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Garant für wahre Demokratie: Soziale Koordination

Während der letzten Tage kam mir ein Text als Twitter-Thread vor die Augen, der sich damit befasst, wie viel Demokratie in der unsrigen steckt (eigentlich eben äußerst wenig) und was es bräuchte, dass wir wirklich eine Demokratie hätten. Es stammt von einem anonymen Autor, der sich bis vor zwei Jahren auf seinem Blog What you read is what I’ve felt – Fallen philosopher’s writing – dem Thema mit vielen feinsinnigen Artikel genähert hat. Hier nun der Thread, auf dass er Euch zu weiteren eigenen Gedanken dazu anregen möge:

Es fehlt unserer modernen Gesellschaft bisher einfach an GUTEN Formen sozialer Kontrolle, wie sie über Jahrzehntausende hinweg einfach natürlich gegeben waren aber nun eben nicht mehr sind, ohne dass jemand was dafür kann. Was „gute“ soziale Kontrolle für uns Menschen ist, ist leicht benennbar:

1) Sie ist wechselseitig, reziprok, symmetrisch
2) Sie ist unmittelbar, persönlich, menschlich

Das ist der Grund, warum wir mit unseren ganzen Bürokratie und Machtungleichheiten so unglücklich sind. Demokratie wäre eigentlich die Lösung für genau dieses Problem, das differenziertere, komplexere Gesellschaften automatisch bekommen, einfach weil sie zahlenmäßig größer sind:

Sie stellt 1) Wechselseitigkeit künstlich her
Sie stellt 2) Unmittelbarkeit künstlich her

Vor diesem Hintergrund müssen wir sagen, sind unsere heutigen Staaten, unsere heutige Politik und unsere heutigen Demokratien einfach fundamental fehlkonstruiert. Sie leisten nicht das, was sie sollen. Sie beruhen auf Missverständnissen des Problems, das sie lösen sollen.

Wir brauchen heute eine Demokratie, die wirkliche politische Machtgleichheit zwischen uns stabil garantiert: Die uns in ein symmetrisches, reziprokes Verhältnis zueinander setzt, ungeachtet dessen welche privaten Eigenschaften und welche private Machtfülle wir haben.

Und wir brauchen heute eine Begegnungsdemokratie, in der es völlig normal, unspektakulär und üblich ist, dass die Bürger selbst (alle Bürger!) beständig neu zusammenkommen und selbst Politik miteinander aushandeln. Wir brauchen menschliche Unmittelbarkeit in der Politik.

Und es ist auch schon längst klar, dass und wie das möglich ist:

Bürgerrat Demokratie – Eindrücke
Was passiert, wenn „ganz normale Menschen“ Antworten auf die Frage suchen: „Wie können wir unsere Demokratie stärken?“ Für den Bürgerrat Demokratie wurden 160 Leute aus den Einwohnermelderegistern ausgelost, um über mehrere Tage Vorschläge zur Weiterentwicklung der Demokratie zu erarbeiten…

Das Einzige, was heute noch fehlt, ist die Einsicht, wie fundamental unsere Probleme miteinander sind und wie wenig wir sie jemals lösen können werden, wenn wir NICHT zu solchen demokratischen Formen greifen. Wenn wir nicht losen und uns nicht als Bürger begegnen. „Bürger“ ist nicht von ungefähr ein Synonym für „Freie und Gleiche“. UND ein Synonym für „aktiv politisch gestaltender Mensch“. Wir alle, ausnahmslos alle erwachsenen Menschen müssen endlich „Bürger“ werden. Denn derzeit sind wir das definitiv nicht (Bürgerschaft als Evolution des Menschen). Aus meiner Sicht sind nahezu alle politischen Begriffe, die wir derzeit benutzen, völlig verkorkst und verzerrend, teilweise sinnentstellend und teilweise sogar sinnverkehrend. Was ist „ein Bürger“? Was ist überhaupt „Politik“? Was ist „Demokratie“ und was zeichnet sie aus?

Und das denke ich mir nicht aus, das ist historisch gut belegbar und nachvollziehbar: Wir benutzen heute politische Begriffe, die uns nicht weiterbringen, sondern verwirren und auf ständigen Streit und Missverständnisse miteinander programmieren, siehe Rechtspopulismus: Schafft die Wahlen ab. Es fehlt uns an guter sozialer Kontrolle. Und diese gute Form von sozialer Kontrolle (die es durchaus gibt, Menschen haben sie über Jahrzehntausende hinweg miteinander praktiziert) fehlt uns, weil wir Politik, Verfassungen, Staaten, Demokratie völlig falsch konstruiert haben. Historisch können wir heute gut nachvollziehen, warum und wieso wir das bisher getan haben: Politik ohne Politik – Eine weitere kurze Abrechnung mit Thomas Hobbes. Aber das macht es eben dennoch zu nichts Gutem. Wir brauchen heute dringend demokratisierende Verfassungsreformen.

Freundlicher gesprochen: Eine sehr viel bessere Demokratie ist möglich. Unmittelbar, ohne langen Anlauf. Ein sehr viel vermittelnderer Staat ist möglich, der von allen als „der eigene“ empfunden wird. Eine sehr viel vernünftigere & langfristiger denkende Politik ist möglich. Das alles ist möglich, weil wir Menschen psychologisch, um nicht zu sagen biologisch dazu in der Lage sind, unmittelbar miteinander zu sprechen und Lösungen zu finden, auch durch alle Differenzen hinweg und alle Differenzen hindurch. Wenn die politischen FORMEN stimmen.

Und das tun sie derzeit nicht. Überhaupt nicht. Nicht mal im Ansatz. Unser politisches System ist viel viel kaputter als wir uns das im tagespolitischen Alltag bewusst machen. Mit diesem System, das wir derzeit benutzen, wird Politik niemals besser werden könne als bisher.

Wie gesagt: Wir brauchen Verfassungsreformen. Reformen, deren Ergebnis es ist, dass wir zusammenkommen. Wirklich wir. Wirklich alle. Beständig, immer wieder. Die allgemeine, unmittelbare politische Beteiligung normalisieren. DAS ist dann Demokratie. Und die brauchen wir.

  1. Tommy Rasmussen
    Oktober 12, 2021 um 9:06 am

    „Soziale Koordination“ :

    03.03.2021 – Markus Lanz: „… impft jetzt bitte über 65, weil dann erreichen wir ein ganz wichtiges strategisches Ziel, nämlich dass die alten Leute sterben.“
    https://www.bitchute.com/video/NhDOqnYCOb4f/

  2. Oktober 12, 2021 um 3:04 pm

    … wieso muß ich bei all den Worten, den Fachbegriffen samt Verschleierung und dem geistigen Glatteis immer nur an:
    „Sanfte Diktatur“ denken!

    Der grundgedanke, in einfachen und klaren Worten, daß ein Zweitklässler da auch mit kommt …
    Wäre auch besser für den Rest, der künstlich auf dem Niveau alter (vor 69-Schulreformen) 6st-Klässler gehalten wird …

    … denn die Diktatur, die sanfte, der steuerbaren Dummen (sorry) ist dann auch mehr als ein Feigenblatt …

    Alles Liebe,
    Raffa.

    • No_NWO
      Oktober 14, 2021 um 12:31 pm

      Da fällt mir nur eins zu ein zu deinem Kommentar, Raffa: 👍👍👍👍👍

  3. Tula
    Oktober 15, 2021 um 1:38 pm

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