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Über die Tendenz zur Unfreiheit

Wenn Eltern Kinder haben und selbst bei der Kindererziehung an ihre eigene Kindheit erinnert werden, und diese Kindheit nicht schön war, dann findet eine Retraumatisierung statt. Und sich Kindern emotional liebevoll zuzuwenden, im Positiven wie auch im Negativen, mit Leid und Schmerz und Wut etc. führt bei Menschen, die selbst als Kinder traumatisiert wurden, zu einer Rückversetzung in ihre eigene Kindheit. Und das ist wahnsinnig schmerzhaft. Weil man es bis dahin gut verdrängen können, hat es irgendwie vergessen, und erst wenn man selbst Kinder hat, merkt man auf einmal, da war ja noch was. Das fühlt sich irgendwie komisch. Und die Generation meiner Eltern (meiner übrigens auch) war so traumatisiert, das sie ihre Erziehung versachlicht hat. Man wurde optimal versorgt, Wirtschaftswunder usw., man also alles gehabt, aber so richtig emotional wurde man nicht abgeholt. Es gab zwar viel Spielzeug, aber mit in den Arm nehmen und Schmusen und Kuscheln war nicht, weil das sonst zu einer Retraumatisierung geführt hätte.

Untersuchungen zeigen auf, dass Menschen, die so aufwachsen, so versachlicht und distanziert, beziehen das auf sich und kommen zu der Überzeugung, dass etwas mit ihnen selbst nicht stimmen kann, dass sie irgendwie nicht richtig sein können. Es entstehe internalisierte Scham. Man schämt sich für etwas, wofür man gar nichts kann. Aber ein Kind ist eben völlig egozentrisch und bezieht alles auf sich. Diese Scham muss ein Leben lang kompensiert werden. Und die Wege, diese Scham zu kompensieren, ist in der Regel, dass man unter einem ungeheuren Konformitätsdruck steht, dass man es besonders gut machen will (mehr dazu im Buch Die Wiedergutmacher), dass man das Eigene nicht erkennt und nicht schützen kann. Dass man sich Widerspruch schwer leisten kann. Menschen mit diesem diesem Psychogramm docken sehr gut an die Schulderzählungen wie Kolonialismus und Rassismus an, oder jetzt die Gefährdung der Alten und Schwachen durch Corona, oder auch im Klimabereich. Das sind alles Bereiche, wo man es besonders gut machen will, wo man es sich auch nicht leisten kann, auszuscheren.

Raymond Unger, Zitat aus dem Gespräch ‚Von Verlust der Freiheit‘ mit Gunnar Kaiser, siehe folgendes Video
Foto aus dem Video zum Gespräch ‚Von Verlust der Freiheit‘ zwischen Raymond Unger und Gunnar Kaiser

Da wird mich dann doch Vieles klarer. Mich selbst betreffend, aber auch das, was wir gerade überdeutlich in den Dauerkrisen seit dem Waldsterben der 1980er Jahren gut beobachten können. Ich bin Baujahr 1958. Meine Eltern gehören zu jenen angesprochenen Kindern bzw. Jugendlichen der Kriegszeit. Meine Mutter hat die Dortmunder Bombennächte mit 10 Jahren intensiv mit erlebt. Eine Bombe ging ins Nachbarhaus und hat ihre beste Freundin mit Familie ins Grab geschickt. Die beiden großen Brüder meines Vater blieben als Soldaten auf den Schlachtfeldern, und nach dem Krieg wurden sie mit Waffengewalt aus ihrer sudentendeutschen Heimat vertrieben. „Wenn man mir ein Gewehr gegeben hätte, ich hätte mich verteidigt“, sagte mir mein Vater 1996, als wir vor dem Haus standen, in dem er groß geworden ist. Zwei Jahre später erst, also mit vierzig, fiel mir auf, dass ich keinerlei Bilder erinnern kann, in denen ich als kleines Kind – siehe oben – geschmust oder geherzigt wurde. Ich habe mich lange Zeit in den Schlaf geschaukelt. Aber dennoch, ja, da gab es und gibt es in mir dieses Besondersgutmachenwollen. So habe ich es als Kind einer typischen Arbeiterfamilie bis zur Promotion in Physik gebracht. Und das treibt mich auch immer noch in meinem Job an, mit meinem Team Software so zu entwickeln, dass ihre Benutzer richtig begeistert sind. Dazu ein kleine Kostprobe der Oberfläche, die in etwa beginnend für kleine US-Firmen in drei Monaten in der Cloud produktiv gehen soll:

Raymund Unger schaut sich mit Gunnar Kaiser an, wer die derzeit laufenden Angstnarrative zum Klimawandel, der Migration sowie der Corona-Pandemie lanciert. Es sei sehr auffallend, dass die Papiere des Weltwirtschaftsforums, des Internationalen Währungsfonts und der UNO doch stark überlappen als auch ineinandergreifen. Dass diese gut orchestrierten Forderungen auf fruchtbaren Boden fällt, sieht er an einem transgenerationalen Trauma, das zu einer Gesellschaft von Wiedergutmachern führe, die gerne für mehr Sicherheit auf Freiheiten verzichtet. Auf mehr als 500 Seiten hat er seine Recherchen und Erkenntnisse in seinem Buch Die Wiedergutmacher niedergeschrieben. Für mich ist das folgende Gespräch eine unbedingte Empfehlung, daher ab ins Regal:

Raymond Unger lebt als Autor und bildender Künstler in Berlin. Er ist als Kunstmaler in eigenem Atelier tätig, schreibt Essays, Bücher und hält Vorträge zu den Themen Kunst, Psychologie und Politik. Er ist Gastautor bei der Achse des Guten.

  1. Mai 1, 2021 um 10:56 am

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  2. Martin Bartonitz
    Mai 1, 2021 um 12:38 pm

  3. kathigarnier
    Mai 1, 2021 um 12:55 pm

    Danke, Herr Bartonitz für Ihre gut überlegten Beiträge. Ich bin ein echter Fan Ihrer Seite!

    • Martin Bartonitz
      Mai 1, 2021 um 1:47 pm

      Danke schön für die Blumen 🙂

  4. Mai 1, 2021 um 7:48 pm

    Der zweite Weltkrieg hat sicherlich vieles durcheinandergewirbelt, innerlich wie äußerlich, und viele Traumatisierungen auf persönlicher Ebene hinterlassen, die sich dann auch durch weitere folgende Generationen hindurchziehen. Das hatte ich ja auch schon gelegentlich angesprochen.

    Darüber hinaus möchte ich hier noch einen großen Schritt zurücktreten, klick hier für weiter

    P.S.: Lieber Martin, von mir ebenfalls „Blümchen“ für Dich und Dein Blog … sonst würde ich auch vermutlich nicht seit vielen Jahren immer wieder hier schreiben 😉

  5. Gerd Zimmermann
    Mai 1, 2021 um 9:44 pm

    Dein Verstand, so Kant, lässt nicht zu Punkt A auf Punkt B zu legen.

    Und somit den Raum aufzuheben.

  6. Martin Bartonitz
    Mai 1, 2021 um 10:40 pm

    Und dies wird genau von den Wiedergutmachern nicht zu erkennen gewollt:

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  7. Martin Bartonitz
    Mai 1, 2021 um 11:04 pm

    Zum einen passt Arendts Interpretation des Totalitarismus so gar nicht zum staatlich geförderten und von Linken aggressiv vertretenen „Antifaschismus“ der deutschen Erinnerungskultur, der zufolge der Nationalsozialismus eine dem deutschen Volke aufgezwungene Diktatur einer kleinen, mörderischen kapitalistischen Unterdrückerschicht gewesen sein soll. Der zweite Grund, warum Arendt von den heute dominierenden Ideologen gemieden wird, liegt darin, dass sie Nationalsozialismus und Kommunismus mit Selbstverständlichkeit als zwei Formen totalitärer Herrschaft betrachtet.

    Fundstelle: Ohne Massenbewegung ist totale Herrschaft nicht möglich

  8. Martin Bartonitz
    Mai 1, 2021 um 11:38 pm

    Kollateralschaden ertrunkenes Kind, da kein Schwimmkurs besucht werden konnte:

  9. Martin Bartonitz
    Mai 2, 2021 um 10:14 am

    Und noch was zum Zurückgeben der Grundrechte: geht nicht, weil sie uns nicht genommen wurden:

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  10. Gerd Zimmermann
    Mai 2, 2021 um 1:16 pm

    @ Kollateralschaden ertrunkenes Kind, da kein Schwimmkurs besucht werden

    Gefällt mir das Video.
    Warum erklärt er nicht gleich woher das Leben kommt, wovon Corona lebt.

    Hinterfragen, nicht sein Hobby.

  11. No_NWO
    Mai 3, 2021 um 9:42 am

    Wird versucht, etwas Rätselhaftes zu verstehen, wie z.B. „Herrschaft“, irritiert zunächst die Fülle an Erscheinungen, die mit dem Befragten verbunden sind. Am Ende, wenn alles gut verläuft, sollte es auf die einfache Frage, was Herrschaft von ihrem eigentlichen Wesen her sei, eine einfache Antwort geben.

    Meine Antwort lautet: Herrschaft von Menschen über Menschen ist Auflehnung gegen die Schöpfung, gegen den Geist, der alles erschafft und zum Leben erweckt. Um es von einer anderen Seite her anzugehen, die dem Zitat in Martins Kommentar oben nahe ist, führt diese Antwort auf eine einfache Feststellung: Das Urproblem aller Machtelite ist, Vitalität und Servilität nicht in ein und derselben Person vorfinden zu können. Ein Untertan/Sklave kann nur sein, wer auf seine Lebenskraft verzichtet. Aus der Sicht von Machtelite ist diese Welt daher nicht für sie geschaffen, sie ist ihr feindlich gesonnen. Denn entweder sind Untertanen/Sklaven dumm, oder sie sind rebellisch. Beides gleichermaßen unschön.

    Es irrt sich, wer glaubt, der Great Reset sei ein intelligentes Konzept. Hätte dies umfassend reglementierende totalitäre Konzept Erfolg, würde es die Machteliten endgültig zerstören, indem es alle Schöpferischen in eine tiefe Depression zwingen würde und nur noch Schwache und Dumme übrigließe. An denen die Machteliten keinerlei Freude hätten. Nein, die Welt ist nicht für sie gemacht.

    Die Schöpfung verweigert sich den Machteliten wie eine Pflanze, der Wasser und Licht entzogen würde.

    Nein, die Welt ist nicht für euch gemacht. «Ihr könnt genauso gut erwarten, daß die
    Flüsse rückwärtsfließen.“ Tun sie nicht, ihr seid hier falsch, Machteliten. Das, was ihr „Zivilisation“ nennt, ist ein Krüppel. Der Geist, der diese Welt erschuf, gab ihr ein oberstes Gesetz. Dieses lautet: Leben will Freiheit.

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