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Archive for the ‘Bildung’ Category

Vom Freiheitswillen unserer Kleinsten …

Ich lese aktuell im dem empfehlenswerten Das große Rudolf Steiner Buch für Anfänger und möchte gerne eine Passage bringen, die uns zum Nachdenken über unseren Corona-Maßnahmen-Wahnsinn in unseren Kindergärten und Grundschulen hier ins Regal stellen. Das erläuternde Intro stammt von Axel Burkhart, der eingerückte Text von Rudolf Steiner. Eine wichtige Perspektive seiner Anthroposophie ist der Wiedergeburt. Unter diesem Blickwinkel auf unsere Kleinsten zu schauen, lohnt sich, wie ich finde. Was ich in dem Text aber auch sehe ist jene Motivation von Eltern, die ihren Kindern keine Regeln auflegen wollen, um sie nicht in ihrem Freiheitsdrang zu beschränken. Am Ende haben sei aber auch nicht wirklich verstanden, was Steiners Pädagogik ausmacht. Aber lest selbst, beginnend in der zweiten Zeile mit „Eine Pädagogik, …“ (Seiten 154/155):

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Kein Vertrauen mehr in ARD & ZDF

Ich habe die Erlaubnis erhalten, den folgenden Text hier ins Regal zu stellen. Ich hatte angefragt, da mir es vor etwa 10 Jahren auch so ging wie diesem Autor, und ich dann meinen Konsum der öffentlich-rechtlichen Medien stark einschränkte. Ich war als Jugendlicher einige Male zu Besuch bei Verwandten in der DDR, und hatte Gelegenheit den Staatsfunk dort zuschauen. Es ist schon gruselig, wie schnell sich das auch bei uns nach der Wende durchgesetzt hat.

Kein Vertrauen mehr in ARD & ZDF

Medien beschäftigen mich schon mein ganzes Leben – weil ich von Medien beschäftigt werde. So gesehen gibt es vier Medien-Komponenten, die den Staat seine rein technisch-industriellen, Träume verwirklichen lassen:

  • Die Nachrichten
  • Die Dokumentationen
  • Die Unterhaltung
  • Die Satire

Die Nachrichten des ÖRR gaukeln mir schon immer eine „Objektivität“ vor, in dem ein einfühlsamer, gelackter, gut frisierter Nachrichtensprecher oder eine adrette, kostümierte, lächelnde, aber bestimmende Nachrichtensprecherin, mir berichten, was alles so passiert.

Allerdings unterliegen die Staatsnachrichtensender (ÖRR) immer offensichtlich werdender Leitlinien, die ich so ausmache:

  • Niemals zu kritisch berichten
  • Keine grundsätzliche Beunruhigung erzeugen, nur mal kurz
  • CDU & SPD müssen pol. Grundpfeiler bleiben; seit Kretschmann dürfen aber die Grünen mit ins Boot, weil es die FDP, trotz ständiger Hypung von Lindner nicht mehr bringt
  • erst schlechte Nachrichten berichten, dann zum Ende der Sendung hin ins positive wechseln (Schmankerl, Sport, Wetter)
  • Sprecher/in muss über Gestik & Mimik, Betroffenheit, Ernst, Empathie, Fröhlichkeit ausdrücken können
  • Worte/ Begriffe gezielt an richtiger Stelle einsetzen
  • und: Es muss im Grunde immer alles so bleiben, wie es mal war.
  • Das, was war, heißt: Autos, Fußball, Alkohol, Tabak & Fleisch (früher: Brot & Spiele)

Seit meiner Erfahrung durch meine Beschwerde beim Rundfunkrat dieses Jahr mit der ARD in Bezug auf die Tagesschau und ihr gezielt eingesetztes wording/framing „sozial schwach“ für zunehmend mehr Menschen, die einfach kein oder kaum Geld haben, bin ich ent-täuscht, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Sind unsere Hintertanen nicht von dieser Erde?

Ich hatte vor einiger Zeit den unangepassten Sprachwissenschaftler Erhard Landmann hier schon mal zu Wort kommen lassen (siehe: Sciencefiction? Sind wir Menschen doch von Göttern anderer Planeten beeinflusst? ). Erhard ging der Sprachverwirrung auf den Grund und zeigte an sehr vielen Beispielen, dass es eine Ursprache hier auf Erden gab, die uns aus dem All mitgebracht wurde. Den folgenden Text schrieb der inzwischen Verstorbene vor 13 Jahren. Und es lässt dich Schmunzeln wie klar er schon damals darüber sprach, was wir heute immer mehr wahrnehmen können: Die Fremdsteuerung der des größten Teils der Menschheit. Ich stelle mal diese Perle hier auch ins Regal und bin gespannt auf Eure Kommentare:

… Was schreiben also Leute aus dem angeblich 5. Jahrhundert nach Null, wie Marciano Capella oder Boethius zu dieser Angelegenheit? Lesen Sie also in Notkers Übersetzungen der beiden (Codex 872 und Codex 825 der Codices Electronici Sancti Gallensis im Internet). So schreibt Boethius in der „Consolatio“ („Trost der Philosophie“, Codex 825, Seite 134 unten und Seite 135 oben, siehe Abbildung 4 und 5):


Abbildung 4


Abbildung 5

„Fone gelihemo urspringe chamen alle mennisken in erdo………allero creaturu ist ein fater……fone himele haranider gefrumeta. ……Pediu habet alle mennisken gerecchet edeler chimo uuanda sie fone himele burdig sint.“

Übersetzung für die, die vom modernen Deutsch nicht auf Altdeutsch umschalten können:

„Vom gleichen Ursprung kamen alle Menschen auf die Erde……….alle Kreaturen haben einen (einzigen) Vater….Vom Himmel

hernieder geschaffen……..Daher haben alle Menschen einen urpsrünglich edelen Samen (edelen Keim), da sie vom Himmel gebürtig sind. (vom Himmel abstammen).

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Geschichte der Grundschule – Die Geleise der Innovation

Der folgende Text setzt die neun ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der neunte Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen. Der zehnte Teil geht auf die Komponente der Schulfabrik ein, die die Formierung der neuen Arbeitsdrohnen sicherstellt. Während bei mir in den vorherigen Kapiteln das Mitleid mit den Schülern anklang, tut es das nun auch mit den Lehrern. Der nun folgende Teil geht auf die größeren Optimierungen der anfänglichen Grundschulen ein.

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Texte

Die Geleise der Innovation

Die hier vorliegende Arbeit befindet sich aus Zeitmangel und der fehlenden Möglichkeit, Zugang zu den Dokumenten zu erhalten, die es erlaubt hätten, die Vielzahl der sich anbietenden und bisher kaum erforschten Recherchewege im Vorfeld auszuloten, in einem noch sehr frühen Stadium. Die Durchsetzung der französischen Sprache in der Schule ist ebensosehr wie die Durchsetzung der Arbeitsmoral ein Instrument der Veruntertanung, doch es fehlen in Paris die Angaben für eine Untersuchung, wie dies konkret vor sich gegangen und welche Widerstände es damals gegeben hat:

Auf die entsprechende Willenserklärung der Revolutionäre von 1789 hin mußte eine Institution ins Werk gesetzt werden, und es sind eben die Einzelheiten dieses Vorgangs, welche wir zutage zu fördern versucht haben, indem wir die exakte Gegenposition zu denen bezogen haben, welche die Geschichte des Bildungswesens in aller Regel meist bloß anhand von Absichtsbekundungen und Gesetzestexten zurückverfolgen. Die allgemeine Schulpflicht und die Kostenfreiheit des Schulbesuchs waren die zwei Bedingungen für die Machtnahme der städtischen Mittelschichtsfamilie über die Schule und mithin für die Orientierung der Ideologie der Schule auf die Familie und sind ein Produkt der Dritten Republik. Diese historische Periode ist hier aber beiseite gelassen worden; die Sammlung der Quellendokumente aus dieser Periode befindet sich {nicht öffentlich zugänglich} im Institut pédagogique national, wohingegen die Quellendokumente aus der Zeit davor in der Bibliothèque nationale vorliegen. Dem ist so, weil die Dritte Republik der Moment des Einschließens der Welt der Bildung bzw. der Welt des nun fertig aufgestellten Korps der Lehrerschaft in sich selbst ist; die Archive müssen sich von da an andernorts weiterfüllen, und es wurden ein spezielles Museum und eine Sonderbibliothek eingerichtet, welche ausnahmslos dem ruhmreichen Korps der Lehrerschaft bzw. den diesem Korps Angehörenden zugänglich sind.

Neben der Nennung der negativen Ursachen für die Grenzen dieser Arbeit, ist ihr positiver Aspekt hervorzuheben.

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Frei Testen und Impfen …

Wenn das Ergebnis eines nasalen, oralen oder analen Abstrichs mit hoher Fehlerquote rechtlich stärker wiegt als das Grundgesetz und elementare bürgerliche Grundfreiheiten, dann läuft etwas gewaltig schief!

Bild: Netzfund

In unserer Familie, zur großen Teilen aus dem doch sehr liberalen Böhmen stammend, reiben wir uns immer wieder die Augen, was uns in den Medien aber auch real auf unseren Straßen begegnet. Die Zeiten des ‚mündigen Bürgers‘, den noch Kant und Humboldt beschworen, scheinen dermaßen weit weg zu sein … Bitte lasst Euch diesen Netzfund auf der der Zunge zergehen:

„Freitesten“ immer und überall???

Keine Teilnahme mehr am normalen Leben, ohne die eigene Ungefährlichkeit zu beweisen:
Was uns binnen eines Jahres eingetrichtert und antrainiert wurde, was bereits eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen irreversibel geschädigt hat, wird vom Staat nun endgültig in Normen und Vorschriften festgeschrieben:

Jeder Mensch ist potentiell als krank, ansteckend und hochgefährlich. Er gilt als eine Bedrohung für das Leben Anderer – und er kann sich allenfalls gegen ständig zu aktualisierende negative Testergebnisse ein paar Momente marginaler Freiheit kaufen.

Was im Namen dieser Pandemie vom Staat dekretiert und mittlerweile zur Bedingung für an sich unveräußerliche Grundrechte und Freiheiten gemacht wird, ist ein einziges Verbrechen – und wenn wir alle nicht schleunigst von diesem Irrweg abkommen, dann Gnade uns Gott. „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel bringt es auf den Punkt:

Eine panikgetriebene Teststrategie macht aus allen Gesunden, sogar den Kindern, Verdächtige, wandelnde Infektionsherde, potenzielle Killer… Mit den Tests muss jeder künftig seine Unschuld beweisen. Sonst sperrt man ihn vom Leben aus. Nein!

„Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel

Das Motto scheint zu lauten: Früher war man von Natur aus und von Geburt an zunächst einmal gesund; heute gilt man als asymptomatisch krank und/oder als ständige Viren-Zeitbombe.

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Appell für Debattenräume

„Freiheit geht nur bis dahin, wo der Andere verletzt wird“, höre ich in letzter Zeit zunehmend das Argument dafür, dass verletzende Meinungen, aber auch vermeintlich unwahre Fakten weggelöscht ausgesperrt. Nur, was passiert, wenn Zensur, die einmal begonnen wurde, nicht mehr eingefangen werden kann und am Ende nichts Kritisierendes mehr gesagt werden darf? Ich fand diesen Appell, der im letzten Jahr gestartet wurde und unterstütze ihn auch hier ins Regal stellend:

Befreien wir das freie Denken aus dem Würgegriff

Absagen, löschen, zensieren: seit einigen Jahren macht sich ein Ungeist breit, der das freie Denken und Sprechen in den Würgegriff nimmt und die Grundlage des freien Austauschs von Ideen und Argumenten untergräbt. Der Meinungskorridor wird verengt, Informationsinseln versinken, Personen des öffentlichen und kulturellen Lebens werden stummgeschaltet und stigmatisiert.

Wir erleben gerade einen Sieg der Gesinnung über rationale Urteilsfähigkeit. Nicht die besseren Argumente zählen, sondern zunehmend zur Schau gestellte Haltung und richtige Moral. Stammes- und Herdendenken machen sich breit. Das Denken in Identitäten und Gruppenzugehörigkeiten bestimmt die Debatten – und verhindert dadurch nicht selten eine echte Diskussion, Austausch und Erkenntnisgewinn. Lautstarke Minderheiten von Aktivisten legen immer häufiger fest, was wie gesagt oder überhaupt zum Thema werden darf. Was an Universitäten und Bildungsanstalten begann, ist in Kunst und Kultur, bei Kabarettisten und Leitartiklern angekommen.

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Das Korps der Lehrerschaft

Februar 26, 2021 2 Kommentare


Der folgende Text setzt die neun ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der neunte Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen. Der nun folgende Teil geht auf die Komponente der Schulfabrik ein, die die Formierung der neuen Arbeitsdrohnen sicherstellt. Während bei mir in den vorherigen Kapiteln das Mitleid mit den Schülern anklang, tut es das nun auch mit den Lehrern.

Das Korps der Lehrerschaft

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Texte

Das Korps der Kinder herzustellen, verlangt eine Prägematrize. Die für diese Matrize bezeichnenden Konturen, die dem Korps der Lehrerschaft zu verleihenden charakteristischen Züge, stehen so lange im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der verschiedenen, einander folgenden Reformer, bis das gesamte Staatsgebiet zu Beginn der Dritten Republik schließlich von Pädagogischen Hochschulen bedeckt ist. Die Herstellung der Matrize scheint nun abgeschlossen zu sein.

Bei genauerer Betrachtung finden das Genie von Jean Baptiste de la Salle sowie der Erfolg seiner Einrichtung in seiner Vorreiterrolle im Bereich Lehrerausbildung Erklärung . Die Gemeinschaft der Brüder von den christlichen Schulen, die sich die Erteilung von Grundschulunterricht zur Aufgabe macht, ist die erste Lehrgemeinschaft, die ausdrücklich das Postulat formuliert, daß Lehrkräfte sich Gesetzen zu unterwerfen haben, die sehr viel drakonischer sind als die, denen gewöhnliche Mitglieder der Gesellschaft unterstellt sind. Denn nur und allein derjenige wird die Aufgabe stemmen können, für ihre Unabhängigkeit und Nachlässigkeit bekannte Einwohnerschaften an ein normales Maß an Untertänigkeit und Unterwerfung unter das Gesetz zu gewöhnen, welcher sich selbst ein Mehr, einen Überschuß an untertäniger Ergebenheit und Unterwerfung unter
das Gesetz auferlegt.

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Serie zur Schule als Fabrik – Das Korps der Kinder

Februar 7, 2021 3 Kommentare

Der folgende Text setzt die acht ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der nun folgende Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen.

Das Korps der Kinder

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Textes

Die Kinder zu einem Corps {frz. allgemein für: Körper, Leib, Hauptbestandteil, Körperschaft, Gesamtheit,
Berufsstand, Innung, Verband; milit. für: Korps} innerhalb des corps social, innerhalb der Gesamtgesellschaft zu machen und dieses Korps der Kinder weit mehr noch zum Kern der Gesamtgesellschaft werden zu lassen,
um den herum sich die Gesellschaft als große Familie versammelt, ist Aufgabe der Schule, ihre Mission. Angesichts der von außen drohenden Gefahren muss dieser Kern hart wie Lanzenstahl werden. Vermöge der sich unter der gesetzlichen Schreibschrift vereinheitlichenden Sprache und des Aufziehens des zukünftigen Soldatenkorps ist die Schule das bevorzugte Instrument zur Produktion und zum Schutz des Vaterlands. «Das bedeutendste Geheimnis hinter der militärischen Kraft eines Volkes liegt in der Vermehrung und Verbesserung der Rasse» (S. 3, Jules Simon, L’ouvrier de huit ans, Der Arbeiter von acht Jahren).

Als Jules Simon dies im Jahr 1867 niederschreibt, lässt die Qualität jener mit der Revolution entstandenen französischen Rasse – deren Geburtsstätte vielleicht oder vielleicht auch nicht die Schule war, die in jedem Falle aber durch die Musterungsstellen inspiziert wird – in einzigartigem Ausmaß zu wünschen übrig. Laut den von Jules Simon angegebenen Statistiken, sind von 325.000 Zwanzigjährigen 109.000 körperbehindert, missgestaltet und wehrdienstunfähig; im einzelnen sind dies 18.000 Kleingewachsene, 30.500 Schwächliche, 16.000 bei der Arbeit Verunfallte, 9.000 Bucklige, Hohl- oder Plattfüßige, 7.000 mit Sinneseinschränkungen, 1.000 Stotterer, 4.000 Zahnlose, 5.000 Straffällige, 2.500 Hautkranke, 5.000 mit Kropf und 8.200 mit verschiedenen anderen Einschränkungen. Es sind sicherlich nicht alle diese Anomalien zu verhindern. Doch sollten verringerte Arbeitszeiten der Kinder, bessere Ernährung, körperliche Ertüchtigung und bessere Hygiene die Zahl der Wehrdienstunfähigen zweifellos verringern können.

Die Gesundheit des Kinds ist das wichtigste Kapital.

Gérard de Brigode, L’architecture scolaire, Die Schularchitektur, Verlag: PUF 1966
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Über die Schule der Zukunft …

Januar 30, 2021 8 Kommentare

Ich möchte gerne zum Ausgleich zur Serie mit dem Rückblick auf die Einführung der allgemeinen Schule am Beispiel von Frankreich wieder einmal etwas zur Schule, wie sie zukünftig zum Wohle der Vielen anstelle der wenigen Eliten (siehe dazu gerne diesen Beitrag) organisiert sein sollte.

Der Österreicher Ricardo Leppe ist ähnlich wie Franzose André Stern überwiegend außerhalb der Schule gebildet worden. In Österreich und Frankreich gilt im Gegensatz zu Deutschland eine Bildungspflicht anstelle einer Schulpflicht. Beiden ist damit ein äußerst freie Geist ihr Eigen. In dem folgenden Beitrag erklärt uns Ricardo seine Sicht darauf, wie Schule sein sollte, um weg von unserer Aufzucht orientierungsloser Weisungsempfänger zu kommen. Im ersten Teil erfahren wir über die drei Hauptthemen, die die Schule bildet:

  1. Alles rund um den Körper, denn wenn der nicht mehr gut funktioniert, steht es ums Leben schlecht.
  2. Alles rund um den Geist: Wie gehe ich mit mir um, wenn es mir mal nicht gut geht, und wie gehe ich auf andere ein?
  3. Vorbereitung auf das Leben: Kurze Zeit eine Berufenen ausprobierend begleiten.

Im zweiten Teil geht er um die Methodik, wie Schule laufend optimiert werden kann, und zwar für den Schüler und nicht für den Lehrer und schon gar nicht für die Eliten. Das Wichtigste ist dabei, Kindern die Angst vor dem Lernen zu nehme bzw. zu vermeiden, dass diese auf kommt. Und so ist das wichtigste Ritual die Retrospektive, wie sie aus den agilen Projektmethoden wie SCRUM auch bekannt sind, die Retrospektive. Es soll das verstärkt werden, was zuträglich für die Entfaltung der Kinder ist, und das eliminiert werden, was sie anpisst.

Und nun viel Spaß beim kurzweiligen Erkennen, wie Schule vom toten zum lebenden System gewandelt werden kann:

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Über Normalität und Verrücktheit — oder wie kollektives Verrücktsein zum Adel der Normalität findet

Die Wörter Corona, Great Reset usw. sind in diesem Beitrag nicht enthalten. Stattdessen soll die Welt hier nun einmal aus größerer Höhe betrachtet werden. Es geht weit zurück zu den Anfängen, zu unseren frühen Vorfahren. Um von dort ausgehend, uns Heutige wiederzufinden. Wir beginnen darum mit: Es war einmal…

Wenn die Dunkelheit einsetzte und die ersten großen Raubtiere sich zur Jagd aufmachen würden, zogen die Menschen zur Zeit der Sammler und Jäger sich an sichere Orte zurück, von denen aus sie weit ins Land schauen konnten. Als erstes entzündeten sie ein kräftiges Feuer, das sie durch die Nacht begleiten würde. Es beschützte sie und half ihnen, sich zu entspannen, zu sammeln und zur Ruhe zu finden. Bevor die Damaligen sich zum Schlafen legten, waren allerhand kleine Geschichten zu erzählen, Berichte von den Tagesereignissen — lehrreiche, lustige oder traurige. Waren diese erzählt, kamen die großen Geschichten zum Vortrag, Geschichten über die Vorfahren und oft auch Geschichten von Göttern, Geistern und Dämonen. Und von der Welt überhaupt. Wie alles ist. Wie alles war und alles anfing — und daß alles Sinn macht. Daß es so, wie es ist, auch sein soll. Und es nicht anders sein kann. Daß es gut ist, wie es ist, und daß es immer so sein würde.

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Es ist Illusion zu meinen, nun alles zu durchschauen, nur weil das eine oder andere in Gesellschaft und Politik als Lüge und Betrug erkannt worden ist. Fakes gibt es viele. Kleine, größere und auch sehr große. Doch einer ist von besonderer Natur. Dieser eine ist der Vater überhaupt aller Fakes. Jener Fake aller Fakes heißt „gesellschaftliche Normalität“.

Was im Weiteren zu beweisen versucht werden soll: Es gibt keine gesellschaftliche Normalität, die nicht verrückt wäre. Es gab sie vielleicht nie, in der gesamten Geschichte der Menschheit nicht. Sogar nicht bei den Jägern und Sammlern. Ein Blick auf die Kulturgeschichte erzählt von unterschiedlichen und besonderen Formen von gesellschaftlichen Verrücktheiten, die alle einmal als gesellschaftliche Normalität gegolten haben. In all den zahllosen kleinen und großen Menschheitskulturen gab es allemal das Gefühl, alles sei ganz normal so, wie es ist. Und ganz gleich, wie grausam oder sonst wie verrückt manche Gesellschaften und Kulturen aus dem Blickwinkel anderer auch immer erscheinen mögen, fühlten jene verrückten Kulturen sich „von innen“ ganz normal an. Bei archaischen Kannibalen, friedlichen Urwaldvölkern, bei den Azteken bis hin zu uns modernen Menschen — in allen Kulturen gab es und gibt es jenes bestimmte Gefühl, normal zu sein.

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Serie zur Schule als Fabrik – Die Familienkinder

Der folgende Text setzt die sechs ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der nun folgende Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen.

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden ins Deutsche übersetzten Textes

Die Familienkinder

Die französische Redewendung «Sohn von Familie» meint einen Knaben aus «gutem Hause», aus dem Bürgertum, dessen Zukunft und gesellschaftliche Einbindung kaum Probleme aufwerfen sollten
und dessen Jugendzeit daher dem Studium oder dem Müßiggang geweiht werden kann. Die Grundschulpflicht hat zur Folge gehabt, alle Kinder zu zwingen, sich dem Familiensohn-Verhaltensmuster
mit mehr oder weniger Glück und ohne Rücksicht auf die sich aus diesem Muster für die Eltern ergebenden wirtschaftlichen Konsequenzen anzupassen. „Mit mehr oder weniger Glück“ spielt auf die Rangstellung in der gesellschaftlichen Hierarchie an, die nun von der Zeitdauer abhängig wird, während derer die Kinder die
Position eines Kinds aus gutem Hause, eines studierenden Kinds, einnehmen werden.

Die Lehrzeit des Bürogehilfen oder Handwerksgesellen war zugleich ein Verlassen der kindheitlichen Lebensumgebung, es ging auf die Landstraßen oder mindestens weit fort, anderswohin. Die neue Schule ergreift vom Kind Besitz und macht es zu einer Art Hebel für die Produktion von Familie. Die von der Schule zum Kind unterhaltenen Beziehungen setzen die Familie als vorhanden voraus; sie erhält von der Schule Post zur Beantwortung der Frage nach den Fehlzeiten ihres Kinds, und sie ist es auch, die im Falle der Nichtbeantwortung dieser Post zu Hause besucht und in ihrer biologischen Funktion in Haftung genommen wird. Wenn die Familie zur Zeit der ersten Schulen auch noch nicht vorhanden ist, da Schule sich anfänglich vor allem der ins allgemeine Spital verbrachten Waisen- und Vagabundenkinder angenommen hatte, kommt der Ruf nach der Familie unausweichlich von eben jenen Kindern, die ihr Fehlen im Verlauf ihrer Erziehung immerwährend schmerzlich zu spüren bekamen. Der seitens der heutigen amtlichen Fürsorge auf die von ihr betreuten Kinder ausgeübte Druck ist zweifellos bezüglich seiner Formen, kaum aber bezüglich seiner Wirkungen und Zielsetzungen anders als damals. [146]

Die uneinsichtigen Eltern

Die christlichen oder städtischen Schulen für arme Kinder sind entschieden antifamilial. Richtiger ausgedrückt, sind sie Feinde der bedürftigen Familie, und die Mission der Schule lautet, die Reproduktion dieser Familien zu verhindern. Indem die Kinder armer Familien in eine Lehre gegeben werden und einen Beruf erlernen, entkommen sie dem Stand ihrer Eltern, dem der Bedürftigkeit. Entsprechend entschlossen ist die Opposition gegen das schädliche Verhalten jener Eltern, die sich kaum bemühen, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und die keine Hemmungen haben, den Maître oder die Maîtresse zu beschimpfen, weswegen zum Beispiel der Generalpolizeileutnant von Paris häufig Geldstrafen verhängen muss (siehe: M. Fosseyeux, Les écoles de charité à Paris sous l’Ancien Régime, Die Wohltätigkeitsschulen in Paris unter dem Ancien régime, 1912, S. 38).

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Denkst Du noch selbst oder wirst Du schon gedacht?

Hier auf diesem Blog findet sich eine deutsche Übersetzung von «l’ensAignement» (1976) der Soziologin Anne Querrien. Jene Publikation beantwortet die Frage nach der Herkunft der allgemein verbreiteten Schwäche der Fähigkeit zu kritischem Denken mit der Staatsschule, indem deren historische Entstehung nachvollzogen wird — Unterricht und Aderlaß, enseignement und ensaignée! Angefangen mit dem Heiligen Jean Baptiste de LaSalle (lasallefrance.fr), ist die moderne Grundschule unter dem Gesichtspunkt entwickelt worden, Kindern die Fähigkeit zu klarem, eigenständigen und logischen kritischen Denken auszutreiben wie einen Teufel.

Werden Kinder für ein Denken bestraft, das sie in offenen Widerspruch zu einer in ihrer Beziehungsumgebung vorfindlichen kognitiven Dissonanz bzw. Hippokrisie bringt, hören Kinder früher oder später auf, überhaupt noch eigenständig zu denken. Sind Hippokrisie und entsprechend auch die Bestrafung extrem, wie z.B. bei manifesten (körperlichen und seelischen) Kindesmißbräuchen, kommt es zu der als «Borderline» bekannten Erkrankung: Irrationalität in Denken und Verhalten sind ein markanter persönlicher Wesenszug geworden.

Kommentar von No_NWO an anderer Stelle, und weist auf eine Artikelserien hin, deren letzter Artikel dieser ist.

Ich habe mich gestern und heute ein wenig auf dem inzwischen stark meinungsbeschränkten Twitter-Portal umgeschaut. Ich empfand das dort inzwischen sehr gruselig. Es sind nur noch wenige kritische Stimmen wahrzunehmen. Viel dreht sich um die Verurteilung eben der Kritiker der Corona-Maßnahmen als asoziale Faschisten. Ich vermute wohl meist aus Angst, weil nur ein Teil der möglichen Fakten bewusst ist? Dass am Ende doch gerade diese Meinungsverengung selbst faschistisch ist, fällt nicht auf. Kritische Stimme kommen eher von Älteren, wohl weil diese nicht mehr so abhängig vom System sind?

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Serie zur Schule als Fabrik – Die Wirkung tuenden Blicke

Der folgende Text setzt die sechs ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der hier nun folgende siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde.

Die Wirkung tuenden Blicke

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden ins Deutsche übersetzten Textes

Die dank geeigneter technischer Hilfsmittel omnipräsente Überwachung beseelt die Gesamtheit aller Kollektiv-Infrastrukturen, welche die Disziplinierung und Formung der Arbeitskraft zum Ziel haben (siehe: Michel Foucault, Surveiller et punir, Überwachen und strafen, Verlag: Gallimard, 1975). Doch jenseits von Überwachung sind es die Blicke selbst, die von der Machtmaschine eingefangen und ausgerichtet werden, um ihr zu dienen. Die im 17. Jahrhundert aufkommende Obergewalt, die sich nach der französischen Revolution fest einrichtet, zeigt sich ihren Untertanen nicht mehr direkt: Sie sieht die Untertanen, und während diese sich zu sehen geben, gibt sie ihnen etwas zu sehen und kanalisiert auf solche Weise ihre Blicke.

Der Blick als Machtvektor

Der unablässige Blick des Maître auf den Schüler, der im exemplarischen Fall der Kleinschulen von Port Royal über Tag und Nacht andauert, stellt den ersten Kennbuchstaben der modernen Pädagogik dar. Um diese Überwachung so weit als irgend möglich zu erleichtern, umfassen die Gruppen in Port Royal nicht mehr als fünf oder sechs Kinder. «Körperliche Züchtigungen galten als verschlimmernd und waren selten. Ein kurzer Blick des Maître machte mehr Eindruck als die strengsten Strafmaßnahmen» (siehe: René Taveneaux, La vie quotidienne des Jansénistes, Das Alltagsleben der Jansenisten).

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Serie zur Schule als Fabrik – Die landesweite Normalisation

Dezember 31, 2020 8 Kommentare

Der folgende Text setzt die vier ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der nun folgende Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen.

Die landesweite Normalisation

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden ins Deutsche übersetzten Textes

Die landesweite Normalisation «Das Bildungsministerium ist wahrhaft zu einer Fabrik geworden, in der Schulen produziert werden.» Es schafft «durchschnittlich drei Schulen oder Klassen am Tag. Wir machen Schulen in der gleichen Geschwindigkeit, in der ein Bäcker Brote backt» (Jules Ferry, Rede am 2. Juli 1882 vor der association philotechnique, der philotechnischen Vereinigung; zitiert nach: Maurice Gontard, L’œuvre scolaire de la Troisième République, Das schulische Vollbringen der Dritten Republik, Verlag: éditions du CRDP de Toulouse).

Brötchenschule und Bäckereiministerium. Nach zwei Jahrhunderten ist die von Jean Baptiste de la Salle ehemals den Kleinschulen gegebene Anempfehlung endlich umgesetzt: «Die Schule sollte auf eine Weise beschaffen sein, dass die Bücher, Maître, Lektionen und Korrekturen alle gleich und allen gleich dienlich seien» Doch hätte Jean Baptiste de la Salle ganz sicher nicht geahnt, dass die Technologie des Verwaltens eines Tages fähig sein würde, diese Schule eine staatliche Einrichtung werden zu lassen, die sich aus eben so vielen lokalen Zellen zusammensetzen würde, wie es Kommunen gibt; und dass die audiovisuelle Technologie jene Basiszelle eines Tages weit genug miniaturisieren könnte, um sie mitten hinein in die Familien zu bringen. Woraus ist jene Verwaltungstechnologie gemacht?

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Serie zur Schule als Fabrik – Weswegen haben die Brüder gewonnen?

Dezember 27, 2020 10 Kommentare


Die Dressierbarkeit der Menschen ist in diesem demokratischen Europa sehr groß geworden; Menschen, welche leicht lernen, leicht sich fügen, sind die Regel. Das Herdentier, sogar höchst intelligent, ist präpariert.

Friedrich Nietzsche

Der folgende Text setzt die vier ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennen. Der vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam.

Weswegen haben die Brüder gewonnen?

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden ins Deutsche übersetzten Textes

Eine erste Antwort findet sich bereits in dem Porträt einer Klassenschule, welche die Kinder im Kollektiv zusammenführt, um sie das Lesen, Schreiben und Rechnen als etwas erobern zu lassen, das zum Repertoire der durch körperliche Gewöhnung erworbenen Fähigkeiten des guten händischen Arbeiters zu gehören hat. Ein Echo dieser Antwort findet sich in der Arbeit einer anderen Gruppe des CERFI zum Thema der crèche, der Kinderkrippe. Die Kinderkrippen sind zeitgleich mit den mutuellen Schulen aufgekommen und hatten weitgehend die selben Initiatoren. Wie die mutuelle Schule, wurden auch die Krippen abgewürgt, allerdings nicht so restlos erfolgreich; im Jahr 1975 gab es lediglich noch 32.000 Krippenplätze. Dem Ausbau der Krippe – Ort des Kollektivkorps der Kinder – ist der Ausbau der école maternelle bzw. der Vorschule – Ort der Lehrerin-Kind-Beziehung – vorgezogen worden (siehe: Garde d’enfants et famille conjugale, Kinderverwahrung und eheliche Familie, CERFI, 1975).

Zuträgliches und Unzuträgliches der Methode der Brüder

Als die Brüder am Ende der Julimonarchie ihren Sieg feiern, sind die Charakteristiken der mutuellen und der simultanen Methode weitgehend aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und, schlimmer, auch aus dem der Lehrkräfte verschwunden. Davon zeugt LouisArsène Meunier, treibende Kraft von L’écho des instituteurs, Das Echo des Lehrers, einem der ersten engagierten und von Januar 1845 bis Juni 1850 erschienenen Journale der Lehrerschaft. «Diese allgemeine Arbeitsweise, die das eine Mal mutuell und das andere Mal simultan genannt wird…» (S. 42 von Lutte du principe clérical et du principe laïc, Kampf zwischen dem klerikalen und dem laizistischen Prinzip, im Jahre 1861 in Paris erschienene Wiederauflage seiner Beiträge)

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