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Die Hölle ist des Menschen Zeitbegriff

Und wieder gibt es einen Kommentar von Mr. Chattison, der das Potential für einen neuen Diskussionsstrang hat. Er antwortete auf die Frage :

Woher stammt der Trieb des Menschen, in seiner (archaischen) Vergangenheit zu forschen?

"Keine Zeit!" Das weiße Kaninchen aus "Alice im Wunderland" (Foto: Fox)
„Keine Zeit!“ Das weiße Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ (Foto: Fox)

Der Trieb stammt aus dem irreführenden Bedürfnis der Eigenverortung durch Begründung, also das Jetzt aus dem War ableiten zu können und daraus eine Gesetzmäßigkeit erkennen zu könne, die dem Einzelnen dann die Angst vor dem Wird nehmen soll – was natürlich nicht gelingen kann, da das Jetzt sich nicht aus dem War und somit das Wird nicht aus dem Jetzt ableiten lässt, weil “Zeit” gar nicht existiert, bzw. unser Zeitkonzept daneben liegt^^ .

Es verhält sich wie mit der Zahl PI:
Der Kreis, besser: die Kreiszahl beinhaltet buchstäblich ALLES “gleichzeitig”. Die “ältesten” weil “ersten” Zahlenfolgen von Pi scheinen die nachfolgenden hervor zu bringen, dabei waren alle Zahlen schon immer da und nur der Mensch muss mühsam so nach und nach die Zahlenreihenfolge sich erschließen, wobei “Folge” auch verkehrt ist, weil es suggeriert, dass eines aus dem anderen hervorginge und somit eine Ursache-Wirkungs-Kette existierte bzw. eine “Reihenfolge”, die ein Zeitkonzept illusioniert.

PI ist PI – keine “Folge”, keine “Kette” und trotzdem kein “Zufall” auch wenn die errechnete Reihenfolge der Zahlen zufällig erscheint. Das GANZE lässt nur diese eine Zahl genau so zu, wie sie als PI gegeben ist. Das ist demnach ganz gewiss kein Zufall^^

Die “Disponiertheit” als Objekt der Verständnisbegierde ist ebenfalls eine irreführende Verbalisierung, da “Disponiertheit” eine Abhängigkeit von etwas voraussetzt, wobei PI eine absolut unabhängige Zahl ist, da das Ganze von nichts weiterem abhängig sein kann, da es ja selbst alles beinhaltet und hervorbringt^^

Wenn PI und Zeit dasselbe sind, gibt es auch kein mögliches Verständnis für Vergangenheit oder Zukunft, da alles ein unendliches Jetzt ist, eben wie PI – jetzt komplett und unendlich und ohne Zeitverzug zeitlos vorhanden.

Das über Zeitarchäologie versuchte “Inkrementelle Verständnis” ist keines, weil, wie schon im Zen bestens dokumentiert, ALLES JETZT IST. Und so wenig, wie ich in mehreren kleinen Sprüngen einen sehr breiten Graben überwinden kann, so wenig in Verständnisschritten die Kluft zwischen dem tatsächlichen JETZT und dem zeitkonzeptionellen Jetzt/War/Wird.

Erlösung muss demnach auch ein Fakekonzept sein, denn wovon soll man erlöst werden, wenn es keine Schuld gibt (germ: skuld = Vergangenheit!), da es auch keine Zukunft gibt!?

Mit der Zeit verhält es sich wie mit dem Oktavieren von unhörbaren Tönen in den Bereich menschlichen Gehörs:
Die “Zeit” ist eine umgekehrte Oktavierung des Jetzt durch uns, weil wir so unglaublich träge sind und des allumfassenden Jetzt einfach anders nicht gewahr werden können als durch Verlangsamung, Ausbremsen des “hyperschnellen Stillstands der Gleichzeitigkeit”.
Etwa so, wie man durch Abbremsen eines Filmes auf das Bild-für-Bild-Verfahren eine ansonsten zu schnelle Sequenz bewusst erfassen möchte, wobei der Film in Gänze ja auch bereits vollständig vorliegt.

Die Hölle ist des Menschen Zeitbegriff.
Denn erst dieser erzeugt Schuld (Vergangenheit) und Sühne (Zukunft). Nicht umsonst waren die ersten Uhren an Kirchtürmen zu finden – alles klar?^^

Euer Mr. Chattison

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  1. federleichtes
    Juni 30, 2014 um 3:28 am

    Nein, wirklich nicht, keine Irritation mehr auf diesem Blog. Schon gar nicht, wenn hier ein „Pfund“ so durchrutscht. Schriebtet ihr die Wörtchen

    „Das Böse könnte so auch als kollektiver Alptraum aus der “falschen” Phasenkopplung gedacht werden.

    Nur so ein Gedanke…vermutlich substanzlos, aber trotzdem: wo kommt der her?^^ “

    von Misterchen Chattisonchen auf eure Kisschen und schlaft drauf?

    Statt Irritation also Begeisterung im Hause federleicht – IMMER, wenn eine Kern-Thematik mittels „Querschläger“ beleuchtet, was aus meiner Sicht (als Kellerkind erscheint alles hell, was nicht Keller ist) bereits beleuchtet ist.

    Was, wenn eine sichere Existenzgestaltung aus unbekannten Gründen aus dem Ruder lief.
    (kennen wir solche Entwicklungen etwa aus der Menschheitsgeschichte?)
    Was, wenn eine Phase begann, in der Existenzen durch Energieraub systematisch vernichtet werden konnten – und wurden.
    (Erleben sich etwa solche Menschenschicksale?)
    Und was, wenn die Daten dieser Phase in Leben eingewebt und die Bedingungen geschaffen wurden, um diese Daten mittels Verhalten lebendig, zu informierenden Daten, zu Informationen werden zu lassen.
    (Etwa kollektives Trauma und individuelle Traumata, die sich informativ-reaktiv zwangsoffenbaren?)

    Falsche Phasenkopplung könnte dann bedeuten, dass das falsch Gelaufene als Mysterium an das Natürliche angekoppelt wurde. (Etwa Wesen-Ich und Ego-Ich?)
    Und wir brauchten uns, wenn das stimmen sollte, nicht mehr wundern, wenn einigen natürlichen Menschen die Welt intuitiv als verkehrt erscheint.

    Am Rande
    Die Ankopplung ist natürlich nicht falsch, wenn sie bewusst erfolgte. Und die spezielle Gestaltung der kosmischen Ordnung eben als Raum zu verstehen, in dem mittels eines Start-Ziel-Prozesses durch eine sehr spezielle Spezies möglich werden konnte, was nötig war:
    Den kollektiven Alptraum neu (vereint mit der Bewusstseins-Bildungs-Komponente) zu inszenieren, um das Geheimnis der Macht des Bösen aufzudecken.

    Spinnerei. Macht nix. In einer verkehrten Welt muss das Richtige nichts und kann das Falsche alles bedeuten.

    Gruß
    Wolfgang

  2. Juni 30, 2014 um 7:47 am

    Lieber Wolfgang,

    ich habe in den Grof-Texten geschmökert und finde, dass er denselben Fehler wie die Wissenschaftler macht: er zerrt seine Erkenntnisse mittels Drogen oder Atemtechniken gewaltsam ans Licht anstatt dass er wartet, bis sie sich von selbst offenbaren. Das ist auch nichts anderes als das Atom gewaltsam spalten. Der Unterschied ist nur, dass die Wissenschaftler gewaltsam in die Außenwelt eindringen, während Grof gewaltsam in die Innenwelt vordringt. Ich sehe in seiner Arbeitsweise jedoch dieselbe Gier, die neue Gier, die Neugier wie anderswo auch.

    Wenn unser Geist der Außenwelt seine Struktur aufstempelt und die Dinge sich nach unserer Erkenntnis richten, wie Kant vorschlägt, können wir den Weg in beide Richtungen gehen – einmal nach innen oder einmal nach außen – und drehen uns irgendwann im Kreis.

    Meine Erfahrung ist die, dass Neugier und dieses gewaltsame Hervorzerren von angeblichen Erkenntnisse dieselben total verzerrt. Was Grof beschreibt, ist nichts anderes als das Bild vom Urknall, das seit ein paar Jahrzehnten in den Köpfen herumgeistert und eher aus Jux als aus seriösem Forschergeist entstanden ist, vermischt mit dem Offenbarungs-Jesus und anderen Bildern aus der Bibel. Alles Vorstellungen, die längst in der Außenwelt vorhanden und ins kollektive Gedächtnis eingeprägt sind.
    Dies betrachtet Grof nun nicht distanziert in einer Subjekt-Objekt-Beziehung, sondern er identifiziert sich mit der Vorstellung, dem Bild – und hat so das Gefühl, dass er das Ganze „erlebt“.

    Was Grof beschreibt, ist meiner Ansicht nach ein drogeninduzierter Alptraum, aber keine wahre Erkenntnis. Denn wie immer, wenn Gier und Neugier die Motivation ist, schweigt der Herzgeist. Tja, und den gibt es nämlich auch noch. Sorry, der „Herzgeist“ spricht eine andere Sprache als Grof.

    Es ist diese (Neu-)Gier, die ihrem Wesen nach feindselig ist. Ein (neu-)gieriger Geist kann die Welt gar nicht anders als feindselig interpretieren, weil dieser Geist selber feindselig ist.

    Grof hatte also in seinem Traum ein Allmachtsgefühl? Glaubst Du wirklich, dass das „wahre Wesen“ sich als Allmachtsgefühl ausdrückt? Sorry, da spricht doch wieder nur das kleine Menschlein, das gern alles hätte und das gern alles wüsste. Dieses Gerne-alles-haben und Gerne-alles-wissen und Gerne-alles-wollen, am besten noch mehr Energie und noch mehr Informationen, hat sich mal wieder verselbständigt. Na und?

    Für mich spricht aus Grof kein mit der Welt versöhnter, nicht-feindseliger, enttraumatisierter Geist. Er erzählt mir nichts über die Welt, wie sie ist.

    Beste Grüße
    Marian

    • federleichtes
      Juni 30, 2014 um 3:56 pm

      Hier „Am Rande“ mal vorweg.
      Deine Kommentare enthalten immer Persönliches und beschreiben Dich als liebenswerten Menschen. Das, und nur das authentisch-Bildhafte, schafft Bindung. Dafür, lieber Marian, hier mal ein Danke, verbunden mit der Bitte um Verständnis, dass ich nicht immer „Lieber Marian“ schreibe.

      „… er (Grof) zerrt seine Erkenntnisse mittels Drogen oder Atemtechniken gewaltsam ans Licht anstatt dass er wartet, bis sie sich von selbst offenbaren.“

      Ich persönlich lehne jedes „gewaltsame“ (ego-gewollte) Erreichen von besonderem Bewusstsein(s-Zuständen) ab: Entweder es geht so, oder eben nicht. Dahinter steckt etwas leicht Philosophisches:
      Was ich brauche, habe ich, was ich benötige, werde ich bekommen.

      Menschen sind unterschiedlich motiviert. Einer der Hauptantriebe ist Geltungsbedürfnis, bekannt, berühmt und bewundert zu werden. Geht mir völlig ab, anderen eben nicht – aber beide Arten von Forschern gibt es, wohl nicht grundlos. Mit dieser Betrachtung ist für mich fertig: Grof leistete das Seine, Du das Deine, Susanne das Ihre und ich das Meine – und diese Runde das Unsere.

      Was die Techniken des Eindringens in traumatisierte Informationsbereiche betrifft, gibt es brachialere und sanftere. Manchmal sind brachialere Eingriffe (bildhaft ein Kind am Arm reißen, damit es nicht von einem Auto überfahren wird – die direkte Gefahr) und manchmal sanfte Eingriffe (pass auf, wenn du über die Straße gehst – die latente Gefahr) angemessen. Im Psycho-Bereich sollte auf (und für) jeden Fall Bewusstsein über die Folgen eines Eingriffs in dem Sinne herrschen, die weiteren möglichen Entwicklungen begleiten/kontrollieren zu können. Als Freund mit genauerer Kenntnis und direkter Verbindung zu Freunden muss und darf man schon mal etwas grober (harscher) werden; als relativ Unbeteiligter sich eben bedeckt halten.

      Geltungsbedürfnis und Neugier sind sehr verschiedene Veranlagungen des Menschen. Sollte ich die Problematik mal direkt formulieren:
      Neugier gibt es als Trieb gleich einem Ur-Auftrag, dem Geltungsbedürfnis des Geistes auf den Grund zu gehen.
      Neugier und Bedürftigkeit hängen also zusammen, und sie treten auch vereint auf in der Weise, dass Bedürftigkeit sich MITTELS seiner Neugier Geltung* zu verschaffen versucht. Neugier an sich scheint mir, neben und im Zusammenwirken mit anderen Eigenschaften, dem Wesen von Offenbarung immanent zu sein. Jedenfalls bin ich auch neugierig, aber nicht gierig, sondern eher gelassen, weil ich aus Jahren der Erfahrung weiß, DASS die Zeit interessante und neue Dinge an mir (Beobachter) vorbei spülen wird.
      * Ein sehr zentrales Thema.

      Beobachter-Sein, sich als Teilnehmer erleben und sich als Teil eines Wunders FÜHLEN.
      Wir standen gestern am Deinighauser Bach, Papa Schilfrohrsänger jallerte (gibt ein Video mit Ton, stelle ich die Tage mal ein), im wogenden Schilf saß Mama Schilfrohrsänger mit einem gerade erbeuteten Dickkopffalter, den sie für ihre Kinder gefangen hatte. Meinen Zustand möchte ich nicht als Allmachtsgefühl beschreiben, aber es war eben ZUSTAND, zeitlos, nicht greifbar – nicht berührbar von der Hölle des normalen Lebenswahns. All-Macht, und ich schreibe das hier zum 785sten Mal ist keine Frage, die Macht über das All zu haben, sondern die Macht im Innen, nichts herrschen zu lassen, als sich SELBST – sich also nicht beherrschen zu lassen.

      Noch mal kurz zu Grof.
      Vor ein paar Tagen schriebst Du einige Kommentare, die thematisch GENAU das behandelten, was ich am Abend zuvor in „Das Abenteuer der Selbstentdeckung“ gelesen hatte. Susanne meinte, vielleicht liest Marian das Buch ja auch. Gestern las ich Grofs Bericht über das Wesen der Synchronizität. Er lässt Joseph Campbell seine Geschichte erzählen, als der an seinem Buch über die Geschichte der Buschmänner arbeitete. Darin spielt die Gottesanbeterin die Heldenrolle. Campbell wohnte damals (seit vierzig Jahren) mitten in New York im 14. Stock eines Apartmenthauses. Eines der (beiden) Fenster hatte er in dieser Zeit nur zwei Mal geöffnet. Plötzlich verspürte er einen starken Drang und öffnete dieses Fenster – und sah sich einer Gottesanbeterin gegenüber, die ihn nicht nur anschaute, sondern ihr Gesicht erinnerte ihn an das Gesicht eines Buschmanns.

      Die Möglichkeiten in einem holografischen Universum scheinen noch andere zu sein, als die, die wir denken können. Oder anders ausgedrückt: Das Universum denkt nicht in Zufällen – es lässt in Zufällen denken.

      Aus meiner Sicht begrüßenswert, wenn dieses Thema nicht sang- und klanglos in den Fluten des Blog-Mainstreams verschwindet.

      Beste Grüße auch an Dich von mir.

      Wolfgang

  3. Juni 30, 2014 um 10:41 pm

    Besteht der Unterschied zwischen Neugier und Gier nicht wieder nur darin, dass eins geistig und damit gesellschaftlich abgesegnet, das andere materiell und damit verachtenswert ist?
    Wenn (wissenschaftliche) Neugier gewaltsam vorgeht, ist sie geradeso Gier wie Habgier.

    Ich muss allerdings passen – ich habe bloß in den Textauszügen gelesen, die Du mir gemailt hast. Grof erzählt mir nichts Neues, die philosophia perennis und den entsprechenden Paradigmenwechsel habe ich auf andere Weise kennengelernt. Ich kann mit Grof nicht so viel anfangen, genauso wenig wie bspw. mit Ken Wilber – weil meiner Ansicht nach das Wesentliche fehlt. Grof und Wilber sind Theoretiker. Wie diese Lehre vom Geburtstrauma mit den verschiedenen Phasen entstanden ist, kann ich nachvollziehen, aber ich teile diese Lehre nicht. Für mich ist da immer noch eine „verdrehte Perspektive“ drin, entstanden dadurch, dass nach dem „Durchbruch“ (in die andere Sichtweise) nach Interpretationen gesucht wird.

    Ich verorte das ursprüngliche Trauma übrigens nicht im Vorgang der Geburt. Für mich liegt es darin, dass sich eine aus Begriffen aufgebaute Parallelwelt vom Bewusstseinsstrom losgerissen und sich verselbständigt oder besser abgeschnürt hat.

    Wenn Du mich fragst, wem es gelungen ist, vom Wesentlichen tatsächlich etwas einzufangen, fällt mir Rilke ein.

    ZUSTAND – zeitlos, nicht greifbar. Wenn ich diesen Zustand nach meiner Kenntnis beschreiben wollte, würde ich sagen, er hat weder was mit Macht nach Außen (im Sinne von über das All herrschen) noch mit Macht nach Innen (im Sinne von sich nicht beherrschen lassen) zu tun. Denn Macht existiert nur in Abhängigkeit eines Machers. Der Zustand, so wie ich ihn kenne, ist so, dass es keinen Macher gibt, weder in einer aktiven noch passiven Form. Also auch keine Macht. „Macht“ ist ein irrelevanter Parameter. Ein Wort, das nicht passt.

    Warst Du eigentlich mal bei einer Geburt anwesend außer bei Deiner eigenen, sodass Du bewusst wahrnehmen konntest, wie es ist, wenn ein Kind geboren wird?

    Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei? Geist/Bewusstsein oder Materie? Erzeugt die Komplexität der Materie Geist? Oder erschafft sich Geist als Materie eine Ausdrucksform?
    Ist der von der Materie erzeugte Geist reaktiver Geist, bloßes Spiegelbild des ursprünglichen Bewusstseinsstroms? Alle Antworten, die Mensch gibt, sind bloß auf Sand gebaut.

    Aber was bleibt noch übrig, wenn wir uns außer der Lebenfreude, der Liebe, dem Fussball (Frankreich hat übrigens gewonnen!), dem Tabakgenuss auch noch das Sandburgen-Bauen versagen würden? 🙂

    • federleichtes
      Juli 1, 2014 um 1:05 am

      Wilber wie auch Grof sind mir zu „glatt“, aber dabei nicht einfach genug. Nach meinem Verständnis muss sich das fragmentierte Komplexe wieder so verdichten, dass EINE Aussage im Raum steht.
      Am Rande
      Du bist mir manchmal auch etwas zu glatt:

      „Besteht der Unterschied zwischen Neugier und Gier nicht wieder nur darin, dass eins geistig und damit gesellschaftlich abgesegnet, das andere materiell und damit verachtenswert ist?“

      Stimmt nicht mit meinen Beobachtungen überein.
      Weder kann ich bestätigen, dass Neugier gesellschaftlich akzeptiert, noch das Gier nicht akzeptiert ist. Ist Neugierde nicht ein Teil unserer Kultur? Und kann die Gier nach mehr, größer und besser nicht als Norm(al) des Erstrebenswerten beschrieben werden? Es ist ja gerade so, dass anständige Menschen als dämlich, lebensfremd, lebensuntauglich bezeichnet, und dreiste Betrüger bewundert werden. Glanz und Gloria, 70% Wahlbeteiligung, als könnten die Insassen der Forensik das Ungeheuerliche nicht leisten. (kleiner Scherz, auch am Rande)

      Ich jedenfalls lege mich, was Kultur und das Normale betrifft, nicht fest. Erstens sind die Werte im Wandel, und sowohl Gier als auch Neugier als auch andere Verhaltensweisen/Charaktereigenschaften können eine konstruktive und destruktive Seite zeigen.

      „Ich verorte das ursprüngliche Trauma übrigens nicht im Vorgang der Geburt. Für mich liegt es darin, dass sich eine aus Begriffen aufgebaute Parallelwelt vom Bewusstseinsstrom losgerissen und sich verselbständigt oder besser abgeschnürt hat.“

      Klingt beinahe wie „Phasenverschiebung“.
      Statt Begriffe sage ich eher Geist – als schöpferische Idee, als Absicht zur Umsetzung, und als Systematik zur Generierung von Energie. Wenn das „Ding“ läuft, entsteht die Parallelwelt. unaufhörlich und unaufhaltsam (gleich der Funktion Schwarzes Loch), bis Schluss ist mit lustich und nix mehr geht: Abgeschnürt von der Lebendigkeit – statisch. Aber sehr mächtig und vom Wesen her feindselig wegen der angesammelten Energien. ((Spekulation)

      „Denn Macht existiert nur in Abhängigkeit eines Machers.“

      Wahrscheinlich definieren und erleben wir Macht ein wenig anders.
      Wenn Leben eine Dynamik ist, und wenn Leben ein Streben von … nach … ist, und wenn ein Teil der Ur-Absicht die Konfrontation mit dem Geist des Bösen und der andere Teil die Schaffung von Bewusstsein über Existenz ist. dann gibt es – für mich folgerichtig – auch etwas Erstrebenswertes.

      – hier wird geknallt und trompetet, wahrscheinlich hat Frankreich noch mal gewonnen –

      Die Ur-Macht WILL als etwas Bestimmtes schaffen. Wer also Macht will als Teilhabe an der Ur-Macht, hat zwei Möglichkeiten:
      Entweder er befördert das Böse, oder er befördert die Schaffung von Bewusstsein. Und hier zeigt sich, dass Macht zwei Gesichter hat:
      Die eine Macht entsteht nur durch Entäußerung, und die andere Macht nur durch Verinnerlichung.

      Nein, ich war bei keiner Geburt, weder bei den Geburten meiner drei Töchter noch bei anderen Geburten anwesend. Aber was Grof beschreibt, kann ich nachempfinden. Und plausibel ist mir auch, dass Kind in den ersten drei bis fünf Jahren keinen Zugriff auf Informationen dieser Zeit hat. Dass es sich dabei um GRUNDlegende, das weitere (bewusste?) Existieren determinierende Informationen handelt, verlangt nach einer Aufklärung dieser Systematik. Weil sie einen Freien Willen ja geradezu verhindert. Und der ist die Grundlage nicht nur für unser Rechtssystem, sondern steuert das kulturmenschliche Verhalten auf eine Weise, die, wie wir deutlich beobachten können, mehr mit Feindseligkeit als mit Vernunft zu tun hat.

      Schöpferischer Geist ist Herr über Informationen. Er gestaltet ein Huhn, und wenn er zwei Hühner will, macht er, dass es, nachdem er einen passenden Hahn schöpfte, Eier legt. Ist ein bisschen kindhaft, meine Vorstellung – macht nix. Jedenfalls entsteht aus einem Schleimpilz kein Elefant, nur weil die Sonne scheint.

      Auf meine Antworten auf Fragen, die das Leben mir stellte, braucht niemand bauen – ich tue’s auch nicht. Leben hat zwar eine Bauen-Seite, aber auch eine erbauliche. In der Beziehung sprechen wir wohl eine sehr ähnliche Lebenssprache.

      Herzlich
      Wolfgang

      • Juli 1, 2014 um 10:13 am

        Klingt beinahe wie “Phasenverschiebung”.
        Der Zustand der VERLASSENHEIT entsteht erst später, nenne es meinetwegen Phasenverschiebung, wenn ich mit dem Wort auch nichts anfangen kann.

        Liebe leute, dieser begriff wurde von mir im rein physikalischen Zusammenhang gebraucht^^
        „Das ist nur ein „Begriff“…ja was denn sonst?
        „Feindseligkeit“, das „Böse“, „Geburtstrauma“ – man lese und staune – auch^^.

        Zur offensichtlichen Nacherklärung von „Phasenverschiebung“ (auch falls es keine Sau interessieren sollte, tue ich damit einfach meine Pflicht als Kommentator, indem ich die mögliche Mißverständlichkeit zu mindern versuche):

        Wenn ich annehme, dass das Universum eine Art „holographischer“ Charakter ist, llassen sich sehr viele Phänomene, die sonst nur dubios beäugt vor sich hindümpeln durchaus plausibler erklären.
        Die Annahme eines Möglichkeitenraumes, der in sich jede Menge variabler Seinsentwürfe birgt ist zudem nicht neu, es gibt sie spätestens seit den indischen Veden – ist trotzdem mein Gedanke, denn ich bin da von selbst (Selbst?) angelangt.
        Die Gleichzeitigkeit aller möglichen Universen an „derselben Stelle“ ist physikalisch nur möglich, wenn man annimmt, dass es so etwas wie Phasenverschiebung gibt, also die Möglichkeit, dass sich viele unterschiedliche Schwingungsmuster denselben „Ort“ teilen können.

        Unser Gehirn ist übrigens so eine Art billiger Raubkopie dieses Prinzips^^

        Und damit lassen sich etliche Raum-/Zeit-Paradoxa, seltsame Phänomene etc. auflösen.
        Zumindest für mich. Und das reicht mir bereits.

        Und
        Statt Begriffe sage ich eher Geist – als schöpferische Idee, als Absicht zur Umsetzung, und als Systematik zur Generierung von Energie

        „Geist“ ist kein Begriff? Oder bin jetzt nur Begriffs-stutzig?^^
        Und ein „Begriff“ hat bereits die schöpferische Idee aufgegriffen in der Absicht zur Umsetzunng, da die begriffliche Energie darin liegt, dass sie eine Vorstellung erzeugt, welche wiederum mit Befindlichkeiten, Defiziten etc.. korreliert und so Handlung auslöst oder verhindert – wenn das nicht systematisierte Energie IST?

        Dass es sich dabei um GRUNDlegende, das weitere (bewusste?) Existieren determinierende Informationen handelt, verlangt nach einer Aufklärung dieser Systematik
        Hier habe ich dankenswerter Weise erst Grund-LEGENDE gelesen und das gibt dem Ganzen bereits eine begriffliche Konnotation, die weitere Auslegungen überflüssig machten könnte – oder auch nicht.
        Da bleibe ich noch dran.

        Und ich wundere mich immer, mit welcher unerschütterlichen Überzeugung über die Geburt, ein angebliches Geburts-Traauma und ähnliches disputiert wird.
        Also ich war auch dabei und kann mich, ganz ehrlich, nicht dazu äußern, weil ich mich nicht im geringsten erinnern kann, noch nicht mal gefühlt oder unter Hypnose^^

        Ich halte es für eine absolut unredliche Amaßung, hier Thesen in die Welt zu setzen, noch dazu mit pseudowissenschaftlichem Dekor, zu denen es nicht die geringsten beweiskräftigen Anhaltspunkte gibt!
        Mir ist schon klar, dass ich damit etlichen auf die Füße treten, das tun die aber umgekehrt mit dieser unkaputtbaren Ideologie (nichhts anderes ist das nämlich für mich) auch.

        Der Mythos „Geburtstrauma“ ist wie so viele andere auch der Ent-Schuldigungs-Neurose geschuldet(!).
        Es „MUSS“ doch eine Erklärung dafür geben, warum das im Mutterleib unschuldige Menschlein nach der Geburt oft so unverhältnismäßig häßlich gerät?
        Mit dem Trauma ist man immer fein raus.
        Aber dann nennt man es besser generelles Lebenstrauma und nicht Geburtstrauma, denn die Geburt selbst trägt m.E. nicht die geringste Verantwortung für nachfolgende Irrungen und Wirrungen.
        Es fehlt mir zudem eine wissenschaftlich haltbare Überprüfung dazu, ob etwa Kaiserschnittte, Zangengeburten, Saugglockengeburten, Unter-Wasser-Geburten, Hängegeburten, Kartoffelklauben-im-Acker-Geburten (Patrick Süskinds Jean-Baptiste Grenouille wird in Das Parfüm auch zum Monster, weil er auf dem Fischmarkt in Fischabfälle hinein geboren wurde – hier wird diese Urlegende auch meisterlich gepflegt^^) etc.etc. signifikante Unterschiede in den nachfolgenden Lebensläufen aufzuweisen vermögen, die eine nachhaltige Traumatisierung mit den bedauerlichen Folgeerscheinungen überhaupt nur plausibel denkbar erscheinen lassen!

        Achja, das auch noch:
        Gesetzt den Fall, es gäbe ein Geburtstrauma, – ja und dann?
        Geburten verbieten? Nur noch aus der Retorte oder einer künstlichen Plazenta?
        Oder lieber gleich wieder zurück stopfen?
        Haben platzende Samenkapseln ein Knalltrauma?
        Küken ein Schlüpftrauma?
        Ja und erst die Sterne die aus Explosionen geboren werden – gute Güte – die müssen ja einen mächtigen Schatten mitbekommen haben! da sollte eigentlich von Beginn an schamhaftes Verdunkeln angesagt sein^^

        Natürlich gibt es Traumata.
        Natürlich gibt es Post-traumatische-Störungen.
        Aber Natürlichkeit ist sicherlich kein Traumagenerator.

        Da ist mir im Vergleich zu diesen Hypothesen meine ebenso hypothetische Phasenverschiebung aber lieber – die entschuldigt nämlich nichts und quält auch niemanden, die erklärt nur möglicherweise etwas…^^

        • Juli 1, 2014 um 10:42 am

          PS:

          Ich diagnostiziere bei mir gerade eine Kaskade von Verlustängsten während des Atmens.
          Jedesmal, wenn ich ausatme fürchte ich, dass er nicht wieder zurück kommt…

        • federleichtes
          Juli 1, 2014 um 2:17 pm

          Es besteht wenig Grund, mir hier die Phasenverschiebung mies zu machen (wer macht hier hier diesen kleinen gelben Schmunzelpunkt hin).

          Wenn Geist Zustände verändern kann, wenn Geist Substanz schaffen kann (deren Zustände sich verändern), sollte wohl aus den Eigenschaften des Materisalisierten auch die Eigenschaften von Geist abzuleiten sein – ODER?
          Anders rum: Wenn ich wissen will, welch Geistes Kind ein Mensch ist, beobachte ich sein Verhalten (und, der Trefferquote wegen, das seiner Freunde)
          Darum ist mir „Phasenverschiebung“ kein REIN physikalischer Begriff – und selbst rein physikalisch angwendet erlaubt er die Bemerkung, dass Zustände (Strukturen) veränderbar sind und anders erscheinen können, als sie SIND.

          Bevor ich das Schreiben begann, dachte ich an die Lebensphasen des Menschen. Da versciebt sich natürlich und wird gewaltsam verschoben, was ncht das SEIN verändert, sondern die ERSCHEINUNG des Seins. Die Phasenübergänge sind fließend und erfolgen, den inneren und äußeren Umständen entsprechend, auf körperlicher, ego-sozialer und geistiger Ebene.
          Am Rande
          Die mir gewaltsam verordneten Phasenverschiebungen korrigierte ich. (Pfuibähigitt, musst du-darf man nicht, Moral, Gewissen, Schuld – TONNE)

          Ne, ne, Mr. Chattison, Phasenverschiebung war und bleibt für mich ein Volltreffer – für Mathias wahrscheinlich auch, der den (unter der Prämisse dynamischer Feindseligkeit natürlichen) Weg ins Kali Yuga als die „Order eines Geistes“ betrachten dürfte, um den Verlauf einer von bestimmten Bedingungen gesteuerten Entwicklung zu demonstrieren – auf-grund vorhandener Daten zu re-kapitulieren (Kapitulation = tolles Wort. Gab mal ’ne Zeit, da sagte ich re-katapultieren), was vor der Phasenverschiebung geschah.

          Ich bin sehr dankbar über konkrete Kritik, da ich weder Wiener Sängerknabe bin noch zum Wiener Würstchen-Dirigenten verkommen WILL.

          Gestern dachte ich an DAS Leben und DIE verkehrte Welt. Ich dachte, der Mensch klammert sich an das Leben wie ein Ertrinkender. Und ich dachte, ob dieses Klammern Folge der Angst vor dem Tod ist, und ob diese Angst genau den Tod folgerichtig zeitigt
          Und ich dachte, wie die Beziehung des Menschen zum Leben in einer richtigen Welt einer richtigen Welt sein könnte. Zumindest erachte ich es als eine Option, zu denken:
          Das Leben klammere sich an den Menschen.

          Und wenn wir das (traumatische?) Klammern mal ganz ausklammern, bleibt dann nicht von den ganzen Ängsten und allem Bewerten in Gut und Böse nur noch eine partnerschaftliche, freie Beziehung zwischen Mensch und (dem) Leben? Auch diesen Verständnisschritt orde ich ein unter dem Begriff Phasenverschiebung. Dass man mit diesem Verständnis als verrückt gelten mag, bitte sehr – ein einer verrückten Welt zu verrücken, leitet ganz sicher eine neue Phase im Leben eines Menschen ein. So war’s jedenfalls bei mir und auch bei Susanne.

          Zum Trauma am Abend ein paar Worte. Jetzt sind gleich die Schilfohrsängerkinder dran.

          Danke, Marian, danke Mr. Chattison.

          Wolfgang

  4. Juli 1, 2014 um 9:32 am

    Lieber Wolfgang,

    ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich Deine Kommentare lese. Du scheinst einer der wenigen Menschen zu sein, die sich in keine Schublade einordnen lassen, so muss ich an mich halten, Dich nicht in die Schublade mit der Überschrift „Keine Schublade“ zu tun.
    Ich verstehe durchaus, warum Du Dich häufig in der schubladenfreien Natur rumtreibst 🙂

    Wenn ich Zeitung, Bücher, was auch immer lese – ich stoße immer auf Berichte, in denen Gier verdammt und als Ursache für alles Elend auf der Welt dargestellt wird. Immer und immer wird mir erzählt, dass die Welt in Ordnung wäre, wenn Mensch nicht so (hab)gierig wäre. Bilde ich mir das nur ein oder ist es mein Karma oder eine Verschwörung, die mich nur solche Texte lesen lässt? 🙂 Wachstum wird doch nur in Bezug auf „das System“ oder „die Gesellschaft“ oder „die Wirtschaft“ befürwortet. Reiche und superreiche Menschen hingegen sind doch allen suspekt und müssen als Buh-Männer/Frauen und Sündenböcke für alles, was schief läuft herhalten. Nicht wenige sind doch der Ansicht, man müsste die Superreichen beseitigen und deren Hab und Gut auf alle verteilen, und – oh Wunder ! – die Welt wäre dann in Ordnung.

    Natürlich ist das nur der Blick durch die rosarote Brille. Denn „hinten herum“ sind die meisten von uns auch nicht anders und würden auch gern die Milliarden scheffeln wie Bill Gates, wenn wir denn nur zum rechten Zeitpunkt in der richtigen Garage gehockt hätten. Und wie Bill Gates würden wir dann, weil wir ein schlechtes Gewissen hätten, eine Menge spenden, aber auch nur wieder, um die Welt in unserem Sinne umzuwandeln. Die Superreichen sind doch nur die Fläche, an denen wir unser eigenes schlechtes Gewissen abreagieren. Wir brauchen sie dringend, und deshalb gibt es sie.

    Klar, die Gier ist da, aber sie ist immer mit dem schlechten Gewissen verknüpft. Das ist der Grund, warum wir die Superreichen andererseits bewundern: sie scheinen ihr schlechtes Gewissen überwunden zu haben. Und wer wünscht sich nicht, endlich mal ohne schlechtes Gewissen in der Welt zu sein? Denn das wird uns von allem Anfang eingeredet: dass wir ein schlechtes Gewissen haben müssen, bloß weil wir auf dieser Welt sind und leben. Und es sind sehr wenige, die über dieses von Anfang an in uns eingeimpfte schlechte Gewissen hinauswachsen.

    Mit der wissenschaftlichen Neugier ist es anders. Mein Gott …. Forscher haben herausgefunden …. Forscher haben dies und das …. wissenschaftliche Studien haben ergeben …. die meisten Menschen sind doch wissenschaftshörig und der Kern der Wissenschaft ist Neugier. Man will wissen, wie’s geht. Man will eine Erklärung haben. Man braucht eine Theorie, an die man sich klammern kann – machen wir doch in diesem Blog auch nicht anders, oder 🙂

    Klar ist immer alles eine Frage des Maßes, auch die Gier und Neugier. Alles hat seine positiven und negativen Seiten. Kein Widerspruch, Euer Ehren.

    Ich denke, was Grof über das Geburtstrauma herausgefunden zu haben glaubt, stimmt, wenn sich das Baby schon im Zustand der VERLASSENHEIT befinden würde. Im Zustand der Verlassenheit befindet sich Mensch, nachdem er von der Wirklichkeit in die begriffliche Parallelwelt abgedriftet ist und sich mit seinem Bewusstsein dort aufhält. In dieser begrifflichen Parallelwelt ist Mensch abgeschnürt vom Leben und dann muss er die Geburt natürlich als traumatisch interpretieren. Aber ein Baby ist normalerweise nicht im Zustand der Verlassenheit genausowenig wie jedes andere Säuge- und sonstiges Getier.
    Der Zustand der VERLASSENHEIT entsteht erst später, nenne es meinetwegen Phasenverschiebung, wenn ich mit dem Wort auch nichts anfangen kann. Was Grof tut, ist eine Rückinterpretation aus einem gänzlich anderen Zustand heraus.

    Es ist schon so, dass wir im Rahmen unseres „Zivilisationsprozesses“ das Baby möglichst bald in den Zustand der Verlassenheit hineinkatapultieren. Vielleicht gelingt es auch schon bei Ungeborenen, die sich noch im Mutterleib befinden, gerade wenn die Mutter NICHT in ihrem Körper zuhause ist, sondern eben lieber „kopfig“ in Büchern schmökert und dort nach der Weisheit sucht, die eigentlich in ihrem Körperbewusstsein schlummert. Das kann natürlich sehr gut sein. Wenn sich Grof darauf beschränken würde, das Geburtstrauma mit der Verkopfung des „zivilisierten“ Menschen in Zusammenhang zu bringen, würde ich ihn sogar gelten lassen. Aber die Geburt eines Menschen als solches als traumatischen Prozess zu klassifizieren, stimmt meiner Ansicht nach nicht.

    Es gibt durchaus auch heute noch Geburten, bei denen Mütter noch in ihrem Körper sind und über instinktives Wissen und Weisheit verfügen. Selbst bei vielen verkopften Müttern ist noch etwas von dieser Weisheit da. Andererseits gibt es Mütter, die haben tatsächlich keinen inneren Bezug zu ihrem Kind.

    Real läuft es indessen ja so ab, dass immer mehr Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kommen.
    Häufig, damit die Dienstzeiten im Krankenhaus eingehalten werden. Aber auch, weil der Kopfumfang der Kinder in den letzten 100 Jahren zugenommen hat, während der Muttermund derselbe geblieben ist. Und weil die alten Methoden, wie man bspw. ein Baby in Steißlage „umdreht“, nicht mehr bekannt sind. Und so weiter.

    Meinst Du, dass Kaiserschnitt-Kinder die glücklicheren sind? Die haben ja kein Geburtstrauma durchzustehen.

  5. Juli 1, 2014 um 4:33 pm

    Ich habe den Eindruck, dass Chattison und Federleichtes mit „Phasenverschiebung“ etwas Unterschiedliches meinen.

    Nach der Beschreibung von Chattison ersteht vor meinem inneren Auge so was wie das „Netz des Indra“. Ein Netzwerk, das in seinen Knotenpunkten jeweils Diamanten hat, in denen sich wiederum Diamanten in Diamanten in Diamanten (die anderen Knotenpunkte) spiegeln. Die Diamanten sind der Ort, den sich unterschiedliche Schwingungsmuster teilen können, je nachdem, welche Diamanten in welcher Brechung sich wie spiegeln.
    Das ist natürlich auch bloß wieder eine Vorstellung, sich sich mein auf Vorstellungen versessenes Hirn anhand der Beschreibung macht.

    Während Federleichtes, zumindest so wie ich ihn verstehe, mit Phasenverschiebung die Veränderung eines Schwingungsmuster zu meinen scheint. Der eine meint den Diamant, der andere das Muster, das sich darin spiegelt.

    Ist zwar beides irgendwie dasselbe, aber auch wieder nicht. Damit bin ich wieder bei meiner Auffassung, dass im Kern allen Seins ein unauflösliches Paradoxon seinen Platz hat, denn wer will nun unterscheiden, was Diamant und was Brechungsmuster sind?

    Ich habe grad einen buddhistischen Text gefunden, der meiner Ansicht nach das Problem sehr genau beschreibt:

    „All unsere Probleme und Konflikte auf der Ebene von Gesellschaft, Nation, Kultur, Menschheit, Umwelt haben keine andere Ursachen, Gesetze und Antriebe als die innerhalb jeder einzelnen menschlichen Person. Doch machen wir – analog der Verselbständigung (Ver-Selbstung) individueller Prozesse zu einer realen, autonomen Person (Ich, Wolfgang, Martin Bartonitz etc. – das ist eine Anmerkung von mir 🙂 ) auch gesellschaftliche Erscheinungen, Prozesse, Strukturen und Kräfte zu realen autonomen Gebilden, die gleichsam als Personen oder Ich-Einheiten auf kollektiver Ebene („der Deutsch“, „der Staat“, „die Wirtschaft“) auftreten. Als solche beginnen sie selbständig zu agieren und werden dann Teil von dem, was wir „Realität“ nennen und als notwendig und gegeben hinnehmen. Tatsächlich beruhen diese gesellschaftlichen Mächte und Zwänge auf unserer selbst zu verantwortenden Anhaftung.“ (Franz Johannes Litsch)

    Das ist der Unterschied zwischen Natur und Kultur: in der Natur ist alles Prozesshaftigkeit, ein ständiges Werden und Vergehen, da werden durch Begriffe keine künstlichen Grenzen eingezogen.

    Es ist der Mensch, der in diesem ständigen Fließen durch Begriffsbildung künstliche Grenzen einzieht, wo in natura gar keine sind. Dasselbe macht Mensch auch mit sich: Er sagt „ICH“ und vergisst darüber, dass sein ICH eine permanente Aneinanderreihung von irgendwelchen Prozessen ist. Und dann verschafft er diesen Begriffen aber tatsächlich gewissermaßen eine Realität. Aber das ist nur eine Schein-Realität.

    Als Menschen können wir ein Ich, ein Du, ein Wir, einen Staat, eine Wirtschaft machen, gar kein Problem. Aber wir können keinen Schilfrohrsänger machen. Weil ein Schilfrohrsänger in einer unendlichen Folge von Prozessen steht und irgendwie über all diese Prozesse mit allem verbunden und vielleicht sogar ein holographisches Abbild der unendlichen Folge von Prozessen ist, wie sie eben einzigartig in ihm gebündelt sind.

    Eine Geburt, so wie sie ist, ist nicht traumatisch.

    Eine Geburt wird aber in dem Moment traumatisch, wenn sie aus dieser nur im Kopf vorhandenen Begriffswelt heraus erlebt wird. Und wie das „Ich“ und „der Staat“ kann das schon ganz konkrete Rückwirkungen auf die Realität haben und dem Baby den Spaß am Ganzen vergällen. Diese Rückwirkung traumatisiert das Baby. Möglicherweise schon bei der Geburt.

  6. Juli 1, 2014 um 8:17 pm

    @federleichtes

    Ich sagte ja schon, ich beibe dran^^
    Hier ein erstes Resultat:

    Was bewirkt ein „Begriff“?
    Ein Begriff ist so etwas wie ein Aspekt-/Attribut-Etikett.
    Auf dem Salzpäckchen steht „Salz“ und auf dem Zuckerpäckchen steht „Zucker“.
    Allein, das Etikett ist nicht der Inhalt, wie der eine oder andere sicher schon einmal feststellen musste, wenn Zucker und Salz beim Einfüllen verwechselt wurden.

    Wir „füllen“ also unser Gehirn mit Salz- u. Zucker-„Inhalten“ und etikettieren sie dementsprechend.

    Wie beliebig diese Zuordnung trotz einer gewissen Einheitlichkeit der „Süß“- u. „Salzig“-Warnehmung ist, erfährt man spätestens, wenn man Menschen unter Hypnose Süßes als Bitteres und Saures als Süßes wahr macht und – tatsächlich – jeder etikettengemäß seine „Wahrnehmung“ entsprechend einordnet und eifrig auf der Zitrone kaut und die Schokolade ausspuckt^^

    Eine Weltvorstellung, im Sinne einer Ordnungsweise des als Realität Erlebten, ohne Begrifflichkeit kann es vermutlich für uns gar nicht geben.

    Was bedeutet das?

    Es bedeutet, dass jedes einzelne Weltbild ein höchst fragiles, fragwürdiges und willkürliches (der Wille kürt etwas zu etwas – egal ob es der eigene Wille oder ein fremder, oktroyierter ist) sein muss, da es sogar sein kann, dass es außerhalb des Menschen überhaupt keine Eigenschaften per se gibt, sondern diese, wie „Farben“ erst in unserem Gehirn erzeugt werden.

    Wenn es aber keinerlei Eigenschaften gibt, gibt es auch keine Unterschiede und damit Unterscheidbarkeiten (und vermutlich gilt dies tatsächlich für das gesamte Universum, dass da nichts ist außer „Einem“) und damit für den Menschen keinerlei Orientierungsmöglichkeit.
    Das Gehirn simuliert also eine Realität, die es so gar nicht gibt, damit es mit sich selbst klar kommt und zu diesem Zwecke wird das, was von uns zur Realität etikettiert wird dadurch in gewissem Umfang tatsächlich „real“, insoweit, als durch die Einvernehmlichkeit der Interpretation gleich/ähnlich strukturierter Gehirne gleiche/ähnliche Aktionen/Reaktionen statt finden, die wiederum die Umwelt dergestalt manipulieren, dass diese Interpretation sich als berechtigt „erweist“ und so füglich durch gegenseitige Bestätigung als „wahr“ postuliert und zur Grundlage der weiteren Interpretationsschritte genommen wird.
    Eine Art selffulfilling prophecy des Gehirns über die „Welt da draußen“ also.

    Diejenigen, deren Gehirn anders funktioniert, die entsprechend entweder anders oder gar nicht etikettieren, haben im „Widerspruch“ zur gängigen Deutungsroutine stehend, folgerichtig Probleme zu gewärtigen, da die geltende und damit „gültige“ Deutungskonvention dies nicht zulassen kann, ohne sich selbst in Frage zu stellen, was wiederum unerwünscht sein muss, weil – was bliebe denn dann übrig? – richtig, erst mal nix außer erneuter Orientierungslosigkeit – und wer will das schon^^

    Die „Verrückten“ schwingen entweder teilweise/manchmal über Kreuz mit anderen Schwingungskreisen oder koppeln sich aus unserem direkt ganz ab und verweilen ganz „woanders“.
    Diese entsorgt man verständnisvoll angesichts deren „Unverstandes“ in angemessenen Betreuungseinrichtungen.

    Wenn ein „Verrückter“ allso einen seltsamen Vogel sieht, den der Konventionalist nicht erkennen kann, weil dieser seltsame Vogel in seinem Deutungsschema nicht vorkommt, projeziert er diese Wahrnehmung auf den „Verrückten“ und macht ihn ersatzhalber zum „seltsamen Vogel“ und behandelt ihn entsprechend wie ein seltenes Tier, das man einfängt und studiert, hier im psychiatrischen Zoo, und es unter der Rubrik „Irrläufer der Evolution und Mißbildungen der wohlgestalteten Kategorisierung“ abzuheften, um danach beruhigt seine kleine Etiketten-Welt wie einen Kinderkreisel drehen zu lassen und sich daran zu erfreuen, dass er so schön stabil, weil ungestört von „verrückten“ Impulsen, vor sich hin brummt.

    Im Zen lehnten die bedeutendsten Meister schlicht jegliche Begriffswertigkeit ab (man denke an Koans und dergleichen) und weigerten sich sogar der Lehre mit Worten Ausdruck zu verleihen!
    Dreimal darf man raten, warum.

    „Offene Weite, nichts von heilig.“ ist ein gängiges Zitat von daher.
    Ein „Begriff“ engt ein, beschränkt die Weite und muss auf „Heiligkeit“ (= gänzliche Bedeutsamkeit) bestehen, sonst würde er sich ja auch stante pede selbst ad absurdum führen.
    Da jegliche Form von Begrifflichkeit immer nur ein Teilaspekt oder eine Teileigenschaft repräsentieren kann (sonst würde er einer Deutungsbeliebigkeit anheim fallen, die ihn wederum bedeutungslos machte!), kommt es dazu, dass Gehirne mit einem Etikettenvorrat A nicht korrelieren können mit einem Gehirnetikettenvorrat B.
    Was folgt ist bekannt.

    Wer nichts sagt, sagt nichts Falsches.
    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – kommt vermutlich auch aus der Ecke.
    Da ein Blog qua seiner Natur aber nur über Begrifflichkeiten bedient werden kann, kann es nur sehr schwer und vereinzelt zu einem Konsens kommen, da die neuronalen Phasenverschiebungen eine gemeinschaftliche Kohärenz nur über Begriffe kaum zulässt.
    Es ist ja auch unschwer ersichtlich, dass da, wo trotzdem Konsens erwirkt wurde, dies nicht aufgrund der Begriffe an sich statt fand (eher trotz dieser), sondern aufgrund vergleichbarer Phasenkenntnis u. -prägung, die manchmal durch die begriffliche Wechselwirkung getriggert wird und eine vergleichbare Erfahrungsqualität abruft, wodurch es eine Einstimmung der Konferierenden und damit Zustimmung geben kann.

    Die Welt eines Pferdes z.B. ist jenseits jeglicher Begrifflichkeit.
    Wer mit einem Pferd „kommunizieren“ will, muss gemeiname „Phasenerfahrungen“ erzeugen, auf deren Grundlage ein weiter führendes Verständnis füreinander entstehen kann und von denen ausgehend weitere Phasenverschiebungen (= Lernen durch Erfahrung) einvernehmlich angegangen werden können.
    Aber selbst in der größtmöglichen erreichbaren Harmonie (hier: gemeinsamer Deutungspool) der Wechselwirkungen zwischen Reiter und Pferd wird ein Pferd mit absoluter Sicherheit denselben Vorgang in weiten Teilen, wenn nicht ganz, anders wahrnehmen und für sich werten als dies der Reiter für sich tut und fürs Pferd gerne hätte^^

    Die größtmögliche „Harmonie“ bezieht sich also nur auf einen sehr eingeschränkten Wechselwirkungsspielraum, der auch nur deswegen für das Pferd zu Bedeutung gelangt, weil der Reiter darauf besteht!

    Man kann diesen Gedanken füglich ausweiten auf die Kommunikation im weitesten Sinne zwischen den Menschen insgesamt.
    Wenn DAS von mehr als derzeit begriffen(huch?) würde, wäre sehr viel gewonnen.
    Im übrigen wird derjenige Reiter, der DAS für sich begriffen hat, kein Pferd mehr ausbilden und reiten wollen…eigentlich logisch, oder?

  7. Juli 1, 2014 um 8:34 pm

    PS:
    Eine Weltvorstellung, im Sinne einer Ordnungsweise des als Realität Erlebten, ohne Begrifflichkeit kann es vermutlich für uns gar nicht geben.

    Vermutlich ist genau das unser Kernproblem, dass wir trotzdem versuchen, die Welt zu „ordnen“ (sei es durch Begriffe oder sonstiges Voodoo).

    Genauso vermutlich wären wir alle besser dran, wenn wir genau das sein ließen.

    Ablassen vom „Deuten“, Finger weg von den Be-Griffeln – die Libelle sieht die Welt wortwörtlich mit anderen Augen als der Axolotl.
    Wollten die sich gegenseitig von ihrer jeweiligen Weltsicht überzeugen – tja…^^

  8. Juli 1, 2014 um 8:46 pm

    PPS:

    Nach diesem Gedankenansatz wäre die „Feindseligkeit“ als tatsächliches „Verdikt“ zu verstehen, also als eine Verurteilung durch Beurteilung über Begrifflichkeit.
    So wie nach dem „Buchstaben des Gesetzes“ ge-urteilt wird, was richtig und was falsch ist, so durch denjenigen Geist, der seine Existenz allein dem Begriff verdankt – das „Böse“!

    Das „Böse“ wurde, weil es durch den Begriff „böse“ wurde und entsprechend seiner Eintufung verfahren muss, da über die Konvention des „Bösen“ bei den meisten Menschen dieses erst seine Existenzberechtigung erfahren hat.
    Wo wäre das Böse denn vor dieser Begrifflichkeit, also vor dem Menschen, der die Welt sprachlich deutet, gewesen???

    Ist auch nur ein Tier „böse“ oder eine Pflanze?
    Und liegt dies evtl. wirklich nur daran, dass das Böse in die Welt kam (ganz im Sinne der biblischen Mythen), weil der Mensch vom Baum der Erkenntnis genascht und so das begreifen und die begriffe in die Welt gebracht hat?!

  9. Juli 1, 2014 um 11:44 pm

    Mit keiner natürlichen Sprache, sprich, einer Sprache der ANDEREN, kann etwas Vergangenes bzw. Zukünftiges zum Ausdruck gebracht werden.
    Einzig menschliche Sprachen, die sich jenseits der Entfremdung, des Falls, aufgrund von Sesshaftigkeit entwickelt haben, ermöglichen das Konzept von Vergangenheit und Zukunft.
    Natürliche Sprachen haben immer direkten Bezug zum Augenblicklichen.
    Bienen, die im Stock eine Wegbeschreibung zur Nektarquelle mittels Tanz und Flügelschlag vermitteln, beziehen sich direkt auf eine augenblickliche Quelle.
    Unsere Sprechen, bis hin zu Computersprachen und zu Symbolen, sind Ausdruck der Weite der Entfremdung bzw. der Tiefe des Falls bzw. der Höhe, die wir fortgeschritten erklommen haben … und kein Ausdruck von Kohärenz. Aber dafür sind unsere Sprachen und all die Begriffe, die wir benutzen, um zu realisieren, was nach unseren Vorstellungen möglich ist, auch gar nicht “gedacht“ … die reaktive Ordnung von uns EINEN hat nichts mit der aktiven Ordnung der ANDEREN gemein … und doch haben beide ein gemeinsamen Ziel …

    Gruß Guido

  10. federleichtes
    Juli 2, 2014 um 12:26 am

    „Potential für einen neuen Diskussionsstrang“ – so, so.

    Ich hatte heute den optimalen Tag – und bin völlig auf den

    gekommen. Ernsthafter ist mit mir also erst morgen zu rechnen.

    Erwähnen möchte ich kurz, dass nach meiner Auffassung das Böse nicht auf unserer Welt existent sein kann; das Böse ist nicht lebendig; das Böse ist alternativlos.; das Böse hat nur eine Eigenschaft: Destruktiv, oder bösartig, kompromisslos.

    Das ist mein Freund Uwe.

    Auf wessen Schulter er sitzt, keine Ahnung.
    Okay, Hand auf’s Herz, die Schulter und der ganze Rest heißt Uwe, und der Kakadu ist eine Dame, ißt Yoghurt, Kartoffel und Banane. Es gibt weitere Bilder von der Dame. Das ist gut, aber nicht besonders wichtig. Gut ist auch, dass Uwe Kinderfreund ist und Kinder auf seinem Hof spielen lässt, die kein Pferd bei ihm haben.

    Da es das Böse auf der Welt, genauer in meiner Welt, nicht gibt, schlage ich vor, einen Begriffs-Nullpunkt zu kreieren. Wir könnten ihn aus dem Urgrund entleihen, vielleicht schenkt der uns auch einen. Es sollte ein Punkt sein, der raum- und zeitlos ist und keinerlei Eigenschaften hat – er ist so da, als wäre er nicht da, fiktiv eben – unter der Bedingung, dass „fiktiv“ keine Eigenschaft ist.

    Das könnte bereits eins der Schilfrohrsängerknaben, pardon, -kinder sein.

    Warum das sein könnte? Er tobte zwischen den Bachstelzenkindern herum und ließ sich auch von Mutti Bachstelze nicht vertreiben – ein Kind eben, noch unbedarft. Ob Unbedarftheit eine Eigenschaft ist? Wohl eher nicht. Es wird erst eine, wenn das Vogelkind nicht mehr unbedarft ist.

    Mutti Schilfrohrsänger ließ sich auch blicken,

    aber erst, als wir beide an den Ort schauten, wo sie sich dann hinsetzte. Ein Außenstehender würde das jetzt Zufall nennen. Susanne sagt aber, das war kein Zufall, weil in dem Schilf an dieser Stelle ihr Nest ist. Zufall nennen Menschen also ein Ereignis, das sie sich aufgrund ihrer Kenntnisse nicht rational erklären können. Und das mangelnde Erklärungspotenzial des Menschen halte ich für keinen Zufall.

    Der Nullpunkt veränderte sich zu einem relativen Nullpunkt. Er begann wie ein Pendel zu schwingen, und wurde existent. Und weil die Bewegung des Pendels in die eine Richtung gut war, und weil die Bewegung zurück nicht so gut war, entstanden wahrnehmbare, fühlbare Gegensätze. Für den Nullpunkt, den es in der Dynamik gar nicht mehr gab. Aber, es gab da plötzlich Anzeigegeräte für das Besser und das Schlechter – Menschen genannt, die die Veränderungen wahrnehmen und darüber befinden konnten, was besser und was schlechter ist; natürlich subjektiv, weil sie alle verschieden anzeigen, aber objektiv für den auf der dynamischen Wahrnehmungsebene nicht mehr vorhandenen Nullpunkt.

    Nein, ich habe nichts Außergewöhnliches geraucht!

    Ein Danke an Ersiees, Euch beide.

    Wolfgang

    Ach, die Seite „Bilder für Texte J“ ist fertig – wer die Bilder im Stück sehen möchte, bitte sehr.

    http://federleicht-leben.de/07-galerien/hier-und-jetzt-im-bilde/bilder-fuer-texte/bilder-fuer-texte-j/index.html

    • Juli 2, 2014 um 12:38 am

      Es wird wohl doch Zeit mal wieder einen Artikel einzustellen. Eure Kommentare der letzten Tage verdichten sich mehr und mehr zu EINEM Bild. Ich hoffe ich bekomme das in den nächsten Tagen auf die Reihe … Mond und Sonne, Yin und Yang, weiblich und männlich, Geburt, Trauma, HARMONIE und Pendel … da geht doch was …

      Gruß Guido

      • federleichtes
        Juli 2, 2014 um 1:11 am

        Ich hab‘ von Liebe ja keine Ahnung, aber diese fünf Buchstaben wären mir Symbol für Harmonie – das Pendel MIT Nullpunkt, Bewegung, die keine Begrifflichkeiten entstehen lässt. Vielleicht ist Liebe deswegen ein Phänomen geblieben: Sie steht außerhalb der Zeithölle, fern der Emotionalität, überhaupt entrückt jeder direkten prozessualen Bedeutung.

        Aber Liebe ist ja im Spiel. Vielleicht nicht DIE Liebe, aber eine weltlich-existenzfähige Form von Liebe, vielleicht leicht phasenverschoben, etwas abgedimmt, um ihr Licht integrierbar, konfrontierbar, eben lebendig zu machen – auf der Ebene der Exformation, der „weichen“ Information, die keiner Worte bedarf.

        Das war mal ein Satz, gell. Wie gesagt, ich Hund. Wow!

        Am Rande
        Uwe hat mir heute erzählt, wo immer eine Eule sitzt. Du darfst gespannt sein!

        Herzliche Grüße an Euch sendet
        Wolfgang

    • Juli 2, 2014 um 11:43 am

      Lieber Wolfgang,

      danke für die Bilder. Ich hatte dafür eine Möwe auf dem Balkon, die sich von irgendwoher einen abgesäbelten Fischschwanz geklaut hat. Das Teil war so groß, dass sie es trotz aller Anstrengung nicht runterschlucken konnte, aber loslassen wollte sie es auch nicht. Da saß sie also, den Fischschwanz im Schnabel, und rechts und links des Schnabels ragten die Flossen in die Höhe wie eine neue Art von Zwirbelbart.

      Du hältst das mangelnde Erklärungspotenzial des Menschen für keinen Zufall. Liegt das am Menschen, am Potenzial, an der Erklärung oder am Zufall? Wer sagt denn, dass es überhaupt eine Erklärung gibt? Vielleicht ist unser Drang nach Erklärungen auch bloß ein Wahn, den wir entwickelt haben, weil uns das Vertrauen in den „Fluss des Seins“ verlorengegangen ist und wir uns in der Parallelwelt der Begrifflichkeiten krampfhaft an etwas festhalten müssen, und da bieten sich Erklärungen als Haltegriff an.

      Aber wenn wir schon unbedingt Erklärungen brauchen, könnten wir wenigstens welche erfinden, die uns Spaß machen und die uns selber gut tun, nicht wahr?
      Erklärungen sind auch nicht mehr als Geschichten, die wir uns gegenseitig erzählen. Eine spannende und gut erfundene Geschichte, die hat was, da hört man schon gern zu und erzählt sie auch gern weiter. Die derzeitig kursierenden Erklärungsgeschichten sind ja aber so was von trostlos.
      Ein Urknall, eine Ausdehnung und ein Ende, wo vielleicht, wenn’s gut läuft, ein paar Eisenkugeln übrig bleiben.
      Du lieber Himmel! Wer will so eine fantasielose Geschichte schon hören? Außer Menschen, die schwer traumatisiert sind.
      Kali Yuga als Geschichte ist übrigens auch nicht besser.

      Wer sagt denn, dass es jemals einen „Nullpunkt“ gab und das Pendel jemals in Ruhe war? Das ist wieder nur ein Konzept, dem das Konzept der ewigen Bewegung, des ewigen Flusses gegenübersteht. Im Kosmos einen Anfang und ein Ende zu sehen, ist für mich eine Folge davon, wenn wir uns in der Parallelwelt der Begrifflichkeiten aufhalten. Im Fluss des Seins gibt es keinen Anfang und kein Ende. Der ist zeitlos.

      Anfang und Ende ist ein typisch „biblisches“ Motiv. Im Urknall wird dieses Motiv nur wieder aufgegriffen. Die Ruhepunkt- und damit verbundene Einheits-Vorstellung ist eine Weiterentwicklung und Vermischung aus dem Anfang-und-Ende-Motiv mit (neu)platonischem Gedankengut.

      Und wenn ich genauer hinschaue: Gott hat Adam und Eva als erste Menschen geschaffen. Die bekommen Kain und Abel als Kinder. Und dann hat Kain plötzlich eine Ehefrau, die den Henoch gebar. Sag mal, wo kommt die denn plötzlich her? Da verrät sich der Text selber, dahingehend, dass der „Anfang“ nämlich gar kein wirklicher Anfang (aus dem Nichts) war, sondern das Abschnüren eines Bewusstseins, dass sich bloß als Anfang empfunden und alles andere nicht mehr wahrgenommen hat.

      Die eine Bewegung des Pendels ist gut, die Zurückbewegung des Pendels ist nicht so gut?
      Was hat die Bewegung eines Pendels mit „gut“ und „schlecht“ zu tun? Vor und zurück, okay, aber gut und schlecht? Tag und Nacht, warm und kalt, schwarz und weiß, männlich und weiblich – das sind Polaritäten, die mit „gut“ und „schlecht“ nichts zu tun haben. Die Menschen sind nicht bloß Anzeigegeräte, sie sind die Erfinder von gut und schlecht.

      Können wir als Menschen die Welt „begriff-los“ erfahren? Ich glaube schon, in seltenen Momenten und so, aber warum sollen wir das? Es ist nun mal unsere Fähigkeit, vielleicht unsere Besonderheit, die Welt begrifflich zu erfahren. Darin sind wir eben eine Spielart, wie Leben sich auch ausdrückt. Manche Wesen können fliegen, andere können quaken und wieder andere können denken. Vielfalt ist das Stichwort.

      Das Problem ist doch nur, dass wir uns mit dem begrifflichen Denken voll und ganz identifizieren. „Ich denke, also bin ich“. „Die Welt ist, weil ich sie denkend erschaffe“. Und so’n Quark. Es ist schon so, dass die Gegenstände sich nach unserer Erkenntnis richten, aber deshalb „erschaffen“ wir sie trotzdem nicht denkend.

      Wenn wir etwas erschaffen, dann mit den Händen, die unser Denken umsetzen und Realität werden lassen. Hätte Mensch wie Delfin keine Hände und wären die Finger nicht in der Daunerposition angeordnet, hätte er keine Knochenstäbe mit Strichen versehen und so zählen gelernt, er hätte auch keine Malereien machen und so die Abbilder schaffen können, die es für die Entwicklung der begrifflichen Parallelwelt braucht. Mensch hätte die Dinge noch nicht mal betatschen und so „be-greifen“ können.

      Begriffliches Denken ist schon okay, wenn wir es als Sport oder als Kunstform nehmen.
      Oder als eine unter vielen Eigenschaften, in denen Sein sich ausdrückt. So wie Fliegen. Oder Galoppieren.

      • federleichtes
        Juli 2, 2014 um 2:24 pm

        Deine Möwe könnte mein Wappenvogel gewesen sein. Und wenn ich die Bewegtheiten meines Lebens, die durchnittlich dramtischer Art waren, nicht hätte sportlich (war ein Lernprozess) nehmen können, UND wenn ich nicht DEN Willen gehabt hätte, meine Verwirrungen und Ängste aufzulösen, gäbe es den Wolfgang nicht, der Geschichten am Rande des Normalen“ erleben und erzählen kann.

        Lieber Marian,

        wir stimmen wohl darin überein, dass Menschen von verschiedenen Wesensarten behherrscht werden. Einige (A’s) wollen keine Veränderungen, einige (B’s) wollen zurück in die guten alten Zeiten, und einigen (C’s) kann’s gar nicht schnell genug voran gehen: Einige laufen nach rechtes, einige nach links, und andere bleiben stehen wie bockige Kinder, pardon, Esel.
        REAL ist aber der Fortschritt.
        Wenn der Antrieb dafür geschieht im Sinne einer Offenbarung, und wenn hinter der Offenbarung ein dem Leben immanenter Wille wirkt, gilt es zu fazitieren:
        Es GIBT Unbekanntes, dass es zu entecken, aufzudecken gilt.
        Es GIBT im Unentdeckten Problematiken, die ungelöst sind.
        Es GIBT einen unbedingten Willen, Lösungen zu schöpfen.

        Wie der individuell gestrickte Mensch mit den Ansprüchen des Lebens umgeht, ist einerseits Sache seiner Veranlagung, andererseits der Art seiner gesellschaftlichen Eingebundenheit und eines (herrschenden) Zeit- bzw. Kullturgeistes. Eine dritte DETERMINANTE ergibt sich aus der Erlebniswelt, welche „Zufälle“ geschehen, welche Synchronizitäten Erleben bedeutsam(er) machen.

        Gestern saß ich mit zwei Damen auf einer Bank. Ruth, die fast blind ist, sagte, ich solle mich hinsetzen, und ich sagte, ich wolle nicht bei ihren Bankgeschäften stören. Ich setzte mich, als das Gespräch bei der Feindseligkeit landete. Ich konnte ihr das Foto vom Kakadu zwar zeigen, sie es zwar nicht sehen, aber mir ihre Kakadugeschichte erzählen. Feindseligkeit, ne, sagte sie, damit wolle sie nichts zu tun haben. Und dann sagte sie:
        „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus“.
        So, so, es gibt also ein Resonanz-Gesetz?

        Stellen wir uns vor, da ist ein C-Typ, der in einen A-Wald oder einen B-Wald hinein ruft. Wird wohl kaum ein „Bingo“ erschallen, aus dem A-Wald vielleicht ein „halt die Fresse und verpiss dich“, aus dem B-Wald wird vielleicht Pulverdampf aufsteigen.

        Das verschieden veranlagte Wesen von Menschen ist eine Problematik, dann, wenn sie miteinander interagieren müssen. DAS IST DER FALL.
        Und er ist nicht beschrieben mit dem prozessualen Doppel-Prinzip* von Projektion (Rufen) und Reflexion (Echo) – wenn Absichten im Spiel sind. Zum Beispiel die, das Echo aus dem Wald oder den Rufer in den Wald zu locken.
        * Das Echo kann wie eine Projektion wirken und einen Reflex auslösen
        Und eine Behauptung: Der ersten Projektion können nur noch Reflexionen folgen (s. Pendel).

        Du kannst ja auch Sätze schreiben, die nicht von Pappe sind. Mir reicht erst mal der Anfang:

        „Wer sagt denn, dass es überhaupt eine Erklärung gibt? Vielleicht ist unser Drang nach Erklärungen auch bloß ein Wahn, den wir entwickelt haben, …“

        Und warum entwickelten wir das wahnhaft anmutende Streben nach Lösungen?
        Wolfgang (heureka) Heuer fasst zwei gegenläufige Problematiken im Begriff der KZN (Kollektive Zwangs-Neurose) zusammen. Mal davon abgesehen, dass neurotisch zwanghaft bedeutet und Zwang neurotisch ist, besteht das kollektive Wirken einerseits darin, Probleme zu kreieren, und andererseits darin, für die Probleme Lösungen zu finden.
        Dieses Muster ist ja keine Erfindung unserer Zeit, es ist die Zeit, die uns dieses Muster ins Fell brannte: Probleme zu schaffen und Probleme zu lösen. (Wer keine Probleme hat, macht sich welche?).

        Es gibt verschieden gewichtige Probleme. Rufe ich „öklfgkö“ in den Wald, und ein „Bingo“ ertönt, ist das etwas Anderes, als wenn Pulverdampf aufsteigt. Ärgert mein Nachbar mich, ist das ein anderes Problem, als wenn Jemand mit dem Roten Knopf spielt. Wie ich persönlich mit existenziellen Problemen umgehe ist eine Sache, eine andere, in der Vielfalt der Probleme EIN Muster zu suchen, aus dem alle Probleme entstanden sind.

        Vor etwa einem Monat beobachten wir den Kampf von Eichelhähern mit Krähen. Ein wildes Gezeter und Geflatter – bis klar war, was da ablief. Die beiden Eichelhäher kämpften mit zwei angreifenden Krähen, während die dritte Krähe das Nest der Eichelhäher plünderte. Ein recht einfaches Muster: Zwei Männer halten eine Frau fest und der dritte vergewaltigt sie.
        Raub mit dem Mittel von Gewalt (Energie) und/oder List (Geist-Information). Systematisierter Energieraub (Täter) auf der einen, Not-Bedürftigkeit (Opfer) auf der anderen Seite.

        Natürlich kann ich auf meinem Balkon sitzen und mich an meinen Vögeln erfreuen, Musik hören, lesen, die Jalousien runter lassen und „Die-Welt-ist-in-Ordnung“ spielen. Ich könnte aus meinem Schicksal in Recht daraus ableiten, Offenbarungs- und Erkenntniswahn verweigern zu dürfen: Danke Leben, Glück gehabt, sieh zu.
        Aber ich habe mal in den „Wald“ gerufen und Antwort bekommen. Seitdem sage ich nicht mehr Danke, sondern leiste das Danke, so gut als möglich im Modus von Projektion und Reflexion.

        Jetzt folge ich der wahnhaften Idee, das Glück liege auf der Straße, man müsse sich nur bücken.

        Dir einen guten Tag.

        Wolfgang

  11. Juli 2, 2014 um 12:30 am

    “Die größtmögliche “Harmonie” bezieht sich also nur auf einen sehr eingeschränkten Wechselwirkungsspielraum, der auch nur deswegen für das Pferd zu Bedeutung gelangt, weil der Reiter darauf besteht!“

    Wozu bedarf es auch eines Spielraumes, wenn ALLE am Spiel Beteiligten, mit all ihren Erfahrungen und Motivationen und Zielvorstellungen, derart eingespielt sind, dass im Wechsel der Spielarten die Wirkungen ihre selbigen nicht verfehlen und endlich ungehindert fließen kann, was jenseits der HARMONIE nicht möglich war, weil Viele ihre Vorstellung von Harmonie (!) als notwendig für sich ansahen, sie aber nicht im Kontext zum GANZEN verstehen konnten und somit kein Bewusstsein über die HARMONIE erlangen konnten …

    Aber das ist nur meine Erklärung der Begriffe Harmonie und HARMONIE …

    Gruß Guido

  12. Juli 2, 2014 um 7:00 pm

    Lieber Wolfgang,

    natürlich sind Menschen verschieden veranlagt. Wenn sie interagieren (müssen), können manche miteinander und andere nicht. Wenn ich „öklfökel“ in den Wald hineinrufe, und heraus kommt ein „scher dich zum Teufel“, dann probiere ich es vielleicht nochmal, vielleicht sogar noch zweimal, denn ich könnte mich ja auch verhört haben, und wenn dann immer noch ein „scher dich zum Teufel“ herausschallt, dann zucke ich mit den Achseln und setze meinen Weg fort, um mir einen anderen Wald zu suchen. Zum Problem wird es doch nur, wenn ich erwarte, dass aus JEDEM Wald, in den ich hineinrufe, ein „Bingo“ ertönt. Das zu erwarten, heißt jedoch, die Vielfalt des Lebens und der Wesen zu missachten.

    Ist es nicht so, dass Mensch ständig und überall ein „Bingo!“ erwartet und wenn es ausbleibt, dann ist er frustriert? Wir faseln ständig von einer „Einheit“ und „Alles ist eins“, aber was die meisten damit meinen ist nichts anderes als: Warum sind die ANDEREN nicht so wie ICH?

    Die Veganer wollen mit den Fleischessern eine Einheit bilden, aber das geht nur, wenn die Fleischesser eben auch Veganer werden. Die Sunniten und die Schijten wollen eine Einheit bilden, aber das geht nur, wenn die einen die anderen um die Ecke bringen.

    Die meisten wollen geradezu versessen mit den Anderen eine Einheit bilden, um den Preis, dass der Andere so wird wie sie selber. In der Verabsolutierung des neuplatonischen Einheits-Gedankens haben wir verlernt, Andere Andere sein zu lassen. Stattdessen sind wir zwanghaft daraus aus, dass die Anderen wie wir sein müssen. Wie das geht mit der Einheit und „Wir sind alle eins“ führen uns die Amerikaner doch gerade mustergültig vor. Kaum hebt mal ein Putin die Hand und sagt „Äääh, ich bin kein Amerikaner, sondern Russe“, zack-bumm, wird er schon zum Staatsfeind, Diktator, Kalten Krieger und Hassobjekt erklärt.

    Da kann man sich schon mal fragen, warum wir die Geistesgestörten auf den Einheits-Gedanken abfahren und Vielfalt – auch als Ablehnung – nicht zulassen können.
    Warum eigentlich nicht? Das ist eine Frage, die man sich mal stellen muss.

    Dass Absichten und Erwartungen mit dem Ruf in den Wald verbunden sind, ist absolut okay.
    Das Problem ist, dass Mensch mit enttäuschten Erwartungen, nicht-erfüllten Absichten und Ablehnung endlos hadert und nicht damit umgehen kann.
    Ist das ein Problem vom Mensch oder vom Wald?
    Wenn Mensch das Hadern mal bleiben lassen könnte, hätten wir einen ganzen Haufen Probleme weniger. Mensch ist schon ein überempfindliches Sensibelchen, was das angeht.

    Neulich habe ich mal einen Artikel gelesen des Inhalts, dass die meisten Angestellten von ihren Chefs „gelobt“ sein wollen und nach Anerkennung lechzen, die ihnen anscheinend versagt bleibt. Die Leute meinten, wenn sie von ihren Chefs gelobt würden, dann würden sie noch viel mehr arbeiten. „Bingo.“ „Bingo“. „Bingo“. – Das scheint es zu sein, was die Leute hören wollen, unabhängig davon, ob sie „öklfökl“, „lasst mich in Ruhe“ oder „Ist da jemand?“ in den Wald hineinrufen. Was ist denn das für eine Haltung?

    Du hast natürlich Recht damit, dass es ein Unterschied ist, ob Dein Nachbar Dich ärgert oder ob einer mit dem Roten Knopf spielt. Da kann man sich schon fragen, wie der Rote Knopf überhaupt entstanden ist. Und da sind wir wieder bei dem buddhistischen Text, dass der Rote Knopf ein Problem in uns allen ist. Weil wir es offensichtlich fördern, dass Superorganismen wie Staaten, Wirtschaft, Banken oder „der Markt“ etc. entstehen und wir (d.h. die überwiegende Mehrheit) diese Gebilde mit unseren diversen Handlungen und Entscheidungen in die Realität holen.

    Ich glaube, der Rote Knopf ist entstanden, weil hundert Millionen Menschen oder noch mehr sich nicht getraut haben, die Konflikte mit dem Nachbarn wirklich auszutragen, sondern diese unter den Teppich gekehrt und ignoriert haben. Wahrscheinlich wollten diese Menschen auch bloß „Bingo“ vom Wald hören. So haben sich die Konflikte von einer Hierarchie-Stufe auf die nächsthöhere verschoben. Aus Fürstentümern wurden Staaten, aus Staaten Unionen, und die vielen kleinen roten Knöpfe verdichteten sich allmählich zum Roten Monstrumknopf.

    Ich glaube außerdem, mehrere Teilnehmer hier im Blog suchen in der Vielfalt der Probleme ein Muster zu erkennen, aus dem alle anderen Probleme entstanden sind. Da bist Du nicht der Einzige. Das macht diesen Blog ja so spannend.

    Es scheint ja auch mehr als eine Antwort zu geben. Ist auch durchaus mein Anliegen, mich mit Antworten auseinanderzusetzen und meine eigene Antwort zu geben.
    Trotzdem kann ich das Antworten-Suchen als Denksport-Aufgabe sehen.

    Jenseits dieser Denksport-Aufgaben IST die Welt bereits in Ordnung und war es wohl immer schon. Bastel ich mir damit bloß meine kleine, heile Welt? Wenn Du das so sehen willst, ist es okay. Ich sehe es nicht so.

    Eines verstehe ich nicht: So wie ich Deine Aussagen interpretiere, leben wir Menschen in einer grundsätzlich feindseligen Welt und haben mit unserem Dasein zugleich die Aufgabe, Feindseligkeiten zu ertragen und so gut wir können zu erkennen und aufzulösen. Weshalb muss man dafür auch noch dankbar sein?

    Um noch mal auf die Kaiserschnitte zurückzukommen: Wäre es in Deiner Weltsicht nicht so, dass – wenn wir künftig Babys nur noch per Kaiserschnitt zur Welt bringen – dies einer Aufgabenverweigerung (im Sinne von Feindseligkeit auflösen) gleichkommt?
    Andererseits – wenn es so sein sollte – dürfen wir unschuldigen Babys diese Aufgabe überhaupt zumuten?
    Deine Stellungnahme zu dieser Frage würde mich schon interessieren. Wie siehst Du das?

    Beste Grüße

    Marian

    • federleichtes
      Juli 3, 2014 um 1:43 am

      Guido spricht von Harmonie und DER HARMONIE.

      „Jenseits dieser Denksport-Aufgaben IST die Welt bereits in Ordnung und war es wohl immer schon. Bastel ich mir damit bloß meine kleine, heile Welt? Wenn Du das so sehen willst, ist es okay. Ich sehe es nicht so.“

      Warum sollte die Welt nicht auch als Denksportaufgabe in Ordnung sein – ich meine, Menschen KÖNNEN und MÜSSEN denken.

      Die Idee des Denksports gefällt mir ausgesprochen gut. Sportlich denken, sportlich handeln – wäre das das Gegenteil von neurotisch? Gab mal einen Trend hin zu „Spiele ohne Verlierer“, spielen aus Freude, leben aus Freude, so ganz ohne Dingsda?

      Wer sich seine heile Welt basteln muss durch verdrängen, durch materiellen Erfolg, der keiner bleibt, bitte sehr, meins ist das nicht. Meine Welt da draußen wurde heil durch eine Veränderung meiner Betrachtungs-Standpunkte, meine innere Welt wurde heil(er) durch eine Verschiebung von Emotion zu Gefühl. Klar geht’s innerlich noch heiler, ich lebe ja noch.

      Meine jüngste Tochter ist gestern 34 Jahre alt geworden. Sie ist ein Kaiserschnittkind. Und sie hat einen SEHR eigenen „Kopf“. Weniger beeindruckt von der Geburt = für das „normale“ Leben eher schlechter als besser geeignet. Das, was ein Kaiserschnittkind überdurchschnittlich unbelastet macht, bekommt es an Scherereien durch die Gesellschaft allemal als Ausgleich aufgeladen.

      Vor fünf Jahren sahen wir den Schilfrohrsänger erstmals – als Schatten im Schilf verschwinden. Heute fuhr ich nach Castrop, um nach den Kindern Ausschau zu halten. Eine Rundfahrt von etwa 50 Kilometer. Sieben Stunden fahren, gehen und stehen. Meine Aufgeregtheit der letzten Jahre, wenn besondere Erlebnisse über mich herein brachen – heute keine Spur davon. Das Bild entstand sozusagen voll-cool. Natürlich mit voller Aufmerksamkeit, die kleinen Schreihälse sitzen da ja nicht wie auf dem Präsentierteller. An den hellgrünen Schatten rechts und links kann man erkennen, wie klein das Sichtfeld war.

      Die Hölle im Menschen entsteht durch die Zeit, die informativ nach ihm greifen kann. Wie die Jahrtausende beweisen, hatte er keine Chance, dem Desaster wirklich zu entkommen. Ganz gleich, ob wir hier auf der Welt die (informative) Präsenz eines feindseligen Geistes postulieren, ganz gleich, ob wir die Abgründe der menschlichen „Seele“ mit einer traumatischen Disposition in Verbindung bringen – es gibt Glückskinder und Pechvögel, Schläger und Geschlagene, Ignoranten und eiskalte Nutznießer, Leichenfledderer an Lebendigem.

      Ich kann diese Menschen nicht ändern. Ändern kann ich, mir von den Verwirrungskünstlern und Angstmachern die Hölle bereiten zu lassen.
      Und, es geht ja nicht darum, die Welt im Kampf gegen das Schlechte besser zu machen, sondern (mir) darum, nicht daran mitzuwirken, sie noch schlechter werden zu lassen.

      Energie tanken im Kleingartenverein

      und unseren Steinkauz besuchen.

      Katze gut, ALLES gut.

      Dir einen guten Tag.

      Wolfgang

      Nachsatz zur Harmonie
      Klingt vielleicht ein bisschen paradox:
      Es ist nicht des Menschen Aufgabe, gegen das Böse zu kämpfen, sondern Erkenntnisse über das Bessere und das Schlechtere zu beschaffen. Dass das nicht geht, ohne das Schlechte zu bekämpfen, tscha, irgendwie dumm gelaufen, oder? Oder gibt es ein Kräuterchen, des Mensschen Harmonie mit DER HARMONIE in Einklang zu bringen?

    • Juli 3, 2014 um 11:36 pm

      Bezüglich des Kaiserschnitts und des Geburtstraumas:

      Spannen wir den Rahmen doch mal ein wenig weiter auf, bis dorthin, wo das eigentliche PROBLEM seinen Lauf nahm, nämlich dort, wo das, als Mensch verkörperte Bewusstsein, aus dem Schoss des als Leben verkörperten Gesamtbewusstseins fiel und sesshaft wurde. Dieses verkörperte Bewusstsein nahm, was es kriegen konnte und zeigte alsbald seine Zähne, schließlich auf eigenen Beinen stehend und seitdem fortschreitend von seinem Ursprung.
      Dieses PROBLEM bewirkt seitdem was sich in der Realität abspielt und was nichts anderes ist als der Ausdruck dieses Traumas, welches seitdem das als Menschheit verkörperte Bewusstsein begleitet. Jede natürliche Geburt stellt im Grunde ein Fragment dieses Traumas dar, wobei die Mutter durch die Geburt das Kind als Ausdruck (!) ihrer Möglichkeiten, mit den Folgen des Traumas umzugehen, hervorbringt. Dem Kind wird dadurch die Möglichkeit gegeben, im Laufe seines Lebens, mit anderen Möglichkeiten, als es der Mutter möglich war, die Folgen des Traumas, des PROBLEMS, zu handhaben. Kaiserschnitte nehmen die Notwendigkeit dieses Ausdrucks seitens der Mutter, worin sich zudem auch die Beziehung zum Vater widerspiegelt. Oder anders ausgedrückt: dem Kind fehlt die Prägung der unmittelbaren Möglichkeiten, mit der die Mutter … und die vorherigen Generationen der Eltern … mit den Folgen des Traumas umzugehen wussten. Somit sind Kaiserschnittkinder empfänglicher für die Entfremdung, dahingehend, dass sie eher Schwierigkeiten dabei haben die Probleme, die sich aus dem PROBLEM ergeben, für sich zu lösen und so eher die Entfremdung vorantreiben, als es bei den “geprägten“ Kindern der Fall ist.

      Google mal Brasilien und Kaiserschnitt. Der Geist, der unseren Fortschritt bzw. unser Fortschreiten von der Gemeinschaft des Lebens antreibt, kommt nicht von ungefähr … und auch nicht aus den Tiefen des Alls daher … und Zufall ist es schon mal gar nicht … eher ein Symptom dessen, was vor uns liegt, bevor endlich das Bewusstsein dahingehend sich entwickelt hat, dass mit Kaiserschnitten zwar die Harmonie Einzelner gewahrt bleiben mag, doch die HARMONIE dabei in die Röhre guckt. Der Imperativ des Fortschritts “Zum Wohle Einzelner, auf Kosten Aller, auch der Einzelnen letztendlich“, zeigt sich auch hier mal wieder eindrucksvoll, aber keineswegs ausdrucksstark (!) …

      Gruß Guido

      • federleichtes
        Juli 4, 2014 um 2:33 am

        „Der Imperativ des Fortschritts
        ”Zum Wohle Einzelner, auf Kosten Aller, auch der Einzelnen letztendlich”, …“

        Dieser Imperativ ist die traumatische Seite des Fortschritts?

        „… dass mit Kaiserschnitten zwar die Harmonie Einzelner gewahrt bleiben mag, …“

        Jedenfalls wird ein Teil des kollektiven Trauma nicht restimmuliert – folglich leiden diese Menschen viel weniger unter Angst bzw. sind über Angst nicht steuerbar.

        „…doch die HARMONIE dabei in die Röhre guckt.“

        Das sehe ich überhaupt nicht problematisch. Ist nicht entscheidend bei den Kaiserschnitten, dass sehr viel selbstbewusstere Menschen verschäftere Ansprüche an die Feindseligkeit stellen?
        Oder anders rum:
        Braucht es nicht einen Ausgleich für die sich verschärfende Feindseligkeit – und wird per Kaiserschnitt frei Haus geliefert?

        Dafür

        „Dieses PROBLEM bewirkt seitdem was sich in der Realität abspielt und was nichts anderes ist als der Ausdruck dieses Traumas, welches seitdem das als Menschheit verkörperte Bewusstsein begleitet.“

        könnte man Dir den „Goldenen Ingo“ verleihen. Ersatzweise spendiere ich Dir ein Kind der Kiebitze.

        Wolltest Du nicht auf’s Altenteil – fängst hier stattdessen gemeinsam mit Mr. Chattison (schwerstes Kaliber!) das Galoppieren an. Und ich komme nicht hinterher.

        Falls Du noch genauere Informationen zum Wesen der Schwarm-Intelligenz brauchst, bitte sehr.

        Am Wochenende ist Schietwetter angesagt, dann ist mehr Zeit.

        Gruß
        Wolfgang

        • Juli 4, 2014 um 8:03 am

          Ich drücke es mal noch anders aus … Begriffe gibt es ja reichlich 😉 :

          Bei der natürlichen Geburt kommt die Mutter ihrem Wesen, und ihrer eigenen Grenze, wahrscheinlich so nah, wie in keiner anderen Situation in ihrem Leben. Diese wesentliche Grenzerfahrung, die letztendlich das Kind formt und durch das Kind zum AUsdruck kommt und es somit für sein Leben prägt, ist der wichtigeste Aspekt der Bewusstwerdung des Traumas, des PROBLEMS. Kämen alle Kinder fortan nur noch per Kaiserschnitt zur Welt, kämen andere Mittel und Wege ins Spiel mit denen das Trauma ausgedrückt werden müsste und der Prozess würde noch länger laufen. Vielleicht aber deutet die breite Akzeptanz und die schnelle Verbreitung der Kaiserschnitte darauf hin, dass anderswo bereits reichlich Potenzial für wahren Fortschritt sich entfaltet …

          Danke, wie immer, für die Bilder(sprache).

          Grüße an Euch
          Guido

  13. federleichtes
    Juli 3, 2014 um 3:16 pm

    Geschichte verfälschen. Kennen wir das Phänomen, aus Erfahrungen mit uns und anderen, als Lüge, als Beschönigung, als Versuch, das Existente nicht-existent, und das Nicht-Existente existent zu machen?

    Geschichte verfälschen. Wir sprachen hier mal locker über das Notwendige und das Mögliche. Wenn das Notwendige geschah (und immer geschehen ist), und es nicht möglich war, es zu konfrontieren, was tun? Ein Geheimnis daraus machen? Oder/und das Geschehene so darstellen, dass das weitere Erscheinen des Notwendigen gesichert ist? Ließe sich dann Realität beschreiben als:
    Die Möglichkeitsform einer Wirklichkeit?

    Im Gewirr von Lüge, Geheimnis und Täuschung kann sich ein spannendes Leben gestalten. Mensch kann in diesem normalen Informationsstrudel verrückt werden, entweder in die Psychiatrie, in Führungspositionen oder auf einen Erkenntnisweg, der nicht von Emotionen gestaltet, sondern von der Wirklichkeit bereitet wird. Der kleine Unterschied besteht darin, mit welchem „Organ“ wahrgenommen und mit welchem System vom Menschen interpretiert wird. Menschen, die sich auf diesem Weg befinden, sind auf Hilfe angewiesen. Sie bekommen sie auf verschiedene Weise. Eine besteht im Prinzip der sprachlosen Exformation, eine andere in Form der Bestätigung. Profanisiert spricht ES dann „Bingo“, wenn Eine/Einer etwas verstanden hat – oder verstanden wurde.

    Die in der Zeit verborgene (und auf’s rechte Maß hingebogene) Hölle wird durch Leben tragfähig gemacht. Wer in diesem Chor singen will, ist eine Sache, eine andere, wer in dieser Gemeinschaft welche Stimme singen muss – konkret, welche er singen kann. Ich beharre auf vielfältigen Erfahrungen aus meiner Erlebniswelt, die ein Ergebnis brachten:
    Das innerste Wesen des Werdens ist Freundschaft. Das Wirk-Ergebnis einer wirklichen Verbundenheit. Die sich in der Realität zeigt in verschiedensten Masken. Und gleichrmaßen spricht im Schweigen, in dem das Unbedingte näher treten kann, als es durch Worte, durch Begriffe, durch Interpretationen, durch Definitionen möglich wäre.
    Gruß in die Runde.

    Wolfgang

    Nachsatz
    Das Leben verläuft nicht rational. Es wird notwendig rational interpretiert, um das Notwendige möglich zu machen.

  14. federleichtes
    Juli 4, 2014 um 2:08 pm

    @ Guido

    „Bei der natürlichen Geburt kommt die Mutter ihrem Wesen, und ihrer eigenen Grenze, wahrscheinlich so nah, wie in keiner anderen Situation in ihrem Leben.“

    Hm
    Vielleicht können wir allgemein sagen, eine Geburt ist eine Systematik und sie ist auch ein individuell geprägtes Erlebnis/Ereignis. Als Systematik zieht sie sich von Anbeginn an durch die Menschenzeit. Ich habe Kenntnis von sehr speziellen Geburten, bei denen es um Leben und Tod von Mutter und Kind ging. Und ich habe Erfahrungs-Kenntnis von individuell-menschlichem und kollektiv-menschlichem Verhalten. Nun könnte man sagen, der Unterschied zwischen einem Pferd und einer Pferdegemeinschaft zur menschlichen Ebene könne nicht so groß sein – das erste Fohlen wurde geboren und das erste Baby wurde geboren, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

    Ich bin kein Pferdeexperte. Allein was meine Augen sehen, weist auf einen erheblichen Unterschied zwischen Pferde- und Menschenleben hin: Fohlen steht untraumatisiert auf der Weide, ist sich selbst und seiner Welt bewusst und beginnt relativ schnell ein eigenständiges Existieren. Natürlich machte die ‚Art Pferd‘ bestimmte Erfahrungen, die sich genetisch vererbten; entsprechend re-agiert das Pferd in seiner Umgebung vorsichtig – aber nicht ängstlich. Es ist geprägt von Urvertrauen, das sich, wenn es in Freiheit lebt, auchnicht ändert.

    Beim Menschen ist das Werden und entsprechend sein Verhalten VÖLLIG anders. Und zwar nicht nur durch seine lebensfeindliche Art Geburt, sondern durch sein Hineingeborenwerden in eine lebensfeindliche Welt. Und ein spitzfindiger Interpretaeuer sagte vielleicht: Durch die Art der Geburt wird das Kind eingestimmt auf eine feindselige Welt. Also geschieht vielleicht (nur) eine systemische Konfiguration im neuen Erdenbürger, die ihn den Faden seiner Ahnen und Ur-Ahnen weiter spinnen lassen kann. Ein Faden, der ja mal zum Zenit (absoluter Feindseligkeit) führen soll!

    Ich sag‘ noch mal anders.
    Durch die feindselige Geburt entsteht im Kind eine feindselige Selbstverständlichkeit. Mögen einige Kinder anfangs noch aufbegehren und ihre Integration in diese Ordnung verweigern, wird das „Unnormale“ mit mehr oder weniger brachialen Erziehungsmethoden – von Eltern, Verwandten und der sozialen Ordnung – ihm früher oder später mehr oder weniger gründlich ausgetrieben. Warum der Zeigeist immer und immer wieder mittels aggressiver Macht Angst und Schrecken in die Menschen und Gemeinschaften trägt? Und warum sich in der Methodik eine Dynamik befindet, die immer andere Formen und intensiver wirkende Mittel zur Generierung von Angst (und Verwirrung) entwickelt?

    Für mich gibt es ein Bewusstsein, das Angst erzeugt – und eins, das durch Angst entsteht. Die Methodik dieses Prozesses, wird man als traumatisierter Mensch schwerlich verstehen können. Ein Pferd hätte es leichter, aber seinem Wesen ist keine Verständnis-Notwendigkeit immanent.

    Gruß
    Wolfgang

  15. Juli 4, 2014 um 3:31 pm

    „Fohlen steht untraumatisiert auf der Weide … Es ist geprägt von Urvertrauen, das sich, wenn es in Freiheit lebt, auch nicht ändert“

    Was für das Fohlen gilt, ist prinzipiell auch für Mensch möglich. Der Mensch ist nicht durch sein bloßes Menschsein dazu verdammt, seine Geburt traumatisch zu erleben.

    Bhutanische Kinder sind wie Fohlen. Für mich als Europäer war es geradezu erschütternd zu sehen, wie Kinder sind, wenn sie dieses Urvertrauen eben haben.

    Bhutaner (ob groß oder klein) sind Menschen. Ich habe die Bhutaner sogar menschlicher als uns Europäer erlebt. Also liegt es nicht am Menschsein.

    Wenn die menschliche Geburt lebensfeindlich ist, dann, weil sie durch unsere zivilisationsbedingten Eingriffe dazu gemacht wurde. Sitzende Lebensweise verkürzt die Becken- und Bauchmuskeln. Die häufig immer noch praktizierte Rückenlage ist die denkbar ungünstigste Position für eine Geburt. Hundert und mehr Leute setzen alles dran, die Mutter mit angeblich wohlmeinenden Ratschlägen zu verunsichern. Usw. Usf.

    Eine Geburt ist keine Systematik. „Systematik“ ist etwas, was sich nur ein abstrahierender, verallgemeinernder Geist AUSDENKEN kann. Eine Geburt ist ein konkretes Ereignis, das ganz natürlich auf eine Empfängnis folgt, ganz unabhängig davon, was irgendein sich Systematiken ausdenkender Geist davon hält und welches Muster er erkannt haben will.

    Ein sich Systematiken ausdenkender Geist ist zum Scheitern verurteilt, weil sich die konkreten Ereignisse systematisch nicht an die von ihm postulierten Regeln halten 🙂

    Die Würze des Lebens liegt im Konkreten, nicht im Abstrakten. Wer noch nie eine Orange gegessen hat und stattdessen bloß über ihren Vitamin-C-Gehalt und den Fruchtzucker philosophiert, weiß eben nicht, was eine Orange ist.

    So geht es auch dem sich systematisch Systematiken ausdenkenden Geist. Er rackert sich ab und plagt sich schier zu Tode und kommt auf dabei doch bloß von den Vitaminen zu den Molekülen und von dort zu den Atomen, aber nie zur Orange.

    • federleichtes
      Juli 5, 2014 um 2:24 am

      Hoffentlich komme ich nicht in den Verdacht, hier Überzeugungsarbeit leisten zu wollen.

      Selbst wenn Bhutan die Insel der Glückseligen und nicht eingekeilt zwischen zwei Supermächten und völlig hilflos wäre, und dort nicht-traumatiserte Kinder zur Welt kommen, die nicht in eine hierarchisch strukturierte, religiöse Feudalgeselllschaft hinein geboren werden, änderte das nichts an einer globalisierten Welt, die globalisiert wurde, um effektiver feindselig zu werden. Dazu braucht es nicht mal mehr das System NWO.

      Und auch wenn man die Geburt nicht als systematisiert erachtet, kommen eben willkürlich Menschen auf die Welt mit archaischen Informationen im Tornister. Und selbst wenn es ab gleichsofort eine perfekte Geburtenwillkür in den „zivilisierten“ Kulturgesellschaften geben würde: Die, die an der Macht sind, die, die dieses Macht durch Aggressions-und Waffen-Präsenz absichern, die, die sich gängeln und ausbeuten lassen – sind die Menschen, die Zeitgeschichte FORTschreiben.

      Deine Wertschätzung für Systeme und Systematiker hält sich scheinbar in Grenzen. Wertest Du den menschlichen Körper nicht als System? Psyche, Körper und Geist nicht als System? Und die Natur nicht als System? Und der Kosmos, außer Chaos nix gewesen?

      Vorerst bleibe ich bei meiner einfachen Aussage:
      Die systemisch sehr speziell gerichtete Zeit greift den Menschen und macht seine Existenz (automatisch) zur Hölle. Die mag für den Einen weniger heiß sein, als für den Anderen, aber – Hölle ist Hölle, und nicht Himmel.
      Las gerade einen Bericht über die Lage in Syrien. Las gestern auch ein paar Berichte über anderen Murks, Waffengeschäfte, ein neues Grippevirus, mit dem die Menschheit auszulöschen wäre. Alles sehr speziell, alles ohne Plan und System – Höllengeist eben, der sich erhebt, so gut er kann. Mal sehen, wie dieser Geist reagiert, wenn er merkt, dass er nicht selber System, sondern nur Methode ist.

      Gruß
      Wolfgang

  16. Juli 5, 2014 um 12:01 pm

    Meine Wertschätzung für Systeme hält sich tatsächlich in Grenzen. Sie sind Ergebnisse des „Denksports“ und bilden nicht die Wirklichkeit ab, wie sie ist. Systeme sind nur um den Preis der Verallgemeinerung und Abstraktion zu haben.

    Das heißt, man geht zunächst analytisch vor und zerlegt die Erscheinungen der Wirklichkeit (bspw. einen menschlichen Körper) in seine Einzelheiten (Organe, Zellen, Zellbestandteile, Moleküle, Atome). Oder man zerlegt ebenso die Erscheinungen des Geistes (Ich, Es, Über-Ich). Oder man zerlegt die Einheit nicht in Körper und Geist, sondern in Ego-Ich und Wesens-Ich. Egal wie, unser Geist geht immer zuerst mit dem Messer ran, um die Erscheinungen der Wirklichkeit erst mal zu sezieren.

    Dann sucht derselbe Geist nach Ordnungskriterien, um die sezierten Einzelheiten synthetisch wieder zusammenzusetzen. Diese angebliche Ordnung ist aber immer eine künstliche. Beim Sezieren und Wieder-Zusammensetzen fällt nämlich alles Nicht-Allgemeine, Individuelle und Einmalige unter den Tisch, weil es nicht in die postulierte Ordnung und das „System“ passt. Das, was nicht ins System passt, wird ignoriert oder als „unwesentlich“ klassifiziert. Dauert der Prozess lange genug, wird das so Verdrängte tatsächlich gar nicht mehr wahrgenommen.

    Oder zweite Möglichkeit statt Verdrängen: Im nächsten Schritt versucht man das, was unter den Tisch gefallen ist, ebenfalls zu analysieren und synthetisieren, um es der gefundenen Ordnung und dem „System“ nachträglich doch noch einzuverleiben. Aber es fällt trotzdem immer etwas unter den Tisch, das nicht ins System passt.

    Genau genommen fällt sogar immer mehr unter den Tisch, je kompletter das System wird, weil das System bei seiner Vervollständigung immer abstrakter wird.

    Dieser Geist der Analyse und Synthese ist tatsächlich feindselig. Und natürlich erkennt er diese, seine eigene Feindseligkeit in allen Erscheinungen wieder, die er analysiert und synthetisiert. Aber er erkennt nicht, wo die Feindseligkeit liegt und ordnet sie den Erscheinungen oder einem übergeordneten Erkenntnisprozess zu statt dass er SICH in den Erscheinungen selber wiedererkennt. Das ist das ganze Problem.

    Es ist dieser Geist der Analyse und Synthese, der Kohärenz in Dekohärenz umwandelt.
    Deshalb zerfällt die Welt unter diesem Geist in Nichts, wenn dieser Geist seinen Weg konsequent zu Ende geht. Es ist dieser Geist, der die Welt pixelt und aus den Pixeln wieder zusammenbaut. Leider ist das VORHER und NACHHER nicht mehr dasselbe.

    Meiner Ansicht nach ist ein Körper kein System. Sondern ein kohärentes Gebilde. Dann kann man den Weg in die andere Richtung gehen und weiterfragen. Wo fängt ein Körper an, wo hört er auf? Wenn ich das Brot aus gemahlenen Weizenkörnern esse, wo hört das Weizenkorn auf und wo fange ICH an?
    Gibt es überhaupt eine Grenze zur Außenwelt, wie unser feindseliger Geist uns suggeriert?

    Ich kann die feindseligen Mittel unseres menschlichen Geistes – Analyse und Synthese – anstatt auf die Wirklichkeit auf diesen feindseligen Geist selber anwenden. Damit kann man dann den feindseligen Geist selber dekonstruieren. Damit dekonstruiere ich aber nicht die Wirklichkeit, sondern stelle im Gegenteil wieder mehr Kohärenz und damit mehr Wirklichkeit her.

    Gefühlte Kohärenz – oder das Wissen, dass nichts unabhängig voneinander existiert – ist meiner Ansicht nach mit dem Urvertrauen identisch. Es ist ein Gefühl, das dich mit jeder einhzelnen Zelle deines Körpers und mit der Welt „da draußen“ verbindet.
    Das Pferd hat vielleicht nicht das Wissen, aber es hat wohl das Gefühl der Kohärenz.
    Deshalb braucht das Pferd kein System und auch kein Wissen – so wie wir Wissen normalerweise verstehen, als Faktensammlung

    Es gibt nämlich noch die Möglichkeit, dass man – wenn man nur systemisch genug denkt, zwar die Erkenntnis hat, dass nichts unabhängig voneinander existiert, aber nicht das entsprechende Gefühl. Dann nämlich hat man eine vollständig gepixelte dekohärente Welt.

    Mit Deinem analytischen Geist kannst Du in Bhutan natürlich eine hierarchisch strukturierte, religiöse Feudalgesellschaft zwischen zwei Supermächten ausmachen. Das ist auch nicht falsch. Man kann das schon so sehen, wenn man will. Man kann noch hinzufügen, dass die Bhutaner Nepalesen als billige Arbeitskräfte ausbeuten. Man kann auch noch eins draufsetzen und hinzufügen, dass Bhutan nicht in der Lage ist, seine eigene Bevölkerung zu ernähren, sondern Geld in Form von Entwicklungshilfe von den sogenannten reichen Ländern kassiert.
    Der Geist, der Feindseligkeit sehen WILL, hat genug Möglichkeiten, Feindseliges zu analysieren. Kein Problem.
    Ein Geist, der keine Feindseligkeit sehen WILL, hat ebenfalls genug Möglichkeiten, aus Bhutan eine Idylle zu zeichnen: offensichtlich mehr Glück, fröhliche Menschen, vertrauensvolle Kinder, intakte Wälder, eine wunderbare Natur. Auch kein Problem.
    Ergo: Jeder Geist sieht das, was er sehen WILL.
    Weder der eine noch der andere sieht jedoch das, was IST.

    Die „systemisch sehr speziell gerichtete Zeit“ … systemisch = abstrakter Begriff.
    „gerichtet“ = abstrakter Begriff. Zeit = abstrakter Begriff. Damit bewegst Du Dich in einer Welt der Abstraktionen. Abstraktionen sind jedoch niemals die Wirklichkeit. Und in der Tat: es sind diese Abstraktionen, die dem Menschen die Hölle auf Erden bereiten.

    • federleichtes
      Juli 5, 2014 um 2:47 pm

      Ich glaube, seit es den Menschen gibt, ist er auf der Suche nach Verständnis; mit der „Erkenntnis von Gut und Böse“ war es scheinbar nicht getan, sondern nur die Veranlagung für die Suche geschaffen, das Funktionieren einer Systematik verstehen und beherrschen zu lernen. So jedenfalls interpretiere ich den Weg der Menschheit.

      Der Weg ist keine Einbahnstraße, wenn die aus der Analyse gewonnenen Erkenntnisse produktiv angewendet werden. Gehen wir mal davon aus, der Schleimpilz (oder die Spaltung des Atoms) sei eine Schöpfung des Zufalls. Ergründet man, wie er entstand, kann man den Schleimpilz willentlich erschaffen, versteht man die Existenz erschaffende Systematik, kann man blaue, grüne, und rote Schleimpilze erschaffen. Und wer das Wesen des Lebendigen verstanden hat, wird nicht nur Dinge aus Lehm erschaffen können.

      Menschen erfanden nicht nur das Rad, sondern schufen komplexe Systeme, die ohne das Wissen um die Funktion des Rades nicht denkbar gewesen wären. Und ein Geist im Menschen fand heraus, wie man Menschen und Gemeinschaften manipulieren kann – weil er das System Mensch und das System Gemeinschaft von einem geschlossenen in ein offenes System wandeln konnte. Das Verständnis von der Wirkungsweise eines Systems legt den Grundstein für Macht.

      Wir erleben Macht als konstruktiv und destruktiv. Sind dankbar für einen Arzt oder Heiler, der unser Funktions-System versteht und mit dem richtigen „Eingriff“ einen Prozess der Gesundung/Verbesserung einleiten kann. Und sind entsetzt, wenn ein Mensch sein Verständnis benutzt, um uns zu beherrschen, uns existenziell abhängig zu machen.

      Ich meine, wir müssen, (ja, müssen)
      A. die Macht erkennen, die im Wesen des Systemischen liegt. Und
      B. den Geist identifizieren, der versucht, die Macht des Systemischen existenzfeindlich für seine (oder destruktive) Zwecke zu benutzen.
      Du scheinst das (Wollen des Lebens) ja erkannt zu haben:

      „Ich kann die feindseligen Mittel unseres menschlichen Geistes – Analyse und Synthese – anstatt auf die Wirklichkeit* auf diesen feindseligen Geist selber anwenden. Damit kann man dann den feindseligen Geist selber dekonstruieren. Damit dekonstruiere ich aber nicht die Wirklichkeit, sondern stelle im Gegenteil wieder mehr Kohärenz und damit mehr Wirklichkeit her.“
      * Das Sternchen ist von mir eingefügt, um zu fragen: Meinst Du Realität?

      Dann, wenn wir die Realität als den Fluss erkennen, der von einem feindseligen Geist gesteuert wird, und wenn wir die Wirklichkeit erkennen als schöpferischen Urgrund einer Gesamt-Systematik, die mittels der Realität Bewusstsein über den Geist der Feindseligkeit (Herrscher über die Systematik des Lebendigen) erlangt, kämpfen wir nicht mehr gegen den Fluss – weil wir ihn verstehen können als Teil der Wirklichkeit, nämlich der Absicht, die Macht des feindseligen Geistes zu brechen.

      Natürlich hat „System“ einen bitteren Beigeschmack für Menschen, die sich nicht in künstliche, willkürliche, starre Ordnungen zwängen lassen wollen. Warum Menschen mit einem ausgeprägten Eigensinn Künstler, dazu zähle ich auch Lebenskünstler, genannt werden, keine Ahnung. Jedenfalls können sie nur so (un-ordentlich) SEIN mit dem Verstehen einer Systematik und der Macht, sich ihr zu entziehen. Wenn also die eigene wesensnatürliche Integrität stärker ist als die künstliche Macht eines Geistes, der sich nur einer Ausbeutungs- bzw. Herrschafts-Systematik bedient.

      Danke.

      Herzliche Grüße

      sendet Dir

      Wolfgang

      Am Rande
      „Und in der Tat: es sind diese Abstraktionen, die dem Menschen die Hölle auf Erden bereiten.“

      Es ist die sich offenbarende Systematik, die den Weg in die Hölle bereitete.

  17. Juli 5, 2014 um 4:01 pm

    Lieber Wolfgang,

    Du fragst mich, ob Realität und Wirklichkeit für mich dasselbe ist.

    Im Prinzip ja, wenn wir nicht diesen analysierenden und synthetisierenden, also feindseligen Geist hätten, der die Wirklichkeit mittels Begriffen pixelt und damit ihrer Kohärenz beraubt.

    Dieser Geist, der das, was ist, analysiert und danach wieder synthetisiert, schafft, indem er begrifflich vorgeht, abgetrennte Einheiten, wo in Wirklichkeit gar keine sind. Dieser Geist tut so, als hätte er den Punkt (die Grenzlinie), wo das Ich anfängt und das Weizenkorn aufhört, ganz klar identifiziert. Ebenso den Punkt, wo das Pferd anfängt und das Kräutlein auf der Wiese aufhört.

    Für den Hausgebrauch mag es ja angehen, den Dingen eine Bezeichnung zu geben. Aber je mehr Bezeichnungen („Etiketten“) in logischen Operationen miteinander verknüpft werden, also Systeme geschaffen werden, desto mehr verselbständigt sich dieser feindselige Geist und gewinnt ein Eigenleben.

    Dieser buddhistische Text, den ich vor Kurzem zitiert habe, beschreibt aber sehr schön, was passiert: Durch Begrifflichkeiten und logische Operationen schaffen wir pseudo-autonome Einheiten wie Staat, Politik, Wirtschaft, Markt usw und behandeln diese Einheiten, als wären sie autonome Gebilde. Dadurch erschaffen wir solche „Superorganismen“ wie Staat und Wirtschaft, die uns dann eben genauso knechten, wie wir das selbst erfunden haben. Wir holen diese Superorganismen in die Realität.

    Ich würde sagen, solche Superorganismen gehören also durchaus zu unserer Realität, aber nicht zur Wirklichkeit.
    Bei einem Schilfrohrsänger hingegen fallen Realität und Wirklichkeit in eins.
    Ein feindseliger Geist pixelt jedoch auch den Schilfrohrsänger.

    Auch bei mir fallen Realität und Wirklichkeit in eins, sobald ich den analysierenden und synthetisierenden Geist offline schalte. Um die Offline-Schaltung zu installieren, brauche ich allerdings genau diesen analysierenden und synthetisierenden Geist. Und für den „Denksport“ natürlich auch. Der feindselige Geist kann sich meiner Ansicht nach nur selber außer Betrieb nehmen. Ob man das will oder nicht, ist natürlich mit der Frage verbunden, inwieweit man auf Macht verzichten kann und will.

    Ich glaube nicht, dass die Spaltung eines Atoms und der natürliche Zerfall eines solchen dasselbe ist, obwohl die Physik uns das glauben machen will. In der Realität gibt es nun beides: die künstliche Spaltung und den natürlichen Zerfall. Die künstliche Spaltung erzeugt in den atomespaltenden Physikern ein Machtgefühl (das sie wahlweise als Verständnis oder Neugier tarnen), während der natürliche Zerfall eben einfach stattfindet.
    Die Physiker WOLLEN glauben, dass sie damit den natürlichen Zerfall ebenfalls im Griff haben oder auf dem Weg sind, ihn in den Griff zu bekommen, deshalb suchen sie auch nicht weiter nach Unterschieden. Auf dieselbe Weise WOLLEN alle System-Besessenen glauben, dass sie die Welt durch ihre Systeme in den Griff bekommen und beliebig manipulieren können.

    Ich glaube auch nicht, dass wir ein korrektes Verständnis von Heilung haben. In der Interaktion von Arzt und Patient passiert etwas, was eine Heilung/Verbesserung in Gang setzen kann. In der Interaktion von Homöopath und Patient passiert aber auch etwas, was eine Heilung/Verbesserung in Gang setzen kann. Was also der Arzt als Katalysator zur Heilung identifiziert (der Wirkstoff in einer Pille), funktioniert in anderen Fällen, wenn der angebliche Wirkstoff gar nicht vorhanden ist, ganz genauso. Und was nun?

    Ich glaube nicht, dass Lebenskünstler ein begriffliches Verständnis für die „Systematiken“ haben oder die diversen Machtspielchen der Systematiker und Atomspalter intellektuell durchdringen müssen.
    Ich glaube stattdessen, dass Lebenskünstler noch ein kohärentes Lebensgefühl haben, von dem sie sich leiten lassen, denn dann hat der feindselige Geist bei ihnen kaum eine Chance.

    Ein Verständnis für Systematiken brauchen nur solche Menschen, die von dem kohärenten Lebensgefühl (=Urvertrauen) abgeschnitten wurden. Die kennen nämlich zunächst mal gar nichts anderes als den feindseligen pixelnden Geist. Bei denen muss der feindselige Geist sich also erst mal selber ad absurdum führen und die Offline-Schaltung installieren, bevor ein solcher Mensch überhaupt ein normaler Mensch sein kann.

    Und da eben stellt sich die Frage, wo denn die Lebenskünstler in unserer Kultur sind. Es gibt schon welche, so ist es ja nicht. Es gibt auch eine ganze Menge Leute, bei denen das kohärente Lebensgefühl und der feindselig pixelnde Geist parallel vorhanden sind, wobei mal das Eine, mal das Andere stärker ausgeprägt ist.

    Die Frage ist doch, was das kohärente Lebensgefühl = Urvertrauen in uns zerstört bzw. zerstört hat. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, machst Du das Geburtstrauma dafür verantwortlich. Ich sehe es umgekehrt: Die Geburt wird erst zum Trauma, wenn das kohärente Lebensgefühl bereits zerstört ist.

    • Juli 5, 2014 um 8:32 pm

      Sehr inspirierend euren Datenaustausch zu verfolgen, und immer wieder motivierend den Informationsgehalt erleben zu dürfen …

      “Die Frage ist doch, was das kohärente Lebensgefühl = Urvertrauen in uns zerstört bzw. zerstört hat.“

      Bildhaft gesehen ist es das Durchtrennen der Nabelschnur, welches uns EINEN von den ANDEREN entzweite und uns seitdem den Versuch beschert die Nabelschnur zum Wesen des Lebens als Ganzes mittels Datenleitungen zu ersetzen. Die Kohärenz ist ja noch vorhanden, nur geht uns EINEN das Gefühl dafür mehr und mehr verloren, eben, weil die WIrklichkeit für uns immer nebulöser wird und wir den Nebel für immer realer erachten. Die Geburtstraumata, die seit jener Trennung realisiert werden, sind die Verteilung jenes Traumas auf Einzelbewusstseine, um so jenes Trauma in unzähligen Fragmenten letztendlich auflösen zu können, wozu es allerdings zuerst der Bewusstwerdung jenes Traumas und all seiner Folgen bedarf … und genau davon erzählt die Realität ja zunehmend intensiver, sich all der Zeit gewiss seiend, die es zur Maximierung der Bewusstwerdung braucht, denn mit jedem Kaiserschnitt wird ein wenig Zeit mehr ermöglicht … aber auch weitere Möglichkeiten jenem Trauma auf die Schliche zu kommen …

      Gruß Guido

    • Juli 5, 2014 um 11:12 pm

      In Anlehnung an die Begriffe Heilung und Homöopathie:

      http://www.gold-dna.de/gemeinsaminstal/seite3sw.html#0013

      Gruß Guido

    • federleichtes
      Juli 6, 2014 um 12:11 am

      Als ich das

      „Für den Hausgebrauch mag es ja angehen, den Dingen eine Bezeichnung zu geben. Aber je mehr Bezeichnungen (“Etiketten”) in logischen Operationen miteinander verknüpft werden, also Systeme geschaffen werden, desto mehr verselbständigt sich dieser feindselige Geist und gewinnt ein Eigenleben.“

      las, dachte ich, lieber Marian, wie gut es ist, nicht ganz alleine neben der Mainstream-Spur interpretierend zu denken. Danke schön!

      Ich meine, wir als Mensch und Menschheit erleben – derzeit sich weiter verschärfend – genau dieses Phänomen: Systeme (Politik, Wirtschaft, Finanzen, durchwirkt vom Glaubensgeist) verselbständigen sich UND schmelzen zusammen zu einer (dann undurchschaubaren) Funktion. Wenn es eine Funktion gibt, die Alles beherrscht, ist Hölle. Wenn eine Funktion Hölle bewirkt, nenne ich sie das Böse. Das systematisch Existenzen vernichtet und keine andere Existenz neben sich duldet. (Das mir keiner an den Gott des Alten Testaments denkt). Dass diese Existenzform ein Eigenleben führt, scheint mir sehr logisch.

      Ich habe mal weiter gelesen:

      „Wir holen diese Superorganismen in die Realität.“

      Falls Du auf Bingo stehst, da ist eins: BINGO!

      Wie geschieht dies pragmatisch – anders, als durch reaktive, traumatisierte (inaktiv = Daten) Informationen, die sich offenbaren müssen, wenn es möglich ist Und so entstand durch die Jahrtausende hindurch durch den mit Feindseligkeit infizierten Geist des Menschen genau der Monster-Organismus, das Ungeheuer, das es unter Kontrolle zu bringen gilt: Mittels Bewusstsein.

      Ich las noch mal weiter:

      „… inwieweit man auf Macht verzichten kann und will.“

      Macht, die in der Realität entsteht, ist Schall und Rauch. Macht ist ein Atrribut der Wirklichkeit. Und in dem Maße, wie Mensch sich Bewusstsein verschaffen kann, ist er verbunden mit der Wirklichkeit.
      Konktret:
      Wer auf die Irdische Realitätsmacht verzichtet und ohne Ego-Macht nach Bewusstsein strebt, erzeugt (automatisch) das, was Guido Kohärenz nennt.
      Im Grunde ist es ganz einfach:
      Es gibt einen Plan, gespeichert in der Wirklichkeit. Durch Kohärenz entsteht Nähe zu diesem Plan und Kenntnis darüber. Und die Kenntnis äußerst sich, indem eine Existenz im Sinne des Plans (nicht logisch) gestaltet wird.
      Bruno Gröning sagte, nicht er heil, sondern „Gott“, was der Mensch zur Heilung benötige, sei Glaube und Vertrauen.
      Was ich interpretierte als
      Glauben an die Notwendigkeit des Geschehens, und Vertrauen auf die Auflösung der Notwendigkeit.

      Ich las einen weiteren Absatz:

      „.. dass Lebenskünstler noch ein kohärentes Lebensgefühl haben, von dem sie sich leiten lassen, denn dann hat der feindselige Geist bei ihnen kaum eine Chance.“

      Wovon lassen sich Menschen leiten? Wenn sie verschieden veranlagt sind, könnte man ihre Antriebe reduzieren auf die Befriedigung von Ur-Bedürfnissen (Körper = Hunger, Wesen = Sehnsucht nach Gemeinschaft). Da ein Ego-Ich andere Bedürfnisse hat als ein Gemeinschaftswesen, entstehen existenziell unterschiedliche Leitmotive. Vereinfacht formuliert:
      Der Ego-Geist strebt nach Ich-Autonomie, der Gemeinschaftsgeist strebt nach einer funktionierenden Kooperative.
      Feindseliger Geist richtet sich sowhl gegen das Autonome als auch das Kooperative. Für beide Existenzformen gilt als Kurzfassung: Schön aufpassen!

      Ich glaube nicht, dass ein Ur-Vertrauen zerstörbar ist. Es kann vergessen, durch Angst überlagert und von Geist verwirrt werden. Vielleicht ist ein Hinweis auf den (postulierten) „Göttlichen Funken“ erlaubt. Er erlischt nicht, er kann als kleines Flämmchen still vor sich hin brennen, oder als Flämmchen dienen, um ein etwas größeres Feuerchen zu entfachen.

      Guidos Lob ist Deins – ich hatte aufgegeben.

      Wir wandelten heute auf den Spuren der Waldohreule – da gibt’s kein Aufgeben. Wenn die Seite auf der Homepage fertig ist, schicke ich einen Link.

      Herzlich
      Wolfgang

  18. Juli 6, 2014 um 9:32 am

    Was ist das „Böse“, die „Feindseligkeit“ im Grunde?

    „böse“ (germ. „bausja-) bedeutet „gering“
    „gering“ bedeutet soviel wie „dürftig, armselig, sehr klein, dürr, kärglich,mangelhaft“.

    In dem Zusammenhang fällt mir spontan ein dürftiges Ergebnis einer Jagd oder Ernte ein, eine sehr karge, unfruchtbare Einöde und die Krankheit Krebs.oder etwa ein maximal aggressives Virus, das nur seine Eigenreproduktion kennt als absoluten Selbstzweck, auch wenn dies die Eigenvernichtung bedeuten sollte.

    Was haben die drei gemeinsam, was ist der Nenner, der sie als Ursache im Ergebnis zusammen bringt?

    Alle drei sind das Ergebnis eines sich selbstverstärkenden Ausschlussfraktals.
    Das bedeutet:
    Wenn einer oder wenige, zudem sehr selbstähnliche Faktoren sich in eine Rückkopplungsschleife mit sich selbst bringen, führt dies zum Ausschließen anderer, dazu deutlich unterschiedlicherer Faktoren, die also nicht in die „Rechnung“ integriert werden – das so entstandene Fraktal schottet sich ab – es wird zu einem Einfaltsfraktal (aus der Konfrontation von Gleichem mit Gleichem entsteht nichts Neues. Ich kann Wasser solange mit Wasser mischen wie ich will, es bleibt einfach nur Wasser).

    Es gibt auch das „Vielfaltsfraktal“, das sind die „offenen“ Fraktale, die quasi begierig alles Verfügbare aufgreifen und in die Iteration integrieren!
    Die Vielfaltsfraktale sind dann „gut“.

    Alles was ist, entspringt letztlich einem Fraktal und bildet so ein Muster bis zu einem System (Musterkopplung).

    Der Krebs beendet die integrierende Interaktion mit anderen Zellen und startet seine reine identische Reproduktion (= „böse“, weil rein auf das eigene Muster bezogene iterative Re-Integration).

    Bei der Entstehung von Wüsten passiert etwas ähnliches:
    Ein Prozessbestandteil koppelt sich ab, beginnt sich selbst zu verstärken und verdrängt so letztlich die anderen Faktoren, bis nur noch er selbst übrig bleibt.

    Der maximale Virus reproduziert sein eigenes Muster ohne jegliche Rückkopplungsschleife über das System, in dem er sich befindet, zu sich und zerstört es, indem er es mit Kopien seiner selbst flutet.

    Das Muster des Bösen ist also das Einfaltsfraktal, das nur ein Muster kennt und dieses erbarmungslos reproduziert, bis es alle anderen Alternativen verdrängt hat.
    Eine Art Super-Egomanie.
    (Man denke dabei an Stanley Kubricks „Shining“, wo das Böse sich ausdrückt durch Jack Nicholson, dessen Besessenheit durch das Böse dazu führt, dass er als Autor über hunderte von Seiten nur noch einen Satz wiederholt: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“^^)

    Es gibt nur zwei wirklich erfolgversprechende Lösungen dafür:

    1. Es gelingt die abgeschottete Rückkopplung „aufzubrechen“ und neue Inhalt/Muster/Faktoren einzuschleusen und die Interaktivität wieder in Gang zu bringen (Man denke dabei etwa an die Rolle von Künstlern in der Gesellschaft) oder

    2. Der Einfalt die Vielfalt entgegen zu setzen, so dass nicht genügend Raum bleibt für die Einfalt, um sich auszubreiten (z.B. keine Gesellschaftssysteme im Sinne einer Normierung – egal ob NWO oder Genossenschaften oder zwangs“indigene“ Naturbezogenheit! Also grundsätzlich überhaupt kein Versuch der Normierung, Reglementierung, Vereinheitlichung!)

    Wir müssen wieder lernen, Unterschiedlichkeiten, Andersartigkeiten auszuhalten und zu integrieren.
    Wo wäre der Regenwald als Biotop, würde er je Fichten“kultur“ und Nilbarschsyndrome zugelassen haben?!

    Eben.

    Das „Böse“ ist deswegen so erfolgreich, weil es exponentiell wächst, wo das „Gute“ bestenfalls linear progressiv ist.
    Die Verschlichtung ist attraktiver als die Verkomplexitierung, weil sie dem Gehirn Energie erspart!
    Einfache, schlichte Muster ermöglichen schnelle Orientierung, sind leicht zu kapieren und ebenso zu kopieren!
    Und schon ist die fatale Iterationskettenreaktion in Gang gesetzt.
    Der Mensch hat also erst das Böse in die Welt gebracht, indem er ein Gehirn entwickelte, das einerseits technisch wirken gelernt hat, andererseits aber einem Sparzwang unterliegt, weil das Modell einfach noch nicht wirklich ausgereift ist.
    (Ich erinnere an das Pentium II-Debakel: die damals neueste Generation von Chips produzierte bei komplexen Berechnungen Müll, weil man bei einer Tabelle für Fließkommarechnungen an 2 Einträgen sich die Korrektur „gespart“ hatte, da sie angeblich nur alle 27.000 Jahre einen Fehler produzieren würde. Vermutlich wurde diese Berechnung mit eben diesem Chip bewerkstelligt und erzeugte folgerichtig diese Quatschaussage, die auch prompt durch die Realität widerlegt wurde^^)

    Das Leben selbst bevorzugt aber ganz offensichtlich die Vielfalt, strebt sie an, erzeugt sie.
    Weil Leben eben Vielfalt ist und es auch sein muss, um sich selbst zu erhalten (Es sei denn, man begnügt sich dabei auch mit der Vorstellung von Steinbakterien im tiefsten Untergrund als „Lebens“form – die können auch ohne alles andere existieren).

    Größtmögliche Perversion des Lebensgedankens ist etwa die „wissenschaftliche“ Beweisführungsversuch/ung, die GUT zu finden, die „Große Vereinheitlichungstheorie“!?
    Eben wurde klar, dass gerade die Vereinheitlichung nichts wirklich erklärt, sondern lediglich die Welt für schlichte oder faule Gemüter einfacher macht!

    Der Formalismus in Mathematik wie im Leben erzeugt also das „Böse“ in der Form der Vereinheitlichung, die vorgibt, alles in „Eins“ (Pseudoflow) zu setzen, dabei aber verschweigt, dass dies nur gelingt, wenn man möglichst viele Unterschiedlichkeiten, Varianten, Ausnahmen, Ausreißer etc. eliminiert!
    Und im Leben dominieren nicht die einfältigen Verschlichtungen – im Leben ist die Ausnahme (also die vielfältige Unterschiedlichkeit) die „Regel“!

    Wer die Ausnahme pflegt, sie sogar selbst repräsentiert und so in das offene Fraktal des Lebens einbringt, allein dadurch bereits zur Wirkung gelangt, pflegt damit das „Gute“ und tritt so dem „Bösen“ entgegen.

    Mut zum „Anders“ wird also gebraucht!

    • Juli 6, 2014 um 1:03 pm

      “…oder etwa ein maximal aggressives Virus, das nur seine Eigenreproduktion kennt als absoluten Selbstzweck, auch wenn dies die Eigenvernichtung bedeuten sollte…“

      Ein solches Virus ist jedoch nicht natürlichen Ursprungs. Zum Beispiel “wütet“ aktuell das Ebola-Virus als Ausdruck eines Ungleichgewichts, welches es gilt, wieder auszubalancieren. Ein Virus, welches ohne jegliche “Felderfahrung“ und Bezug zum Leben in einem Labor unter größten SIcherheitsmaßnahmen gezüchtet wird, ist da ein anderes Thema und hat mit den ANDEREN nichts gemein. Gleiches gilt (un)natürlich auch für Computerviren …

      Gruß Guido

  19. federleichtes
    Juli 6, 2014 um 1:42 pm

    A.
    „Wenn einer oder wenige, zudem sehr selbstähnliche Faktoren sich in eine Rückkopplungsschleife mit sich selbst bringen, …“

    B.
    „… die damals neueste Generation von Chips produzierte bei komplexen Berechnungen Müll, weil man bei einer Tabelle für Fließkommarechnungen an 2 Einträgen sich die Korrektur „gespart“ hatte, …“

    C.
    „Das Leben selbst bevorzugt aber ganz offensichtlich die Vielfalt, strebt sie an, erzeugt sie.“

    D.
    „Mut zum „Anders“ wird also gebraucht!

    A
    ist als System EXISTENT. Es kann benutzt werden, zum Leidwesen der Benutzer nicht mehr in der ur-sprünglich alles Energetische verschlingenden und alles anderen Systeme beherrschenden Weise. Denn

    B. als Prinzip der Offenbarung, Analyse und Korrektur – das Wesen von Zeit – sorgt für eine kontrollierte/kontrollierende Darstellung der Wirkungsweise der Systematik einer Allmacht-Dominanz. Leben, so verstehe ich es, hat die vormalige/vorzeitliche Dominanz aufgebrochen.

    C. Es gibt Vielfalt, als Ausdruck der Kreativität eines schöpferisch befähigten Geistes.
    In der Gestaltung der Naturordnung drückt sich bereits eine Rückkopplungsschleife aus, weil Expansionsbestrebungen (Macht-Dominanz) erfolgreich klare Grenzen gezogen wurden.

    D. Das Leben ist bereits die Veränderung. Es demonstriert mir den Mut, gegen eine Allmacht aufzustehen und sie zu brechen. Je intensiver/vielfältiger ein Mensch lebt, je mehr wird er an diesem Mut teilhaben, je faschistoid*/dogmatischer er lebt, je mehr Angst wird er vor der Erstarrung haben. (platte Formel – sollte mal weiter diskutiert werden)
    * sich über andere Kreaturen erheben.

    Eine Grund-Ambivalenz des Menschen entstand durch sein Präszens/Existenz in zwei sehr verschiedenen Ordnungen.
    Mit seinem Körper lebt er in einer perfekten Ordnung.
    Sein Geist bindet ihn an das Wesen der Feindseligkeit.
    Das ist Leben, aber Existenz ist mehr als dieses Leben. Wenn man erfahren hat, dass Leben nur das Mittel ist, um dieses „Mehr“ neu zu generieren.

    Danke, Mr. Chattison.

    Allen einen guten Tag.

    Wolfgang

  20. Juli 6, 2014 um 3:06 pm

    „Wir als Mensch und Menschheit erleben – derzeit sich verschärfend – genau dieses Phänomen: Systeme (Politik, Wirtschaft, Finanzen, durchwirkt vom Glaubensgeist) verselbständigen sich und schmelzen zusammen zu einer undurchschaubaren Funktion. Eine Funktion, die Alles beherrscht, ist Hölle.“

    Danke für diese Beschreibung, lieber Wolfgang. Vielleicht nähere ich mich gerade dem an, was Du mit dem „Geist der Feindseligkeit“ beschreibst. Ich setze noch eins drauf und frag Dich, ob Du bei dem, was unten folgt, auch mitgehen kannst/willst:

    Es ist nicht so, dass dieser feindselige Geist im Verborgenen agiert. Er tritt ganz offen auf und ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Die Folge ist, dass viele Menschen eine Ahnung davon haben oder sogar zu wissen glauben, dass wir als Mensch und Menschheit, so gesehen, auf dem besten Weg in diese Hölle (absolute Außensteuerung, Fremdbestimmtheit) sind. Es ist der Höllengeist selber, der uns sein Ziel förmlich entgegenbrüllt: die absolute Beherrschung jeder einzelnen Zelle, jedes Moleküls, jedes Gedankens und jedes Gefühls. Die Weltherrschaft.

    Die Menschen reagieren unterschiedlich auf dieses Gebrüll: die einen sind davon fasziniert und machen es sich selbst zu eigen. Das sind die Google-Brillen-Bastler, die Erfinder von selbstfahrenden LKWs, die Atomespalter, die Unsterblichkeitsforscher, die (Zentral)bankenchefs, die smarten Manager. Es sind die Leute, die glauben, Fremdbestimmung wäre aktiv, ein Vorgang, den sie selbst ausüben und der anderen, aber nicht ihnen selbst gilt.

    Dann gibt es andere, die sind entsetzt, wenn sie das Gebrüll vernehmen. Die Hölle der absoluten Fremdbestimmtheit – das ist etwas, das sie auf keinen Fall wollen, das Angst macht, das es mit allen Mitteln zu vermeiden gilt. Es sind die Leute, die glauben, Fremdbestimung wäre passiv zu verstehen, als Erdulden, als Zustoßen, etwas, das andere mit einem machen.
    Aus dieser Angst vor und diesem Nicht-Wollen von „Hölle“ reagieren die meisten dieser Menschen in den gewohnten Mustern von entweder a) Resignation) oder b) Kritik und der Suche nach Alternativen.
    b) geht automatisch davon aus, dass, wenn nur eine genügend große Anzahl Menschen Kritik an den bestehenden Systemen (Wirtschaft, Politik etc.) übt und alternative Lebensmodelle entwickelt, die Menschheit die Hölle aufhalten oder wenigstens der einzelne Mensch (eben der, der aussteigt und ein Alternativmodell entwickelt) der Hölle entgehen kann.

    Die meisten Kritiker, Aussteiger und Entwickler von Alternativmodellen ahnen dabei nicht im Geringsten, dass sie mit ihrer Kritik, mit ihrem Aussteigertum und dem Entwickeln von Alternativmodellen „der Hölle“ zuarbeiten. Die „Hölle“ braucht notwendig diese Gruppe von Gegnern, um sich weitere, bis dahin noch kohärente Lebensfelder einzuverleiben. In diesem Höllenmechanismus sind die Kritiker, Gegner und Aussteiger die Pioniere, die diese neuen Lebensfelder sozusagen erschließen und beackern, damit der Höllenmechanismus sie sich im Anschluss daran einverleiben und in Hölle umwandeln kann.

    Ich habe einen schönen Artikel gefunden, der diesen Mechanismus beschreibt: nämlich, wie der Kapitalismus die Kritik seiner Gegner aufsaugt, sie verwurstet und als kommerzielle Produkte wieder auf den Markt wirft.

    http://www.heise.de/tp/artikel/42/42123/1.html

    Was hier beispielhaft für den Kapitalismus beschrieben wird, gilt ebenso für den feindseligen Geist im Ganzen.

    Deshalb kann man das Problem des feindseligen Geistes mit den bekannten Mustern von a) Resignation und b) Kritik und Alternativsuche nicht lösen.

    Was hältst Du hiervon?

    Beste Grüße
    Marian

  21. Juli 6, 2014 um 4:30 pm

    Ich bin zwar nicht Wolfgang aber antworte mal wie folgt:

    Sehr anschaulich dargestellt, lieber Marian, allerdings fehlt mir, zum einen, eine weitere “Sparte“ Mensch, und, zum anderen“ Punkt c).

    Man muss nicht entsetzt sein, wenn man erkennt was der Geist im Schilde führt, sondern vielmehr dankbar dafür sein, dass einem selbst derart viel Energie entgegenfließt, durch diesen Geist, um erleben zu dürfen, wie das GANZE zusammenfließt und was es mit dem Wesen des Lebens als Ganzes auf sich hat … woraus sich Punkt c) ergibt. Es macht in der Tat keinen Sinn Alternativen zu suchen, wozu auch, wenn Mittel und Wege jene finden, die ein Gefühl für Kohärenz entwickeln und sich somit dessen bewusst werden, was jener Geist im Schilde führt. Sich nicht für die Pläne dieses Geistes einspannen und instrumentalisieren zu lassen, sprich, sich nicht in ein System einbinden zu lassen und das Systemische stets im Auge zu behalten, ist der Pfad, der einen weitere Pfade finden lässt, um auf den Weg der Gemeinschaft des Lebens zurückkehren zu können. In der Regel kann das nur in vielen kleinen Schritten gelingen und ist ein fortwährender Prozess, schließlich gilt es die Aufmerksamkeit des Geistes nicht zu oft und zu lange auf sich selbst zu lenken …

    Gruß Guido

    • federleichtes
      Juli 6, 2014 um 10:48 pm

      @ Marian
      @ Guido
      @ Mr. Chattison

      Klar, der Geist, der hier meint das Spiel zu diktieren, ist dreist, und wird dreister, weil er meint, den Sack so gut wie zuzu (das Leerzeichen brauche ich für später) haben. Das Dumme für ihn ist, er kann boshaft rechnen, niederträchtig kalkulieren und genial spekulieren – allerdings fehlen ihm in seinen Berechnungen zwei Unbekannte.

      Wir sprechen darüber seit einigen mehr Monaten ganz offen, ich jedenfalls. Guido spricht von einem Geheimnis, das niemand aufdecken tut, weil es direkt vor aller Augen existiert. Kurz – die Wahrheit schützt sich am Besten durch ihr völlig offen-klares Auftreten. Warum muss die Wahrheit geschützt im Verborgenen bleiben? Ein Teil der Menscheit würde vor Schreck erstarren, ein anderer Teil würde sich tot lachen. Das wäre noch egal, aber dass die Steigerung der Dreistigkeit, sprich die zwanghafte Dynamik des Bösartigen Geistes gebrochen würde, wäre fatal, nicht in unserem und nicht im Interesse des „Erfinders“.

      Leben arbeitet unerbittlich auf ein Ergebnis hin. Wer das verstanden hat, wird langsamer oder schneller einen Wandel in seinem Energiehaushalt bemerken. Und er wird Mensch und Tier, dem Ganzen nicht mehr gegenüber stehen, sondern mit ihm gehen. Geistig ist das eine Frage der Integrität, vom Gefühl her eine Frage der Solidarität. Das Produkt dieses Geistes und dieses Gefühls nennen wir hier, auch ständig und immer offen, Bewusstsein. Es ist nicht das dem Leben immanente Bewusstsein (Plan, Steuerung, Kontrolle – Verhalten, Analyse, Erkenntnis), sondern das Bewusstsein, das eine Spaltung von Geist und Gefühl nicht (mehr) zulässt.

      Ja, wir sind als Menschheit schon eine ganze Weile unterwegs, Zeit spielt als Maßeinheit allerdings wirklich keine, nur real eine Rolle. Die Art ihrer Konfiguration, mit der Dynamik betrieben wurde-wird, war und bleibt von Bedeutung. Innerhalb dieser durften wir mitwirken, und ich glaube, wir haben in unserer Funktion, wie jeder Andere in seiner Funktion auch, als Gemeinschaft alles richtig gemacht.

      Wir machten heute auch alles richig. Reparierten Susannes Waschmaschine, aßen selbst gebackenen Käsekuchen, gingen bei Sonnenschein spazieren und fotografierten unsere Zaunkönigkinder beim Baden (im Dreck) – und ich fuhr zwanzig Minuten im Platzregen nach Hause – göttlich. Dann lese ich Euch, und denke:
      War noch was?

      Herzliche Grüße in die Runde

      von Eurem
      Wolfgang

    • Juli 7, 2014 um 12:16 am

      Lieber Guido,

      die Theorie, die Du über die Einen und die Anderen entwickelt hast, finde ich beeindruckend
      und ich finde Deine Gedanken ebenfalls sehr inspirierend.

      Trotzdem kommt an dieser Stelle von meiner Seite ein ABER, wenn ich lese

      „…wenn Mittel und Wege jene finden, die ein Gefühl für Kohärenz entwickeln…“
      „…sich nicht einspannen und instrumentalisieren lassen, ist der Pfad, der einen weitere Pfade finden lässt auf dem Weg zurück in die Gemeinschaft …“

      Ich bestreite nicht, dass Du diese Erfahrung gemacht hast. Ich bestreite auch nicht, dass viele Menschen in diesem Prozess ähnliche Erfahrungen machen, nämlich, dass plötzlich Möglichkeiten, Wege und Mittel „wie von selbst“ auftauchen, an die man vorher nicht gedacht hat.

      ABER daraus nun eine Art Heilsversprechen zu machen, halte ich doch für sehr bedenklich, und das ist auch nicht der Weg, den ich persönlich für mich gehen möchte. Ich finde, dass dies eine spirituelle Falle ist.

      1) Woher willst Du wirklich den vollen Überblick über das ganze Geschehen haben? Wie kannst Du so sicher sein, dass in jedem Fall (hundertprozentig) Mittel und Wege auftauchen, bloß weil Du persönlich vielleicht diese Erfahrung gemacht hast und bei ein paar anderen Weisheitslehrern vielleicht etwas Ähnliches gelesen hast?
      Wenn Du derartige Heilsversprechen machst, erhebst Du Dich doch wieder über das, was Kohärenz ist und fällst damit aus der Kohärenz wieder heraus. Es ist doch wieder so, dass Du es nicht akzeptierst, bloß Teil des ganzen Gewoges zu sein, sondern Du gibst vor zu wissen, wie das Gewoge (das Ganze) insgesamt funktioniert.
      Du riskierst damit folgendes:
      1) dass Leute, die dabei sind, ein eigenes Kohärenzgefühl zu entwickeln, diesen Weg nicht weiterverfolgen, wenn bei ihnen KEINE Mittel und Wege auftauchen sollten, wie Du es vorhergesagt hast.
      2) dass Leute versuchen, Kohärenzgefühl zu entwickeln, weil sie sich eine Belohnung erwarten, nämlich die Mittel und Wege, die ihnen das Leben leichter machen.

      2) Mit solchen Versprechungen rufst Du also automatisch den feindseligen Geist auf den Plan. Ich halte es für sehr gut möglich, dass Du mit solchen Aussagen ebenso wie die Kritiker und Alternativensucher zu einem „Zuarbeiter“ für den Höllenmechanismus wirst.

      Was Du sagst, erinnert mich sehr an das, was ich mal mit einem spirituellen Lehrer erlebt habe: dieser hat einerseits gesagt, eine Gotteserfahrung (gemeint hat er wohl eine Kohärenzerfahrung) kann man nicht machen (weil sie aus einem Größeren und Umfassenderen kommt), aber andererseits würde jeder eine erleben, wenn er nur lange genug und richtig (nach den Anweisungen des Lehrers) übt. In meinen Augen hat dieser Lehrer Versprechungen gemacht, die er so nicht halten kann. Nun bist Du vielleicht kein Lehrer und bietest keine Übungen an, dennoch befindest Du Dich in großer Nähe zu der Herangehensweise dieses Lehrers.

      Nun, mir persönlich ist das suspekt. Ich denke stattdessen, wir könnten vielleicht mal damit aufhören, im Namen eines übergeordneten Holons zu sprechen und so zu tun, als würden wir den vollständigen Plan kennen.

      Du kannst natürlich damit argumentieren, dass jedes Wesen eine holografische Abbildung des Ganzen ist, aber auch damit setzt Du Dich wieder über das Ganze, wenn auch auf eine ziemlich geschickte Weise. Dennoch kannst Du nicht mit absoluter Sicherheit sagen, in welcher Sorte von „Fraktal“ Du Dich befindest. Das kann niemand.

      Warum können wir nicht einfach mal zugeben, dass wir nicht wissen, was der Gesamtplan ist?

      Man kann mathematischen Formalismen sehr kritisch gegenüberstehen, trotzdem: an dem Satz, dass man ein System nicht mit den Mitteln des Systems beweisen (in den Griff kriegen) kann, ist eben doch was dran.

      Wenn ich schreibe, dass das Kohärenzgefühl mit dem Urvertrauen identisch ist, dann meine ich das so. Vertrauen ist das Gegenteil von Wissen. Deshalb kann der feindselige Geist auch nichts damit anfangen und sein Interesse wird nicht geweckt.

      Das ist der Grund, warum ich außer a) und b) auch c) nicht für die Lösung dieses Dilemmas halte.

      Beste Grüße
      Marian

      • Juli 7, 2014 um 9:43 pm

        Hallo Marian,

        nun, packen wir es an, obwohl, Wolfgang hat es im Grunde schon beantwortet. Keinesfalls sehe ich mich als jemand an, der vorgibt zu WISSEN, was Sache ist. Ich lasse mich vielmehr einfach nur treiben und schreibe über die jeweils aktuellen Empfindungen bezüglich des GANZEN. Heilsversprechen kann ich nicht geben und gebe diese auch nicht, ansonsten würde ich Ratgeber schreiben und meine Projektseiten wären von einem Online-Shop begleitet. Zudem würde ich dann Seminare geben, die umso teurer wären, je überzeugter ich von meinen Versprechungen wäre 😉 . Für mich ist daher Copygift eine Selbstverständlichkeit und die Darlegung meiner Gefühlslage hinsichtlich des GANZEN ein Augenzeugen-Augenblick- Bericht. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn jemand meint auf mein Aha-Effekt bei sich warten zu müssen … bitte sehr. Ich spiele mein Instrument im Namen der Phi(l)harmonie, so wie ich es am ehesten mit meinem Wesen in Einklang zu bringen vermag. Wie andere ihre Instrumente spielen muss jeder für sich, nach eigenem Vermögen, ausprobieren. Das SPannende ist doch letztendlich das Zusammenspiel der Verschiedenheiten, wobei die Erfahrungen und Möglichkeiten des einen durchaus andere inspirieren und so Synergien zustande kommen, die das gemeinsame phi(l)harmonisieren bereichern, ohne auf Kosten anderer zu gehen und ohne manch einen in den Vordergrund zu rücken.

        Natürlich könnte ich meine Empfindungen gänzlich für mich behalten, doch macht es meiner Meinung keinen Sinn den technologischen Fortschritt nicht zu nutzen. Entscheidend ist, WOFÜR und WIE er genutzt wird. Mit vielem könnte ich nicht im Einklang sein, gäbe es z. B. Martins Blog und euch Mitreisenden hier nicht. Vieles von dem, was ihr geleistet habt, findet sich auch in meinen Worten wieder, nur halt anders ausgedrückt, weil anders, eben mit meinen Möglichkeiten und meinen Grenzen, wahrgenommen, sprich, aus der Exformation des GANZEN entnommen.

        Von einem übergeordneten Holon sprechen wir meines Wissens 🙂 nach nicht, sondern einzig von den Möglichkeiten aller fragmentierten Verkörperungen EINES Bewusstseins. Im Grunde ist dieses EINE Bewusstsein der Quelle eines Flusses sehr ähnlich. Dieser fließt auf dem Weg in den Ozean den Berg hinab und teilt sich dabei in unzählige Nebenströme, Bäche, Bächlein und Rinnsäle auf. Ihre Wege gestalten sich entsprechend der Hindernisse, denen sie auf dem Weg von der Quelle zum Ozean begegnen. Daher fließt das Wasser nie geradeaus ins Tal.

        Sicher lässt es sich nicht vermeiden den feindseligen Geist auf den Plan zu rufen, aber wie sonst kann man ein Feedback bezüglich eigener Möglichkeiten und Grenzen erlangen. Entscheidend ist doch, wie man selbst diese Begegnung gestaltet. Versprechungen dienen der Beruhigung und lassen den Geist weiter walten, daher halte ich mich von Versprechen fern und kann auch keine liefern. Welchen Sinn würde das machen etwas zu versprechen, wenn Versprechen eigentlich immer ein Zeugnis davon sind, dass man eben kein Urvertrauen hat ?

        Mir geht es einzig um die Entwicklung des Kohärenzgefühls und dafür bringe ich meine Möglichkeiten ein, so wie ein Musiker mir seine Musik vermittelt und ich die Bilder, die diese Musik in mir bewirkt, in meine Möglichkeiten einfließen lassen. So schlage ich bergab dann plötzlich einen Weg ein, der ohne diese Musik anders verlaufen wäre. Das ist doch das Wesentliche der Dynamik des Lebens als Ganzes im Wirken des GANZEN …

        Dass wir Menschen uns derart viele Gedanken machen, und obendrein die Möglichkeiten haben, sie uns machen zu können, weil wir nicht auf der Flucht sind oder in ständiger Angst leben müssen, ist ja kein Zufall und sollte, ebenso wie der Fortschritt an sich, genutzt werden. Auch hier gilt, entscheidend ist WOFÜR …

        Man könnte auch sagen mir, und allen anderen, geht es wie dem Bewusstsein eines Menschen. Wo fängt dieses Bewusstsein an, wo hört es auf, was ist wirklich Mensch, wo wir doch bakteriell und viral ganz ordentlich bestückt sind und auch Pflanzen essen ? Was von meinen Ansichten ist wirklich meins, wenn man bedenkt wieviele Strömungen, Hindernisse, Einflüsse u. ä. mir begegnet sind und tagtäglich begegnen ? Ist meine Ansicht, sind meine Projekte nicht immerzu das Werk einer Gemeinschaft, beeinflusst vom Geist moderner Gesellschaften. Daher ist alles, was ich schreibe, eine Momentaufnahme dieser Gemeinschaft, die ich bin. Daher Copygift … aber wer weiß, vielleicht findet da jemand noch eine geistreiche Idee auch auf einzelne Empfindungen und Gedanken ein Copyright zu erheben 😉 …

        Gruß Guido

  22. federleichtes
    Juli 7, 2014 um 2:14 am

    Ich lese Guido seit knapp drei Jahren. Seine allgemeinen Informationen beeindruckten mich weniger, als die Exformationen über seine Persönlichkeit. Und doch habe ich ihn niemals weder als einen geistigen, geschweige spirituellen Lehrer wahrgenommen. Letzteren stehe ich eher neutral gegenüber, und geistigen Lehrern kann ich um so leichter folgen, als sie ihr „Wissen“ deutlich aus dem Gefühl schöpften. Gefühl, das ist das, was für mich eine „Sache“ rund macht. Insofern: Guido ist für mich „rund“.

    Seit ich unterwegs bin, bin ich auch angewiesen auf Menschen, die ich reflektieren kann und die mich reflektieren, mir Grenzen, meine Ecken und Kanten zeigen. Und mir nicht selten exformativ zu verstehen geben, ich könne noch „besser“ werden. Das hat weniger etwas mit Wissen, als mit Verhalten zu tun; das hat weniger mit einer genaueren Interpretation von Daten und Inmformationen, als mit dem Gefühl, Gleicher unter Gleichgesinnten zu SEIN.

    Wenn wir hier vortragen, macht das Jeder auf seine Art. Aber ganz gleich, wie speziell diese Art ist, soll das Vortragen in der Hauptsache ein Verfügbarmachen von Daten sein, die zu Informationen werden können, die andere Blickwinkel und andere Standpunkt ERÖFFNEN – nicht sollen, sondern können. Doch bei allem, was wir denken, schreiben und indirekt anregen, geht es, so verstehe ich uns, nicht um Beweisführung – eher um eine Plausibilität, und zwar abseits alter Denkmuster. In dem Bewusstsein, dass das Bewusstsein, über das wir sprechen, noch gar nicht vorhanden ist.

    Nun, Du wirst vielleicht einwenden, unter diesem Aspekt sei in der Runde ein bisschen mehr Bescheidenheit angebracht. Diesen Standpunkt teile ich nicht, wenn Bescheidenheit sich als Zurückhaltung zeigt. Ich selber gehe mit Zurückhaltung sehr sparsam um, und erwarte dasselbe von meinen Freunden und Partnern. Wir reden hier ja nicht über verschiedene Herstellungsweisen von Zuckerwatte und Liebesäpfeln, wir spielen hier nicht Kirmes. Unser gemeinsames Wirken bezeichne ich als „Feldversuch“, zu versuchen, ein Feld zu erschaffen, von dem aus die Analyse des Systems trefflich möglich ist, zumindest möglicher werden kann.

    Wir haben nichts zu verlieren – in einem Gewinn(er)spiel. Auch wenn wir bisher nur über Wahrscheinlichkeiten sprechen können, verdichtet sie sich hier mit jedem Kommentar, mit jedem Video, mit jedem Hinweis aus der Blog-, Finanz-, Wirtschafts- und Politikwelt. Offenbarung, der Plan, dass erwarte ich einfach, MUSS sich immer klarer den Menschen zeigen, die Freunde des Lebens sind und ihre Freude an Leben und Lebendigem in die Gemeinschaft speisen.

    Danke für Deine Offenheit.

    Gruß
    Wolfgang

  23. Juli 7, 2014 um 10:58 am

    Ich finde Guidos Theorie eben auch als Theorie und Erklärung hochgradig spannend, um nicht zu sagen: wow.
    Was Guido leistet oder geleistet hat, könnte durchaus die Basis für eine neue Welterklärung sein, die wesentlich positiver, lebendiger und menschenfreundlicher ist als bspw. die aktuelle physikalische Welterklärung mit dem Urknall.
    Es ist nun mal so, dass wir Menschen Konzepte brauchen und wohl ständig Konzepte entwerfen werden, um uns die Welt zu erklären. Wir haben unser Gehirn vermutlich schon, um „Denksport“ damit zu betreiben, seine Fähigkeiten zu entwickeln und letztendlich den feindseligen Geist mit seiner Analyse und Synthese zu integrieren.

    Ich bin sehr dafür, dass wir die alten Konzepte durch „bessere“ ersetzen, und was Guido macht, hat Potenzial. Es ist ein Konzept, das einen aufatmen lässt.
    Dir mag der Mensch Guido wichtiger sein als seine Theorie, das ist ja auch okay, aber auch unabhängig davon, finde ich sein Konzept wertvoll.

    Deshalb finde ich es umso wichtiger, sorgfältig vorzugehen. Die Frage, was kann ich wirklich als transportierbares „Wissen“ weitergeben und was nicht, halte ich für extrem wichtig, wenn man über solch ein neues Konzept nachdenkt. Wenn man Spekulation und Wissen vermischt, schwächt das die Theorie und macht sie unglaubwürdig, wenn die vorhergesagten Ereignisse so nicht eintreffen.
    Ich habe nichts dagegen, wenn man erzählt, dass man selber die und die Erfahrung gemacht hat (bspw. dass sich auf einmal Mittel und Wege auftun), aber man kann kein Axiom draus machen.
    Das hat meiner Ansicht nach eben mit der Plausibilität zu tun, die Du ja offensichtlich auch wichtig findest.

    Wenn es um Bescheidenheit geht, dann ist sie durchaus angebracht bzgl. der Frage „Was kann ich wirklich wissen?“ Bescheidenheit im Sinne von Zurückhaltung dahingehend, dass man nicht sagt, was man denkt, ist Käse.

    Wenn ihr das System analysieren wollt, braucht ihr scharfe Messer. Da schadet es auch nichts, wenn ihr die ab und zu mal schleift 🙂

    • federleichtes
      Juli 7, 2014 um 1:16 pm

      „Die Frage, was kann ich wirklich als transportierbares “Wissen” weitergeben und was nicht, halte ich für extrem wichtig, …“

      Ich auch, und hielt die Ergebnisse meines Lebens 27 Jahre unter Verschluss. Vielleicht so lange, bis ein hoher Grad von durch Erfahrungen gestützter Plausibilität entstanden war?

      Egal, in jedem Menschenleben kann ein Punkt kommen, der sein Schweigen beendet, weil er fühlt, dass seine spezielle Leistung in/von einer Gemeinschaft gefragt ist. Persönliche Entscheidungen die Öffnung betreffend sind für mich zu respektieren – inweiweit ich den Ergüssen meiner Zeitgenossen folge, ist ja eine ganz andere Nummer.

      Am Abend geht’s weiter.

      Gruß
      Wolfgang

      Ach:
      „Wenn man Spekulation und Wissen vermischt, ..“

      Ist das, was wir Wissen nennen, nicht immer spekulativ?

      • chattison
        Juli 10, 2014 um 2:01 pm

        Dazu fällt mir ein:

        Wissen ist lediglich eine Idee von Wissen und in realiter günstigstenfalls ein den Fakten entsprechenderTeilaspekt.

        Das Wissen über ein Ganzes kann es nie geben, noch nicht mal theoretisch.
        Das hängt schlicht damit zusammen, dass, solange Wissen mit gesicherten Informationen und damit Daten gleichgesetzt wird, kein Körper alle diese Daten aufnehmen, verarbeiten und speichern kann.

        Wir wissen auch nie, was wir nicht wissen bzw. nicht wissen können und infolge davon auch niemals wissen werden.
        Unser sogenanntes Wissen ist also lediglich ein fragmentarisches Patchworkschnipselchen, das als Neuronenposter an der zerebralen Wand hängt und so tut, als wäre es ein echtes Fenster mit ungehindertem Ausblick auf die Welt^^

        Wissen halte ich nicht für transportierbar, dafür habe ich zuviele Jahrzehnte selbst ausgebildet, um mich dieser Ansicht anschließen zu können.

        Wissen, oder vielleicht besser: gut verankerte Datenbojen, wird demnach nicht transportiert, sondern dient lediglich als trigonometrischer oder kartographischer Verortungs- u. Navigationsansatz.
        Wenn sich dann jemand auf die Reise macht, erwirbt er Erfahrungen, aus denen er sich assoziativ ein Gewebe knüpft, das er dann dadaistisch „Hirngespinst der Wirklichkeit“ nennen darf^^

        Solange das „Hirngespinst“ reißfest genug ist, um Fahrtwinde aufzunehmen oder auch schon mal eine gestürzte Psyche rettungstuchmäßig aufzufangen oder eine Selbstschutz-Charade im Schleiertanz aufzuführen, mag es durchaus angehen.

        „Wissen“ ist wohl das Trugwort des Anthropozäns…

    • Juli 7, 2014 um 11:30 pm

      Marian schrieb:

      “Wenn ihr das System analysieren wollt, braucht ihr scharfe Messer. Da schadet es auch nichts, wenn ihr die ab und zu mal schleift :-)“

      Passend dazu:

      “Wissenschaft ist eine Sache. Weisheit eine andere. Wissenschaft ist ein scharfes Werkzeug mit dem
      Erwachsene spielen, als seien sie Kinder … und schneiden sich die Finger daran.“
      Sir Arthur Eddington

      Was wissen die ANDEREN, was wir EINEN nicht wissen ? Zumindest meinen wir EINEN ein ganze Menge zu wissen, was die ANDEREN nicht wissen können. Könnten die ANDEREN wissen, was wir meinen zu wissen, hätten wir ALLE ein ganz ANDERES PROBLEM. Dass wir meinen mit unserem Wissen sei alles Mögliche möglich, während die ANDEREN machen, was für ALLE notwendig ist, erweckt in mir das Gefühl, dass wir immer weniger wissen, was für das Leben als Ganzes wirklich notwendig ist, während die ANDEREN ein Gespür dafür entwickeln, was unsere Möglichkeiten für sie bedeuten (können). Davon wird es im Verlauf von GEMEINSAM INS TAL noch Genaueres zu lesen geben …

      Viele Grüße und hab Dank für die Wertschätzung meines Anliegens, welches wahrlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen ist 🙂
      Guido

      • federleichtes
        Juli 8, 2014 um 4:08 pm

        Wertschätzung.
        Der Begriff geistert seit ein paar Tagen durch meine Gedanken – und wird hier durch einige Kommentare aktiviert gehalten. Ein Kernproblem?

        Ich möchte hier erst mal unterscheiden zwischen objektivem Wert und subjektiver Wertschätzung.
        Objektiver Wert
        entsteht durch die Lebendigkeit selbst – also ein Mensch verkörpert das Leben, weil DEM Leben es wert war, auf diese Weise personiifziert verkörpert zu werden.
        Dabei ist dem Leben völlig wurscht, ob Guido Müller aus der Bahnhofstraße 12 überwiegend in destruktiven oder überwiegend in konstruktiven Systemen engagiert ist. Wurscht ist dem Leben auch, ob Guido in seine Fussnägel verliebt ist (abkauen, hm, lecker), ob er mit Bier und Schnaps auf der Terrasse sitzt und seiner Frau Ratschläge beim Rasenmähen erteilt. Wurscht ist dem Leben auch, wie lange Gudio braucht, um für seine Kinder Pullover zu stricken, welche Nadeln er dazu benutzt und was er während des Strickens denkt, spricht oder schreibt. Wurscht deswegen, weil das Leben selbst der Wert ist und selbst der Rahmen ist, in dem Mögliches und Nötiges geschehen kann.
        Spricht also eine Stimme zu unserem Bahnhofstraßenguido, er sei über- oder unterbemittelt, zu schnell oder zu langsam, zu sanft oder zu brutal, spricht eine

        Subjektive Wertschätzung
        Ihr liegt eine Bedürftigkeit zugrunde. (Wäre diese Bemerkung eingängig, könnte ich jetzt mit der Bilderbearbeitung beginnen.)
        Wert entsteht, wenn eine positive Leistung (ch werde gestreichelt und mag das) von A nach B fließt. Unwert entsteht, wenn ich geschlagen werde, wenn ich Streicheln brauche. Ein zweifelhafter Wert entsteht, wenn ich mich freue, nicht wie üblich geschlagen zu werden.

        Das Wesen von Wertschätzung hat auch mit Zeit zu tun. Mensch, der mehr in der Zukunft, auf dem Feld der Erwartung – mit einer aktiven Bedürftigkeit – existiert, befindet sich in stetiger Unzufriedenheit. Und er schätzt die Menschen, die diese Angst für einige Momente stillen können. Mensch, der sich der Leistung(en) der Vergangenheit bewusst ist, lebt im Wert des bereits Geleisteten. Sein „Glas“ ist, auch wenn es das kleine ist, voll, während das Glas der Unzufriedenheit prinzipiell immer leer ist (wieder wird). Nur ein kurzer Blick auf die Systeme, die mal im Sinne halbvoller und mal halbleerer Gläser agieren, beschreibbar vielleicht als manisch-depressiver Typus.

        Die Unterscheidung von Wert und Unwert drückt sich emotional aus. Und da Menschen emotional veranlagt sind und in einer Welt leben, in der sie stets und ständig subjektiven Wert und Unwert wahrnehmen müssen, könnten wir der Emotionalsierung als lebensspezifischeArt der Energetisierung einen allgemeinen Wert beimessen.
        Warum Emotionen nicht als objektiver Wert gelten, ist leicht erklärt.
        Wir standen gestern vor einem Eiswagen, der am Rande eines asphaltierten Weges stand. Ein Skater fuhr mit erheblicher Geschwindigkeit mitten rein in eine Gruppe von vier-fünf Eis essenden Menschen. Ich erschrak, weil er mich streifte und schimpfte hinter dem Ar… hinterher. Damit war der „Fall“ für mich erledigt. Aber –
        Einer der selbst Betroffenen (älterer Herr) schimpfte mit mir: Du stehst ja auch mitten auf der STRASSE. Mein Ton wurde heftig, die Worte unmissverständlich:
        „Das ist kein Grund, mich über den Haufen zu fahren“.
        Ein anderer älterer Herr berichtete dann von der üblichen Rücksichtslosigkeit im Miteinander auf einem Gebiet, das der Naherholung dienen soll.
        Was ich sagen möchte: Nicht die Emotionalsierung ist das Problem; sie ist im Miteinander von Verschiedenheiten unvermeidlch. Das eigentliche Problem entsteht erst, wenn sich der Reiz nicht reaktiv auflösen kann – ich also voller Wut auf Skater und ältere Herren geblieben wäre.

        Wertschätzung und Missbilligung gehen im (emotionalen) Bereich Hand in Hand. Und wenn sie sich nicht durch Permanenz als (z.B. Impertinenz) verfestigen und damit (real) konkretisieren, bleibt einem Menschen der objektive Lebenswert in seinem Bewusstsein erhalten*.

        Ich hoffe, thematisch blieb genügend Spielraum für eigene Interpretationen.

        Gruß in die Runde.
        Wolfgang

        * Rückblickend erkenne ich natürlich, was mit mir in der Kindheit veranstaltet wurde – und auch, wie sich folgend alte, feindselige Muster erst verfestigten und dann wieder auflösten.

  24. federleichtes
    Juli 8, 2014 um 7:10 pm

    Zwischen Hölle und Himmel, lebt das Andere.

    Auch Schwanenkinder machen die Hölle erträglich und den Himmel fühlbarer.

    Gruß
    Wolfgang

  25. federleichtes
    Juli 10, 2014 um 1:09 am

    Für eine Systemanalyse braucht es keine scharfen Messer, sondern kluge Köpfe. Das scheinen die, die sich vor einer trefflichen Analyse fürchten, zu wissen – und dirigieren sie in Positionen INNERHALB des Systems. Und die Skrupellosesten unter ihnen schaffen es selbstredend bis nach ganz oben – wo über die Schicksale von Völkern und Kontinenten entschieden wird. Wat ’ne Macht. Tiere ausrotten und sich an Wehrlosen vergreifen, dass sind die Helden der Moderne. Ohne sie, ohne ihre Lebenszeit wäre Hölle nicht möglich.

    Fragen wir uns mal, ob Macht (herrrschen über Andere) eine Sucht ist. Und fragen wir uns weiter, ob Macht eine Versuchung ist, der Mensch erliegen kann.

    Zwischen Ohnmacht und Übermacht liegt ein relativer Nullpunkt: Die Eigenmacht. Die sowohl Ohnmacht als auch Übermacht zu verhindern weiß – gilt für Individuen und Gemeinschaften. Und ich halte die Frage für berechtigt, wodurch überhaupt Hölle entstehen konnte. War es der Moment, als eine systemische Eigenmacht geringer werden konnte?
    Klar ist wohl:
    Wenn der Code eines Tresors geknackt werden konnte, bricht eine Bankraubzeit an. Für die alten Eigentümer der Energie Hölle, für die neuen Besitzer Schlaraffenland.

    Gruß
    Wolfgang

    • Juli 10, 2014 um 10:51 am

      Die Frage, ob „herrschen“ eine Sucht ist, beantworte ich mit Ja. Es ist nicht die einzige Sucht auf dieser Ebene, „beherrscht werden“, ist genauso eine Sucht. Manchmal frage ich mich, ob dieses „Beherrscht-Werden-Wollen“ nicht sogar die größere Sucht ist. Es sind doch weitaus mehr Menschen, die nach dem Staat mit seiner Mama-Fürsorge und seiner Papa-Allmacht schreien als Menschen, die im Staat bloß einen ordinären Dienstleistungsbetrieb sehen, der für Gemeinschaftsaufgaben wie Infrastruktur zuständig ist.

      Das „Herrschen-Wollen“ und das „Beherrscht-Werden-Wollen“ ist eine reduzierte Variante des Themas „Lieben wollen“ und „Geliebt-Werden-wollen“, nämlich wenn man unter Liebe bloß Einheit im Sinne von künstlich erzeugter Gemeinschaft versteht. „Lieben wollen“ als Einheit verstanden, heißt in dieser reduzierten Variante: „Alle müssen so sein wie … und hier verbirgt sich das übersteigerte ICH hinter der idealisierten Vorstellung von Gemeinschaft. Alle Herrschergestalten wollen Andere immer dazu bringen, ebenfalls Mitglieder in ihrer idealisierten Gemeinschaft zu werden. Herrschergestalten sind die, die eigentlich lieben wollen.

      In faschistischen Systemen geht die Einheit im Sinne von Gleichheit so weit, dass alle Mitglieder der idealisierten Gemeinschaft gleichgeschaltet werden: Uniform an und im Gleichschritt marsch, vorwärts an die Front, um die ideale Gemeinschaft zu vergrößern.

      In der heutigen Esoterik/Öko/New-Age/Anti-Kapitalismus-Szene geht man davon aus, dass alle Mitglieder der idealisierten Gemeinschaft sich mit ihren verschiedenen Talenten einbringen: Uniform aus, jeder in seinem eigenen Tippelschritt, aber mit dem gleichen Ziel, nämlich: die ideale Gemeinschaft zu vergrößern.

      Beiden Fällen gemeinsam ist, dass es um idealisierte Gemeinschaften geht, die von Herrschergestalten „gemacht“ (also künstlich erzeugt) werden. Natürlich treten viele dieser Herrschergestalten auch gern als Wolf im Schafspelz auf. Die Schafspelz-Wölfe sagen einem dann nicht, dass sie herrschen wollen, sondern dass es für einen selbst das Beste ist, wenn man von sich aus einsieht, dass sie Recht haben und sich von sich aus so verhält, wie sich das die Schafspelz-Wölfe eben nun mal idealerweise vorstellen. Paulus war so ein Wolf im Schafspelz, die meisten Gurus und Weltverbesserer gehören mehr oder weniger in diese Kategorie.

      Das Gegenstück sind die, die geliebt werden wollen, das heißt in dieser reduzierten Variante: die sich in eine Gemeinschaft, die von irgendwem „gemacht“ ist, einbringen wollen.
      Das sind die treuen Staatsdiener und Soldaten ebenso wie die, die sich einer Öko-Gruppe oder einer religiösen Gemeinschaft anschließen. Und diese Menschen sind nun mal Legion. Und jeder von denen will im Grunde vor allem eins: geliebt werden.
      Soldaten geben für diese Gemeinschaft sogar ohne Weiteres ihr Leben.

      In beiden Fällen, dem Herrschen- und Beherrscht-Werden-Wollen, dem Lieben- und Geliebt-Werden-Wollen steckt die Sucht nach dem ANDEREN dahinter. Man kann ohne den Anderen nicht sein. Liebe, so verstanden, braucht NOTWENDIG immer den Anderen. Keiner dieser beiden Typen kann als Robinson auf einer Insel überleben.

      Vielleicht sollte Mensch erst mal lernen, als Robinson auf einer Insel zu leben, bevor er sich anderen zuwendet. Dann ist die Sucht weg und Mensch hört endlich auf, zwanghaft und künstlich Gemeinschaften bilden zu müssen. Diese zwanghafte Bildung künstlicher Gemeinschaften ist nun seit Tausenden von Jahren unser innigstes Anliegen, ohne dass je eine wirklich echte Gemeinschaft daraus entstanden ist. Stattdessen fällt alles auseinander, was jemals ECHTE Gemeinschaft war.

      Der Nullpunkt als Eigenmacht ist für mich identisch mit dem Kohärenzgefühl. Wenn ich mich kohärent fühle, muss ich nicht mehr künstlich Gemeinschaften bilden oder mich einer solchen anschließen. Dann kann ich auch als Einsiedler auf einer Insel leben, wenn das Schicksal mich denn auf eine solche verschlägt.

      Das Problem ist, dass Gemeinschaften wie Religion, Staat, Krankenkasse und Wirtschaft mich bereits einverleibt haben, bevor ich auch nur geboren war. Aus keinem dieser Gemeinschaftsgebilde kann ich aussteigen, denn die einsamen Inseln mit ausreichend Kokosnüssen sind selten geworden und gehören überdies auch irgendwelchen Staaten an. Die Religionszugehörigkeit kann ich aufkündigen, aber dem durch Religionen geprägte Gedankengut – wie der Ruf nach Gemeinschaftsbildung – kann ich nicht entgehen. Da bleibt nur eines: wenn ich den Menschen so annehme wie er ist, dann nehme ich eben auch seine komisch-zwanghaften Gemeinschaften in Kauf.

      Die Hölle begann, als der Mensch seine Eigenmacht zugunsten von Allmachts- und Ohnmachtsgefühlen aufgegeben hat. Die einen Menschen hängen an ihren Allmachts-, die anderen an ihren Ohnmachtsgefühlen, und wieder andere werden zwischen beiden hin- und hergerissen. In summa sind dem Menschen All- und Ohnmachtsgefühle offensichtlich lieber als Eigenmacht oder Kohärenzgefühl. Nun denn. Was will man da machen, außer den Menschen die Frage stellen, warum ihnen denn All- und Ohnmachtsgefühle so viel lieber sind.

      • federleichtes
        Juli 10, 2014 um 12:56 pm

        Dein Kommentar liest sich sehr „rund“. Und ich kommentiere ihn nicht absatzweise.

        Drei große Themen bietest Du an:
        Liebe als die „Echte“:
        die Frage dem Anfang, nach Huhn (Sadist) oder Ei (Masochist):
        das fertige Nest (informative Disponiertheit und gesellschaftliche Strukturen), in das Huhn gesetzt und Ei gelegt wird.

        Und vielleicht gehört auch die Frage nach dem Wesen der Sexualität dazu, die das Weibliche und Männliche über die Idee der Vermehrung/Familie in ein freudvolles bis unsägliches Miteinander treibt. Diesen Gedanken steuere ich bei mit dem Gedanken, aus Deinem Kommentar ein Thema (Folgethema für dieses) zu gestalten.

        Übrigens meinte ich vor Jahren, Sucht habe etwas mit Suche zu tun. Und ich meinte auch mal, eine verlorene Unschuld habe nichts mit Schuld zu tun.

        Jetzt aber los, am Abend geht’s weiter – mit Deinem neuen Thema? Würde mich sehr freuen.

        Herzlich
        Wolfgang

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