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Marx für Dummies – die Zehnte

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von 1234567, 8 und 9:

Diskussion

Das eigentlich Wunderliche des Kapitals

Karl Marx in der typischen Freimaurerpose
Bild: Wikipedia

Das eigentlich Wunderliche der modernen Produktionsweisen findet sich in der Art und Weise, wie die Aneignung des Konkreten, nämlich der Waren, vermittelt ist – durch eine Abstraktion, durch den sich in Arbeitszeit pro Warenstück bemessenden Wert.

Daß dem so ist, verlangen aber nun einmal mit gutem Recht alle, die sich im Zuge des Kaufs oder Verkaufs von Waren als einander fremde, vereinzelte Individuen gegenübertreten und dann, um nicht übervorteilt zu werden, auf Tauschgerechtigkeit drängen.

Tauschgerechtigkeit läßt sich nur und allein unter Zuhilfenahme des Werts herstellen. Entsprechend heißt es über den Tauschwert unter Punkt 1.2): Wer auch möchte 200 gegen 100 Minuten hergeben, da er dann 100 Minuten für einen anderen gearbeitet hätte, ohne eine Gegenleistung zu erhalten.

Aus dem selben Grund ist auch das Kapital auf den Wert angewiesen. Auch Unternehmen treten auf dem Markt als einander fremde, vereinzelte „Individuen“ bzw. Wettbewerber in Erscheinung. Eben darum sind sie unablässig genötigt, die Herstellkosten zu senken, indem sie die in der Produktion eingesetzte Arbeitszeit verringern. Ungewollt verringern sie so zugleich das gesamtmarkträumliche Wertvolumen und mit diesem zugleich das zur Deckung von Altkapital und zur Realisierung von vorkalkulierten Altrenditen verfügbare Volumen an Zahlungsmitteln.

Denn wie weiter oben bereits ausgeführt, liegt zwischen Investition und Realisierung von Verkaufserlösen ein nicht geringer zeitlicher Versatz. Während dieses Versatzes verbilligen sich die Waren, und es sinken die Verkaufserlöse. Wie sollen die Erlöse nun die vor diesem Versatz höheren Kapitalkosten decken und die vor diesem Versatz entsprechend höher vorkalkulierte *Kapitalrendite* einfahren? Unmöglich. Kapitalismus 1 ist ein Stück aus dem Tollhaus, wie es verrückter nicht sein könnte. Keinem Blick verborgen, und niemand sieht es: „Die Bettdecke ist zu kurz und wird immer kürzer, George.“

Aber es geht nicht anders, solange Menschen und produzierende Einheiten sich im Warentausch als einander fremde, vereinzelte Individuen gegenüberstehen, welche dauerhafte und verläßliche Beziehungen nur sehr begrenzt über enge Familienbande und zunehmend nur noch über Paarbindungen herzustellen vermögen.

Die kapitalistische Lösung des Wertproblems kann deshalb nur lauten: Zerstören und wieder von vorn beginnen. Ein böser Traum, die uralte Sage von einem, dem die Götter seine Freiheit nur zurückgeben wollten, wenn er einen Felsblock auf die Spitze eines Berges hinaufrollen würde, und dem dieser Felsblock kurz vor Erreichen des Ziels immer wieder entglitt und ins Tal hinabrollte, wurde mit den kapitalbasierten Warenproduktionen Realität.

Nietzsche hob hervor, daß just in dem Moment, als die geistmaterie-dualistische christliche Kultur mit der Hervorbringung der Vernunft zugleich Gott getötet habe, die letzte Schranke gefallen sei, welche diese Kultur noch hindern würde, der ihr eingeschriebenen Geringschätzung von Mensch und Welt Taten folgen zu lassen und Mensch und Welt endgültig zu zerstören. Andererseits begrüßte Nietzsche den Hingang Gottes sowie den Untergang des Christentums, dem er attestierte, „Sklavenreligion par excellence“ zu sein. Eine lebensbejahende Kultur liege jenseits des geist-materie-dualistischen Horizonts, jenseits von Höherem und Niederem bzw. von Gut und Böse. Den Menschen Jesus sprach er übrigens von dem Vorwurf frei, Sklave bzw. Dualist bzw. Christ gewesen zu sein.

Die aus dem Wert erwachsenden Krisen sind unterschiedlicher Natur. Da gibt es einmal die harmlose Version, die Überproduktionskrise. In der Hoffnung auf anhaltend guten Warenabsatz leihen Warenproduzenten und Handel zwecks Ausweitung ihres Geschäfts Geld, das nicht mehr zurückgezahlt werden kann, wenn die Verkaufserlöse wegen Übersättigung des Warenmarkts ausbleiben. Die Banken reagieren mit Zudrehen des Kredithahns und die von laufender Kreditvergabe abhängige gesamtmarkträumliche Produktion geht zurück.

Es kommt zu einer sogenannten „Marktbereinigung“, sprich: Schwächere Unternehmen schließen oder werden von stärkeren übernommen. Nach einer Periode schlechten Befindens und allgemeiner Übelkeit geht es munter weiter. Marktbeobachtung und Marktforschung sind mithilfe der I+K-Technik mehr und mehr zu Instrumenten geworden, deren Leistungsfähigkeit möglicherweise ausreicht, zukünftigen großen Überproduktionskrisen zu wehren.

Eine dem tendentiellen Fall der Profitrate geschuldete Profitkrise ist weit ernsterer Natur und wird von der nichtmarxschen Wirtschaftswissenschaft als Notstand betitelt, als Investitionsnotstand. Dieser liegt vor, wenn zunehmend weniger kapitalistische Aktivitäten erklecklichen Profit abwerfen. Die Banken geben das Problem zuerst an kleinere Anleger weiter, denen Geldanlagen in schwächelnden oder absehbar einbrechen müssenden Anlagebereichen aufgeschwatzt werden. Danach sind größere Anleger an der Reihe, Blut zu verlieren – siehe die große Krise, die 2007 mit dem US-Immobilienmarkt begann und sich 2008 weiter zu einer Bankenkrise auswuchs, die zahlreiche Unternehmenszusammenbrüche sowie den Einsturz von Aktienbörsen, Pensionsfonds und -versicherungen zur Folge hatte, was unzähligen Menschen absolutes Elend, Krankheit und Tod brachte.

Profitkrisen können den Beginn langanhaltend schwacher wirtschaftlicher Aktivität einläuten. Sie lassen sich durch Kriege, Staatsstreiche und Diktaturen entschärfen und kontrollieren. Beheben aber lassen sie sich allein durch neuartige Großtechnologien, die enorme Investitionen erfordern und entsprechend enorme Mengen lebendiger Arbeit unter das Kommando des Kapitals bringen. So z.B. zielte der nazifaschistische Angriffskrieg vor allem auf die Ölquellen am Schwarzen und Kaspischen Meer, um eine Rohstoffbasis für die neuartige Großtechnologie Automobil zu haben. Und vom ehemaligen Sparkassen- und Bundespräsidenten Köhler war zu erfahren, deutsches Militär sei in Afghanistan „auch“, um die Versorgung der Heimat mit Rohstoffen sicherzustellen.

Neuartige Großtechnologien werden von der Wirtschaftswissenschaft als „lange Wellen“ oder „Generationen von Technologiefamilien“ adressiert. Der zeitlichen Folge nach:

1) Kohle; Stahl; Eisenbahnen; Kanäle; Brücken; Dampferzeugung; Landwaffen

2) Chemieindustrie; zivile und militärische Seeschiffe erst auf Kohle-, später auf Erdölbasis sowie Kraftwerke/Elektrifizierung

3) motorisierte Landwaffen, Landverkehrswege und Automobil; Luft- und Atomkriegswaffen; Luftfahrt und Atomkraftwerke; medienbasierte sozialpsychologische bzw. „weiche“ Gesellschaftssteuerung kombiniert mit pharmakologisch „harter“

4) Informations- und Kommunikationstechnik; zivile und militärische Raumfahrttechnik; Medizintechnik; Automatisierung

5) Sicherheitstechnik; alternative Energieerzeugung; Nanotechnik; Mikrorobotik; Waffen für den Einsatz im Bereich I+K

6) im Anlauf: Automotive-Technologie vor allem im Güter- und Personenverkehr; starker Ausbau robotergestützter Fertigungen; Künstliche Intelligenz; eventuell KI-gestützte „harte“ Gesellschaftssteuerung auf der Basis von Neurosensorik sowie telematischer Beeinflussung von Hirnfunktionen.

Über die Zeit hinweg gesehen, ist die organische Zusammensetzung des Kapitals von Welle zu Welle gewachsen. Die Menge der unter das Kommando des Kapitals zu bringenden lebendigen Arbeit wächst allein zu Beginn einer jeden neuen Welle stark, um zu deren Ende hin um so mehr zu schrumpfen, was sich mit der zunehmenden Verstärkerleistung des konstanten Kapitals von Welle zu Welle verschärft.

Mit der lebendigen Arbeit in Warenproduktion und -transport schrumpft zugleich die Gesamtmasse des Profits, was sich durch die Steigerung der Mehrwertrate bzw. des Verhältnisses von Mehrarbeitszeit zur notwendigen Arbeitszeit ausgleichen läßt. Je weiter sich die Mehrwertrate ihrem theoretischen Maximum von „Unendlich“ nähert – hieße: die Arbeiter erhalten keinen Lohn mehr, weil sie von Luft und Liebe leben können – um so unmöglicher wird es, diese Rate weiter zu steigern, um den durch Schrumpfen der Masse der lebendigen Arbeit verursachten Mehrwert- und Profitverlust auszugleichen.

Wie es aussieht, wird die absehbar nächste lange Welle nun erstmals sehr schnell nach ihrem Einsetzen zu einer drastischen Zunahme der Massenarbeitslosigkeit und so zugleich zu drastischen Lebensstandardsenkungen führen. Es braucht dann bloß noch eine Virusepidemie mit höherer Sterblichkeitsrate, und es wird insbesondere in den dicht besiedelten OECD-Ländern zu horrenden Todesraten kommen. Schätzungen auf deagel.com, einer Webseite, die öffentlich zugängliche regierungsseitige Informationsquellen auswertet, geben diesbezügliche Zahlen im Bereich von 50 % und mehr an.

Offenbar steht der gesellschaftliche Big Bang schon vor der Tür.

Kategorien:Ökonomie Schlagwörter: , , ,
  1. Oktober 15, 2020 um 7:55 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  2. No_NWO
    Oktober 15, 2020 um 9:43 pm

    Zitation Text oben: „Es braucht dann bloß noch eine Virusepidemie mit höherer Sterblichkeitsrate, und es wird insbesondere in den dicht besiedelten OECD-Ländern zu horrenden Todesraten kommen. Schätzungen auf deagel.com, einer Webseite, die öffentlich zugängliche regierungsseitige Informationsquellen auswertet, geben diesbezügliche Zahlen im Bereich von 50 % und mehr an.“

    Als ich dies hier oben anno 2018 schrieb, war ich noch einer jener Dummies, der „Viren“ für gefährliche Krankheitserreger hielt. Auch daß allein schon die medial verbreitete Fiktion einer „Virus-Pandemie“ – siehe Corona bereits heute, und mehr noch im weiteren Verlauf – genozidale Wirkungen entfalten kann, war mir ebenfalls noch nicht klar: Ängste und Streß schwächen die Immunabwehr.

    Hinzu die Belastung unserer Atemluft mit jenen (auch toxischen) Feinstäuben, welche im Rahmen des technischen Manipulierens von Wetter und „Klima“ in die Athmosphäre eingebracht werden. Auch davon wußte ich anno 2018 noch nichts. Den Blog, der über das große Thema des Engineerings von Klima, Wetter und geologischem Untergrund aufklärt, den Blog von Enkidu Gilgamesh, habe ich erst anno 2019 kennengelernt; siehe:

    http://geoarchitektur.blogspot.com

  3. Oktober 16, 2020 um 11:42 am

    .
    Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer,
    sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig,
    der in der Gegenwart lebt.

    – Ludwig Wittgenstein

    • Oktober 16, 2020 um 11:48 am

      Dahinter steht der hilflose Versuch, sich über die Logik und allgemein über das Denken, dem Wesentlichen zu nähern.

      Statt direkt in die Wahrheit der Dinge zu blicken.

  4. No_NWO
    Oktober 16, 2020 um 4:56 pm

    @Nirmalo — Ja, da erdreistet dieser Marx sich doch tatsächlich, mit den Mitteln des im Materiellen gegründeten analytischen Denkens, mithilfe einfacher Logik also, hinter einer materiellen Wirklichkeit einen materiellen Mechanismus zu entdecken, welcher diese selbe materielle Wirklichkeit in materielle Auflösung zwingt. Perdauz, Potzblitz!

    Es hat dieser unbotmäßige Mensch zudem die Stirn, sich mit seinem ungeistigen Tun nicht im höheren Reiche esoterischer Wahrheiten Rückversicherung zu suchen. Darf der das!?

    Er tut es einfach. Ohne Rücksichten auf die Verblüffung und Empörung der höherprozentigen esoterischen Säuferbank.

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