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Neues vom Geldsystem: Verteilungsgerechtigkeit durch Chancengleichheit

Mein letzter Artikel über unser Geldsystem ist schon eine Weile her (Die Krisen machen es möglich: der ökonomische Wandel nimmt Fahrt auf und stellt nicht nur unser korruptes Politiksystem sondern auch das Geldsystem in Frage). Darin hatte ich die Initiative für ein neues Geldsystem vorgestellt, die von über 50 „Experten“ getragen wird. Aus vielen Diskussion ist ein Dokument mit der Bezeichnung Verteilungsgerechtigkeit durch Chancengleichheit entstanden, mit einigen Analysen als auch Schlussfolgerungen. Es beginnt mit:

Meist wird heute davon ausgegangen, dass die ungleiche Verteilung der Vermögen innerhalb unserer Gesellschaft der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder entspringt. Verschiedene politische Fraktionen propagieren eine (höhere) Vermögensbesteuerung, um eine gleichmäßigere Verteilung der Vermögen zu erreichen. Betrachtet man die Angelegenheit jedoch genauer, so stellt man fest, dass die
ungleiche Verteilung der Vermögen in der Gesellschaft vielmehr dadurch verursacht wird, dass die verschiedenen Gesellschaftsmitglieder sehr ungleiche Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg haben. Wird wirkliche Verteilungsgerechtigkeit angestrebt, sollte genau an dieser Stelle angesetzt werden.

Nach der Beantwortung, ob Vermögenssteuern ein effizienter Weg sei, und was die Verteilungsgerechtigkeit heute verhindert, kommt das Papier zum Schluss:

Chancengleichheit durch eine Gebühr auf ungenutzte Ressourcen

Nach der Verunsicherung durch die Finanzkrise 2008 bietet heute die Anlage in reale Werte die lukrativste Quelle leistungsloser Einkommen. Eine handvoll Großspekulanten kaufen für ein Monat weltweit eine bestimmte Ressource auf und entziehen sie damit der wirtschaftlichen Nutzung, bis Unternehmen gewillt sind, überhöhte Preise zu zahlen. Die Kosten für diese Preiserpressung trägt natürlich letztendlich der Konsument.

Geeignet für derartige Preiserpressungen sind verschiedene Arten von Ressourcen: Land, Wasser (in Form von Quellgebieten), Luft (in Form von Emissionszertifikaten), haltbare Agrarprodukte wie Getreide, Edelmetalle (seltene Erden) und Energie (z. B. Erdöl). Im Grunde sollten diese Schätze der Erde zum Wohle aller genutzt werden. Wer jedoch weder an deren Gewinnung, noch an deren Verteilung oder deren Konsum beteiligt ist, darf sie nicht der Öffentlichkeit entziehen, ohne dafür Gebühren zu entrichten.

Eine solche Gebühr auf ungenutzte Ressourcen verändert die gesamte Situation. Der Bauer aus dem obigen Beispiel führt das Land des Grundbesitzers einer Nutzung zu und erspart dem Grundbesitzer damit die Gebühr. Klarerweise wird er für diese Leistung nicht zusätzlich auch noch eine Pacht zahlen. Ohne Pacht sind seine Produktionskosten nicht mehr höher als jene eines Bauern, der eigenen Grund und Boden besitzt. So wird Chancengleichheit geschaffen und auch der ständige Anstieg der Vermögenskluft unterbunden.

Und weiter geht es mit

Gehortetes Geld als ungenutzte Ressource

So wie der Grundbesitzer im vorigen Beispiel durch eine Gebühr auf ungenutzte Ressourcen motiviert wird, sein Land zu verpachten, können auch Besitzer von Geldvermögen bewogen werden, diese der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen – denn auch gehortetes Geld ist eine ungenutzte Ressource. Dazu bedarf es zweier grundlegender Änderungen in der Geldordnung.

1. Der Sparer muss entscheiden

Heute kann der Sparer gar nicht entscheiden, ob sein Geld als Kredit vergeben wird oder nicht. Die gebundenen Gelder auf den Sparkonten werden nicht zur Geldmenge gezählt, weil dort gar kein Geld existiert. Die Spargelder werden vielmehr von der Bank im Saldenausgleich als Deckung für die Buchgeldschöpfung verwendet. Wenn im Falle einer Verunsicherung zu viele Sparer auf ihr
Sparvermögen zugreifen wollen („Bank Run“), kollabiert das System, weil das Geld nicht (d. h. nur als Buchgeld) existiert.

Daher fordern wir, dass Geld nur dort verbucht wird, wo es tatsächlich ist. Das bedeutet: Der Sparer soll selbst entscheiden, ob er Geld hortet und dafür eine Gebühr zahlt, oder ob er es für die Kreditvergabe zur Verfügung stellt. Stellt er es zur Verfügung, so erhält er einen Tilgungsvertrag, der weiterhin durch Pfand besichert ist. Das Geld aber wandert von seinem Konto zu jenem des Kreditnehmers. Die Bank hat als Vermittler die Aufgabe, die Kreditgeber anonym zu halten.

2. Freier Wettbewerb zwischen Währungen

Die europäische Zentralbank hat durch ihr Währungsmonopol eine sehr große Macht. Wir sind der Ansicht, dass diesem Machtmonopol durch einen freien Wettbewerb konkurrierender Währungen etwas entgegengesetzt werden soll. Würden sich die Banken eines einzelnen Staates entschließen, die Geldverwaltung einer Monopolwährung (wie dem Euro) durch eine Gebühr auf Geld zu finanzieren, so würde dieser Staat wohl in Geldnot geraten, weil die Sparer ihre Ersparnisse abziehen und in einem anderen Staat anlegen würden.

Ganz anders stellt sich die Situation jedoch dar, wenn wir von frei konkurrierenden Währungen ausgehen. Daher sollte mindestens eine nationalen Währung parallel zum Euro eingeführt werden. Wird für diese Währung weitestgehende Wertstabilität garantiert, wird sie zweifellos von den Menschen gegenüber einer inflationären Währung (wie dem Euro) bevorzugt werden. Weiters kann der Staat einer
solchen Währung zusätzlich Bedeutung geben, indem er diese für Staatsausgaben verwendet und zur Tilgung von Steuerschulden akzeptiert. Dieses Konzept der Wertstabilität ist nicht illusionär, sondern hat seine Praxistauglichkeit schon längst durch viele Regionalwährungen unter Beweis gestellt. Dass der Umgang mit zwei oder mehreren Währungen unproblematisch ist, zeigt sich in Währungsgrenzgebieten – dort ist der Umgang mit mehreren Währungen alltägliche Praxis.

Nachhaltigkeit und Verteilungsgerechtigkeit durch neue Anlageformen

Durch neue Vertragskonzepte können Gemeinden Kilowattstunden oder Liter aus nachhaltiger Infrastruktur an Ansässige vorverkaufen, ebenso können Stunden (für Betreuung oder andere Dienstleistungen) vorverkauft werden. So können Bürger für ihre Bedürfnisse in der Pension vorsorgen:

Energie- und Wasserversorgung, Müllentsorgung, Betreuungs- und andere Dienstleistungen. Die Verträge lauten auf physikalische Einheiten wie Kilowattstunden, Liter oder Stunden. Sie sind daher inflationsunabhängig und gelten auch nach einen Währungscrash.

Durch den Vorverkauf erhalten auch verschuldete Gemeinden die finanziellen Mittel um nachhaltige Infrastruktur zu errichten und die Wende zur Nachhaltigkeit mitzutragen. Die zukünftige Leistung dieser Infrastruktur lässt sich vorab berechnen. Natürlich darf nur ein Teil der zukünftigen Leistung vorverkauft werden, um die Errichtung zu finanzieren. Der andere Teil der Leistung wird verkauft um die Betriebs- und Instandhaltungskosten zu tragen.

Eine derartige zusätzliche Altersvorsorge, die neben dem Generationenvertrag existieren kann, belässt das Geld in der regionalen Wirtschaft und führt es nicht, wie heutige private Pensionsvorsorgeprodukte, einem krisenanfälligen Finanzmarkt zu. So kann das Geld von anderen Wirtschaftsteilnehmern durch deren Leistung erworben und verwendet werden. Wandert das Geld jedoch in den  Wertpapiermarkt, ist das nicht mehr möglich. Jede echte Verteilungsgerechtigkeit beginnt mit Maßnahmen, die Geld in der Realwirtschaft halten, denn gerecht ist Verteilung nur dann, wenn nach erbrachter Leistung verteilt wird.

Warum ist eine auf Zins-basierende Währung ständiger Inflation ausgesetzt?

Eine bekannte, sehr stark vereinfachende Antwort lautet: Die Banken bringen Geld über Kredite in Umlauf, verlangen aber letztlich mehr Geld zurück, als sie in Umlauf brachten. Deshalb muss stets neues Geld geschöpft werden – so entsteht Inflation.

Ein ebenso bekannter Einwand dazu besagt, dass Zinsen kein Problem seien, wenn diese bspw. über Gehälter (der Bankmitarbeiter) wieder zurück in die Realwirtschaft fließen, wo sie wiederum für die Zahlung weiterer Zinsen zur Verfügung stehen. Dabei wird die Geldmenge nicht erhöht.

Das Problem hierbei ist nun, dass sowohl die vereinfachende Antwort als auch der bekannte Einwand Teile der praktischen Wirklichkeit ausblenden. Zum Einwand, dass Zinsen kein Problem seien, muss gesagt werden, dass heute nur ein sehr geringer Teil der Zinseinnahmen der Banken durch Gehälter wieder zurück in die Realwirtschaft wandert. Den Großteil muss die Bank an die Sparer abtreten. Diese führen aber ihre Zinseinnahmen kaum dem Konsum zu. Nicht nur Sparer sondern auch die Banken selbst nützen die Einnahmen großteils zum Erwerb von Geldanlageprodukten. In der Realwirtschaft fehlt nun das Geld, um Kredite mitsamt Zins zu tilgen. Also müssen immer neue Kredite aufgenommen werden und damit steigt die Geldmenge – es kommt zur Inflation (lat. inflatio „das Sichaufblasen; das Aufschwellen“). Die erwähnte, vereinfachende Antwort übersieht also den bestimmendsten Faktor der Inflation – das Abwandern des Geldes in den Geldanlagemarkt.

Eine durch Gebühr auf Geld finanzierte Geldverwaltung führt demgegenüber zu wertstabilem Geld, da erst gar keine Zinsgewinne auf Seiten der Sparer entstehen, die in den Geldanlagemarkt abwandern könnten. Die Sparer bedürfen auch keines Zinsertrages, wenn ihr Erspartes nicht an Kaufkraft verliert.

Ist eine Gebühr auf Geld fair?

Immer noch wird gelehrt, Sparer hätten für den Konsumverzicht einen Zinsertrag verdient. Aber der Konsumverzicht aufgrund der Hortung des Geldes führt zu einer stagnierenden Wirtschaft, was doch gar nicht erstrebenswert ist.

Ebenso wird immer noch gelehrt, der Kreditnehmer werde gerechtfertigterweise durch Zins belastet, weil doch das Kreditausfallrisiko gedeckt werden müsse. Aber im Fall einer korrekten Kreditvergabe ist ein Kredit immer durch Pfand und Bürgen besichert.

Die Kreditnehmer halten die Wirtschaft am Laufen. Das wird ersichtlich, wenn wir uns ein Geldsystem an seinem Beginn vorstellen. Geld kommt nur durch Kredite in die Welt. Wenn sich keine Kreditnehmer finden, die bereit sind, ihre zukünftige Arbeitsleistung vorzuverkaufen, sich sozusagen selbst zu versklaven und dafür auch noch ihr Eigentum zu verpfänden, dann kommt kein Geld in Umlauf.

Alles Geld der Sparer haben diese von Kreditnehmern erwirtschaftet. Sie profitieren von dem Geld, für das sich andere versklavt haben. Wer also sollte fairerweise die Geldverwaltung finanzieren? Die, die bereit waren, ihre Arbeit vorzuverkaufen und damit Geld in Umlauf brachten, oder jene, die von der Existenz all dieses Geldes profitieren, ohne eine Gegenleistung eingebracht zu haben? Es ist nicht das Gold der Nationalbank, sondern es sind die Pfandgüter der Kreditnehmer, durch die der Wert des Geldes gesichert ist. Wenn viele Sparer ihre Vermögen von der Bank abheben und die Bank selbst in Geldnot gerät, so fordert sie nicht Gold von der Nationalbank, sondern sie stellt Kredite fällig und verkauft im Notfall die Pfandgüter der Kreditnehmer. Dass man ihnen auch noch einen Kreditzins auferlegt, ist nicht fair! Aber das System rächt sich und scheitert letztendlich, wenn man dauernd versucht, Geld von jenen zu nehmen, die keines haben. Das  System zerbricht dann an einer eskalierenden Vermögenskluft.

Wesentlich fairer wäre es, die Gebühr für die Geldverwaltung nicht von den Schuldnern einzuheben, sondern von all jenen, die gerade über Geld verfügen und damit von seiner Existenz profitieren. Die Einhebung einer solche Gebühr lässt sich am Einfachsten bei elektronische Währungen realisieren. So können Banken täglich den anfallenden Anteil der Geldverwaltungsgebühr abbuchen.

Die nicht-vermögenden Bürger werden schnell merken, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben als mit einer zins- und inflationsbelasteten Währung, weil die versteckten Zinslasten auf Waren und Steuern dann ebenso der Vergangenheit angehören wie der ständige Kaufkraftverlust durch die Inflation. Die Promille-Bruchteile, die jeden Tag an Gebühren anfallen, sind erst für Vermögende spürbar. Einen Grund zur Beschwerde haben sie jedoch nicht, denn sie werden gleich behandelt wie alle anderen Bürger. Vermögende sind also angehalten, die Geldhortung in großem Stil aufzugeben und dafür zu sorgen, dass ihr Geld wieder seine Funktion in der Realwirtschaft übernehmen kann, indem sie es für Kreditvergaben zur Verfügung stellen oder sinnvollen Anlageformen zuführen.

Die Abschließenden Forderungen lauten:

  • Chancengleichheit durch Gebühr auf ungenutzte Ressourcen
  • Freier Wettbewerb zwischen Währungen
  • Einführung einer wertstabilen, zinsfreien Parallelwährung
  • Währungsunabhängige Wertanlagen durch neue Vertragskonzepte

Diese Forderungen können in Form einer EU-Petition und eines österreichischen Volksbegehrens unterstützt werden.

Für den Übergang bis zu einem Wirtschaften ohne Geld, wie z.B. von den Vertretern der Commonisten oder Zeitgeist Movement Community oder den Enterprise Fans längst vorempfunden, sehe ich diese Ansätze als gute Basis für die Diskussion zu einer nachhaltigeren Ökonomie als der heutigen.

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