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Die Krankheit des konkurrierenden Vergleichs

Ich habe wieder etwas Nachdenkenswertes zu meinem Thema der unzuträglichen Erhöhung des Konkurrenz-Prinzips gefunden. Und wieder ist es ein Artikel von Hannelore Vonier, die darin eine Kurzfassung eines Textausschnitts des Buches  Das Wesen Der Liebe von M. Hollmotz  bringt. Das Konkurrenz notwendig für eine Evolution ist (erwähnt hier), zeigt die positive Seite der Konkurrenz. Wenn sie aber im Sinne der Profitmaximierung, sprich um das Siegen, das Sich-erhöhen über den jeweils Anderen geht, offenbart sich die wenig schöne Seite. Aber lest wieder selbst:

In einer Wettbewerbs-Gesellschaft ist es notwendig, sich von anderen Menschen abzugrenzen und sie “klein” zu machen.

In einer Wettbewerbs-Gesellschaft ist es notwendig, sich von anderen Menschen abzugrenzen und sie “klein” zu machen.

Die Krankheit des konkurrierenden Vergleichs – von Hannelore Vonier (Quelle)

In den von Wettbewerb und Konkurrenz dominierten westlichen Gesellschaften werden eher Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen betont.

Religiöse Unterschiede, Hautfarben, Nationalitäten, Klassenunterschiede, wie arm und reich, auch Berufsstände oder der Unterschied zwischen Mann und Frau werden den modernen Menschen ab dem Augenblick ihrer Geburt anerzogen.

Dieser ganze Prozess des Unterscheidens basiert auf einem damit einhergehenden Bewerten dieser Unterschiede.

  • Christen sind besser als Muslime (oder umgekehrt)
  • reich ist besser als arm
  • ein Arzt ist besser als ein Müllmann

Gerade das Bewerten der Unterschiede ist es jedoch, welches ein ganz spezifisches, destruktives Verhaltensmuster im Menschen zur Folge hat. Dieses Verhaltensmuster ist die Krankheit des “konkurrierenden Vergleichs”.

Auf der emotionalen Ebene unseres Daseins lässt sich dieser Prozess leicht veranschaulichen. Auf Grund der Tatsache, dass der Mensch gelernt hat sein Selbstwertgefühl über den “konkurrierenden Vergleich” mit seinen Mitmenschen aufzubauen, wird die gesunde Entwicklung des Selbstwertgefühls blockiert. Die Folge ist, dass auf unausweichliche Weise sogenannte “Sekundärgefühle” in ihm entstehen.

Misstrauen, Neid, Gier und Eifersucht

Sekundärgefühle wie Misstrauen, Neid, Gier und Eifersucht sind die unumgänglichen Folgeerscheinungen einer Verhaltensweise, die es notwendig macht, sich von anderen Menschen abzugrenzen und sie “klein” zu machen. Nur auf diese Weise ist es unserem Ego möglich, sein Selbstbild aufrecht zu erhalten.

Natürlich führt das Verhaltensmuster des “konkurrierenden Vergleichs” zu immer weiterer Abgrenzung, weil ein Mensch sich nie sicher sein kann, in einer Gesellschaft, die von Misstrauen, Neid, Gier und Eifersucht durchsetzt ist, nicht verletzt zu werden.

Um es noch einmal klar zu sagen: Misstrauen, Neid, Gier und Eifersucht sind reale Gifte, die das zwischenmenschliche Vertrauen untergraben, welches die Basis einer gesunden Gesellschaft bilden sollte.

Als “Sekundärgefühle” entspringen sie einer fehlgeleiteten Entwicklung des eigenen Selbstwertgefühls und sind Ausdruck und Folge der krebsartigen Werte und Normen eines kapitalistischen Werte- und Gesellschaftssystems.

Betrachten wir genauer, wie sich die “große Trennung” im Verlauf der psychischen Entwicklung im Menschen herausbildet:

Mit dem Augenblick der Geburt treten dem Kind die Eltern, die Verwandten, Erzieher und Lehrer als Ausdruck des “Gesellschaftscharakters” gegenüber. Sie beginnen das Kind, welches von Natur aus vielfältige Eigenschaften in sich trägt, nur entsprechend gesellschaftlich hoch bewerteter Kriterien zu erziehen.

So wird zum Beispiel ein christlich erzogenes Kind fast immer ein Christ oder ein in der islamischen Tradition erzogenes Kind fast immer ein Moslem.

Während der “Erziehung” kommen die Werkzeuge der Belohnung und/oder der Bestrafung von Seiten der Erzieher zum Einsatz, durch deren Anwendung das Kind darauf trainiert wird, die Normen und Werte der Erzieher und somit die der Gesellschaft zu übernehmen.

Im Verlauf dieser Form der “Erziehung” erlernt das Kind von Anfang an bestimmte, den Normen und Werten der Erzieher entsprechende, Rollen. So ist es zum Beispiel in einem kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem Effizienz und Leistung einen hohen Stellenwert besitzen, unabdingbar, dass dem Kind Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Leistungsfähigkeit, Rationalität und Gehorsam beigebracht werden – weil sie für das Funktionieren des gesellschaftlichen und vor allem des wirtschaftlichen Gesamtorganismus das Fundament bilden.

Eine der fundamentalen Auswirkungen dieses Entfremdungsprozesses ist der Verlust des Mitgefühls, dass in einer von Unterdrückung geprägten Person nicht zur Entfaltung kommen kann.

Ohne einen lebendigen Kontakt zum “Ganzen des Lebens” aber – seiner Fülle, seiner Spontanität, seiner Kraft und seiner Weisheit – entsteht im erstarrten Menschen daher auf unausweichliche Weise ein unterschwelliges Gefühl des Mangels und der Orientierungslosigkeit.

Kontaktunfähigkeit

Der Verlust eines lebendigen Kontakts zu seiner Umwelt führt im modernen Menschen daher auch notwendigerweise zu der Einstellung, sein Leben – koste es, was es wolle – alleine meistern zu müssen.

Da der moderne Mensch der eigentlichen Quelle seiner Energie verlustig gegangen ist, versucht er das so entstandene “Leck” auf verschiedene Art und Weise wieder zu füllen.

Eine der wohl am häufigsten vorkommenden Kompensationserscheinungen ist der Konsum. Durch die Stimulation mit von außen zugeführten Reizen versuchen die Menschen das Gefühl des Mangels und der Orientierungslosigkeit auszugleichen und/oder sich davon abzulenken.

  1. Oktober 17, 2012 um 6:21 pm

    Mobilität ist auch so ein Kompensationsweg, versucht man die innere Starre/Stase, den inneren Stillstand, doch mehr und mehr mit künstlicher Bewegung im Außen auszugleichen.

    Ansonsten kann ich dem Artikel voll zustimmen.

    Gruß Guido

  2. federleichtes
    Oktober 17, 2012 um 9:28 pm

    Auf der emotionalen Ebene entsteht eine Energie-Versorgung.
    Menschen(wesen) brauchten keine Emotionen, wenn sie sich selber energetisch versorgen könnten.

    Insofern kann man das Pferd auch von hinten aufzäumen:
    Das System wurde so gestaltet, um Existenz über Emotionen (Reiz-Reaktion) ÜBERHAUPT zu ermöglichen.

    HV schreibt:
    „Da der moderne Mensch der eigentlichen Quelle seiner Energie verlustig gegangen ist, versucht er das so entstandene “Leck” auf verschiedene Art und Weise wieder zu füllen.“

    Der moderne Mensch? Emotionen und mir ihnen eine künstliche Energieversorgung sind ein Thema seit Menschengedenken. Der Begriff „Leck“ ist für mich völlig daneben. Wir leben in einem System, das dominiert wird von parasitären Ideen. Das energetische Aussaugen hat und ist Methode.

    Wolfgang

  3. Oktober 17, 2012 um 10:07 pm

    Wunderbar! Da spricht einer aus, das es dringen einen Paradigmenwechsel in unser Art der Organisation von Firmen braucht.
    Das sind Fakten:
    1. der Mitarbeiter geht vor Manager geht vor Kunden
    2. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, weg von der Schaffung menschlicher Automaten …
    3. das Web zeigt die Zukunft mit Transparenz, Innovation und Collaboration mit einem Mensch, der im Gegensatz von hierarchisch organisierten Firmen richtig adapativ ist.
    Hier geht es zum Vortrag (leider in Englisch und auch ziemlich amerikanisch flippig, aber sonst gut zu verstehen):
    Gary Hamel: Reinventing the Technology of Human Accomplishment

    • Oktober 22, 2012 um 12:20 am

      Um den Dingen auf den Grund zu gehen, schlage ich vor, konkret den Funktionen nachzugehen, die mit unseren Problemen zu tun haben. Zitat:“..weg von der Schaffung menschlicher Automaten …“
      Frage: a) was verstehst du (ihr) unter einem menschlichen Automaten? Klone? Gibt’s noch nicht. Was also?
      b) wenn wir geklärt haben, was „menschliche Automaten“ sind: wer schafft sie und wie?

      Zu deiner Bemerkung, Martin, „positive Seite der Konkurrenz“: Ich halte Konkurrenzverhalten für ein Krankheitssymptom. Sich gegen die Mitmenschen zu bewegen anstatt miteinander und ergänzend halte ich für ungesund und lebensgefährlich.
      Hätten das unsere Vorfahren in vor-patriarchaler Zeit getan, die Stämme hätten nicht überlebt. Hier ein kurzer Beitrag zum Thema:
      Liebe Community, ihr wart erfolgreich – egoistisch und altruistisch

  4. Oktober 17, 2012 um 11:05 pm

    Ich will nicht so viel Text per Copy&Paste hier reinsetzen, daher, passend zum Thema der Gefühle und Emotionen und der Trennungen:

    http://www.gold-dna.de/phiinhalt.html

    PROPORTION 21 – Gefühlswelten und emotionale Gewitter

    Wolfgang wird sich hier und da bestimmt wiederfinden, wie sein Kommentar oben es andeutet 😉 … vielen Dank fürs Knotenlösen, mal wieder.

    Gruß Guido

  5. Armin Köhler
    Oktober 20, 2012 um 1:03 am

    Erhöhung und Erniedrigung sind Schwestern… oder Brüder. Wie mans nimmt. Sie gehören jedenfalls zusammen, sind allein für sich genommen sinnlos. Das heisst also, dass der (Selbst-)Erhöhung immer eine (Selbst-)Erniedrigung vorrausgeht – und umgekehrt.

    Im Kontext von „Opferverbänden“ oder schlichtweg „Bescheidenheit“ macht meine Aussage plötzlich einen ganz unerwarteten Sinn. Zumindest für denjenigen, der bereit ist, bei sich Selbst zu schauen…

    Danke für die (erneute) Inspiration…

  6. Martina
    Oktober 20, 2012 um 4:16 pm

    Fehlt die Angst.

  7. Lukas K.
    Oktober 27, 2012 um 11:42 am

    Das was biher alle Volksgruppen geeint hat, war das Erkennen der Gemeinsamkeiten. Das propagieren von Unterschieden bewirkte immer das Gegenteil und endete in Kriegen.

    Damit sich Menschen wieder als gleichwertige Geschöpfe anerkennen und wertschätzen, brauchen sie die Kenntnis über ihre grundlegende Gemeinsamkeit.

    Doch welche könnte das sein?

    Meiner Meinung nach ist es schlicht und einfach der Antreib eines Jeden durch die LIEBE!
    Egal was ein Mensch tut und möge es noch so verwerflich erscheinen, er handelt stets aus Liebe. Entweder aus Liebe zu sich selbst oder aus der Liebe zu anderen.

    Letzteres ist die Tugend, die nach dem Erfüllen der eigenen Grundbedürfnisse folgt.

    Auch ein Vergewaltiger handelt aus Liebe zu sich selbst, weil er sich durch die Tat eine Befriedigung seines Bedürfnisses erhofft um sich letzendlich besser zu fühlen.

    Wer erkennt, dass alles war wir tun, ein Antrieb aus der Liebe heraus ist, der erkennt seine Mitmenschen völlig neu und erkennt diese als gleichwertige und liebenswerte Wesen an, welche stets nach diesem Grundprinzip handeln.

    Die Entstehung dieses Bewusstseins, dieser grundlegenden Gemeinsamkeit sollte Aufgabe eines jeden sein, der dieses Prinzip erkannt hat. Jeder sollte versuchen seine Mitmenschen über diese Gemeinsamkeit zu informieren.

    In meinem Alltag als Polizeikommissar funktioniert es trotz der vielen vorurteilsbehafteten Menschen jedenfalls schon erstaunlich gut. Es ist eine Bereicherung für mein Umfeld und letztendlich auch für mich.
    Gegen die Liebe gibt es nun einmal keine Alternative. Wer in diesem grundlegenden Verständnis mit seinen Mitmenschen agiert, wird unermessliche bereicherung erfahren.

    Wir entsthehen aus der LIEBE und sie ist es, die uns all die wunderbaren Dinge beschert hat, die heute unseren Alltag bereichen.

    Wer betrachtet schon ein Flugzeug am Himmel als Produkt von Liebe? Doch war es letztendlich die LIEBE der Erfinder und Ingenieure zum eigenen Thema, der innigste Wunsch, eine Sache besser zu machen um damit der allgemeinheit dienen zu können.

    Das was ich bei allen Errungenschaften sehe, ist tiefe Dankbarkeit! Ich LIEBE diese Menschen!

    • Oktober 27, 2012 um 6:16 pm

      Kannst du ‚Liebe‘ definieren, damit ich verstehe was du meinst?

      Ich denke Vergewaltigung und andere Verbrechen wurzeln in der Krankheit eines Menschen. Sie kommen aus Verzweiflung und der Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung.

      Und was ist mit der inneren Moral, die Individuen daran hindert, über bestimmte Grenzen zu gehen?

      Ich meine, dass die Handlungen aller Menschen ihren Wünschen entspringen, aber Liebe ist ein Gefühl, das viele nicht kennen, weil sie gar nichts fühlen.

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