln. Wolfgang auf der Jagd, von körperlicher Erschöpfung keine Spur mehr – im Gegenteil, das Hochgefühl war wieder da.

    Um 22.15 Uhr war ich wieder Zuhause. Elf Stunden im Gelände mit einer Scheibe Brot zum Frühstück. Was soll ich sagen – Glück gehabt?

    Plattbauchlibelle, Weibchen

  13. Mai 23, 2012 um 8:41 am

    Fragt sich, ob das Wesen der Schöpfung angelegt ist auf die Überwindung des Leidens. Fragt sich weiter, ob die Menschen diesen “Job” zu erledigen haben.

    M.E. sehnt sich alles Leben nach Leidüberwindung. Wenn der Mensch, aufgrund seiner Ausstattung mit „Bewusstsein“ an der Spitze der Nahrungskette steht, wären die Mitgeschöpfe angewiesen, dass der Mensch es schafft Leid zu überwinden, anstatt zu vermehren.

    „Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung leidet und stöhnt wie eine Frau in den Geburtswehen. Aber auch wir selbst, denen Gott bereits jetzt seinen Geist als Anfang des neuen Lebens gegeben hat, warten voller Sehnsucht darauf, dass Gott uns als seine Kinder vollendet und auch unseren Leib von aller ‚Sterblichkeit‘ befreit. (frei nach Römer 8,22-23)

    Schönes Bild, das mit den Geburtswehen: Leid und Entstehung neuen Lebens gehören zusammen.

    • federleichtes
      Mai 23, 2012 um 1:48 pm

      M.E ist das Leben DER GESCHAFFENE Faktor für Existenzformen, die in ihrem Zusammenwirken die URSACHEN des „Leids“, darstellen, verstehbar und auflösbar machen.
      Insofern sehe ich Sehnsucht als EINE der Antribeskräfte.

      Die Formulierung „An der Spitze der Nahrungskette“, sehr interessant.

      Meine Beobachtungen zeigen KEIN Leiden der GESAMTEN Schöpfung.

      Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass nicht
      Gott uns vom Bösen befreit, sondern
      Wir IHN.

      Auch dieser Standpunkt – als Interpretation der Realität – hilft, dass Erleben, was als Leiden empfunden werden KANN, als PARTNER zu fühlen und entsprechend zu handeln.

      Die traumatisierende Geburt initialisiert die Instanz im Menschen, die ihn erst dazu befähigt, das Leid tragen zu können. Desweiteren gibt es Fluchtreflexe und Verdrängungs- und Verleugnungsmechanismen

      M.E. entsteht kein neues Leben. DAS Leben wurde geschaffen, und es sucht sich Ausdrucksmöglichkeiten, Existenzformen.

      Danke für die Hinweise.

      Wolfgang

      • Mai 23, 2012 um 2:24 pm

        Interessante Perspektiven – Danke!

        Zur persönlichen Beobachtung „KEIN Leiden der GESAMTEN Schöpfung“:

        Nachvollziehbar! Das ist das auch meine Beobachtung – und die ist begrenzt, sowohl räumlich, wie zeitlich. (Je mehr ich „erkenne“, desto mehr erkenne ich wie wenig ich „erkenne“.)

        Denkbar und möglich jedoch halte ich, die Existenz eines unbegrenztes „Superbewusstsein“ (manche nennen es Gott) . Darin mag sehr wohl diese Wahrnehmung herrschen, dass die gesamte Schöpfung leidet, während es sich erneuert und entwickelt.

        Ingo

        • federleichtes
          Mai 23, 2012 um 2:43 pm

          Wenn es ein Super-Bewusstsein gibt (und ich glaube das), stelle ich mir dieses (sowie generell Bewusstsein) ZEITLOS vor.
          Diese Vorstellung ist für Menschen IN DER Zeit natürlich nicht leicht, aber gut erlebbar in der Natur, die „nur“ ein zyklisches Handeln kennt.

          Bewusstsein WEISS.
          Bedeutet mir: Wenn Bewusstsein einen Prozess startet, ist der Ausgang dieses Prozesses bereits BEIM START bekannt.

          Insofern halte ich es für ausgeschlossen, dass Bewusstsein leiden kann – ja im Gegenteil: Bewusstsein schließt Leiden aus. Oder: Leiden und Bewusstsein verhalten sich proportional.
          Genauer beschrieben: Volles Bewusstsein und KEIN Bewusstsein leiden nicht. Das größte Leiden mag entstehen durch ein FALSCHES Bewusstsein.

          Ja, mit dem Erkennen ist das so eine Sache. Ich befreite mich von der Vorstellung, Erkenntnis sei GLEICH Wissen. Informationen dienen mir seitdem dazu, Muster zu erkennen, das „Wissen“ hinter den Erscheinungen zu erfahren. Wenn Du mal einem Schmetterling oder einer Libelle in die Augen schautest, weißt Du, wovon ich spreche. Man kann es nur erleben.

          Wolfgang

  14. Mai 23, 2012 um 9:52 am

    Leiden erfordert Mitleiden, wenn er Vorsprung schaffen soll.

    „Jesus leitete eine Revolte des Herzens und des Mitgefühls ein. Das Einfühlen in den Schmerz und das Leid macht das Böse unmöglich. Wenn aber Schmerz vom Bewußtsein ausgeschlossen ist, dann wird dieser Schmerz zum Fundament einer Rache am Schmerz selbst, die ihren Ausdruck in der Zerstörung von Mensch und Natur findet. Darin liegt der Urgrund unserer Krankheit, und nicht in den wirtschaftlichen, politischen und religiösen Ideologien, die wir zum Vorwand unserer gegenseitigen Zerstörung nehmen.“
    (Arno Gruen in „Der Verlust des Mitgefuehls“

    Kein einfacher, breiter, bequemer Weg, auf dem sich viele tummeln, schon eher der schmale Weg, dafür jedoch der einzig gangbare zu sein, wenn er zukunftsfähig sein soll.

    Ingo D.

    • Mai 23, 2012 um 10:46 am

      Hallo Ingo,

      ich lese gerade in Arno Gruen´s Buch „Der Fremde in uns“ und darin zeigt er sehr gut auf, welcher Mechanismus in uns Menschen abläuft, wenn wir gequält werden und Niemand da ist, der Anteil nimmt. Dann indentifizieren wir uns unseren Peinigern und glorifizieren ihn auch noch. Daher wäre es Ver-Führern , die sich in die Pose des Starken schmeißen, so leicht ein Volk von Gequälten zu verführen. Die Frage ist nur, wie diese Kette des Quälens unterbrochen werden kann. Denn diese Kultur wird von Generation zu Generation weitergereicht …

      LG Martin

      • Mai 23, 2012 um 2:05 pm

        zitat @Martin: „Die Frage ist nur, wie diese Kette des Quälens unterbrochen werden kann.“

        Hallo Martin,

        Arno Gruen schätz ich sehr.

        Und ja, das erachte ich ebenfalls als lebenslange Herausforderung schlechthin:
        an einer zukunftsfähigen Gegenkultur zu arbeiten.
        Viele arbeiten daran. Viele „STILLE im Land“.
        Beginnen muss jeder bei sich selbst.

        Das ist und war immer schon eine „leidvolle“ Sysiphosarbeit. Mit äußerst bemerkenswerten guten Beispielen in der Geschichte.
        Man muss sich nun Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen, dann mag die Hoffnung des Gelingens bestehen bleiben. 😉
        Glücklich ist Sysiphos, solange er in seinem Tun und weniger in einer illusorisch-idealen Zielerreichung, sinnvolle Erfüllung findet.

        Die „Kette des Quälens“ wird ja auch immer wieder unterbrochen. Es gibt ja, Gott sei Dank, nicht nur die eine Bewegung der transgenerationalen Weitergabe von Traumatas, sonst hätten wir uns schon längst selbst beseitigt.
        Allerdings werden diese „Änderungen zum Guten“ in den Mainstreammedien weniger kommuniziert. (Bad-news are good news.)
        1000 wachsende Bäume machen eben weniger Lärm, als ein fallender Baum.

        „Empathie“ hat das nötige Potential zur Musterunterbrechung.
        Die biologische Anlage dazu ist bei jedem vorhanden (Spiegelneuronen).
        Empathie ist zudem lernbar.
        Selbst von Psychopathen und Serienmördern (ausgenommen biologischer Grenzen z.B. Stichwort: Phineas Gage)

        Selbst von Völkern, z.b.:
        Das Wunder des Kettenbruchs im Sinne einer „friedlichen Revolution“ wie z.B. beim Mauerfall wurde begünstigt durch die Zurückhaltung des großen Bruders.
        Dasselbe Wunder ist denkbar und möglich zwischen Nord- und Südkorea. Es liegt an China.
        Die Versöhnungsbewegung nach dem Genozid, zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda…

        Ein globales empathisches Bewusstsein ist kein Selbstläufer.
        Je mehr Einzelmenschen in der Begegnung mit Psychopathen, wo immer das ist, ihnen zivilcouragiert Grenzen setzen, mit angemessenen Mitteln des gewaltfreien Widerstandes und der gewaltfreien Kommunikation, desto größer die Wahrscheinlichkeit dass „mitfühlende Vernunft“ entropischen Kräften widersteht.

        Die Geschichte der Menschen lässt sich unterschiedlich deuten.
        Jeremy Rifkin deutet sie als kulturelle Erfolgsgeschichte in „Die empathische Zivilisation“.

        Die ethischen Werte für ein kooperatives, nachhaltiges und zukunftsfähiges Miteinander sind seit Jahrtausenden kulturübergreifend bekannt und universell. Sie werden sich durchsetzen, weil es ums Überleben geht.

        LG Ingo

        • Mai 23, 2012 um 2:50 pm

          Das ist mal ein interessantes Bild:

          Wenn das Spüren von Leid die Motivation ist, sich selbst zu verrücken, um dem Leid durch ein besser werden zu entgehen, und wenn das damit ein Grundprinzip wäre, dann ist es gut denkbar, dass ein angenommenes Gesamtbewusstsein für seine Weiterentwicklung das Leid in Summe der Einzelbwusstseine genauso braucht. Also wird es, weil alles schwingt, Zyklen zwischen Leid und Glück geben und mit jedem Mal sollte es besser werden, für jeden einzelnen, für jede Organisation, für die Erdgemeinschaft, das für das Universum. Und bei Letztem sind wir bei Guidos Theorie der Zyklen für das Universum.

    • federleichtes
      Mai 23, 2012 um 2:12 pm

      Arno Gruen
      „Wenn aber Schmerz vom Bewußtsein ausgeschlossen ist, dann wird dieser Schmerz zum Fundament einer Rache am Schmerz selbst, …“ Zitatende

      Die Ursache für Schmerz und Leid, die wir das Böse nennen, WAR desintregiert und wurde deswegen zu einer (relativ) autonomen Macht.

      Die Aufgabe des menschlichen Bewusstseins ist, sich dieser Ursache zuzuwenden. Menschen sind dazu gezwungen, weil sie mit lebensfeindlichen (das Böse) Informationen infiziert wurden. DAs Böse läßt sich eben nur deaktivieren durch eine GENAUE Kenntnis, WIE es entstanden ist und WOHER es seine Macht bezieht.

      Jesus, der Revoluzzer.
      Er zeigte dem Bösen dessen Grenzen und lockte es aus dem Keller. Offenbarung.

      Gestern kame mir ein Gedanke zu Mensch, Gesellschaft und System.
      Gestaltet der Mensch das System – oder prägt das System den Menschen?
      Ich glaube:
      Das System wurde für den Menschen, und der Mensch für das System gemacht.
      Und: Es gibt zwei Systeme, ein konstruktives und ein destruktives, gesteuert/kontrolliert durch das Schöpfungs-Bewusstsein.

      Die Wege des „Herrn“ sind unergründlich?

      Wolfgang

  15. federleichtes
    Mai 23, 2012 um 2:30 pm

    Ingo:
    „Leiden erfordert Mitleiden, wenn er Vorsprung schaffen soll.“

    Ich bin kein Freund des Mitleidens.
    Ich setze auch nicht auf Empathie, wenn sie ein liebevolles Mitfühlen für Alles bedeutet.

    Menschen sind – potenzeill – mit einem analytischen Verstand ausgestattet.

    Menschen sind mit der Fähigkeit zur Empathie ausgestattet.
    Menschen besitzen die Fähigkeit zu morden.

    UND Menschen besitzen – potenziell – die Fähigkeit das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
    Einige lernten sogar, analytisch begründet Intelligenz zu praktizieren, indem sie sich von dem Einen abwenden und sich dem Anderen zuwenden.

    Wolfgang

    • Mai 23, 2012 um 4:36 pm

      @wolfgang: „ich setze auch nicht auf Empathie, wenn sie ein liebevolles Mitfühlen FÜR ALLES bedeutet“

      Danke für die Differenzierung!
      Es gibt für alles ein Zuviel/Zuwenig.
      Ebenso wie es für alles ein notwendiges Gegengewicht/Gegenpol gibt um nicht einseitig zu werden.

      Ja, ein Mitfühlen FÜR ALLES ist wohl eher reine Sentimentalität.

      Echtes Mitgefühl entzündet sich in einer konkreten Begegnung und Konfrontation, akut, aktuell, im Hier und Jetzt.
      Positives Beispiel: Die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

      Ob die mediale Bilderflut weltweiten (fernen) Leidens den Zuschauer, Zuhörer empathisch macht?
      Wirkt dieses Bombardement nicht eher abstumpfend, „zu viel“ für unsere Sinne?
      Vermitteln sie nicht das Gefühl „ohnmächtig“ demgegenüber zu sein?
      (Ausgenommen vielleicht der Ausweg, das entzündete Gewissen durch Spenden beruhigen zu können?)

      Ebensowenig ist „Mitgefühl“ ALLEIN schon wert- oder sinnstiftend.
      Werte werden im sozialen Umfeld (Familie usw.) vermittelt.

      Psychopathen sind fähig zur (mitleidlosen) Empathie und nutzen diese Fähigkeit, andere zu manipulieren und zu betrügen.

      Ein Zuviel an Mitgefühl ohne differenzierenden Verstand macht zudem handlungsunfähig.
      Wir brauchen beides in Balance in einem universellen Wertesystem, dass Kooperation mit allem Lebendigen fördert, welches den Eigenwert lebendiger Geschöpfe würdigt, und ihnen Raum gewährt. Dann bleibt kein Raum für destruktive Gier.

      Es gibt keinen schnelleren Informationsfluss, als unsere Intuition, welche alle Sinne nutzt um abzuschätzen, mit wem wir es zu tun haben.
      Diese bedarf immer, des Abgleichs/Bestätigung/Korrektur durch den Verstand, welcher die Stimmigkeit an den Verhaltensmustern prüft, bzw. ob mich der „erste Eindruck“ mich täuscht und es zu einer Übertragung eigener unbearbeiteter Traumatas kam.
      In einer rein schriftlichen Kommunikation (bloggen) besteht grundsätzlich die Gefahr der „Missverständlichkeit“.

      Für mich gibt es kein besseres Wertesystem als die goldene Regel, welches zirkulär auf die Selbstverantwortung weist:
      Behandle Deinen Nächsten so, wie Du selbst behandelt werden willst.
      Deckungsgleich mit dem Liebesgebot: Liebe deinen Nächsten – denn er ist wie Du (Martin Buber)
      Diese Regel ergänzt durch das Gebot der Feindesliebe, kann dem Bösen den Nährboden entziehen und es (im Konkreten, nicht absolut) überwinden.

      Schlussendlich muss und beantwortet sich jeder durch sein aktuelles Verhalten, in jeder Situation selbst die Frage: Wer will ich sein? Welche Art von Mensch?

      Ingo

      • federleichtes
        Mai 23, 2012 um 5:39 pm

        Nachdem ich dreiviertel Deines Kommentars gelesen hatte, dachte ich, das wäre mal wieder ein Beitrag, dem ich voll zustimmen kann.

        Aber war ein Dialog „gut“, wenn er aufhört?

        Das mit dem „Nächsten“ ist so eine Sache. Ich habe Begegnungen mit „Menschen“, denen ich gar nicht nahe sein möchte – im Gegenteil, je weiter weg, je besser.
        Unterwegs, ein Hundebesitzer zum anderen: „Machen sie ihren Hund mal los“. Ich sagte: „Hier ist ein Naturschutzgebiet, und die Bodenbrüter haben es gar nicht gerne, wenn die Hunde hier rumtrampeln“.
        Die Frau sagte abfällig: „Bodenbrüter“ – als wären diese Tiere der Abfall der Schöpfung. Er sagte (außerhalb meiner Hörweite, Susanne hörte es): „Interessiert mich doch nicht“.
        Nein, das wäre gegen meine Lebensphilosophie, mich mit diesen im Wesen destruktiven Egalisten zu beschäftigen. Ich wende mich „fruchtbaren Äckern“ zu; es gibt genügend. Kürzlich sammelte ich eine Raupe des Kleine Fuchses von der Straße auf und setzte sie an eine Brennnessel, ihre Futterpflanze. Das machte für mich Sinn.
        Für die Gleichgültigen Marodierer habe ich kein Konzept – und ehrlich gesagt: Ich suche auch nicht danach.

        Ja, und:
        Der „Nächste“ ist eben NICHT-Wie-Ich. Die so sind, erkenne ich, und sie erkennen mich.
        Man trifft eben auch Menschen, in deren Augen der Vernichtungswille geschrieben steht. Und zu denen ist meine Einstellung:
        Ich lasse mich nicht von ihnen so behandeln, wie sie mich gerne behandeln würden.
        Dann steht „Macht “ gegen Macht. Bislang blieb ich von deren Macht unbeeindruckt, vielleicht weil ich in dem Bewusstsein lebe, dass Liebe sich nicht verstecken muss und auch nicht kämpfen muss – gegen das Schwächere!
        Also: Meine Feinde liebe ich nicht, sondern zeige mich, indem ich ihnen große Aufmerksamkeit widme.

        Dazu:
        Das Böse ist der Feind jedweder Existenz, die friedlich für sich und im Miteinander existeren will. Nährboden finden sie bei mir nicht, aber die Möglichkeit, ihre Kräfte zu verbrauchen. Ja, dieser Mensch WILL ich sein.

        Bemerkenswert für mich diese Aussage von Dir:
        „… ob mich der „erste Eindruck“ täuscht und es zu einer Übertragung eigener unbearbeiteter Traumatas kam.“

        Das sagt niemand mal eben so.

        Herzliche Grüße sendet Dir

        Wolfgang

      • Mai 23, 2012 um 6:00 pm

        Die Frage nach dem „wer und wie will ich sein?“, setzt zudem die Beantwortung der Frage „wer und wie bin ich?“ voraus. Unser Bewusstsein ist, weil wir unsere Gedanken selbst beobachten können, also ein reflexiver Vorgang möglich ist. Nur muss auch die Selbstreflexion gelernt sein, und daher ist es meist so, dass wir von uns ein ganz anderes Bild haben, als dies unsere Mitmenschen von uns wahrnehmen. Daher ist es nützlich, mal selbst durch deren Augen auf uns selbst zu schauen. Ich habe noch nicht genügend Übung, aber es soll viele weitere Erkenntnisse sowohl über sich selbst geben als auch dem Träger der Augen, durch die man versucht zu schauen.

        Hat Jemand damit Erfahrung und kann berichten?

        • federleichtes
          Mai 23, 2012 um 7:18 pm

          @ Ingo
          Klar, gefällt – immer, wenn ein „Begriff“ aus der Starre (vermeintlichen Verstehens) zurück in die Lebendigkeit geführt wird.

          Der Begriff Empathie begegnete mir erstmals 1992 in einer Waldorfschule. Als Verantwortlicher für die Schulzeitung wurde ich zum Rapport bestellt, weil ich wegen eines Unfalls auf dem Schulparkplatz die Schulleitung angegriffen hatte. „Ihnen mangelt es an Empathie“, hörte ich. Nun, nachdem ich wusste, woran es mir mangeln sollte, stellte ich fest, dass es mir lediglich an fehlender Solidarität mit schlampiger Verantwortung mangelte. Dieser „Mangel“ veränderte sich in den Jahren nicht.

          Empathie scheint mir ein Modewort – immer gerne genommen von denen, die etwas mehr auf sich halten. Ich bin’s ehrlich gesagt leid, mir soziales Fehlverhalten erklären zu lassen mit: „Der kann nichts dafür, weil …“. Mit mir kann niemand mitfühlen, und ich lege auch keinen Wert darauf, von Menschen kommentiert zu werden, die nicht mal des Eigenkommentars mächtig sind.

          Der Mensch ist von seiner Natur, von seinem Wesen her so angelegt, mitfühlen zu können: Er bedauert sich, er betrauert andere als Form des Selbstmitleids, er fühlt Angst als Rechtfertigung für verkümmerte Zivilcourage, er fühlt Ungerechtigkeit für mangelnde Leistung. „Ich fühle mich, also bin ich“.
          Empathie entsteht sicher zu einem Teil aus dem Erleben in der Familie/dem sozialen Umfeld. Ja, Empathie kann man lernen, (Goggeln nach Disempathie – 113 Treffer), Disempathie auch, wenn in einer Gesellschaft die Ellenbogen Kultur sind. So lernt sich beim Militär das Töten, wenn auch nicht für alle schadlos.
          Empathische Fähigkeiten entwickeln Menschen aus verschiedenen Gründen, Ingo sprach es bereits an, und ich erwähnte, wozu Psychologie auch benutzt werden kann. Einerseits stellen Menschen ihr Mitfühlen in den Dienst der Menschen, um auf ihre Art zu helfen – andererseits lernen Menschen eine Schein-Empathie, um anderen Menschen Schaden zuzufügen. So bekam Empathie auch noch einen bitteren Beigeschmack und manche Leute beargwöhnen sie oder fürchten sich gar davor.

          Ich bin der Meinung, wir brauchen wohl Empathie, aber viel mehr den KLAREN Blick und das Erkennen dessen, was uns als Realität begegnet. Als das Gefühl in Form von Intuition: WER ist das, WAS will er (von mir), WIE kann ich das weitere Werden kontrollieren, etc. Da mag es im Kern auch um Nutzen gehen: Liefert da jemand 1 Cent Brauchbares und 100 Euro Müll? Ein Räuber, der an meine Energie will? Ein Verführer, mich von meinem Weg abzubringen? Etc. Das wahre Wesen eines Menschen zu erkennen, ist zwar nicht leicht, aber unumgänglich für den, der seine Integrität bewahren WILL. Menschenkenntnis kann man lernen, besonders gut, wenn man sich selber kennenlernte.

          Das Böse kann man erkennen, dem Bösen kann man den Kampf verweigern, den „Versuchungen“ ausweichen. Mag sein, dass diese (fälschlicherweise Empathie genannte) Fähigkeit im Gesamt-Bewusstsein verfügbar ist und Menschen dient, die sich mit Bewusstsein für eine „Rolle“ entschieden – und diese mit Entschiedenheit spielen.

          Ich hoffe, es geht auf diese Ebene weiter.

          Wolfgang

        • Mai 23, 2012 um 8:02 pm

          „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ – ist ja ein populärphilosophischer Buchtitel, will sagen, dass es das ICH – in einfacher Form nicht gibt. Menschen sind ambivalent, mehrdeutig, multiperspektivisch veranlagt. Und jeder steht an einem bestimmten Punkt seiner persönlichen Reifeentwicklung.

          Die verschiedenen ICH-Zustände sind vergleichbar mit verschiedenen Spielern mit verschiedenen Instrumenten eines Orchesters. – Die äußeren und inneren Umstände und Begegnungen, nehmen Einfluss auf die Partitur, deren Tempi, Tonarten, Höhen und Intensitäten. Diese führen dazu, dass mal der Eine, mal der Andere Spieler mit seinem Instrument in den Vordergrund rückt um seinen „Part“ zu spielen. Ob das „Stück des Lebens“ aber eher destruktiv, disharmonisch, gewalttätig usw. klingt oder eher verträglich, erbaulich, wertschätzend, konstruktiv usw. liegt M.E. am unhintergehbaren SELBST als Dirigent, als Summe aller bisher bewältigten, d.h. integrierten und damit versöhnten Leiderfahrungen – basierend auf seiner grundsätzlichen Unverletzlichkeit (Resilienz). Wem Resilienz aufgrund des Mangels an frühkindlichen Bindungserlebens (Erleben bedingungsloser Liebe – Agape) mangelt, ist tendenziell „dünnhäutiger“. Das reife Selbst vermag wohl seine emotionalen Affekte (über die Körperreaktionen getriggert) kommen und wieder gehen zu lassen bzw. sogar zu verwandeln und zu sublimieren. (Selbstwirksamkeit)

          Der Blick auf sich selbst durch die Augen Anderer, zeigt mir zunächst, ob ich in einem konkreten Verhalten (Muster), ihren Erwartungen (Bewertungssystem) entsprochen habe oder nicht.
          Es sagt nichts darüber aus, wes Geistes Kind ihr Bewertungssystem selbst ist.

          Wie ich darauf reagiere ist eine Frage meiner Abhängigkeit von den Anderen.
          Als Abhängiger, passe ich mich ihnen an – werde wie sie, werde auch nicht hinterfragen.
          Als Unabhängiger werde ich ihr Wesen an „ihren Früchten“, d.h. an ihrem konkreten Verhalten prüfen und erkennen. – Und danach entscheiden, ob und welche weitere Interventionen ich für sinnvoll halte.

          Für heute verabschiede mich dann mal – Herzliche Grüße

          Ingo

          • Mai 23, 2012 um 8:31 pm

            Danke Ingo, für Deinen Blick auf das „durch die Augen anderer schauen“. LG Martin

        • federleichtes
          Mai 23, 2012 um 8:22 pm

          Erfahrung: Ja.
          Während meines Fachstudiums war ich Klassensprecher. Spannungen in der Klasse machten das Beisammensein sehr schwer, und ich bat unseren Psychologielehrer, zu helfen. Also machten wir ein Soziagramm. Das Ergebnis war ein Volltreffer: Ich, der Gute, wurde von der Gegnerschaft abgewatscht und bekam Noten im Sinne von Ohrfeigen.

          Was ich daraus lernte? Damals nichts, ich war nur fassungslos.

          Zur Selbstreflexion: Ist ein heißes Thema. Die meisten wollen sie nicht, weil sie nicht ertragen zu erkennen, wer sie sind, sein könnten – und dann auch sein MÜSSTEN.
          Es gibt genügens Rollen in dieser Dramödie, für die man Selbstreflxion nicht benötigt, ja, wo sie nur störend ist.

          Eine gute Freundin, die Sterbebegleitung machte, erzählte mir die letzten Wort vieler Menschen: „War das Alles?“ Und als mein Bruder mit 19 Jahren nach einem schweren Verkehrsunfall im Krankenhaus lag, hörte ich ihn sein letztes Wort flüstern: „Scheiße“.

          So nicht, sage ich mir. Dann gehe ich lieber den Weg durch den „Schmerz“ – denn so sagt man, da wo’s richtig weh tut, wartet das Licht.

          Wie ich Dich kenne, gibt es bald ein neues Thema.

          Wolfgang

        • Mai 24, 2012 um 8:47 pm

          @Martin: „Die Frage nach dem “wer und wie will ich sein?”, setzt zudem die Beantwortung der Frage “wer und wie bin ich?” voraus.

          Lieber Martin,

          Mir fielen nachlaufend noch ein paar Gedanken ein, zu Deiner Frage, die ich als Frage nach der Identität verstehe.
          Wie gehören Identitätsbildung und Leiderfahrungen zusammen?
          Eine große Frage und kaum schnell und einfach zu beantworten.

          Keine Ahnung, ob wir tatsächlich in einem „Zeitalter des Narzissmus“ leben.
          Aber wenn, dann scheint die Frage nach ihrer Identität bei vielen einen lebenslangen, kreativen Suchprozess auszulösen.
          Die Identitätsfrage lautete früher anders. Gefragt wurde nach „Identifizierbarkeit“ anhand Herkunft, Zugehörigkeit, Rolle, Position usw.
          Identität aber ist etwas Geheimnisvolles, Einzigartig-Individuelles und Intimes, dass sich von anderen unterscheidet..
          Meinen deshalb Viele heute, dass die Zuschreibungen und „gespiegelten Bilder“ von anderen, neben durchaus auch manchen erhellenden Facetten, insgesamt jedoch Passgenauigkeit mangelt?
          Wieviele Persönlichkeitsmodelle wurden in den letzten 100 Jahren erfunden, welche ja auch helfen sollen seine Identität zu finden – sein Selbst zu erkennen?
          Identität laut Wikipedia: (lateinisch idem ‚derselbe‘, ‚dasselbe‘, ‚der Gleiche‘) die ihn kennzeichnende und als Individuum von anderen Menschen unterscheidende Eigentümlichkeit seines Wesens (Entität).

          Wohl kaum etwas lenkt meine Aufmerksamkeit stärker auf die Identitäts- und Selbstwertfrage, als Konfrontation mit Leid.
          Wem Leiden Vorsprung (zum Überleben) schaffen soll, stellt sich also auch die Frage nach meiner Identität (neben der Frage nach dem Sinn).
          Leiden lassen mich konkurrenzbasierte Konfrontationen und Konflikte aufgrund eigener und fremder, oft paradoxer Erwartungen.
          Systemische Verstrickungen im Kleinen und Großen halten die Identitätsreifung beständig offen.
          „Überleben“ geht dabei über die eigene Person hinaus, im Sinne des „Weiterlebens in Anderen“, z.B. in Nachkommen, in den Erinnerungen Anderer.
          Wo suchen? Oder findet sie mich? Ist es mehr ein erinnern? In mir selbst und meiner Vergangenheit schon von vorhanden?

          Ich erinnere mich an ein bemerkenswertes, berührendes Gedicht des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, welches der 39jährige erschuf.
          Angesichts seiner nahen Ermordung am 9.4.45 im KZ-Flossenbrück durch den Strang, auf ausdrücklichen Befehl Hitlers.
          Nach zweijähriger Haft wegen Wehrkraftzersetzung, zuletzt in einem Gestapogefängnis, als verurteilter Widerständler gegen den Nationalsozialismus.

          ************
          Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
          ich träte aus meiner Zelle
          gelassen und heiter und fest
          wie ein Gutsherr aus seinem Schloß

          Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
          ich spräche mit meinen Bewachern
          frei und freundlich und klar,
          als hätte ich zu gebieten.

          Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
          ich trüge die Tage des Unglücks
          gleichmütig, lächelnd und stolz,
          wie einer, der Siegen gewohnt ist.

          Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
          Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
          Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
          ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
          hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
          dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
          zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
          umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
          ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
          müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
          matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

          Wer bin ich? Der oder jener?
          Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
          Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
          Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
          das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

          Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
          Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
          ************

          Die geläuterte Selbstreflektion aus der stillen Einsamkeit einer Gefängniszelle bewegt mich immer wieder.
          Je näher ich mich darauf einlasse, desto mehr Energie scheint zu fließen.
          Beachtlich finde ich die Reflektion, ambivalenter Stimmungen, auf dem Hintergrund der unerwähnten, baldigen Hinrichtung.
          Authentisch und glaubwürdig, die Selbst- und Fremdreflektionen.
          Mit welcher klaren Schlichtheit am Schluss innere Freiheit, angesichts äußerer Gebundenheit geschildert wird, verblüfft mich.
          Eine Begegnung, mehr ein meditatives Gebet, stillt das Ringen im Selbstgespräch um eine kontinuierliche Identität.
          Wie er sich Selbst im Angesicht seines erwählten Gottes entdeckt und wiederfindet, assoziiere ich mit „heimkommen“.
          Alles scheint gut zu sein – versöhnt mit Gott, dem Leben, der Welt wie sie ist und dem eigenen Schicksal.
          Für mich, als außenstehender Beobachter eine „mystische“ Erfahrung, gleichermaßen geheimnisvoll wie anziehend.
          Die kindliche Verbundenheit und freiwillige Hingabe, mit wenigen einfachen, unaufgeregten Worten, entspannt.
          Jedes weitere Wort, würde mehr verdunkeln, als erhellen.

          • Mai 26, 2012 um 11:00 pm

            Lieber Ingo,

            vielen Dank für dieses bewegende Gedicht uns Deiner genauso bewegenden Betrachtung derselben.
            Ja, es ist immer wieder verwunderlich, was man von anderen über sich erfahren kann. Vielleicht sollten wir viel häufiger nach Feedback fragen. So hören wir über uns, wissen dann aber auch, was der andere missverstanden haben könnte. Denn Missverständnisse dürfte der häufigste Grund für Konflikte sein.

            Lieben Gruß, Martin

  16. federleichtes
    Mai 23, 2012 um 3:14 pm

    Martin:
    „Also wird es, weil alles schwingt, Zyklen zwischen Leid und Glück geben und mit jedem Mal sollte es besser werden, …“

    Ich nannte das Prinzip „Ticktack“.
    Die Dynamik besteht ja darin, weiter in die „Tiefe“ zu bohren, um an den Kern des Bösen zu kommen – Leid verursachend, andererseits darin, ein Bewusstsein zu entwickeln, das lebensfeindliche Informationen kontrolliert – Glück erzeugend.

    Diese Dynamik schafft also „nur“ insofern bessere Ergebnisse, als dass sie die (Schein-)Polarität verschärft und damit der Auflösung des Übels entgegen strebt.

    Wolfgang

  17. Mai 23, 2012 um 5:14 pm

    Differenzierungen zum Begriff „Empathie“: (hoffe er gefällt)

    Es gibt sehr unterschiedliche Stufen der Empathie. Die einfachste Stufe ist, von der Empfindung eines anderen beeinflusst zu werden. Das ist sehr, sehr weit verbreitet, nicht nur unter Säugetieren. Eine höhere Stufe der Empathie ist die Fähigkeit, die Situation des anderen zu verstehen.

    Es gibt eine kognitive und eine emotionale Empathie. So sprechen wir von kognitiver Perspektivübernahme, wenn wir wissen, dass der andere leidet, und das abstrakt als schlimm einschätzen, aber nicht mitfühlen.
    Affektive Empathie bezeichnet dann wirkliche emotionale Resonanz, bei der jene neuronalen Netzwerke aktiviert werden, die auch den eigenen Gefühlen zugrunde liegen. Das ist dann wirkliches Mitfühlen, und es kommt auch zu einer assoziierten körperlichen Reaktion. Im Englischen nennt man das „embodied cognition“.

    Es geht nicht um Kultur, sondern um Ven-Zellen. Ven-Zellen und Spiegelneuronen spielen eine Rolle. Wir wissen aus Experimenten der Neurowissenschaftlerin Tania Singer, dass, wenn ich Ihnen mit einer Nadel in den Arm steche, eine bestimmte Region Ihres Gehirns aktiviert wird, und dass genau dieselbe Region reagiert, wenn die Nadel in den Arm eines anderen gepiekt wird und Sie nichts spüren, aber sehen. Es ist glücklicherweise nicht dieselbe Reaktion. Sie merken schon, ob Sie selbst gepiekt werden oder ein anderer, aber Ihr Gehirn reagiert auch auf den Schmerz des anderen. Das ist eine biologische Reaktion. Ich bin sehr froh darüber. Wäre Empathie nur eine kulturelle oder eine religiöse Errungenschaft, etwas, das wir irgendwann einmal erfunden hätten, dann könnte sie genau so auch wieder verschwinden. Man könnte Menschen dann – wie bei Orwell – dazu programmieren, nicht empathisch zu sein. Das scheint mir – auf lange Sicht jedenfalls – angesichts unserer biologischen Ausstattung, zu der auch Empathie gehört, aussichtslos zu sein.

    Wir haben diesen empathischen Impuls, und ich glaube auch, dass wir ihn zurückdrängen können. Ausrotten aber können wir ihn nicht. Männern gelingt das Zurückdrängen leichter als Frauen. Empathie ist tiefer in der Biologie der Frau als in der des Mannes verankert. Aber auch bei Männern ist das nicht leicht. Man gibt ihnen schöne Waffen und ausgezeichnete Gründe für den Mord an den Artgenossen und doch kommen ein Drittel bis zur Hälfte der Männer mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus den Kriegen zurück. Es ist ihnen nicht gelungen, den empathischen Impuls abzustellen.

    Der Psychopath ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Er hat alle kognitiven Fähigkeiten zur Empathie. Er erkennt die Gefühle seiner Opfer und das hilft ihm dabei, sie zu seinen Opfern zu machen. Er kann das besser als andere, weil er nur die kognitive Fähigkeit zur Empathie hat, nicht aber die emotionale. Seine Opfer sind ihm gleichgültig.

    Empathie ist eine Überlebenstechnik in Gruppen lebender Tiere. Sie ist, sagten Sie, im Körper, bevor sie im Kopf ist. Sie rührt aus der Synchronisierung. Die beobachten wir schon bei Fischen und Vögeln. Die müssen in ihren Schwärmen ihre Bewegungen auf einander abstimmen. Man kann das bei uns auch sehen. Wenn Sie sich einer traurigen Person nähern, nehmen sie unwillkürlich eine traurige Körperhaltung ein. Und dann beginnen Sie, sich traurig zu fühlen. Ihr Körper beeinflusst ihr Gemüt

    Meine Auffassung, dass Weibchen empathischer sind als Männchen, (wird) durch Statistik gestützt. Dieser Satz gilt auch nur statistisch. In Einzelfällen kann es durchaus sein, dass ein Mann empathischer ist als eine Frau.

    John McCain und Barack Obama bei einem Versöhnungstreffen. Sie demonstrieren Reue: hängende Schultern, Kopf und Blick nach unten. Und Unterlippe nach unten. Sehen Sie, so sehen reuige Sünder aus. Bei Menschen und Affen. Ich habe verzweifelt nach einem einzigen Foto gesucht, auf dem Ex-Minister Guttenberg so aussieht. Ich habe keines gefunden. Sehen Sie hier: aufrecht, forsch. Er zeigt keine Reue. Das bedeutet auch, dass er keine Signale aussendet, die uns Empathie mit ihm empfinden lassen. Armer Guttenberg.

    Quelle (lesenswert): http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/aber-sie-koennen-mitleid-haben–wie-der-mensch–der-primatenforscher-frans-de-waal-ueber-empathie–moral-und-die-entlarvende-mimik-karl-theodor-zu-guttenbergs–affen-weinen-nicht,10917074,10784406.html

    • Mai 23, 2012 um 8:56 pm

      Ingo, ich würde diesen wichtigen Kommentar gerne in einem eigenen Artikel laufen lassen, ok, für Dich?
      Ich könnte Dich auf als Autor im Blog eintragen, dann wärst Du dadurch ebenfalls gekennzeichnet. Interessiert?
      LG Martin

      • Mai 24, 2012 um 9:30 am

        @Martin

        Kommentar als „Eigener Artikel“: Gerne.
        Als Autor eintragen: Ja, warum nicht. Wär einen Versuch wert.

        Dein Blog ist sehr informativ und interessant.

        Ingo

  18. Mai 23, 2012 um 5:46 pm

    Wolfgang schrieb:

    “Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass nicht Gott uns vom Bösen befreit, sondern Wir IHN.“

    Ein Satz und ein Volltreffer … so kennen wir das von Wolfgang 😉

    Gruß Guido

  19. Mai 23, 2012 um 7:20 pm

    Osho sagt: LEIDENSCHAFT GENÜGT NICHT

    Wenn du vermeiden kannst, destruktiv zu sein, wenn du kreativ sein kannst in deiner Beziehung, wenn du sie unterstützen kannst, sie nähren kannst, wenn du Mitgefühl für den anderen Mensch empfinden kannst, nicht nur Leidenschaft… Leidenschaft allein genügt nicht, um die Liebe zu erhalten, Mitgefühl ist nötig. Wenn du Mitgefühl für den anderen empfindest, wenn du seine Begrenzungen akzeptieren kannst, seine Unvollkommenheiten; wenn du fähig bist, ihn so zu akzeptieren wie er oder sie ist und dennoch lieben kannst – dann wird eines Tages die Ehe geschehen. Es kann Jahre dauern. Es kann dein ganzes Leben dauern.

    • federleichtes
      Mai 23, 2012 um 10:01 pm

      Es gibt im Bereich der Erregungen (jdenfalls für mich) eine feine Unterscheidung.
      Einerseits die Euphorie, als Manie oder Größenwahn eine Geisteskrankheit – eine Erregung also, die verwirrter/destruktiver Geist verursacht.
      Andererseits Enthusiasmus als ein Herzensgefühl, das ursächlich ist für die Mobilisierung von Ideen, die der Gemeinschaft dienen. Diese Begeisterung hat also nur indirekt mit Geist zu tun, da Geist/Ideen nur als Werkzeug dienen.

      Leidenschaften entstehen NUR auf der emotionalen, nicht auf der Gefühlsebene.

      Gruß an Osho.

      Wolfgang

  20. Mai 24, 2012 um 2:51 am

    Leidenschaften sind die Landschaften der emotionalen Welt.

    Das Leiden selbst kann nur mit dem Kohärenzgefühl und dem Sinn für Kohärenz, Stichwort Salutogenese, aufgelöst werden. Somit begleitet das Leben das Leiden bis zum Ziel … und umgekehrt. Es ist wie das Gefühl adoptierter Kinder, die das Gefühl der leiblichen Eltern nicht loswerden und sich auf die Suche nach ihnen machen. Genauso wird das Leben im Laufe der Expansion immer mehr zu Adoptivkindern der Realität, ohne je das Gefühl ablegen zu können, dass die REALEN Eltern nicht die WIRKLICHEN Eltern sind. Und so macht sich das Leben immerzu auf die Suche nach ihnen … und wird sie schließlich, befreit von Unordnung, auch finden …

    Gruß Guido

    • federleichtes
      Mai 24, 2012 um 11:21 am

      Vielleicht entsteht Glück aus dem Verstehen, sich mit seinem Schaffen kein Fundament, sondern ein Sprungbrett gebaut zu haben.

      Hallo Guido,
      mein Glück entsteht auch, wenn mich nur einer versteht.

      Du sagst:
      „Das Leiden selbst kann nur mit dem Kohärenzgefühl und dem Sinn für Kohärenz, Stichwort Salutogenese, aufgelöst werden.
      Und:
      Leidenschaften sind die Landschaften der emotionalen Welt.“

      Wenn ich das richtig wahrgenommen habe, bist Du der einzige, der (auch) die Unterscheidung zwischen Emotion und Gefühl trifft. Paßt ja auch bestens in Dein Konzept der reaktiven und aktiven Ordnung.
      Hie rmachst Du es nochmals deutlich:
      Leiden ist eine RE-Aktion, die Antwort (Erregung) auf etwas Unverstandenes, Unbearbeitetes, Traumatisches etc. Das mag als ungesund erscheinen, ist aber natürlich in einem traumatisch disponierten System.
      Salutogenese – Gefühle – Gesundheit – konstruktive Aktivität. Kohärenz/Übereinstimmung mit einer Ordnung, und zwar mit dem GANZEN Wesen der Ordnung. Kein Ekel, kein Widerwille, keine Aversion – Emotionalität nur mit Bewusstsein.

      Was politisch und wirtschaftlich auf der Welt inszeniert wird, dient – ich hoffe, Du siehst das ähnlich – einzig zu dem Zweck, reaktive Potzenziale zu entdecken, sie aufzulösen, um auf die natürliche Erregung Gefühl/Mitgefühl/Liebe umschalten zu können.

      Ich glaube, es gibt ein natürliches Wesen im Menschen. Es führt ein Schattendasein, solange der Mensch im Sinne der Entwicklung Rollen spielen muss. Diese Rollen mögen destruktiv ERSCHEINEN, im Sinne der Ordnung sind sie konstruktiv..

      Euch einen guten Tag.

      Wolfgang
      geht jetzt wirklich.

      • Manfred Voss
        Mai 24, 2012 um 1:13 pm

        Hm …

        „Wenn ich das richtig wahrgenommen habe, bist Du der einzige, der (auch) die Unterscheidung zwischen Emotion und Gefühl trifft.“

        … da protestier ich jetzt mal 😉 – siehe hier:
        https://faszinationmensch.wordpress.com/2012/03/09/brauchten-wir-nicht-einmal-die-goldene-regel-wenn-wir-eigenwillig-waren/#comment-5713

        Lieben Gruß

        Manfred

        • federleichtes
          Mai 25, 2012 um 12:51 am

          Ein Hm…-Protest. Ich bin zwar in den letzten Wochen bezüglich des Protestierens schon besser geworden – lerne aber gerne von Dir.

          Ist ein altes „Leid“ von mir, mich weitgehend unverstanden zu wissen – obwohl das vielleicht falsch ist.
          Gut wäre sicher, wenn sich mehr Menschen klar machten, WARUM wir mit falschen Informationen gefüttert werden, gerade was das Funktionieren des menschlichen Systems betrifft.
          Hm…, andererseits würde sich mit mehr Verständnis das Chaos nicht so ausbreiten können, wie es das offensichtlich tun muss.

          Einen lieben Gruß auch an Dich.

          Wolfgang

        • Manfred Voss
          Mai 26, 2012 um 12:51 am

          Als Allererstes: Die Kornblume ist wunderschön – ich hab sie mir genau betrachtet, und ihre Schönheit „eingeatmet“. (Und muss auch noch loswerden, dass ich auch Eure anderen Bilder immer wieder sehr und neu genieße, auch wenn ich das nicht so oft sage.)

          Kleine Anmerkung zu „Protest“: Das kommt von „protestari“ und bedeutet etwa „mit Nachdruck bezeugen“ (ist allerdings kein klassisches, sondern Kirchenlatein, sagt mein Lexikon ;-)), ist also ursprünglich wertneutral …

          „Ist ein altes „Leid“ von mir, mich weitgehend unverstanden zu wissen – obwohl das vielleicht falsch ist.“

          Der Satz hat in mir ein gewisses Grummeln ausgelöst, und ich hab ein wenig Zeit gebraucht, herauszufinden, warum: Woher „weisst“ Du? Wenn Du anstelle von „wissen“ das Wort „glauben“ setzen könntest, dann könntest Du vielleicht das „vielleicht“ leichter streichen …

          (wow, das iss’n Satz ;-))

          Lieben Gruß
          Manfred

        • Mai 26, 2012 um 11:18 pm

          Die Unterscheidung von Emotionen und Gefühlen hat Antonio R. Damasio in sienem Buch „Ich fühle also bin ich“ sehr gut dargelegt.

          Ich hatte an anderer Stelle als Kommentar ebenfalls kurz darauf Emotionen und Gefühlen hingewiesen und wie ich dazu kam, den Titel “Der Mensch – das faszinierende Wesen” meines Blogs zu formulieren:

          Begonnen hatte alles mit einer Frage zu einem beruflichen Thema aus dem Geschäftsprozessmanagement: “Kann man Menschen motivieren?”, damit diese mehr Leistung innerhalb von Prozessen bringen, damit diese kostengünstiger werden und damit mehr Profit möglich ist. Hier ist der Artikel dazu, den ich damals schrieb und der wieder mehr weitere Fragen für mich aufwarf als ich beantwortet hatte:
          Zuerst: Prozessoptimierung: für Prof. Hüther ist es hirntechnischer Unsinn, andere motivieren zu wollen
          Und dann: Lassen sich Geschäftsprozesse besser verbessern, wenn man die Mitarbeiter mehr motiviert?
          Das führte mich zu der Überzeugung, dass wir Menschen mit einer sehr hohen intrinsischen Motivation auf die Welt kommen, und aber im Laufe unserer Erziehung diese zerstört wird. Und da war wieder das „Warum“. Und diese Frage führte mich sehr schnell zu dem Bild des nicht selbstbestimmten Menschen, des Sklaven. Und da war sie die Faszination. Der Mensch als intelligentes Wesen, ausgestattet mit logischem Denken und gleichzeitig Gefühlen und Emotionen (siehe Antonio R. Damasio: Ich fühle also bin ich), der in Liebe zu kooperativem Verhalten in der Lage ist, genauso wie in Angst und Hass sich in seinem Konkurrenzverhalten über andere Menschen stellt. Hierbei bin ich über das Buch “Die sexuelle Evolution – Partnerwahl und die Entstehung des Geistes” von Geoffrey F. Miller gestolpert, der die zweite große Theorie von Darwin besprach, die 100 Jahre verloren gegangen war. Und da Denken etwas mit Worten zu tun hat, las ich auch noch “Als die Wörter tanzen lernten – Ursprung und Gegenwart von Sprache” von Wolfgang Steinig”, worin auch das Thema der Religion nochmals aus einem weiteren Blickwinkel, der der Sprachbildung betrachtet wurde. Und dann bekam ich das Buch “FeelIt – Wie viel Intuition verträgt ihre Firma” von Andreas Zeuch zugeschickt, was meine Faszination für das Wesen des Menschen noch weiter entfachte.
          Mir war klar, dass ich mich auf der Suche nach einer besseren Welt damit beschäftigen muss, was den Mensch ausmacht, warum er so tickt und nicht anders. Und dabei half und hilft mir dieser Blog, und wie ich sehe konnte, durch die Möglichkeit der Interaktion auch dem einen oder anderen Menschen, der hier vorbei kam.

  21. federleichtes
    Mai 24, 2012 um 10:38 am

    Ingo:
    „Es gibt für alles ein Zuviel/Zuwenig.“

    Und:
    „Menschen sind ambivalent, mehrdeutig, multiperspektivisch veranlagt.“

    Martin:
    „Martin:
    “Also wird es, weil alles schwingt, Zyklen zwischen Leid und Glück geben …“

    Ingo:
    „Ob das “Stück des Lebens” aber eher destruktiv, disharmonisch, gewalttätig usw. klingt oder eher verträglich, erbaulich, wertschätzend, konstruktiv usw. liegt M.E. am unhintergehbaren SELBST als Dirigent, als Summe aller bisher bewältigten, d.h. integrierten und damit versöhnten Leiderfahrungen – basierend auf seiner grundsätzlichen Unverletzlichkeit (Resilienz)“

    Vielleicht ist die „Harmonie des Lebens“ nicht das, was wir Menschen uns unter Harmonie vorstellen. Ist nicht gerade das GLEICHMÄSSIGE Fühlen des Auf-und-Ab eine Kunst? Sich nicht wegen einiger schlechter Rollen-Leistung weniger lieben; sich nicht wegen einiger besonders guter Leistungen Über-alle-Maßen-lieben?

    Wenn wir unterwegs sind, gibt es IMMER ein Zuviel und ein Zuwenig. So gestaltet sich eine Stunde nicht in der Addition von 60 gleichen Minuten. Es gibt Minuten, da erlebe ich so intensiv, wie andere Menschen in einem Monat nicht. Und es gibt Stunden, da erlebe ich bewusst nichts, sie vergehen – einfach, in höchster Aufmerksamkeit und völliger Gelassenheit.

    Einige Menschen gestalten ihr Leben als eine sehr flache Amplitude – sie erleben keine großen Höhen und keine großen Tiefen. Sie leben sozusagen gedeckelt, lassen außerordentliche Informationen und Erregungen nicht zu. Sie beherrschen sich, ohne sich zu fragen, von welcher Vorstellung sie beherrscht werden.
    Contenance, Selbstbeherrschung praktiziert aus Angst vor Überwältigung – oder als gelebte Vernunft, bewusst eingesetzt? Klar, Menschen sind hier ganz verschieden disponiert und versuchen – jeder auf seine Weise, unter Zuhilfenahme einiger Methoden möglichst konfliktfrei durchs (Er-)Leben zu gleiten.

    Aber Leben kennt eine ganz andere Seite, die der Extreme. In diesem Sinne bieten sich Optionen an, ganz still, bewegungslos und unempfindsam zu sein und sich weitgehend ais dieser Welt auszuklinken – oder die große Hitze/Kälte, die Überstrapaze, das absolut Störende zu suchen. Überleere und Überfülle zu erleben ist ein Frage der Konfrontation: Was kann ich aushalten. So mögen sich Leben dann auch gestalten, trainieren für eine Aufgabe, die man noch gar nicht formulieren kann – nur um das Gefühl zu haben, BEREIT-zu-Sein

    Aus diesem Gefühl heraus mag das entstehen, was man Leidensfähigkeit nennt. Aber sind Leiden nicht nur die Zustände, die man eben nicht ertragen kann? Wer Extreme aushalten KANN, leidet nicht – ja, vielleicht lebt er gar in dem Glücksgefühl seiner relativen Befähigung.

    Wir wissen nicht, WOZU Menschen berufen sind. Und wir wissen auch nicht, WANN sie berufen werden. Insofern bleiben bestimmte Lebenswege unergründlich, Mag der eine aufstehen und sich vor einen Zug werfen, so steht ein anderer im rechten Moment am richtigen Ort, um ein Kind zu retten. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen GERADE WEGEN der sichtbaren/spürbaren Disharmonie im Sinne der laufenden Entwicklung ein harmonisches Ganzes SIND. Mit dem Bewusstsein kann man auch den dornenreichsten Weg als vollkommen FÜHLEN:

    Also, nicht hadern mit dem, was war oder noch nicht gekommen ist, sondern begrüßen, was DA-IST.

    Ich geh‘ dann mal.

    Wolfgang

  22. Mai 31, 2012 um 11:06 am

    Die Toten Hosen haben ihr neues Album Ballast der Republik raus und einen Song mit gleichem Namen dabei, der so Einiges auf den Punkt bringt:

    Ein ganzes Land kniet nieder
    Und sagt „Es tut uns Leid!“
    Wir geben zu, wir haben den Krieg verloren
    Und das ist jetzt vorbei
    Uns ist klar, wir müssen büßen
    Damit Ihr uns verzeiht
    Die Nation wird ausgewürfelt
    Und dann durch zwei geteilt
    Die einen Saufen Coca Cola
    Die anderen fressen Mauerstein
    Hier feiert man Wirtschaftswunder
    Und da den 1. Mai

    Doch jeden Tag besucht uns
    Derselbe Parasit
    Alle tragen auf ihren Schultern
    Den Ballast der Republik

    Die alten Panzer sind verrostet
    Wir sind wieder vereint
    Heute quälen uns noch mehr Sorgen
    Die Kohle wird verheizt
    Wir haben keine Zeit mehr
    Für Politik und Religion
    Wenn wir an Götter glauben
    Dann tragen sie Trikots

    Doch jeden Tag besucht uns
    Derselbe Parasit
    Im Kopf und auf den Schultern
    Den Ballast der Republik

    Es ist wie Pech, das an uns klebt
    Der Ballast der Republik

    In Clubs und auf den Straßen
    Alle haben es so satt
    Man tanzt bis in den Morgen
    Doch die Sorgen fallen nicht ab
    Alle schieben Hass
    Es ist der alter Parasit
    Im Kopf und auf den Schultern
    Der Ballast der Republik

  23. federleichtes
    Mai 31, 2012 um 11:45 am

    Leiden ist doch ein energetischer Prozess, oder?

    Ist es nicht so, dass Menschen verschiedene Energieformen zu emotionaler Energie transformieren? Ein schönes Steak und schön wütend werden?

    Wer profitiert von dieser Energie-Transformation?

    Die Wesen, die über keine eigene Energie verfügen?

    Leiden, damit andere leben können?

    Immer diese Fragen.

    Ich geh‘ dann mal – zum Zahnarzt: Schmerzen ohne Leiden?

  1. Juli 27, 2012 um 6:38 pm
  2. August 10, 2019 um 10:57 pm

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