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Serie zur Schule als Fabrik – Das Korps der Kinder

Der folgende Text setzt die acht ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der nun folgende Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen.

Das Korps der Kinder

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Textes

Die Kinder zu einem Corps {frz. allgemein für: Körper, Leib, Hauptbestandteil, Körperschaft, Gesamtheit,
Berufsstand, Innung, Verband; milit. für: Korps} innerhalb des corps social, innerhalb der Gesamtgesellschaft zu machen und dieses Korps der Kinder weit mehr noch zum Kern der Gesamtgesellschaft werden zu lassen,
um den herum sich die Gesellschaft als große Familie versammelt, ist Aufgabe der Schule, ihre Mission. Angesichts der von außen drohenden Gefahren muss dieser Kern hart wie Lanzenstahl werden. Vermöge der sich unter der gesetzlichen Schreibschrift vereinheitlichenden Sprache und des Aufziehens des zukünftigen Soldatenkorps ist die Schule das bevorzugte Instrument zur Produktion und zum Schutz des Vaterlands. «Das bedeutendste Geheimnis hinter der militärischen Kraft eines Volkes liegt in der Vermehrung und Verbesserung der Rasse» (S. 3, Jules Simon, L’ouvrier de huit ans, Der Arbeiter von acht Jahren).

Als Jules Simon dies im Jahr 1867 niederschreibt, lässt die Qualität jener mit der Revolution entstandenen französischen Rasse – deren Geburtsstätte vielleicht oder vielleicht auch nicht die Schule war, die in jedem Falle aber durch die Musterungsstellen inspiziert wird – in einzigartigem Ausmaß zu wünschen übrig. Laut den von Jules Simon angegebenen Statistiken, sind von 325.000 Zwanzigjährigen 109.000 körperbehindert, missgestaltet und wehrdienstunfähig; im einzelnen sind dies 18.000 Kleingewachsene, 30.500 Schwächliche, 16.000 bei der Arbeit Verunfallte, 9.000 Bucklige, Hohl- oder Plattfüßige, 7.000 mit Sinneseinschränkungen, 1.000 Stotterer, 4.000 Zahnlose, 5.000 Straffällige, 2.500 Hautkranke, 5.000 mit Kropf und 8.200 mit verschiedenen anderen Einschränkungen. Es sind sicherlich nicht alle diese Anomalien zu verhindern. Doch sollten verringerte Arbeitszeiten der Kinder, bessere Ernährung, körperliche Ertüchtigung und bessere Hygiene die Zahl der Wehrdienstunfähigen zweifellos verringern können.

Die Gesundheit des Kinds ist das wichtigste Kapital.

Gérard de Brigode, L’architecture scolaire, Die Schularchitektur, Verlag: PUF 1966

Und dies um so mehr, als es das einzige nationale Kapital ist. Zuerst, im 19. Jahrhundert, meint Kindergesundheit die körperliche, und später ist es dann – je nach den zu ihrer Sicherstellung erzielten Fortschritten – mehr und mehr die mentale Gesundheit, zu deren Messung Alfred Binet und Théodore Simon das Instrument erfunden haben, den Intelligenzquotienten. [156] Unbestreitbar liegt das politische Interesse an diesem Instrument in der Verbindung der intellektuellen mit der körperlichen Entwicklung sowie in der Herstellung einer wechselseitigen Entsprechung von Lebensalter und Stand der intellektuellen Entwicklung.

Es ist in diesem Zusammenhang im übrigen interessant zu erfahren, dass Binet anfangs versucht hat, geistige Zurückgebliebenheit anhand körperlicher Merkmale zu bestimmen (insbesondere anhand der Schädelabmessungen). Doch die Uneindeutigkeit der so erhaltenen Ergebnisse und ihre Nichtüberein-stimmung mit den von jenem anderen Messinstrument, nämlich von der Schulemaschine selbst, ausgeworfenen Messergebnissen haben Binet zuletzt bewogen, ein an der Schulemaschine geeichtes Mssßinstrument zu entwickeln.

Von da an wird die Körperschaft der Kinder vollauf zur Körperschaft der Gesamtgesellschaft: Da der Intelligenzquotient die geistige Reife als etwas definiert, das dem beim Verlassen der Schule erreichten Lebensalter entspricht, zu welchem wiederum ein bestimmter schulischer Wissens- und Kenntnisstand gehört, kann die große Mehrheit der Einwohner Frankreichs niemals eine höhere geistige Reife haben, als die mit dem Zeitpunkt des Endes der allgemeinen Schulpflicht erreichte.

Vor uns steht eine wahrhaftige und extrem wichtige Bewegung, die nach nicht weniger trachtet, als unsere menschlichen Werte und unseren Umgang mit diesen grundstürzend zu verändern — dass wir nicht von Jemandem mehr fordern, als sich von ihm fordern lässt, aber dass wir dies letztere voll und ganz von ihm fordern

Th. Simon in seiner einleitenden Vorbemerkung zur Neuherausgabe des Tests im Jahr 1954.

Tatsächlich ist eine Bewegung, die nach Infantilisierung der Gesamtgesellschaft strebt, extrem wichtig.

Das Sichtbare

Diese sich unter der Autorität der Obergewalt und unter deren Leitung zusammenfindende Bewegung berührt den Körper ausschließlich an seinen sichtbaren Stellen. Bevor der Fortschritt der Wissenschaft im Fach Psychologie Intelligenz auf einem Blatt Papier sichtbar zu machen versteht, auf dem Blatt mit den aufnotierten Testreaktionen, ging es bei der Verbesserung des in der Schule versammelten Korps der Kinder hauptsächlich um Körperliches.

Begonnen hat diese Verbesserung mit der Schaffung von ausreichendem räumlichen Abstand zwischen den Kindern, um sie in eine Ordnung einstellen zu können, die verhindert, dass sie sich nach Belieben über den Raum verteilen oder einander berühren konnten, wie sie dies in den nicht-kontrollierten Schulräumen der Vorgängerregime taten.

Lehr mit Rohrstock erzieht zu Gehorsamkeit

Der Zutritt zur Schule, in der jedes Kind über einen Raumbereich verfügt, welcher propre {frz. propre: zueigen, wie auch: sauber} im zwiefachen Wortsinne ist, wird von der Feststellung abhängig gemacht, ob das Kind dem Staat einen sauberen Körper zur Verfügung überlässt. [157] Beginnend mit den ersten Schulneubauten unter der Juli-Monarchie ist dem Klassenraum ein überdachter Pausenhof beigegeben, in dem die Sauberkeitsprüfung stattfindet. Die Kinder weisen nacheinander Hände, Gesicht, Ohren und Kleidung vor (siehe: Lamotte und Lorain, Manuel de l’enseignement simultané et méthode d’enseignement mixte, Handbuch des simultanen Unterrichts und der gemischten Unterrichtsmethode, Paris 1837).

Bereits die Vorbereitung dieser Inspektion macht aus der Sauberkeit das am härtesten umkämpfte schulische Terrain; die vorbildliche Lehrkraft – und das war sicherlich M. Matter, Autor der zur damaligen Zeit in Druck gegangenen Conseils et directions pour préparer les instituteurs primaires à leur carrière, Ratschläge und Anleitungen zur Vorbereitung der Grundschullehrkräfte auf ihre berufliche Laufbahn – geht wie folgt vor:

− Vergewisserung über die Sauberkeit der Schule, deren täglich zweimaliges Ausfegen durch die Schüler, deren Lüftung während der gesamten Nacht;

− Anbringung eines Wandaushangs betreffs Sauberhaltung auf dem Nachhauseweg; perfekte Sauberkeit in allen Belangen sowie Vergewisserung über die Befolgung dieser Vorschriften;

− Pflege der guten Haltung und Manieren der Schüler durch die Auswahl der besten unter ihnen, um so das Problem der Schulinspektion im vorhinein zu regeln: «Ich übte die Monitore in angemessenem Sichvorstellen, guter Haltung, gelassenem Sichbewegen und Marschieren, in freundlichem und höflichem sprachlichen Ausdruck ohne Herumstottern, ohne nach Worten zu suchen und ohne falsche Wortbetonung»;

− Korrigieren der Sprechweise, was heißt: Unterricht in der Kunst, nicht mit erhobener Stimme und ohne diese für Mundarten charakteristische «Energie» zu reden;

− Töne durch Zeichen und Blicke zu ersetzen und eine von ihrem Wesen her so weit als möglich sichtbare Ordnung zu schaffen: Die Inspektion muss auf einen Blick erfolgen können;

− bis zur Ankunft des Inspektors das Porträt des guten Schülers als dauerndes Diktatthema wählen. Die Kinder zweimal wöchentlich anhand von Anekdoten, die sich als Anempfehlung der den guten Schüler und das tugendhafte Kind auszeichnenden Eigenschaften eignen, in den Künsten des Schreibens, der Orthographie usw. unterrichten. Unter diesen Eigenschaften nehmen die Sauberkeit und der Respekt vor fremdem Eigentum sicherlich den ersten Rang ein.

Ein sauberer und gesunder Körper

Die Bücher der christlichen Zivilität {rechtes Betragen}, welche den Kindern seit der Zeit der Renaissance zum Lesenlernen dienten und deren letzterschienenes Règles de la bienséance et de la civilité chrétienne, Regeln des Schicklichen und des rechten christlichen Betragens, von Jean Baptiste de la Salle ist, behandelten allesamt die gleichen Themen: [158] Ratschläge für das Aufstehen und Zubettgehen, fürs An- und Auskleiden, für die Ernährung, für die Vergnügungen, für Besuche, für die Konversation, fürs Geben und Nehmen, für das Gehen auf der Straße, für das Verhalten auf Reisen usw. Doch auch wenn diese an das Kind in seiner Eigenschaft als zukünftiger Erwachsener gerichteten Ratschläge den gesamten Bereich sichtbaren Verhaltens betrafen, und auch wenn dieses Verhalten als an irgendwelche anderen adressiert gedacht war, so war für die Beachtung dieser Verhaltensregeln dennoch keine Überprüfung vorgesehen. Diese Regeln waren noch nicht Bestandteil einer Autoritätsbeziehung des Erwachsenen zum Kind wie in der Schule die des Maître zum Kind und zu Hause die der Eltern zum Kind. Es wird nicht geduldet, dass die Kinder halb angezogen oder ungepflegt, z.B. ungekämmt, mit schmutzigen Händen oder verdreckten Gesichtern, zur Schule kommen. Die körperliche Sauberkeit wird zum Hebel für die von der Schule erhobene Forderung nach auf Körperpflege bedachten Familien.

Das Sauberkeitsverlangen ist übrigens die logische Folge eines viele Stunden währenden Zusammenseins der Kinder im selben Saal. Ist es in Landschulen ohne weiteres möglich, durch Aufreißen der Fenster zu lüften, stehen dem in der Stadt der viele Rauch aber auch die Absicht entgegen, den Kindern das Spektakel der Straße vorzuenthalten. Der für die Klassenräume typische eklig fade Geruch veranlasst die Architekten, sich mit der Frage technischer Belüftungseinrichtungen zu befassen. Der Forderung der Hygieniker, die Schulen raus aufs Land zu bringen, lässt sich unmöglich Folge leisten. Ebenso unmöglich ist, alle Schulen künstlich zu belüften. Das letztendlich beste und sparsamste Mittel ist, die Körper unter die von einem mehrstündigen gemeinsamen Aufenthalt im selben Raum gebotene Disziplin zu beugen. «Falls es sich vielleicht erreichen ließe, dass Maître und Schüler einfach nur ihre Kleidung und sich selbst sauberhalten, häufig die Böden auf- und die Wände abwischen, die Fenster des tags öfter und des nachts durchgehend öffnen würden, würde die Notwendigkeit technischer Belüftungseinrichtungen verblüffend einfach ihre Aktualität verlieren» (Félix Narjoux, écoles primaires et salles d’asile, construction et installation à l’usage des maires, délégués cantonaux et membres de l’enseignement primaire, Grundschulen und Irrenhaussäle; Konstruktion und Bau zur Kenntnis und zum Gebrauch der Bürgermeister, Abgeordneten des Kantons sowie der im Grundschulunterricht Tätigen, S. 21). Die Einrichtung einer Pause nach jeweils einer Stunde Unterricht will neben anderem Frischluft hereinlassen.

Die Schule trägt ebenso Sorge, den Kindern das ihnen zu Hause im Hinblick auf Gesundheitsfürsorge Fehlende zu bieten: Luft, Sonne (die Klassenräume sollen von der Sonne beschienen, ihr aber nicht zu stark ausgesetzt sein) und gesunde Nahrung.

Wie die Arbeiter ihr Essen in einem Korb in die Fabrik oder auf die Baustelle mitbringen, brachten die Kinder anfänglich ihr Mittagessen in einem Korb mit zur Schule. [159] Mit den Fortschritten der Diätetik wurde das hauptsächlich aus Brot und äußerst selten aus Gemüse bestehende Mitgebrachte mehr und mehr als unzureichend befunden. Außerdem wünschten die Industriellen ein Ende der ordnungsstörenden Übung der Arbeiter, die Flaschen nicht nur zu den Mahlzeiten kreisen zu lassen und viele kleine Brotzeitpausen abzuhalten. Die Schulen richten nun nach und nach Kantinen ein, deren Nutzung, obschon kein Muss, um so mehr empfohlen wird, da die Familie proletarischer wird und weniger in der Lage ist, einen korrekten Speiseplan einzuhalten. Die mit Beginn des 20. Jahrhunderts aufkommende Forderung nach Kantinen zielt in erster Linie auf nicht mehr als einen einfachen Raum für die Einnahme der Mahlzeiten; der in den überdachten Pausenhöfen infolge der dort bei Regenwetter stattfindenden Pausenspiele in der Luft hängende Staub soll sich nicht mehr auf die in eben diesen Höfen eingenommenen Essensmahlzeiten legen können. Im Zuge der Einführung des medizinischen schulischen Diensts kommt es zu einer zunehmenden Eigenbestimmung der Räumlichkeiten.

Jene Eigenbestimmungen und die aus diesen sich ergebenden Unvereinbarkeiten einer zunehmenden Zahl von Räumlichkeiten heben die Schule immer mehr von den Örtlichkeiten ab, an denen das Alltagsleben stattfindet, in welches sie doch eigentlich einführen soll; und so sind die Beziehungen der Schule zum Alltagsgeschehen zunehmend von Fremdheit durchdrungen. Die Schule soll Abstand zu lauten, ungesunden oder gefährlichen Orten halten, zu all den öffentlichen Orten, an denen sich das Leben der Eltern ihrer Schüler abspielt: Fabriken, Märkte, Cafés usw. Indem die Schule die Kindheit produziert, stellt sie die Trennung von öffentlichem und privatem Leben her, verbindet sich mit dem häuslichen Umfeld und nicht mit der Welt der Arbeit, auf welche sie, so die Erwartung, doch vorbereiten soll, welche sie jedoch nurmehr in ihren handwerklichen, natürlichen, individuellen und sauberen Teilwelten anerkennt, denen sie die industriellen, künstlichen, kollektiven und schmutzigen gegenüberstellt.

Innerhalb der Schule zeichnet sich mehr noch ein Verwaschen ihrer Beziehung zur manuellen Arbeit, zur Aufrechterhaltung des Alltagsrahmens ab. Für den Betrieb ihrer zunehmend variierenden Räumlichkeiten bringt sie ein spezialisiertes Personal zum Einsatz. Innerhalb dieses Personals bildet sich eine Hierarchie aus, welche intellektuelles und manuelles Personal unterscheidet. Sichtbar wird dies insbesondere in der école maternelle, der Vorschule, in der ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die «accidents de propreté», die «Sauberkeitsunfälle», von hauswirtschaftlichen Kräften unter Ausschluss sowohl der Kinder selbst als auch der Lehrkräfte behoben werden, die sich in ihrem Lebensstil trotz ihrer niedrigen Besoldung mit dem Kleinbürgertum und dessen Weltsicht identifizieren, welche die der Inspektorin oder die des Architekten ist, die den schulischen Raum organisiert haben.

Mehr noch spricht dieser Begriff des «Sauberkeitsunfalls» den Kindern die Beherrschung ihres Körpers und seiner natürlichen Funktionen ab. Urinieren, Koten und Erbrechen verlieren den Charakter einfacher Ausscheidungsvorgänge und avancieren stattdessen zu bedrohlich über den Köpfen der Kinder aufgehängten Damoklesschwertern. [160] Es ist nicht verwunderlich, wenn dies bei sehr vielen Kindern zu chronischer Verstopfung führt.

Der vergeschlechtlichte Körper

Der von der Schule produzierte Körper soll der Vermehrung der Rasse wie auch deren Verbesserung dienen. Das Interesse der Kinder an ihrer Geschlechtlichkeit voll und ganz auf die Reproduktion zu fixieren und ihr keine anderen Betätigungen zu bieten, ist eine der vorrangigen Missionen der Schule. Schritt für Schritt erfüllt sich diese Mission durch die zunehmende Separierung der Körper der Kinder, durch deren Individualisierung vermöge der Fläche ihres hübsch sauberen eigenen Quadrats sowie durch die Individualisierung des sich unentwegt weiter perfektionierenden Lernmaterials. Miteinander in Berührung zu geraten, wird zunehmend schwierig und kann kaum anders als gewollt geschehen. Die daraus entstehende Unruhe vermischt sich mit den Empfindungen von Schuld und Übertretung.

Der Eroberungszug eines weitreichend individualisierenden Schulmaterials erlaubt es nach eineinhalb Jahrhunderten der Geschlechtertrennung, kleine Jungen und Mädchen wieder im selben Raum zu versammeln. Jene Separierung hatte nicht nur aus Einschließen in zwei zueinander symmetrische Räume bestanden, sondern auch aus der sich aus spezifischen Aufgaben ergebenden Spezialisierung der Körper. Die Zeichenklassen sind aus den Mädchenschulen verbannt; sie stellen eine Gefahr dar, indem sie die Mädchen auf ein Leben hoffen lassen, das anders ist als das einer verheirateten Mutter. Den Mädchen wird beigebracht zu nähen, den Haushalt zu führen und «auf sparsame und bekömmliche Weise die Alltagskost eines Arbeiterhaushalts» zuzubereiten. «Die Grundschule kann und muss einen genügend großen Anteil der Leibesübungen auf irgendeine Art dem Zweck dienlich machen, die Knaben auf ihre Tätigkeit als zukünftiger Arbeiter oder Soldat und die Mädchen auf die Bestellung des Haushalts und auf das von der Frau zu verrichtende Tagwerk vorzubereiten und voreinzustellen… . Der Handarbeitsunterricht der Mädchen soll den jungen Mädchen (…) die Ordnungsliebe eingeben; damit sie sich die Eigenschaften der verantwortungsvollen Hausfrau zueigen machen und sich vor den frivolen und gefährlichen Verlockungen in Acht nehmen» (Erlaß von Juli 1882 bezüglich der schulischen Hygiene).

Aus der konkreten Umsetzung dieses Erlasses ergibt sich erstens das «Ouvroir», eine Schneiderei für die bei Hausfrauen und Müttern gewöhnlich anfallenden groben Näharbeiten wie z.B. Umarbeiten oder Herstellen von Säuglings- und Kinderkleidung, und zweitens kommt es zur Abschaffung der Bibliothek, die von einem Hausarbeitensaal ersetzt wird, in dem die Grundkenntnisse in Kochen und Bügeln vermittelt werden.

Auf Seiten der Knaben geht es vergleichbar zu; die in den Fabriken aufkommenden Hierarchien machen das Zeichnen und sogar das Lesen zu Aktivitäten, welche den zahlenmäßig kleinen gesellschaftlichen Zwischenschichten vorbehalten sind. [161] Das Technische Zeichnen soll nun nicht länger ein Fach des grundschulischen, sondern eines des weiterführenden berufsausbildenden Unterrichts ein. Entsprechend werden die Zeichensäle abgeschafft und durch Holz- und Metallwerkstätten ersetzt, die mehr noch als auf die Industriearbeit auf das heimische Basteln zielen. Die Kinder werden nicht mehr auf eine Zukunft als Arbeiter, sondern auf eine als Papa und Mama vorbereitet. Die Schlinge zieht sich zu. [162/163]

***

Es ist ein Mythos, dass die Massenbeschulung seit etwa dem 16. Jahrhundert etwas mit Bildung zu tun hat. Es ging immer um die Unterwerfung des Menschen unter die Ideologie der Herrschenden: das, was wir Er-Ziehung nennen. Zuerst nur die über 10-Jährigen, später auch die Kinder in Grundschule.“

Michale Hüter, Kinderforscher, im Interview bei etwa Minute 36

Fortsetzung folgt

  1. No_NWO
    Februar 8, 2021 um 5:27 pm

    Frank Stoner wies gestern Abend in ==>

    https://nuoviso.tv/home/home-office/home-office-93-live/

    eindringlich auf erschreckende Vorgänge in Alten- und Pflegeheimen hin (ab Minute 50:40). Antwort auf die Frage, wie es zu solchen Vorgängen kommt, gibt sicherlich auch die Staatsschule. Nicht als Instrument von Unterdrückung. Sondern als Ausdruck einer Kultur. Unserer. Aber wie hier an anderer Stelle bereits eingeworfen, beruht Kultur auf Einwilligung, auf gemeinsamen Grundannahmen aller. Herrschaftskritik, die dies letztere ausblendet, macht es sich zu einfach.

    Man sagt, Herrschen sei, Wahrnehmungen zu steuern — sie von etwas wegzulenken und zu etwas anderem hinzulenken. Was wäre da geeigneter, als empörender Umgang mit Alten, Kranken und Kindern. Man versetzt unsere Gefühle in starke Wallung, um unsere Wahrnehmung zu lenken. Aber mehr noch, um uns in einen abgestumpften Geisteszustand zu versetzen. Denn um noch klar wahrnehmen und denken zu können, muß ein Mensch alle starken Gefühle unterdrücken.

    Aber wozu das alles? Warum sollen wir abgestumpft, und wovon genau sollen wir abgelenkt werden, wäre zu fragen. Wie wäre es mit Ablenkung vor einem Erschrecken, bitteschön, mit dem VOR UNS SELBST. Vor der Richtung, in welche sich unsere Zivilisation in den vergangenen Jahrhunderten mehr und mehr bewegt hat. Davor, in welchem Ausmaß wir bereits zu geist- und willenlosen Zombies geworden sind ==> Mit Corona will der Teufel eine Ernte einfahren. Das ist es, dessen wir nicht gewahr werden sollen.

    Ich behaupte, die Dirigenten der P(l)andemie orchestrieren den Zivilisationsbruch gegen Alte, Schwache und Kinder absichtsvoll. Das entsprechende „Fachwissen“ kommt aus militärpsychologischer Forschung. Erforscht wird dort, wie die Einwohnerschaften besetzter Territorien sich gefügig machen lassen und wie sich deren Widerstandsgeist aushebeln läßt. Unsere Politiker und die Verantwortlichen in der Verwaltung stehen dem allen hilf- und tatenlos gegenüber wohl, weil sie Menschen sind, die sich abgrundtief Böses nicht vorstellen mögen. Man könnte auch sagen: Weil sie genauso sind wie die meisten Menschen nun einmal eben sind.

    Aufwachen bedeutet zu verstehen, was Ungeheuern Schutz und Deckung bietet. Menschen fürchten sich, abgrundtief Häßliches anzuschauen, sie wollen es nicht sehen. Besonders dann nicht, wenn sich im Anblick eines Ungeheuerlichen spiegelt, wie weit es mit unserer Zivilisation bereits gekommen ist, wie böse und dumm sie geworden ist. Und wie sehr dies jeden einzelnen herausfordert, mit sich selbst ins Gericht zu gehen — auf Gedeih oder Verderb.

    Die Dirigenten der Plandemie halten uns in Angst und Schrecken, damit wir einwilligen, Anhänger eines Todeskults zu werden. Denn das sich über Jahrhunderte hinweg in privaten Händen vermehrt habende Großkapital weiß, daß es nur um den Preis fortbestehen können wird, Mensch, Natur und Welt zu zerstören. Jenes Ungeheuer weiß um seinen Wahnsinn, es weiß, nur weiter herrschen zu können, wenn wir unser gottgegebenes freies Denken, Fühlen und Wollen aufgeben und Nein zu Gott, Natur und Welt sagen, Nein zum Leben, Nein zu uns selbst. That’s what it’s all about.

  2. No_NWO
    Februar 8, 2021 um 11:40 pm

    Passend zu diesem Thread? Ja, unbedingt. Auf kenfm.de unter dem Beitrag… ==>

    https://kenfm.de/genozid-unter-dem-deckmantel-der-krankheitsbekaempfung-von-christian-kreiss/

    …des sehr geschätzten Ökonomen Christian Kreiß ist der hier unten einkopierte ganz wunderbare Kommentar von loveisthekey zu finden — Liebe ist der Schlüssel. Es braucht nichteinmal Liebe, sondern lediglich Respekt, um Menschen nicht so zu malträtieren, wie es die Staatsschule mit kleinen Kindern tut. Sie ist Ausweis einer Kultur, deren Moral dem Abgrund zustrebt. Wovon wir seit kurzem Zeugen geworden sind.
    •••••
    Der Kommentar von loveisthekey bezieht sich auf ein Nietzsche-Zitat, das Prof. Kreiß seinem Beitrag vorangestellt hat. Er beginnt mit: «In einem seiner letzten Werke, „Der Antichrist – Fluch auf das Christentum“, schreibt Friedrich Nietzsche 1888 auf den ersten Seiten:

    „Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. […] Was ist Glück? – Das Gefühl davon, dass die Macht wächst. […] Die Schwachen und Missratenen sollen zugrunde gehen: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen. Was ist schädlicher als irgendein Laster? – Das Mitleiden der Tat mit allen Missratenen und Schwachen, das Christentum…»

    Und Prof. Kreiß fügt anschließend an: «Ich habe den Eindruck, dass diese Zeilen von Nietzsche seit 2020 eine ungeahnte Aktualität gewonnen haben.»
    •••••
    Da hat Prof. Kreiß in der Tat recht, aber ganz anders, als er vermeint.

    Loveisthekey erläuterte am
    8. Februar 2021 um 19:40 Uhr ==>
    «Friedrich Nietzsche ist in dieser Zeit mein einziger Trost und es tut mir weh, ihn so mißverstanden zu sehen. „Der Antichrist“ ist eine Kritik am Christentum und wer ihn aufmerksam studiert, wird erkennen, dass damit nicht der Teufel gemeint ist, sondern genau das Gegenteil davon. Ich bin Nietzsches Meinung; wenn er schreibt – Zitat: „Der einzige Christ starb am Kreuz.“ Es ist eine Abrechnung mit der Institution Kirche, die sich Jesus als Gallionsfigur unter den Nagel gerissen hat, während sie genau das Entgegengesetzte predigt, was Jesus längst überwunden hatte.

    So wäre es gut; wenn überhaupt die zitierten Worte in dem Artikel in Zusammenhang mit der derzeitigen Lage gebracht werden wollen, diese auch vollständig anzuführen, dazu gehört auch, dass im Original das Wort „unserer“ kursiv gesetzt ist (erster Satz „unserer“ Menschenliebe). Mit „Schwachen und Mißratenen“ sind im Antichrist die „zur Macht verlangende Art von Mensch“ gemeint. Zitat: „… eine priesterliche Art, nur Mittel: Diese Art von Mensch hat ein Lebens-Interesse daran, die Menschheit krank zu machen und die Begriffe „gut“ und „böse“, „wahr“ und „falsch“ in einen lebensgefährlichen und weltverleumderischen Sinn umzudrehen.“ (nur wenige Seiten nach dem o.g. Zitat)

    Nietzsche ist für mich einer der ersten „Aufgewachten“, der schon damals schrieb, Zitat: „… das Presswesen (die Presse) wird uns eines Tages das Genick brechen.“ Die Verantwortlichen aus der Politik nannte er „Giftmischer“.

    „Der Wille zur Macht“ ist eine Begrifflichkeit, die Interpretationsspielraum zulässt. Wenn man sich intensiv mit Nietzsches Schriften auseinandersetzt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass mit Macht etwas anderes gemeint ist – nämlich Kraft, Energie, Liebe.

    Nein, an den Coronamaßnahmen und der derzeitigen Lage der Welt hätte Nietzsche gewiss keine Freude gehabt, es ist nämlich genau das, was er (pessimistisch) vorausgesagt hat. Der Autor wiederholt hier den niemals bestandenen Zusammenhang zwischen Nietzsche und dem Nationalsozialismus, ohne sich selber ein umfassendes Bild gemacht zu haben.»
    •••••
    Schlußwort von No_NWO:
    Wer das Mißratene erkennt jener, deren Gefühl der Schwäche sie antreibt, Menschen unter dem Vorwand der Nächstenliebe mittels „Erziehung“ und „Bildung“ (siehe: écoles de charité, Schulen der Nächstenliebe) moralisch zu verderben und so zu Ebenbildern ihrer eigenen Mißratenheit zu machen, der wird Nietzsche und die wahre Religion des christlichen Abendlandes unmittelbar verstehen: die zu «Moral» erhobene Barbarei von Herr und Knecht, von Kapital und Arbeit, von Staat und Untertan. Nietzsche sprach von der Moderne als von der „höchsten Blüte des Christentums“, als von einer „Herrschaft von Sklaven über Sklaven.“ An Nietzsches scharfblickendem Geist scheiden sich Zivilisation und Barbarei. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Sozialdemokrat Nietzsche begriffe.

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