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Marx für Dummies – die Zweite

Dieser Artikel ist die erste Fortsetzung der Serie Marx kinderleicht. Hier geht es zum ersten Artikel, der Einleitung.

Eingangsbemerkung

Die drei Bände von <Das Kapital – Kritik der politischen Ökonomie> umfassen 2239 eng bedruckte Seiten. Trotz dieses geradezu biblisch anmutenden Umfangs läßt sich das wirtschaftswissenschaftliche Denken von Karl Marx sehr einfach darstellen und – falls keine Schulung in Marxismus-Leninismus vorausging – kinderleicht verstehen.

Politische Ökonomie = Lehre vom Wirtschaftsgeschehen
in großen öffentlichen Markträumen

Politisch ist Marx gescheitert, wissenschaftlich nicht. Auf seiner Werkbank liegt ein rätselvolles Ding, das den Willen in sich trägt, allem Geschehen in der modernen Welt den Takt anzugeben. Sein Name: Kapital. Marx zerlegt es, entdeckt einen Mechanismus und kommt dessen Funktionsweise und ihren Sonderbarkeiten auf die Spur. Und so zeigt er uns schließlich in nicht zu überbietender Klarheit, daß nicht das Böse die gewalttätige Welt des Kapitals, sondern das Kapital die gewalttätige Welt des Bösen hervorbringt. Seine Kernaussage: It’s the mechanism, stupid!

Die Teilnahme höchster Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an mörderischen satanistischen Kultveranstaltungen darf als gesichert gelten und soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Von dem Historiker Wolfgang Eggert präsentiertes valides Quellenmaterial darf als Beweis gelten, daß Marx Kontakte zu Personen pflegte, die in dem Verdacht stehen, satanistischen Heilsideologien angehangen zu haben (siehe u.a. hier).

Karl Marx in der für
Freimaurer typischen Pose
Foto: Wikipedia

Wolfgang Eggerts historischen Recherchen zufolge haben die oberen Etagen einzelner Freimaurerlogen schon lange vor Marxens Zeit ein aus dem Mittelalter stammendes und tendentiell bis offen satanistisches Kabbala-Projekt zur Vorbereitung der Ankunft des jüdischen Messias von den diesem Projekt anhaftenden Spuren seines religiösen Ursprungs befreit und für sich übernommen. Jenes sodann weltfriedens- und umweltbewegt, humanistisch und demokratisch daherkommende Projekt zur Unterwerfung und Versklavung der Menschheit unter den Willen einiger Weniger ist später unter der Bezeichnung bekannt geworden. Wolfgang Eggert unterstellt Karl Marx, sich diesem Projekt angeschlossen zu haben. Wer auch wüßte sicher zu sagen, ob Marx verrückt war und wie verrückt er gewesen sein könnte.

Eggert spricht entgegen, daß die von Marx aufgedeckten Mechanismen des Kapitals erklären, warum es zu einem Projekt wie der Neuen Weltordnung kommen muß. Ist Kapital ein scheues Reh, ist großes Kapital um so scheuer. Es an der Flucht zu hindern, nötigt den Willen zur Macht auf, sprich: den Willen, die allerungeheuerlichsten und mörderischesten Pläne zu schmieden und in die Tat umzusetzen; top oder hop.

Wird hingegen auf ein anderes Projekt zur Unterwerfung und Versklavung der Menschheit geschaut, auf den Marxismus-Leninismus, gewinnt die These Wolfgang Eggerts, Marx habe sich dem von Parteigängern des großen Kapitals vorangetriebenen Plänen für eine Neue Weltordnung angeschlossen, erneut an Plausibilität. Zumal Eggert zu bedenken gibt, mit allen Macht und Geldwassern gewaschene Verschwörer könnten eine marxistisch-leninistische Welt wahrscheinlich sogar besser beherrschen und versklaven als eine kapitalistische. Eggert sieht allerdings nicht, daß der reale Sozialismus Marx zwar als politischen Visionär bloßgestellt hat, ein Urteil über den wissenschaftlichen Wert der Marxschen politischen Ökonomie aber nicht abgeben kann. Leider ist Ökonomie nicht Wolfgang Eggerts Thema. Wäre sie es, könnte er seine These profunder auf ihre Plausibilität hin abklopfen.

Marxens politische Ökonomie weist ihn ohne jeden Zweifel als Rationalisten reinsten Wassers aus. Als solcher wandte Marx sich entschieden von seiner familienseitig ererbten jüdischen Religion ab und hielt zu religiösen Heilsvorstellungen jeglicher Art den denkbar größten Abstand, was die historische Forschung einmütig bestätigt. Auch hat Marx seinen Untersuchungsgegenstand, das Kapital, weder vergottet noch verteufelt. Seine einzige Sünde ist es, die Vorstellung von einem – so er denn nur erst vom Bösen befreit wäre! – „guten“ Kapitalismus als quasi religiöse Mär entlarvt zu haben.

Ein Rationalist, der aufdeckt, welche katastrophischen wirtschaftlichen Dynamiken dem Mechanismus des Kapitals aus sich heraus innewohnen, ist selbstverständlich eine Zumutung für die große Gemeinde aus lechts-rinks verorteten theologisierenden, psychologisierenden oder philosophierenden Exegeten des ontologisch Bösen, die es auf menschliche Schlechtigkeit zurückführen, wenn der vermeintlich gute Kapitalismus ihrem Anspruch auf Heile-Welt-Idylle immer wieder auf die Füße tritt.

Begriffsdefinition lechts-rinks: Der traditionsorientierte rechte Autoritarismus kann an den der revolutionären Linken selbstverständlich nicht anknüpfen, doch verweisen zwischen weit links und weit rechts oszillierende Wählerwanderungen, wie beispielsweise ehemals die in Italien zwischen der KP und der Lega Nord, auf die enorme Anziehungskraft autoritärer Führerfiguren, die glaubwürdig darzustellen verstehen, das „Böse“ aus der Welt schaffen zu können.

Rationalismus achtet die Logik, und diese verachtet den Kompromiß. Letzteres muß in einen Autoritarismus führen. Auch wenn dieser rationalistische nicht wie der linke Autoritarismus von irrationalen, quasi heilsreligiösen Gut-Böse-Schemen durchtränkt ist und entsprechend als gemäßigt zu gelten hat, bietet er dem linken immerhin formal Anschluß an. Doch ist Marxens It’s the mechamism, stupid! in sich bereits Attacke gegen den missionarischen Eifer und Geifer der Linken, und so muß es Marx letztlich unmöglich gewesen sein, mit der Linken zu paktieren. Er taktierte mit der Linken, nahm sie als Transportmittel für seine gegen den grellen Wahnsinn der vermeintlich rationalen modernen Welt anstürmende Kernbotschaft. Letztere wäre ohne ein Anbändeln mit der Linken im Strom der Geschichte untergegangen. Kehrseite der Medaille: Taktieren zwingt zu Kompromissen mit der Wahrheit, unter widrigen Umständen auch zum Tragen eines Nasenrings.

Wie dünn das Seil war, auf dem Marx balancierte, zeigt sein Ausspruch „Ich bin kein Marxist.“ Das sagt genug und läßt verstehen, warum er Linke – siehe die hierzu restlos offenherzige Korrespondenz mit seinem Intimus, dem Textilunternehmer Friedrich Engels – meist nur mit spitzen Fingern anfassen mochte und sich nach überwiegend kurzer Zeit schon wieder mit diesen überwarf. Ohne das linke Transportband aber hätte seine Botschaft niemals ihre Adressaten erreicht, nämlich jene nirgendwo organisierten und überall verstreuten Empathischen, die so wie Marx durchaus eine autoritäre Achillesferse aufweisen mögen, aber durchaus nicht zur – wie es zu Marxens Zeiten hieß – Canaille zählen. Nicht zu jenen, die das Tragen von Ketten zu einer moralischen Tugend erheben, welche sie dann gewalt- und straflüstern von allen einfordern.

Zur weiteren Entlastung von Marx und Engels ist zu sagen, daß diese nachweislich nicht an eine erfolgreiche politische Durchsetzung der Linken geglaubt haben und es daher nie für möglich gehalten hätten, von der Linken irgendwann einmal für eine real existierende grausige Persiflage ihres Lebenswerks als Galionsfiguren in Anspruch genommen zu werden. Nur um ihre Botschaft an die Welt – welch böse Volte des Schicksals – nachhaltig diskreditiert vorzufinden.

Marx war ein genialer Wirtschaftswissenschaftler. Als Rationalist aber hatte er es bei der Identifizierung des Mechanismus des Kapitals als Mutter des Häßlichen und Bösen der modernen Welt zu belassen. Die sich anschließen müssende Frage nach Ursprung und Herkunft eben jenes Mechanismus wollte er nicht stellen. Beantwortet sie sich doch nur unter Rückgriff auf Einsichten in die menschliche Natur, welche einem klassisch gebildeten Rationalisten mit dem Selbstbild eines das Schicksalsrad mit Verachtung betrachtenden Heroen diametral zuwiderlaufen.

Die von Marx nicht gestellte Frage beantwortete einer, dem selbst der blasseste Schimmer von Wirtschaftswissenschaften abging, der aber so wie Marx einen wachen Instinkt für die Canaille besaß und von dem das Wort stammt, das Böse komme „aus der Schwäche“. Laut Nietzsche (1844 – 1900) entstammt das Kapital – anstatt von Kapital sprach Nietzsche von der Moderne – einer Weltsicht, die es mindestens seit der griechisch-römischen Antike gibt und welche Geist und Materie in eine unversöhnliche Gegensatzstellung bringt. Zum Beispiel Konkretes und Abstraktes, Leib und Seele, Erde und Himmel, Mensch und Gott, kurz: Niederes und Höheres. Hier die Rede vom Geist-Materie-Dualismus.

Indem der Geist-Materie-Dualismus das Leiblich-Materielle geringschätzt, unterstützt er die Sublimierung bzw. Abwehr triebhafter Impulsivität und befördert so die konzentrierte Tätigkeit des Intellekts, auf eben welche der Rationalismus sich mit seinem Schlachtruf „Ich denke, also bin ich“ uneingeschränkt positiv bezieht. Einerseits nun muß einen Rationalisten die Monstrosität des geist-materie-dualistischen Weltmodells befremden und abstoßen. Andererseits ist es offensichtlich keine steile These, anzunehmen, daß er eben jenes Monstrum im Heizungskeller seines Intellekts beherbergt. So heimlich, daß er es selbst nicht weiß. Folglich hat er gute Gründe, Fragestellungen zu umgehen, zu deren Beantwortung jenes Monstrum herbeizuziehen wäre.

Was Nietzsche betrifft, ist es einfach schön, wie schön einfach er klarstellt, ohne befremdliche Hilfskräfte im Heizungskeller seines Intellekts auszukommen. „Nicht: Ich denke, also bin ich. Sondern: Ich lebe, also denke ich.“ Nietzsche sah den kompletten Wald mit Namen Geist-Materie-Dualismus; Marx sah nur dessen Bäume Arbeit, Kapital, Ware, Geld, Mehrwert, Profit usw., dies jedoch unüberbietbar klar.

Steht Marx unter dem Fluch des Anbändelns mit der Canaille, steht Nietzsche unter dem Fluch, mit der – und genau so und nicht anders hat er es zu Papier gebracht – „Canaille“ in Person seiner rassistischen und antijüdischen Schwester Elisabeth Förster Nietzsche verwandt gewesen zu sein. Diese Dame würfelte Textfragmente aus Skizzenheften ihres Bruders nach Gutdünken zusammen, verfälschte sie inhaltlich und publizierte sie nach dessen Ableben unter seinem Namen. Auf diese Weise erschuf sie die von ihr <Der Wille zur Macht> getaufte Veröffentlichung, welche Nietzsche posthum den unverdienten Ruf eines antijüdischen und rassistischen Geiferers einbrachte (siehe hierzu Colli/Montinari).

Die Tragik des Ränkespiels (mit) der Canaille für uns Heutige ist es, eben nur mit Nietzsche und Marx zusammen bis ins einzelne nachvollziehen zu können, woher der Wahnsinn der Moderne kommt und wie ihm der Zugriff auf unser eigenes Fühlen und Denken zu verwehren ist. Übrigens verdankte Nietzsche den Umstand, mit etwa Mitte vierzig bereits in geistige Umnachtung geraten zu sein, nicht dem Wahnsinn, sondern der seinerzeit grassierenden Syphilis.

Den unumschränkt gültigen Beleg für das Hervorkommen des Kapitals bzw. der Moderne aus dem Geist-Materie-Dualismus liefert im 12. Jahrhundert der Mönchsorden der Zisterzienser unter der Führung des Abts Bernhard von Clairvaux. Bei den Zisterziensern geht der Geist-Materie-Dualismus historisch erstmals eine Ehe mit dem Wirtschaften ein. Überdies eine Ehe, die ohne Kompromisse geführt wird und aus der zahlreiche Nachkommen hervorgehen – die zisterziensischen Klöster breiteten sich vom französischen Burgund in einer an Konzern und nachgeordnete Einzelunternehmen erinnernden strikt hierarchischen Struktur schnell über weite Teile Europas aus.

Dualistisch bis ins Extrem auch die interne Aufstellung des Ordens. Es gab die „höheren“, aus dem Adel kommenden Priestermönche, quasi ein unternehmerisches Management, und die „niederen“ Arbeitsmönche, quasi ein Proletariat. Diese beiden Klassen begegneten sich einander nie, da ausnahmslos alle Räume eines Klosters in schönster lechts-rinker Symmetrie doppelt vorhanden waren. Die Klassentrennung reichte bis in das Kirchgebäude hinein, dessen Hauptschiff durch eine hohe Mauer, den Lettner, vom Querschiff und Altarbereich separiert war (siehe den vielfältig aufschlußreichen Bildband: Henri Gaud und Jean-Francois Leroux-Dhuys, Die Zisterzienser – Geschichte und Architektur, Köln 1998).

Auch im Persönlichen waren die Zisterzienser gespenstisch. Ihr Körper galt Ihnen als etwas Niederes; seine Pflege war verpönt, Zisterzienser rochen nicht gut; Priestermönche geißelten sich selbst. Die heute irreführend als benediktinisch bezeichnete zisterziensische Ordensregel ging nicht etwa zurück auf den gemäßigten Benedikt von Nursia, den Stammvater der frühmittelalterlichen Mönchsbewegung. Stattdessen folgten die Zisterzienser der Regel des radikal leibfeindlichen Benedikt von Aniane. Für ihre Zeitgenossen waren sie etwas völlig Neuartiges, befremdlich und faszinierend zugleich, regelrechte Aliens. Der begnadete Haßprediger Bernhard von Clairvaux reiste durch weite Teile Europas und rief zum Kreuzzug auf. Nun erst erhielten die zunächst jämmerlich unorganisiert gewesenen und in Desastern geendeten Kreuzzüge engagierte Unterstützung von Königshäusern und wurden zu groß angelegten Raubzügen.

Die Zisterzienser waren mit einer unter dem geistlichen Patronat von Bernhard von Clairvaux gegründeten, weltweit agierenden und aus allein adligen Mönchen gebildeten Eingreiftruppe verschwägert, mit dem Militärorden der Tempelritter. Diese führten gelegentlich auch selbst einmal das Schwert, überwiegend aber befehligten sie Söldnertruppen und eroberten bereits kurz nach ihrer Ordensgründung Handelshäfen in Palästina. Sie bauten eine eigene Handelsflotte auf, und ihr Reichtum schwoll derart an, daß sie späterhin die „Bankiers der Könige“ genannt wurden.

Mit den Zisterziensern kommt das Kapital mit seiner Geburt bereits als militärisch gestütztes internationales Großkapital zur Welt.

Forsetzung

Kategorien:Ökonomie Schlagwörter: , ,
  1. Gerd Zimmermann
    September 20, 2020 um 10:07 am

    Warum kann kein Computer der Welt jemals die Zahl Phi ausrechnen ?

    Weil es keine KI gibt und geben kann.

  2. September 20, 2020 um 10:22 am

    Gerd: „Die Natur wirkt doch aufbauend.
    Bis zu einen gewissen Punkt.
    Danach reseygelt sie sich selbst zu 100 %“

    Und alle Voraussetzungen für den Umbauprozeß
    sind bereits anwesend oder dorthin unterwegs.

  3. Gerd Zimmermann
    September 20, 2020 um 11:21 am

    @ Und alle Voraussetzungen für den Umbauprozeß
    sind bereits anwesend oder dorthin unterwegs.

    Den habe ich verstanden.
    Ich meine diesen Umbauprozess.

    Man sagt doch:
    Die Mühlen Gottes mahlen langsam,
    aber sie mahlen,

    oder sie malen ein neues Weltbild.

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