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„Muss der Staatsbürger seiner Pflicht kritiklos Folge leisten?“

Willkür der herrschenden Macht:
‚Nero im Circus‘ Nero, römischer Kaiser, 37-68 n.Chr.
(Todesurteil für einen unterlegenen Gladiator durch den nach unten gerichteten Daumen). Holzstich, um 1900, koloriert, nach Gemälde von Wilhelm Otto Peters (1851 – nach 1919).

Der Ruf danach, die eigenen Werte und Überzeugungen für das vermeintlich größere Wohl, dessen Inhalt natürlich immer vom Staat vorgegeben wird, zurückzustellen, das ist ein Charakteristikum faschistischer System. Der Mensch soll sein Leid, seine Kritik und sein Gewissen zurückstellen, um die Ideale der Ideologie nicht zu gefährden. Unterlasse ich meine Kritik aber, weil ich dem Handelnden, also dem Staat, einfach vertrauen oder weil ich ihm gegenüber ein gewisses Verantwortungsgefühl habe, dann handle ich nicht nur entgegen meiner eigenen Moral, sondern mache mich auch mitschuldig an den eventuellen Schäden. Und das ist nicht moralisch.

Gunnar Kaiser, etwa Minute 33 im Video „Philosophie der Untertanen – Precht und die Pflicht | Teil“

Oh oh, da legt sich der Gunnar Kaiser schon wieder mit einem der gefühlt berufenen „Staatsphilosophen“ mit dem Namen Richard David Precht an.

Ich habe nicht von ungefähr das Buch 1984 von George Orwell auf meine Menüleiste gelegt. Dieses Buch (neben dem Animal Farm) hat mir in meiner Jugend extremst die Augen davor geöffnet, was faschistische Gesellschaften ausmacht. Und spätestens seit der Finanzkrise 2008/20009 und nochmals mehr 2015 mit den vielen flüchtenden Menschen habe ich das Gefühl, dass wir 1984 deutlich hinter uns gelassen haben. Warum? Weil so viele Bürger nicht einmal merken, was um sie herum und mit ihnen geschieht (und wenn sie etwas fühlen, kommt der Effekt der kognitiven Dissonanz zum Tragen), und wie sie williges und unterstützendes Werkzeug eines Apparats werden, das im Wesentlichen gegen sie selbst gerichtet ist.

In dem folgenden aktuellen Beitrag von ihm geht es um nicht mehr als die Pflicht des Staatsbürgers, wie Precht dies sieht, und wie Gunnar das sieht. Gunnar schreibt auf youtube dazu:

Warum suchen so viele Menschen ihr Heil im Hygienestaat? Richard David Prechts diesjährig erschienenes Buch “Von der Pflicht” ist, zumindest in erster Instanz, eine Abhandlung der Rechte und Pflichten des “Staatsbürgers” in Zeiten der Krise. Den Corona-Maßnahmen zu gehorchen, so Precht, sei wie Steuern zahlen. Es liege eine „Verpflichtung“ gegenüber “unserem Staat” vor, der einfach nachzukommen sei. Dem guten Staatsbürger sollte es nicht darum gehen, was er über bestimmte Gesetze denke, sondern allein darum, dass er ihnen Folge zu leisten habe.
Ich hätte da doch ein paar Fragen: Darf der Staat alles, auch über Grundrechte hinweggehen, nur weil er es kann? Ist ein guter Staatsbürger der, der alles mitmacht, oder einer, der kritisch hinterfragt, sein Gewissen sprechen lässt, selber denkt und handelt und sich einbringt? Lebt die Demokratie nicht vom mündigen Bürger?
So sollen nun, zur Anfechtung von Prechts Thesen sowie zur Beantwortung obiger Fragen die gedanklichen Prämissen, auf denen sein Essay beruht, ausgebreitet und philosophisch durchleuchtet werden. Viel Vergnügen.

Auszug zum Video „Philosophie für Untertanen – Precht und die Pflicht | Teil 1“

OK, und ja, ich lebe in meiner Bubble und habe mir in über 14 Jahren fleißigen Bloggens ein Weltbild erarbeitet, das dem von Gunnar relativ nahe kommt, und daher mit ihm resoniere. Gerne mag der geneigte Leser die Argumente von Gunnar widerlegen. Ich lerne gerne hinzu, also wieder ab damit ins Regal:

Der Beitrag endet mit einen Zitat von Wilhelm Reich:

Es ist nicht deine Schuld, es ist aber deine Verantwortung. Du hättest deine wahren Unterdrücker längst abgeschüttelt, wenn du nicht Unterdrückung geduldet und oft direkt unterstützt hättest. Keine Polizei der Welt wäre mächtig genug, dich zu unterdrücken, hättest du ein Quäntchen Selbstrespekt im Alltag. Und würdest du erkennen, dass du, und nur du für dein Leben, und nicht für die Ehre des Vaterlandes – oder Volksgesundheit – verantwortlich bist.

Kategorien:Gesellschaft
  1. Martin Bartonitz
    Oktober 25, 2021 um 8:36 am

    Pflicht, oder was?

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  2. No_NWO
    Oktober 25, 2021 um 8:52 am

    Ich gebe zu, das Vid nicht angeschaut zu haben, wette aber gern um 100, daß die Kontrahenten beide etwas außen vor gelassen haben — die Frage, was denn die Bewaffneten zu all dem sagen würden, die Polizeien und Streitkräfte.

    Es wird allüberall so getan, als gäbe es die nicht. Wirklichkeitsverweigerung, die Rechnung ohne den Wirt machen, ist das. Geht an den staatsmoralischen Rechnungen der Philosophen etwas nicht richtig auf, werden Polizeien und Streitkräfte den Kopf dafür hinzuhalten und mit ihrem Blut zu bezahlen haben.

    Kurz: Wollen gesellschaftliche Entwürfe Aussicht auf Verwirklichung haben, muß zuallererst die Zustimmung jenes Aschenputtels eingeholt werden, der Bewaffneten. Die haben mitzureden. In ihrer schweigsamen Art tun sie das allemal stumm, ihre Willenserklärungen geschehen durch schlüssiges Handeln.

    Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Und Gott, was Gottes ist. Oder anders: Seid gesetzestreu, wie die Blöden. Aber ohne blöd zu sein: Die Bewaffneten müssen zustimmen können.

    Es kostet nichts, Polizeien und Streitkräfte zu schmähen, wenn sie eine gegebene gesellschaftliche Ordnung gewaltsam durchsetzen. So sie dies tun, geben sie eine Erklärung ab: Ihr habt eure Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht, mit euch kann man keinen Staat machen, keine stabile gesellschaftliche Ordnung haben, welche die materiellen Mittel bereitstellen kann, die wir benötigen, um die Gesellschaft gegen innere und äußere bewaffnete Bedrohungen erfolgreich zu schützen. Wir geben uns nicht als Schlachtvieh her. Oder glaubt ihr etwa, wir seien blöde!

  3. Oktober 25, 2021 um 9:25 am

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  4. Oktober 25, 2021 um 10:59 am

    .
    In einem guten Gedanken
    ist Gutes für alle Menschen.

    ― Indianische Weisheit

  5. Oktober 25, 2021 um 11:09 am

    .
    „Pflicht ist die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung für das Gesetz.“

    ― Immanuel Kant

    Das Gesetz ist nicht Selbstzweck, sondern Notwendigkeit, wenn und wo die Einsicht gegenüber dem Wohl der Gemeinschaft mangels Reife fehlt.

  6. Oktober 25, 2021 um 11:38 am

    Wer würde denn – auf dem Operationstisch liegend – wollen, daß Reinigungskräfte den Raum stürmen, um das Skalpell zu übernehmen?

    Die Polizei ist auf zweierlei Weise an die Gesetze gebunden. Zunächst muß sie sie selber einhalten.

    Dafür Sorge tragen, daß allgemein die Gesetze eingehalten werden, ist ihr Job.

    Zu entscheiden, ob eines gut oder schlecht gestaltet ist, ist nicht ihr Job. Will ein Polizeibeamter lieber an der Gestaltung guter Gesetze mitwirken, muß er die Uniform ablegen und den Weg ins Parlament ausfindig machen, oder sich an passender Stelle als Sachverständiger anbieten.

  7. Martin Bartonitz
    Oktober 25, 2021 um 8:02 pm

    Oft weicht die Regierung bei aktuellen Fragen aus. Ganz anders heute in der Causa des FC-Bayern-Stars. Was eigentlich absolute Privatsache sein sollte – der Impfstatus des Nationalspielers – war heute Thema auf der Bundespressekonferenz. Regierungssprecher Steffen Seibert betrat das für ihn eher ungewohnte Fußball-Terrain. Er hoffe darauf, dass Kimmich alle verfügbaren Informationen über die in der EU zugelassenen Impfstoffe „noch einmal auf sich wirken lässt“ und sich doch noch impfen lasse, sagte er. In meinen Augen ein ungewöhnlicher Vorgang: Eine medizinische Entscheidung eines Bürgers wird zum Politikum, und die Regierung äußert diesbezüglich eine „Hoffnung“. Faktisch ist das nichts andere als das Ausüben von Druck. Und damit ein neuer Tiefpunkt bei der Einmischung der Regierung in die privaten Angelegenheiten der Bürger.

    Fundstelle: Der (Impf-)Fall Kimmich: Jetzt schaltet sich auch noch die Bundesregierung ein
    „Ist das für die Bundeskanzlerin solidarisch genug?“

  8. Martin Bartonitz
    Oktober 25, 2021 um 8:07 pm

    Was den Herrschern einmal blutig abgetrotzt wurde:

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  9. Oktober 25, 2021 um 10:44 pm

    @ „habe mir in über 14 Jahren fleißigen Bloggens ein Weltbild erarbeitet“

    Wozu soll das gut sein,
    ein Weltbild zu formen?
    Ich hab dergleichen nicht.

    Schon eine „über 14 Jahre fleißige Er-
    Arbeitung“ würde mich abschrecken. 🙂

    In meinen Ohren klingt das nach Ballast.

    • Ohwieistdasschön
      Oktober 26, 2021 um 9:06 am

      Denken, ICH!? Mich hochwohlgeborene Prinzessin auf der Erbse ANSTRENGEN!? Hahahahaha… ! Und das dann auch noch fleissig!? Ist ja wohl ein Witz, hahahahaha… !

  10. Oktober 25, 2021 um 10:49 pm

    @ „…habe mir in über 14 Jahren fleißigen Bloggens ein Weltbild erarbeitet“

    Mein Vater sagte mal mit einer gewissen Vehemenz in einem Disput mit mir: „Mit 65 Jahren muß ich ja wohl ein festes Weltbild haben!“

    Im selben Moment wußte ich für mich: Das brauchst du nicht. Denn was so fest auf dem Sockel steht, ist gegen neue Erkenntnisse gefeit.

    Warum sollte sich jemand gegen Intelligenz und Weisheit, gegen frische Einsichten wappnen wollen?

    In meinen Augen ist das der freiwillige, regressiv wirkende Beschluß, die Aufklärung (im Kant´schen Sinne) zu beenden.

    Was ist Aufklärung? Hier die Antwort des Immanuel:

    Denkfaulheit

    • Ohwieistdasschön
      Oktober 26, 2021 um 7:45 pm

      Aufklärung ist ein Bemühen, welches nicht wissen will, daß die der aufklärerischen Bemühung unterworfen werden Sollenden fest entschlossen sind, blöde zu bleiben.

      • Martin Bartonitz
        Oktober 26, 2021 um 10:35 pm

        Autsch

  11. Martin Bartonitz
    Oktober 25, 2021 um 10:56 pm

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  12. Martin Bartonitz
    Oktober 26, 2021 um 9:18 am

    Autsch:

    Müller kritisiert heute die damaligen Grundlagen. Er spricht von „Gleichungen auf dem Niveau der Mittelstufenmathematik“. Die verwendeten sogenannte SIR- und SEIR-Modelle beruhten auf einem Ansatz, der fast hundert Jahre alt sei. Zu den Modellannahmen gehört zum Beispiel, dass die Bevölkerung gut durchmischt ist, jeder mit jedem in Kontakt kommen kann und jeder etwa gleich anfällig für die Krankheit ist. Die Modelle rütteln nach Aussagen von Müller nicht viel am „naiven Bild vom exponentiellen Wachstum“. „Dass man so billig realistische Epidemie-Modelle bauen konnte, erschien von Anfang an suspekt, aber angesichts der Informationslage gewährte man der These vom drohenden exponentiellen Wachstum gern einen Vertrauensvorschuss.“

    Fundstelle: Falsche Prognosen: Astrophysiker übt scharfe Kritik an Corona-Modellierern
    Die Corona-Vorhersagen seit Anfang 2020 beruhten auf alten Modellen, die wichtige Faktoren nicht berücksichtigen. Das sagt der Astrophysiker Bernhard Müller.

  13. Oktober 31, 2021 um 10:32 am

    @ „…der aufklärerischen Bemühung unterworfen werden“

    Ja, es ist auch nicht mein Ausdruck, der der „Aufklärung“, wie Immanuel Kant ihn im Zusammenhang mit Klarheit (Klärung) verwendet.

    Aufklärung suggeriert, jemand will mich
    aufklären oder ich will jemanden aufklären.

    Tatsächlich spricht Kant in seiner Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1784) nicht von Aufklärung, die jemand anderes vornimmt, sondern von der geistigen Souveränität eines jeden.

    Die Absicht zur Aufklärung kann im weitesten Sinne auch mit Unterwerfung, mit Manipulation, mit Übergriffigkeit zu tun haben, da stimme ich zu.

    Mein Plädoyer gilt der geistigen Souveränität, der geistigen Mündigkeit. Wobei der Schwerpunkt nicht das Denken ist, sondern das Wahrnehmen, denn:

    Wahrnehmung ist weit
    größer als das Denken.

    Geistige Unmündigkeit… beruht eher auf Bequemlichkeit, denn auf Unvermögen, da stimme ich dem Immanuel Kant zu.

    Bevorzugte geistige Gängelwagen in ihrer Entwicklung:
    • Tratsch
    • Zeitung
    • Fernsehen
    • Asoziale Medien

    Das Bedürfnis, einen Text zu lesen oder einen Video-Clip zu konsumieren, scheint attraktiver zu sein als möglichst eigenständig den Blick auf die Dinge zu lenken und das Wahrgenommene autonom einzuordnen.

    • No_NWO
      November 1, 2021 um 12:54 pm

      @“Geistige Unmündigkeit… beruht eher auf Bequemlichkeit, denn auf Unvermögen“

      Aus der Logik der Heiligen Schrift ließe sich geistige Unmündigkeit auch als Willensentscheidung für das Böse verstehen.

      Geistige Mündigkeit ist ja nicht etwa etwas Gemütliches. Sie ermöglicht, auf Richtig und Falsch zu prüfen, fordert von daher Entscheidungen auch im eigenen Handeln, auch ethische/moralisch grundsätzliche, welche in teils existentielle Konflikte mit weltlichen Mächten führen, und folglich in große Gefahren bringen können.

      Noch zu erwähnen, daß geistig Mündigen so auch häufig ihre Ohnmächtigkeit schmerzlich erlebbar wird. Was ebenfalls ungemütlich ist.

      Aufklärung als Heilsideologie will von alldem nichts wissen. Sie verspricht einen Himmel auf Erden vermöge des Gebrauchs des Verstandes. Der Mensch wird als Verstandesmaschine aufgefaßt. Siehe Elon Musk oder Klaus Schwabs Great Reset.

      Lebenserfolg wird zum Ergebnis eines Kalküls des „größtmöglichen Glücks der größtmöglichen Zahl“, was zur Lösung einer mathematischen Integrationsaufgabe wird: Bilde das Integral des Glücks über die Anzahl der Menschen. Glück muß sodann als physikalische Größe darstellbar sein, als Zahlenwert und Einheit. Zum Beispiel als durchschnittliche Lebenserwartung. Was der Vernunft erlaubt, Todesurteile zu sprechen im Namen des „Glücks“.

      Der christliche Musiker Eric Gales hält dagegen: „It’s not about the years you have in your life but how much life you have in your years.“

      ALTERNATIV: It’s not about the years you have in your life, or how much life you have in your years but how much LOVE you have in your life.

  14. Gerd Zimmermann
    Oktober 31, 2021 um 11:44 am

    @ Tatsächlich spricht Kant in seiner Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1784) nicht von Aufklärung,

    Nun denke ich ich bin aufgeklärt weshalb ich Kant lesen kann, was ich bei
    den Professoren für Philosophie nicht erkennen kann.

    Aufklärung ist schon wieder so ein Wort, was die Welt im Innersten zusammen
    hält wäre treffender.

    Kant umschreibt mit viel Mühe das Bewusstsein, die Wahrnehmung, die Dinge
    und ihre Formen.
    Max Planck brauchte nicht so viele Worte dafür: Es gibt keine Materie.

    Es scheint sie aber zu geben.

  15. November 1, 2021 um 5:05 pm

    @ „Geistige Mündigkeit ist ja nicht etwa etwas Gemütliches“

    Ob gemütlich oder nicht, ist für die geistige Mündigkeit irrelevant. Sie besagt:

    • Eigenständig denken
    • Eigenständig wahrnehmen
    • Eigenständig integrieren

    Und das ist unabhängig von Informations-Wissen oder Bildung.

    🍁

    Deine und meine Begriffe sind in
    ihrer Bedeutung nicht kongruent.

    Das ist kein Problem,
    muß aber gesagt sein.

    • Geistige Mündigkeit
    • Soziale Mündigkeit
    • Rechtliche Mündigkeit
    • Moralische Mündigkeit

    …sind nicht ein und dasselbe.

  16. November 1, 2021 um 5:14 pm

    @ „Entscheidungen … welche in teils existentielle Konflikte mit weltlichen Mächten führen, und folglich in große Gefahren bringen können“

    Du willst gegen weltliche Mächte in den Krieg ziehen?
    Du suchst die Reibung, die Auseinandersetzung?
    Das Konstruktive ist dir nicht spannend genug?

    Mein Vater glaubte allen Ernstes: „Das Leben ist ein Kampf.“ …und hatte viele Auseinandersetzungen. Kurz vor seinem Tod sagte er meiner Mutter: „Ich brauchte den Kampf.“ An der Geistigen Reife gespiegelt, ist das die Pubertät (3).

    Wer kämpfen will, findet Gründe.

    Er erschafft sie sich und will andere davon überzeugen,
    daß sie echt seien, die vermeintlichen „Feinde“.

    Kämpfe ficht man immer mit sich selbst.

    Denn „den Anderen“ gibt es in Wirklichkeit gar
    nicht. Das scheint uns bloß so. Ein Gaukelspiel.

    • No_NWO
      November 1, 2021 um 7:27 pm

      Nöö, Herr Nirmalo, das Erleben von Öhnmächtigkeit ist das eine, wie damit umzugehen ist, das andere.

      Ohnmächtigkeit schlägt nicht zwingend in Gewalt um. Obwohl eine solche Disposition sicherlich in der physiologischen Natur des Menschen liegt (siehe «Schmerzgrenze» des Hirnforschers Joachim Bauer). Darum das Gebot des Christus, seine Feinde zu lieben. Das verhindert zwar nicht, daß diese Feinde Böses tun. Es verhindert aber, Gewalt mit Gewalt zu vergelten. Was eine Quintessenz des Evangeliums ist. Welches vollauf logisch und richtig ist. Was sich einfach beweisen läßt.

      Vorweg: Es gefiel dir, mich zu rügen, prophylaktisch mindestens. Das Rügen im Hinblick auf Gesetzestreue, so ist mir immer wieder aufgefallen, ist hohe Tugend bei — allen Arten von Übeltätern. Ja, seltsam! (Oder auch nicht seltsam, weil „Haltet den Dieb, ruft… .“😁).

      Ich verstehe: Die Rüge hast du mir natürlich nur für den unwahrscheinlichen Fall ausgesprochen, daß ich mich einmal nicht im Zaume haben sollte. Das ist lieb von dir, so um mich besorgt zu sein!😁

      Es war einmal, daß jemand mittels von Folterdrohung staatlicherseits genötigt wurde, dem Gericht einen erlogenen Tathergang vorzutragen. Er wurde vor die einfache Wahl gestellt, entweder das Gericht anzulügen, oder sich mittels psychiatrischer Zwangsmedikation zerstören zu lassen. Vor diese Wahl gestellt wurde er übrigens expressis verbis. Was er dem Gericht bezüglich des Hergangs einer von ihm verübten Gewalttat vorlügen sollte, wurde ihm hinter verschlossenen Türen von Vertretern des Justizwesens genauestens vorgetragen. Der erlogene Tathergang sollte dem Gericht ermöglichen, ein Urteil zu sprechen, welches vom Bestehen eines Affekts ausging.

      Die Justiz versteht das mit der Gewalt sehr gut. Der Trick hier ist der Tathergang. Aus diesem läßt sich ablesen, ob eine Straftat politisch motiviert ist. Indem der Tathergang falsch dargestellt wird, kann aus einer politisch motivierten Straftat, welche politische Verbrechen im Staate aufdecken will, eine unpolitische Straftat gemacht werden, deren Motiv in einem sich aus privaten Lebensumständen ergeben haben sollenden Affektzustand des Straftäters liegt. Was Verbrechen im Staate davor schützt, in den Blickpunkt einer kritischen Öffentlichkeit zu geraten.

      Was sollten Staat und Justiz auch anderes tun. Müssen „Rulers of Evil“ (F. Tupper Saussy) bzw. Herrscher über die Bösen, doch selbst böse sein, um ihren Job ordentlich erledigen zu können. Wie auch sollte ein dem christlichen Liebesgebot Verpflichteter Übeltäter beherrschen können!? Geht nicht, faktisch-praktisch unmöglich. Oder kann sich jemand Christus als Schließer im Knast vorstellen? Genausowenig aber ließe sich Gesellschaft ohne Knäste und Schließer vorstellen, solange Verbrecher ihr Unwesen treiben! Hier ist also differenzierendes Denken gefordert.

      Christus: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Wobei ich anmerke, daß dieses beides allein da zusammengeht, wo ein Bürger dem Staat gegenüber Leistungen zu erbringen hat. Nicht aber, wenn ein Bürger selbst in Staat und Justiz tätig ist. Er wird dann das Liebesgebot unmöglich erfüllen können. Mit Zöllnern zusammensitzen geht. Nicht aber mit Geldwechslern, oder gar Gesetzeskundigen bzw. Pharisäern. Welche letzteren zur Zeit Christi quasi staatliche Verwaltungsorgane darstellten.

      Daraus läßt sich lernen: Ja, es trifft zu, daß Gewalt gegenüber staatlichen Übeltätern und Verbrechern diese beseitigt. Es beseitigt solche Gewalt aber nicht das Staatsverbrechertum. Es wird lediglich ein staatlicher Gewalttäter durch einen anderen ersetzt. Dies sowohl auf einzelnen Ebenen verbrecherischen staatlichen Handelns, als auch mit Blick auf Staatlichkeit als Ganzes, nämlich bei politischen Revolutionen. Der Soziologe Wilfredo Pareto bezeichnete politische Revolutionen sehr treffend als „Rotation der Eliten“. Mit meinen eigenen Worten: Rotation von Verbrechern. Die eine Garde von Übeltätern und Verbrechern wird durch eine andere solche Garde ersetzt. Wie auch anders! Nur Übeltäter und Verbrecher können über Übeltäter und Verbrecher herrschen bzw. diese geordnet im Zaume halten. Klingt grell, ist aber einleuchtend.

      So ist es letztlich nicht mehr als denn lebenskluger Realismus, auf Gewalt überhaupt zu verzichten. Bzw. den Geboten des Christus Folge zu leisten. Quod erat demonstrandum.

    • November 3, 2021 um 11:24 am

      @ „Darum das Gebot des Christus, seine Feinde zu lieben“

      Das ist auf den ersten Blick ein problematisches Gebot, denn solange wir in einem Menschen den „Feind“ sehen, können wir ihn nicht lieben.

      Erst wenn wir in ihm den Bruder erkennen, ist Vertrauen möglich. Dann kann auch die Liebe fließen.

      Sich in der Frequenz der Liebe befinden UND in Feindschaft zu denken, ist nicht möglich.

      Sich in die Motivlage des vermeintlichen Feindes zu versetzen, kann ein guter Anfang sein.

      🍂

      @ „Was eine Quintessenz des Evangeliums ist. Welches vollauf logisch und richtig ist. Was sich einfach beweisen läßt“

      Hier wird versucht, das Größere (Weisheit, Spirituelles) mit dem Kleinen (dem Verstand und seiner engen Logik; Beweis ist ein Tool der Logik) zu bewerten.

      Mit Verstand und Logik läßt sich kein spiritueller Text
      – aus welcher heiligen Schrift auch immer – begreifen.

      Das Evangelium hat keine Quintessenz.
      Das Verstehen korreliert mit dem Stand unserer Reife.

      Und die hat nichts mit dem Intellekt zu tun.

      🍂

      Die Empörung (betr. der Absätze 5 und 6) teile ich (vermutlich) uneingeschränkt. (Betroffen war ein Mann. Eine Frau, Politikerin glaube ich, gab die Drahtzieherin)

      Nur rufe ich deshalb nicht nach der Axt, um sie an die Justiz zu legen.

      Erfordernis hier: Eine ständige unabhängige Kommission als Anlaufstelle, die erkanntes oder gemeldetes Fehl-Verhalten untersucht, öffentlich aufdeckt und dafür sorgt, daß es zeitnah abgestellt wird.

      🍂

      @ „Müssen … Herrscher über die Bösen, doch selbst böse sein, um ihren Job ordentlich erledigen zu können“

      Nein, müssen sie nicht.
      Sie müssen stark genug und konsequent sein.

      Sie sind auch keine „Herrscher“, sondern nach strengen Regeln… Ausführende.

      🍂

      @ „kann sich jemand Christus als Schließer im Knast vorstellen?“

      Ginge es nach mir, müßten die Gefängnisangestellten vor ihrem Dienstantritt ein Praktikum machen. Im Adlon Kempinski.

      🍂

      @ „Hier ist also differenzierendes Denken gefordert“

      Das ist in unserer 3D-Welt, die wir „Realität“
      nennen, immer gefordert, das Differenzieren.

      🍂

      @ „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“

      ◾ KAISER steht für die HORIZONTALE, für das Materielle, das Gesellschaftliche.
      ◾ GOTT steht für die VERTIKALE, für das Spirituelle oder Geistliche.

      Es gibt nicht nur das Entweder/Oder.

      Die Gesetze des Landes befolgen und Steuern zahlen
      steht nicht im Konflikt mit der spirituellen Ausrichtung.

      Und ja, solange bestimmte Regeln erforderlich sind, ist auch deren Befolgung erforderlich. Sind Regeln (aufgrund von Reife der Gesellschaft) nicht erforderlich, ist ihr Verschwinden erforderlich.

      🍂

      @ „es trifft zu, daß Gewalt gegenüber staatlichen Übeltätern und Verbrechern diese beseitigt“

      Das ist Quatsch. Der Geschichtskundige weiß das.

      • No_NWO
        November 3, 2021 um 6:27 pm

        Du wirst es nicht begreifen, solange du dich mit freihändig bemühten Begriffsdefinitionen selbst verwirrst. Ich fürchte, du bist mit dem JK-Virus infiziert. J = jesuitische; K = Kasuistik.

        Manche sagen, sei unheilbar. Aber mach dir nichts draus. Immerhin ist es auch ein Superlativ: Schlimmer könnte es nicht sein.

        Das Wort kasuistisch steht umgangssprachlich auch für spitzfindig, oder haarspalterisch. Ich verstehe was davon, einen Teil meiner Erziehung verbrachte ich in einer den Jesuiten nahestehenden Bildungseinrichtung. (Ich wurde gefeuert. Der Direktor warf mir vor, „zu rational“ zu sein.) Wenn du auch etwas davon verstehen möchtest, dann F. Tupper Saussy, Rulers of Evil. (Die Jesuiten werden dort als die Oberruler of Evil nachgewiesen.)

  17. November 1, 2021 um 5:16 pm

    @ „daß geistig Mündigen so auch häufig ihre Ohnmächtigkeit schmerzlich erlebbar wird“

    Wer scheinbar mächtig ist, oder mächtig sein
    möchte, spürt die Ohnmacht am stärksten.

    🍁

    @ „Aufklärung als Heilsideologie“

    Du hast den Text nicht gelesen, denn den Kant´schen Begriff der „Aufklärung“ (ich bevorzuge „geistige Mündigkeit“) mit dem Begriff „Ideologie“ in Verbindung zu bringen, ist schlicht nicht möglich.

  18. November 1, 2021 um 5:37 pm

    @ „It’s not about the years you have in your life but how much life you have in your years.“

    Da hat er wohl Recht, der Mann.

    Nur machten auf mich die Leute, die je aus ihrem Krieg zurück kamen, nie den Eindruck, daß sie gefunden hätten, wonach sie suchten. Sie wurden auf sich selbst zurückgeworfen.

    Du kannst dir nicht entfliehen.
    Egal wo du hingehst, egal, was
    du machst: Du nimmst dich mit.

    Schon mal aufgefallen? Kampf braucht den ERNST.
    Liebe kämpft nicht, Heiterkeit kämpft nicht, Freude kämpft nicht.

    🍁

    @ „Es geht … darum, wie viel LIEBE du in deinem Leben hast“

    Na, dazu braucht es doch keinen Krieg. 😎

    • No_NWO
      November 1, 2021 um 8:19 pm

      Jetzt plapperst du aber! Wüst insinuierend übrigens.

      Jetzt tue ich das auch mal: Was kann ich dafür, daß dein Vater ein antiautoritärer Hippie war!

    • November 2, 2021 um 3:22 pm

      @ „Es geht … darum, wie viel LIEBE du in deinem Leben hast“

      Liebe kann man nicht „haben“.

      Also kann man sie auch nicht „geben“ oder „nehmen“.

      Du wirst nicht mehr der Jüngste sein, darum gehe ich davon aus, daß du schon mal die Erfahrung gemacht hast, von jemandem verlassen worden zu sein.
      Wir können niemanden anbinden, damit er uns versorgt, damit er unsere Bedürfnisse stillt.
      Rein praktisch ginge das noch: Man kann Menschen einsperren. Aber nicht die Liebe. Wenn sie geht, geht sie.

      Die einzige wirkliche Anarchistin die ich kenne…
      ist die Liebe. Sie läßt sich partout nicht festnageln.

      🍁

      @ „Aus der Logik der Heiligen Schrift ließe sich geistige Unmündigkeit auch als Willensentscheidung für das Böse verstehen“

      Ja, der Verstand ist schon verrückt, wenn man ihn läßt.

      Vor Jahren sah ich in einer Club2-Sendung den Edward Teller gefühlt eine Stunde lang begründen, warum die Wasserstoffbombe nötig sei. Am anderen Kopfende des Tisches saß eine Lehrerin, die nur weinte. An nichts sonst erinnere ich mich, obwohl ich weiß, daß noch ein paar wenige Leute und ein Moderator dabei waren.

      Der Verstand schafft es, für die verrücktesten Entscheidungen und Handlungen logische Begründungen zu finden.

      Der Verstand versteht
      halt nichts von Liebe.

      Und er kennt kein Reifen.

      Die Geistige Reife ist
      ….nicht im Verstand.

      • No_NWO
        November 2, 2021 um 9:54 pm

        Irrtum, Nirmalo. Der Verstand ist wie eine Skisprung-Schanze. Er bringt dich bis genau zu dem Punkt, wo es erdgebunden nicht mehr weitergeht. Dorthin, wo die Liebe beginnt. ABER zum Fliegen braucht es Tempo, viel Tempo. Der Verstand allein bringt genügend Tempo, um nicht abzustürzen und zu fliegen.

        Den Verstand zu gebrauchen, ist Frömmigkeit. Nicht auf das Ergebnis der Verstandestätigkeit kommt es an, nicht auf Verstandesgröße. Sondern auf den gebührenden Respekt. Verstand ist Gottesgabe.

        Dies nicht zu verstehen, zeichnet Esoterik-Anhänger aus. Auch eine Form der Bosheit, die Esoterik. Weil sie dem Größenwahn anhängt, dem Verstand entraten zu können. Laut F. Tupper Saussy übrigens ein typisches Merkmal jesuitischer Mission hin zur totalen moralischen Verderbtheit.

        Sorry für meine Direktheit, aber es nützt ja nichts, um den heißen Brei herumzureden. Aber in Ordnung, jeder ist, wie er eben ist. — Ach, findest du deine Kanterei nicht ein wenig religiös beinahe!? Steiner hat dem armen Immanuel prächtig auf die Nase gegeben. GA1 oder GA2.

      • November 3, 2021 um 11:35 am

        .
        Nicht wir geben den Gedanken Audienz,
        sondern die Gedanken geben uns Audienz.

        — Friedrich Nietzsche

        • No_NWO
          November 3, 2021 um 6:36 pm

          Nietzsche-Zitat, aha! Ja schön, geht doch! Für den Anfang schon mal nicht schlecht. Aber du mußt auch bereit sein, dich fleißig anzustrengen. Und zu leiden. F. Tupper Saussy wird für dich sein, wie für den Teufel das Weihwasser. Hilft nichts, da mußt du durch, Nirmalo.

  19. Gerd Zimmermann
    November 1, 2021 um 6:36 pm

    @ …sind nicht ein und dasselbe.

    Das Gleiche kann nicht das Selbe sein.
    Siehe Doppelspaltexperiment. Licht ist weder noch.

    @ Denn „den Anderen“ gibt es in Wirklichkeit gar
    nicht.

    Wahre aber unverstandene Worte.

    @ Du hast den Text nicht gelesen, denn den Kant´schen Begriff der „Aufklärung“ (ich bevorzuge „geistige Mündigkeit“) mit dem Begriff „Ideologie“ in Verbindung zu bringen, ist schlicht nicht möglich.

    Das schafft auch kein Professor für Philosophie.
    Weder die Wissenschaft, Philosophie noch die Theologie können etwas voraussetzen
    das ohne ihr Zutun ohnehin schon vorhanden ist.

    @ Na, dazu braucht es doch keinen Krieg. 😎

    Noch kein Mensch ist jemals im Krieg gefallen. Lassen wir das Thema.
    Wie kann ein Mensch sterben der noch gar nicht geboren ist.

    Die Idee vom Menschen ist so alt wie das Universum, also ohne Alter.

    Allerheiligen sei mit euch, was auch immer das sein soll.

  20. Gerd Zimmermann
    November 1, 2021 um 6:50 pm

    @ Aus der Logik der Heiligen Schrift

    No NWO versuche es einmal mit Unlogik.

    Alles Wissen ist gewusst, was logisch wäre. Unlogisch wäre einen Gott oder eine
    Urknalltheorie zu zelebrieren.

  21. Gerd Zimmermann
    November 1, 2021 um 7:21 pm

    Die Idee des Menschen in seinem begrenzten Verstand, alles müsse einen
    Anfang haben, sollen sie halt rechnen oder beten.

    Bewusstsein ist aus sich selbst heraus, ein Phänomen, was soll ich da rechnen,
    beten oder philosophieren.

    Eins ist sicher, ich werde alle Urknallpropheten,,Päpste und Professoren für
    Philosophie überleben.

    Das Universum ist nicht unendlich, da Wissen begrenzt ist. Das Wissen im
    Bewusstsein ist begrenzt. Nur das Denkbare ist denkbar. Das könnte ich Tula
    mit Engelszungen erklären wollen, sie würde es nicht verstehen, wollen.

    Im Bewusstsein sind interstellare Reisen möglich, muss ja, denn das Universum
    befindet sich ja im Bewusstsein, oder Martin.

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