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Mein Erlebnisbericht vom Schenken

Martin fragte mich, ob ich einen kleinen Erlebnisbericht über die Schenkkultur schreibe. Ich sagte ja und nun berichte ich, wie es mir mit dem Schenken im Alltag geht.

Oft gehe ich zu Fuß zur Arbeit, somit bin ich mit Menschen in Kontakt. Ich lächle sie an oder grüße sie und es kommt zurück. Ich bekam auch schon Theaterbilletts geschenkt und fand es schön, doch hatte ich ein schlechtes Gewissen. Kürzlich frage mich das Elternpaar ob ich ihnen bei Schwierigkeiten des Kindes behilflich sein kann. So entsteht ohne mein Dazutund das Schenken. Wenn ich schenke frage ich nicht, was ich wohl zurückbekomme. Ich weiß, es kommt oft nicht von den Menschen, von denen ich es erwarten könnte. Es kommt ganz anders. Ich war knapp bei Geld und wollte mir noch etwas kaufen. obwohl ich wusste, dass ich es mir eigentlich nicht leisten kann, habe es bestellt und dann bei der Rechnung wurde mir Rabatt gewährt, somit habe ich wieder Geld gut gemacht. Das Geld mit der Fülle denken ist gar nicht so einfach. Auch ich ertappe mich immer wieder, wie ich Geld denke. Wenn ich es dann merke und es wieder loslasse, bekomme ich Geschenke.

Ich vertrieb vor längerer Zeit ein Produkt, und auch zu dieser Zeit waren meine finanziellen Verhältnisse sehr marode. Ich hatte Hunger, schaute in den Geldbeutel, doch war kein Geld vorhanden. Es dauerte einige Minuten, das Telefon klingelte und Jemand verlangte ein Produkt, ich hatte wieder Geld und konnte mir das Essen kaufen. Das war mein Schlüsselerlebnis vom Universellen genug haben. Seither bin ich nicht besser gestellt mit dem Geld, doch erlebe ich immer wieder Momente, in denen ich dankbar bin in dieser Fülle zu leben. Es erleichtert mir den Alltag, es erleichtert mir mir Dinge auch zu leisten, von denen ich zuerst glaubte es ginge nicht.

In dieser mageren Zeit gab ich meine Rechnungen, meine Einkäufe, meine Wünsche dem Universum, es kann besser rechnen als ich, darum kaufte ich dann das, was ich fand. Es erlaubt es mir. Das mache ich noch oft heute auf diese Weise. So habe ich nie Schulden und komme nicht in die Versuchung, das Geld zu horten. Habe ich für mich genug Geld, wird ein Anteil an eine mir nahe stehende Organisation gespendet. Es ist die Organisation Ärzte ohne Grenze. So lebe ich schon über 15 Jahre ohne Mangel, ohne das Gefühl, zu kurz zu kommen. Es lohnt sich, weil es innerlich so reich macht.

Eure Verena Borer

Kategorien:Ökonomie, Gesellschaft Schlagwörter: ,
  1. November 12, 2012 um 12:46 am

    Und noch passend dazu ein Zitat des Indianers Lame Deer

    „Um zivilisierte Menschen aus uns zu machen, hatten wir keine Gefängnisse. Aus diesem Grund hatten wir auch keine Verbrecher. Ohne ein Gefängnis kann es keine Verbrecher geben. Wir hatten weder Schlösser noch Schlüssel, und deshalb gab es bei uns keine Diebe. Wenn jemand so arm war, daß er kein Pferd besaß, kein Zelt oder keine Decke, so bekam er all dies geschenkt. Wir waren viel zu unzivilisiert, um großen Wert auf persönlichen Besitz zu legen. Wir strebten Besitz nur an, um ihn weitergeben zu können. Wir kannten kein Geld, und daher wurde der Wert eines Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und Politiker, daher konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um uns, bevor die Weißen kamen, und doch kann ich es mir nicht erklären, wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die – wie man uns sagt – für eine zivilisierte Gesellschaft so notwendig sind.“

  2. November 12, 2012 um 12:48 am

    Ich hatte im letzten Jahr auch schon einen Bericht einer Frau veröffentlicht, die seit Jahren ganz ohne Geld lebt:

    Es geht auch ganz ohne Geld, wie uns Heidemarie Schwärmer in ihrem lanjährigen Projekt nachweist

  3. yt
    November 12, 2012 um 10:34 am

    Ich kann das gut nach vollziehen.

    Mein Geschenke sind fast alle virtueller Natur.
    Wenn ich gefragt werde, fasse ich natürlich auch tatkräftig mit an oder gebe etwas ab das ich Besitze, von dem ich vielleicht auch hin und wieder zu viel habe.
    Doch in der Regel schenke ich Aufmerksamkeit, Ratschläge, Beobachtungen, Geschichten und sehr viel Zeit.
    Zum Beispiel spende ich Zeit an „Die Tafel“ für die ich hin und wieder ehrenamtlich fahre.
    Geldspenden tue ich ungern aber ähnlich wie du Verena, wenn dann nur für entfernte Projekte, denen ich anders nicht helfen kann.

    Ich verschenke fast immer alle digitalen Inhalte die ich erstellt habe. Denn etwas das nicht existiert, sondern nur im Kopf einen Gegenwert hat, sollte m.M. auch nur dort honoriert werden. Wenn ich Zeit aufbringe, möchte ich gern auch Zeit zurückbekommen.
    Vielleicht nutze ich diese Zeit dann wieder für etwas das ich verschenke, aber wie bei allem was man tut, man benötigt Zeit.

    Meine Zeit ist begrenzt. So wie bei allen Menschen. Deswegen ist für mich die einzig reale Währung Zeit. Und ich denke jede Stunde eines jeden Menschen hat den gleichen Wert, ob es die Erste oder die Letzte ist.

    Verena, ich find die Parallele sehr bemerkenswert, dass auch ich mir Zeit nehme um zu Fuß zu gehen und das ich mich in deinen Worten wieder erkenne. Man erlebt seine Umwelt, man begegnet Menschen statt sie zu überfahren. Die Wahrnehmung ist ein andere. Lange Jahre nutzte ich auch öffentliche Verkehrsmittel. Ich vermisse es etwas, denn es war sehr spannend Menschen auf Reisen zu beobachten.

    Schade dass wir uns für „die Realität“™ ein wenig verbiegen müssen. Es ginge ganz gewiss auch ohne (GELD).

    Mit geschenkten Grüßen,
    yt

  4. November 12, 2012 um 11:21 am

    Hallo yt,

    Deine Sicht der Zeit legt offen, dass jeder Mensch jeden Tag dieselbe Menge an Zeitwährung auf seinem Tageskonto hat, nämlich genau 1440 Minuten. Somit hängt es von einem selbst ab, was man mit diesem “Geld“ anstellt. Im Grunde ist es die perfekte Währung, denn sie lässt sich nicht inflationieren, nicht entwerten, nicht vernichten, nicht mehren … und sie gilt überall. Der Wert einer Minute ergibt sich aus der Motivation jedes Einzelnen, mit dieser Minute etwas umzusetzen. Jemandem Zeit zu widmen bekommt dann eine Bedeutung, die der aktiven Ordnung näher kommt, als es für alles Geld der Welt jemals möglich wäre …

    Auch Deine Sicht bezüglich der digitalen Schaffensprodukte teile ich vollends.

    Gruß Guido

  5. November 12, 2012 um 4:20 pm

    Vor langer Zeit habe ich mal einen Kalenderspruch gelesen, der sich mir „eingebrannt“ hat – keine Ahnung, von wem dieser Spruch stammt:

    Meine Zeit, das ist mein Leben … wem ich eine Stunde meiner Zeit schenke, dem schenke ich ein Stück meines Lebens …

    Ja, so ist das. Seitdem achte ich immer wieder darauf, ob ich meine Zeit dem Leben zurückschenke, in welcher Form auch immer, oder irgendwie verschludere …

    Ach ja, noch ein Spontispruch aus den 70ern fällt mir ein:

    „Alle Tage sind gleich lang, aber verschieden tief … „

    Gruß
    Manfred

  6. November 13, 2012 um 8:29 am
  7. November 13, 2012 um 10:54 am

    Anbei noch ein Link, der hier gut passt und ebenfalls meine Sicht sehr treffend widerspiegelt:

    http://www.paulchefurka.ca/LadderOfAwareness.html

  8. Oliver De Girolamo
    November 13, 2012 um 10:52 pm

    Es ist ein sehr schöner Beitrag Verena der die einfachen Prinzipien des Lebens wieder Spiegelt.

    Der Bauer muss sähen (Geben) um Ernten (Empfangen) zu können, den Ertrag behält er für sich und seine Familie, doch jeden zehnten Teil seines Ertrages gibt er dem Felde um wieder Ernten zu können und natürlich jede Menge Energie in Form von Arbeit.

    Nur wer jetzt glaubt er könne einen Euro in die Tierfutterspende geben um das 9 Fache zurück zu erlangen hat die Energie in der Rechnung nicht berücksichtigt.

    Wie viel Energie braucht ein Orchideen Züchter um aus den Einsatzt eines Samen eine Wunderschöne Orchidee zu bekommen ??

    Leben heißt geben und nehmen ist Raub

  1. August 23, 2020 um 8:30 am

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