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Vollmers Fazit zum Sondierungspapier der angestrebten Ampelkoalition

Oktober 30, 2021 4 Kommentare
Bild mit symbolischem Wert? Ampel nur mit Gelb …

Ich arbeite seit 2008 als Product Owner. Dies ist eine Rolle der agilen Projektmethodik SCRUM (SCRUM = Gewusel). Ich hatte auf dem damaligen Blog meines damaligen Arbeitgebers viel über Werte und Haltung von Menschen in einer solchen Arbeitsumgebung geschrieben (ist inzwischen vom Netz; es gab dort über 400 Artikel von mir). Die Methodik hatte sich aus der Notwendigkeit entwickelt, Software schneller an den sich immer schneller ändernden, aber auch komplexer werden Markt auszurichten. Dabei haben eine Reihe großer Firmen gemerkt, dass in einem solchen Markt schlecht zentralistisch zu steuern ist. Daher gaben sie vermehrt Entscheidungskompetenzen an die Peripherie, also dorthin, wo Mitarbeiter der Firmen mit Mitarbeitern von Lieferanten und Kunden zu tun haben.

Dezentralisierung ist das Stichwort hier. Womit ich bei der Überleitung zu dem folgenden Text von Lars Vollmer komme. Denn er sieht mit Blick auf unsere potentielle neue Regierung einen Rückschritt in die staatliche Zentralisierung, dich sich historisch schon mehrfach im Scheitern präsentiert hat. Der Text ist das Fazit am Ende eines längeren Textes, den zu lesen sich in meinen Augen sehr lohnt. Also ab ins Regal:

Eine Dreierkoalition ist zwar nichts neues für die Bundesrepublik, dennoch: Eine Ampelkoalition auf Bundesebene hatten wir noch nie. Da braucht es sicherlich viel Verhandlungsgeschick.

Die Spitzenpolitiker dieser neuen Koalition verkaufen uns ihr gesamtes Projekt als fortschrittlich. Dass wir Fortschritt brauchen, da gibt’s keine zwei Meinungen, das ist klar. Und auch auf welchen Feldern Fortschritt dringend nötig ist, dürfte in der Bevölkerung gar nicht so dermaßen umstritten sein.

Wenn ich aber frage: Wie will die Ampelkoalition die anstehenden Probleme lösen? Auf fortschrittliche Weise oder auf rückschrittliche Weise? – Dazu habe ich gehofft, im Sondierungspapier Hinweise zu finden. Und leider: ich habe sie gefunden.

Schon möglich, dass ich in den einen oder anderen Satz etwas mehr herausgelesen habe als reingeschrieben wurde. Aber der Gesamteindruck zählt: Durch das komplette Sondierungspapier weht von vorne bis hinten der Geist der Zentralisierung. Dieser fatale Hang zum Autoritären, den ich zuletzt im Buch „Der Führerfluch“ detailliert beschrieben habe. Das Papier negiert auf fast schon fahrlässige Weise alle Erkenntnisse, wie Fortschritt zustande kommt. Man kann nämlich theoretisch und empirisch hervorragend nachweisen, dass Fortschritt niemals durch Zentralisierung zustande kommt, höchstens durch den Widerstand dagegen.

Ja, wir sollten der neuen Regierung erst einmal eine Chance geben. Aber leider sind die Formulierungen im Sondierungspapier bereits so eindeutig zentralistisch, dass einfach nicht zu vermuten ist, dass sich dahinter liberales, fortschrittliches Gedankengut verbergen könnte.

Auch die Hoffnung, die ich in letzter Zeit häufig gehört und gelesen habe, dass nämlich die FDP in der Ampelkoalition eine Art Bollwerk gegen die sozialistischen Bestrebungen von SPD und Grünen bilden würde, kann ich aus dem Papier nicht herauslesen.

Wie immer spreche ich den Akteuren ihre guten Absichten nicht ab. Sie wollen ganz sicher einen Um- und Aufschwung für das Land initiieren. Wenn aber der Koalitionsvertrag den gleichen Geist atmet, was sehr wahrscheinlich ist, dann ist die Ampel eine Koalition aus der zentralplanerischen Mottenkiste. Dann ist sie für mich keine Koalition, die irgend etwas mit Fortschritt zu tun hat.

Was aber übrigens mit der Union, der Linken oder der AfD mit großer Sicherheit auch nicht anders gekommen wäre.

Fazit von Lars Vollmer in seinem Artikel „Wird die Ampel eine Fortschrittskoalition?“
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