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Vom Kaufen und Verkaufen – und Arbeiten

In „Trauer“ um unsere verlorengegangenen „Arbeit“ aufgrund eines verlorengegangenen Artikels, der sich mit der Erkenntnis, dass Arbeit unter gewissen Bedingungen Sklavenwerk ist, beschäftigte, möchte ich nochmals mit dieser kleinen Geschichte das Thema „Arbeit“ erneut aufgreifen.

Und ein Kaufmann sagte: Sprich uns vom Kaufen und Verkaufen.

Und er antwortete und sagte: Die Erde gibt euch ihre Frucht, und es wird euch an nichts mangeln, wenn ihr nur wißt, wie ihr eure Hände füllt. Im Austausch der Gaben der Erde werdet ihr Fülle finden und gesättigt sein.

Doch wenn der Austausch nicht in Liebe und in freundlicher Gerechtigkeit stattfindet, wird er bloß einige zur Gier und andere zum Hunger führen.

Wenn ihr Arbeiter des Meeres, der Felder und der Weinberge auf dem Markt die Weber, Töpfer und Gewürzhändler trefft, dann beschwört den höchsten Geist der Erde, in eure Mitte zu kommen und die Waagen und die Rechnungen zu segnen, die Wert gegen Wert abwägen.

Und duldet bei euren Tauschgeschäften nicht die mit leeren Händen, die ihre Worte gegen eure Arbeit verkaufen möchten.

Solchen Männern solltet ihr sagen: »Kommt mit uns aufs Feld oder fahrt mit unseren Brüdern zur See und werft eure Netze aus; denn das Land und das Meer werden sich euch gegenüber genauso freigebig zeigen wie uns«.

Und wenn die Sänger und Tänzer und die Flötenspieler kommen, nehmt auch von ihren Gaben.

Denn auch sie sind Sammler von Früchten und Weihrauch, und was sie bringen, obwohl aus Träumen geschaffen, ist Kleidung und Nahrung für eure Seele.

Und bevor ihr den Marktplatz verlaßt, seht zu, daß niemand mit leeren Händen seines Weges gegangen ist. Denn der höchste Geist der Erde wird nicht friedlich auf dem Wind schlafen, bis die Bedürfnisse auch des Geringsten unter euch befriedigt sind.

Khalil Gibran (1883 – 1931), eigentlich Djubran Chalil, Djabran, Djibran, christlich-libanesischer Dichter, Philosoph und Maler, emigrierte in jungen Jahren in die USA, sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt

  1. Gerd Zimmermann
    Mai 19, 2013 um 9:08 am

    „Und bevor ihr den Marktplatz verlaßt, seht zu, daß niemand mit leeren Händen seines Weges gegangen ist. Denn der höchste Geist der Erde wird nicht friedlich auf dem Wind schlafen, bis die Bedürfnisse auch des Geringsten unter euch befriedigt sind.“

    In der Kirche würde man jetzt Amen sagen.

    Wir sind in Gottes Natur, als nenne ich das Natülichkeit.

  2. Mai 19, 2013 um 11:09 am

    Genau in dieser „Geschichte“ liegt des Pudels Kern:

    Alles und jeder ist bloß schnöder Tauschwert, ist bloß gemeines Tauschgut, eben Handelsware – und das soll dann, erhöhend und legitimierend, von „Gott“ abgesegnet werden.

    Das ist die ganze Krankheit der Menschheitsgeschichte seit es Priester gibt, die sich über die Menschen erhöht, aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen haben, indem sie die natürliche Spiritualität der Menschen institutionalisierten, um sich von den Menschen ernähren und mästen zu lassen – und so Macht über die Menschen erhielten, indem sie vorgaben, im Namen Gottes zu sprechen und zu handeln, und als einzige die Fähigkeit zu haben, in Verbindung mit Gott zu treten und damit Gott besänftigen zu können (erinnert Euch an den „zornigen und eifersüchtigen Gott“) und Gott die Wünsche der Menschen überbringen zu können, kurz die einzigen und damit unentbehrlichen Mittler zwischen Gott und den Menschen, ja der Erde zu sein, kurz allwissend zu sein und darum auch das Recht und die Pflicht zu haben, über die materielle Welt zu wachen, Herrscher einzusetzen, abzusetzen/umzubringen, Völker zu ermorden und alle sattsam bekannten Verbrechen zu begehen – alles im Namen Gottes!
    An diesem System hat sich bis jetzt nichts geändert.
    Erinnert Euch an den Goldmann-Sachs CEO, der offen davon sprach: „Ich tue hier Gottes Werk!“

    So ist auch das Einführen der „Arbeit“ zu verstehen, die im Ursprung (und noch heute) Frondienste für die Priester und Tempel sind, um „Gott zu besänftigen“ und seinen Teil an der „Arbeit für Gott“ zu leisten, tatsächlich war und ist das jedoch nichts weiter als unbezahlte Sklavenarbeit zum Nutzen der Priester und deren Tempel, die dann auch immer die prächtigsten Gebäude durch alle Jahrtausende waren, wo Priester denn anfingen, Tempel zu errichten und die Menschen in Geiselhaft „Gottes“ zu nehmen und sie damit auch ihrer natürlichen Spiritualität beraubten!

  3. Mai 19, 2013 um 12:11 pm

    Da unser Handel derzeit auf dem Geldsystem beruht, und dieses mit Zinsen arbeitet, ist ein Verständnis über die damit verursachten Probleme wichtig. Hier gibt es eine recht gute Abhandlung inklusive einiger Bilder:
    Fraktionales Geldsystem und multiple Giralgeldschöpfung, von Andreas Zrim

  4. Mai 19, 2013 um 12:13 pm

    Arbeit und Lohnarbeit. Doch gibt Arbeit wirklich Sinn? Brauchen wir Arbeit wie die Luft zum Leben? Wovon wird gesprochen, wenn jemand „Arbeit“ sagt? Tut ein Mensch, der „arbeitslos“ ist, ganz einfach nichts? Sicher nicht. Tut ein Mensch, der „arbeitslos“ ist, nichts Sinnvolles? Nicht unbedingt. Ein Mensch, der „arbeitslos“ ist, kann den Haushalt führen, Kinder erziehen und die Familie zusammenhalten. Das ist es, wofür im Patriarchat die Frauen zuständig gemacht werden. Ohne solche Tätigkeiten geht eine Gesellschaft zugrunde. Ein Mensch, der „arbeitslos“ ist, könnte darüberhinaus Freundschaften pflegen, mit anderen gemeinsam etwas produzieren, lernen.

    Warum „arbeiten“ Kinder nicht, wenn sie in der Schule sind, ihre Lehrer hingegen schon? Beide setzen sich doch mit Lehrinhalten auseinander. Die einen lehren, die anderen lernen, warum ist aber nur eines davon „Arbeit“? Warum spricht man von „Traumarbeit“, „Trauerarbeit“ und „Beziehungsarbeit“, bekommt aber keinen Cent dafür bezahlt – außer man „arbeitet“ als Therapeutin an Träumen, Trauer und Beziehungen? Die Lösung lautet: Arbeit ist Tätigkeit gegen Geld. Das ist alles. Mit Sinn, Selbstverwirklichung und notwendiger Tätigkeit hat sie primär nichts zu tun.

    gefunden in: Wozu Arbeit?

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