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Versteigerung eines toten Esels

Eselwechsel

Chuck hat von einem Farmer einen Esel gekauft, der aber sogleich stirbt.

„Macht nichts, ich verlose ihn.“

“Verlosen? Einen toten Esel?”

“Ich verrate den Leuten nicht, dass er tot ist.” sagt Chuck zu dem Farmer.

Nach ein paar Wochen treffen sich die Beiden wieder. Was aus dem Esel geworden ist?

“Na, ich habe ihn verlost, das Los für zwei Dollar, 500 Lose verkauft, macht 1.000 Dollar”

“Hat sich Niemand beschwert?”

“Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem habe ich die zwei Dollar zurückgegeben.”

Diese kleine Geschichte geht seit dem Zusammenbruch von Enron und den vielen folgenden Firmenaffären des “neuen Marktes” um und vermittelt ein ungutes Bauchgefühl. Prof. Günther Ortmann nimmt diese Geschichte als Aufhänger zur Diskussion, um über die Geschäftsmoral und das Dilemma immer neuer Regelwerke in seinem Artikel “Verlosung eines toten Esels – Über Führung, Organisation und Moral” in der Zeitschrift für Führung und Organisation von Mai 2010 zu sprechen.

Sicher wollen Alle, dass die Verlosung von Eseln nicht stattfinden darf. Auf der anderen Seite: Wenn ich davon ausgehen muss, dass das auch andere tun, warum sollte ich es nicht tun, wenn ich sonst verliere?

Also werden wir laufend neue Varianten des Tote-Esel-Versteigerns erleben. Und jedes Mal stellen wir uns eine weitere Regeln auf, um dem Einhalt zu gebieten. Mir scheint, das ist eine nicht enden wollende Geschichte mit einer immer teurer werdenden Ökonomie. Anstelle immer wieder nur an dem Symptom rumzudoktern scheint es mir doch gescheiter, mal an die Wurzeln ranzugehen.

Allerdings befürchte ich, das es mit unseren etablierten Parteien nicht gehen wird, wie wir in den letzten Artiklen immer deutlich erahnen dürften:

Sehen wir den Aufbau eines totalitären Superstaats?

Und auch erhellend:
Die Herrscher der Welt: Ihre Organisationen, ihre Methoden und Ziele

Kategorien:Ökonomie, Ethik, Gesellschaft, Politik Schlagwörter: , ,
  1. Juli 29, 2013 um 10:27 pm

    Geschäfte kennen keine Moral.
    Und heute ist alles nur Geschäft.

    Nein, kosmetische Reparaturen bringen gar nichts.

  2. Juli 30, 2013 um 12:30 pm

    Ich sehe keine andere Möglichkeit, als innere Emigration und sich der Ökonomie zu entziehen, wo immer und wann immer es geht. Rückzug auf die natürliche Selbstversorgung, wo immer es geht.

    • Juli 30, 2013 um 1:17 pm

      Das hört sich gut an, ist aber schwierig, Gisela:
      1. Hat nicht jeder die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen
      2. Bezieht sich diese Selbstversorgung in den allermeisten Fällen lediglich auf die Lebensmittel. Schon bei Getränken hört es weitgehend auf und bei Kleidung, Wohnung, Heizung, Bildung usw. ganz und gar.

      Eine Flucht ist auch grundsätzlich keine Lösung.

      Die Lösung kann meines Erachtens nur im Abschaffen dieses hochkriminellen Wirtschafts-Systems liegen..

      Aber frage mich bitte nicht, WIE wir das bewerkstelligen… Ich weiß nur, dass es von unten geschehen muss…

      Manchmal hab‘ ich den Eindruck, das erledigt sich gerade von selbst und wir müssen uns lediglich bereits jetzt Gedanken darüber machen, wie wir unsere Wirtschaft und Gesellschaft hinterher gestalten und dabei verhindern, dass wir wieder von einer Mafia-Bande „unter die Fuchtel“ genommen werden.

    • maretina
      Juli 31, 2013 um 2:03 pm

      Selbstversorgung soweit es geht ist noch am ehesten zu bewerkstelligen, mit diversen Abstrichen. Den Wein können wir schon noch selbst ansetzen, kann höchstens Essig werden, der ist dann immer noch nützlich. Schlecht wird es eigentlich nur beim Kaffee. Heizung, Bildung geht auch, meine Meinung, in einer Gemeinschaft. Müssen wir eben wieder beginnen Waldpflege, schon mal gehört (?), zu betreiben. Verschiedene Persönlichkeiten können den Kindern und sich untereinander Verschiedenes beibringen. Dafür gibt es Lösungen.-

      Innere Emigration, der Rückzug auf sich selbst, das finde ich fatal. So wie ich das interpretiere werden die Verbindungen ins Umfeld gekappt. Mensch als soziales Wesen verkraftet das nicht, setzt so einen beschleunigten Sterbeprozess in Gang.

      Es ist vllt. besser sich bewusst zu machen was man selbst möchte und da alle vorhandene Energie hin zu lenken? Das kann einen Prozess in Gang setzen der an Dynamik gewinnt, so nach dem Motto „Gleiches zieht Gleiches an.“

      Natürlich liegt die Lösung nur in einer Änderung dessen was wir gerade so haben, wir können kämpfen, geben so der Gegenseite die Möglichkeit zu reagieren und sich energetisch zu stärken. ( Anti-Kriegsdemonstrationen, Anti-Atom-Bewegung, Anti-Drogen-Kampagne, Kampf gegen den Terror; außer einer Stärkung dessen was niemand haben möchte, wurden die ursprünglichen Ziele nicht erreicht. Im Gegenteil es wurde und wird immer schlimmer. Setzen „Fünf“.)

      Wir sollten uns auf das konzentrieren was wir möchten, miteinander, nicht gegeneinander. Das dann in Handlungen umsetzen. Sind es viele kleine Initiativen macht das Nichts, eher im Gegenteil, gegen alle können sie nicht vorgehen, dazu reicht die Kraft nicht, die wird schon weniger wenn sie dezentral vorgehen müssen.
      Es ist wirklich die Frage worauf wir unseren Fokus richten. Das stärken wir. Auch wenn wir es eigentlich nicht wollen.

      Grüße in die Runde
      Martina

      • Juli 31, 2013 um 3:25 pm

        Das könnte was werden…
        Dennoch bleibt – und darauf müssen diese vielen kleinen Gruppen dann vorbereitet sein: Die andere Seite gibt ihre Macht nicht so einfach auf! In dem Moment, wo das massenwirksam wird, werden sie dagegen mit ALLEN ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu Felde ziehen: psychologisch, wirtschaftlich, informell (Verleumdug, Diffamierung, Kriminalisierung, Ausgrenzung) und schließlich mit brutaler Gewalt!
        Schau‘ Dir an, wie sie gegen Russland und die ALBA-Länder vorgehen – und weißt, wovon ich spreche und was diese „vielen kleinen Gruppen“ erwartet.
        Darum befürchte ich leider, dass dieser Weg ein Traum bleiben muss…

        • maretina
          Juli 31, 2013 um 5:54 pm

          Ja klar, ich bin mir dessen vollkommen bewusst, nur die Wege des Kampfes scheinen mir noch weniger gangbar. Die Resultate beschrieb ich oben.
          Also doch innere Emigration?
          Könnten Innerhalb kurzer Zeit soviele überschaubare Gemeinschaften entstehen,die wie Pilze aus dem Boden schießen, ich denke die selbsternannte Elite wäre überfordert. Inzwischen träum ich weiter, du hast schon in gewisser Weise recht.
          Nur warum nicht das Unmögliche denken, an das Mögliche haben ja die Anderen schon gedacht.
          Schönen Abend

      • Juli 31, 2013 um 8:09 pm

        Das Unmögliche MUSS gedacht werden, sonst wird es ja nie möglich 🙂

        Wappnen sollten sich die Gruppen… und zusammenhalten.
        Du weißt ja wie das mit einem Ast und mit hundert Ästen ist…

  3. Juli 31, 2013 um 11:23 am

    Das hat mit persönlicher Ethik zu tun und noch viel mehr mit dem sozialen System, in der so etwas stattfindet. Das wird häufig übersehen. Profit auf Kosten von … kann in einem sozialen System einer Bank oder anderer Organisation positiv gesehen werden. Schafft es z.B. eine AG Leute in einem Land „freizusetzen“ und die Stellen im Ausland günstiger zu bekommen, möglicherweise mit EU Subventionen und Steuererleichterungen, dann findet das die Börsenwelt prima. Ist das für uns alle prima?

    • Juli 31, 2013 um 11:33 am

      Lieber Schlachte,

      Vielen Dank für Ihren Beitrag, und ja, das ist der Punkt: was in unserer Gesellschaft in einem Mikrobereich als positiv beurteilt werden kann, wird meist mit Blick auf das Gesamte eher als negativ zu bewerten sein.

      Ich habe unser Paradoxon zwischen der Volks- und Betriebswirtschaft nie auflösen können:

      Volkswirtschaft: es läuft am besten, wenn alle Menschen zum Leben ein (Lohn)Einkommen haben

      Betriebswirtschaft: es läuft am besten, wenn möglichst wenige Menschen beschäftigt werden, sprich die Automatisierung entsprechende Lohnkosten drücken. Und wenn möglichst viele Menschen arbeitslos sind.

      Wenn also Betriebe(Konzerne) maximal auf Kosten der Gemeinschaft Gewinne einfahren, so entspricht dies eine punktuellen Krebs in einem Körper. Und wenn diese Metastasen sich weit verbreiten, und das sehen wir derzeit über die Globalisierung mit unseren Konzernen, dann deutet alles darauf hin, dass unser Menschheitskörper dabei ist, zu sterben:
      Sind die Konzerne die Krebszellen unseres von Grund auf kranken Gesellschaftssystems?

      Martin Bartonitz

    • federleichtes
      Juli 31, 2013 um 1:26 pm

      „Soziale Ethik“ ist ein interessanter Begriff. Wäre mir angenehm, wir könnten im Rahmen „Sozialer Kompetenz“ sprechen – die weniger abstrakt, sondern beobachtbar im Menschen angelegt ist.

      Sollte ich Soziale Kompetenz aus meiner Beobachung heraus beschreiben, fiele mir das weitaus schwerer, als über Unsoziale Kompetenz zu berichten.

      Wir sprachen hier bereits ausführlicher über den enteigneten Menschen. Der aufgrund seiner „veranlagten“ Besitzlosigkeit und folgenden Bedürftigkeit in die Gier und folgend in deren Befriedigung getrieben wird. Und sich fast zwangsläufig zu einem „Sozialen Schmuddelkind“ entwickelt und zu handeln lernt unter der Prämisse des Kapitals:
      „Wenig säen, viel ernten“. Woraus u.a. „Geiz ist geil entstand; wie Billigpreise entstanden, interessiert ihn dann nicht mehr, ebensowenig wie die „Moral“ des Unternehmens, in dem er seinen Unterhalt bekommt.

      Wenn Sie meine konkrete Meinung zu Ihrem Berufstand interessiert:
      Wir brauchten Trainer für unsere Kinder – dann erledigte sich das Problem, Unternehmen, die z.B. in raubtierkapitalistischer Manier minderwertige Lebensmittel produzieren, zu coachen.

      Herzliche Grüße an Sie.

      Wolfgang

  4. gerd zimmermann
    August 3, 2013 um 10:47 am

    Quelle: Google

    Ist dein Pferd tot, steige ab.

    Ist eine alte indianische Weisheit. Passt eigentlich zu jeder Situation, wo viele nur noch aus Gewohnheit oder Angst so weitermachen wie bisher und nicht erkennen, dass es nur mit einem neuen Hottemax weitergeht. In vielen Ehen, Beziehungen oder auch Firmen ist das so.

  5. Herrin Ylvie
    Juni 6, 2017 um 10:44 am

    Hm, ich hab jetzt irgendwie Hunger auf Sauerkraut….

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