Archiv

Posts Tagged ‘Elitendemokratie’

Die lange Geschichte der Eliteherrschaft: Was braucht es, um sie zu beenden?

Sitzt die Globalisierungselite gemeinsam am Tisch?

Und ein weiteres Mal möchte ich einen Text hier ins Regal stellen, der mir auf Human Connection vor die Linse kam. Der erste geschichtliche Teil über den Werdegang und das Gedeihen von Herrschaft deckt sich recht gut mit meinen bisherigen Recherchen. Der zweite Teil, der erklärt, wo es hingehen soll, ist zumindest nicht mein Weg, da es um Kampf der Arbeiter geht, und der geneigte Leser meines Blogs mag inzwischen erahnen, dass dort, wo gekämpft wird, die Energie in eine wenig zuträgliche Richtung fließt. Diese Energie ist besser dort eingesetzt, wo an der Basis am Neuen gewirkt wird, auf dass sich dieses wie ein Virus verbreite und auch dies hier beschriebenen Eliten erwische:

Die lange Geschichte der Eliteherrschaft: Was braucht es, um sie zu beenden? (Quelle)

Seit vielen Jahrtausenden haben die Eliten über das Volk geherrscht und den Überschuss ihrer Arbeit befehligt. Es ist diese lange Geschichte, mit der wir in der heutigen Krise des Kapitalismus zu kämpfen haben, die endlose Kriege und Umweltkatastrophen hervorgebracht hat, während die Konzernmilliardärsherrscher weiterhin das „business as usual“ fördern und sich gleichzeitig darauf vorbereiten, sich gegenseitig mit Streitkräften und Atomwaffen zu bekämpfen. Dies alles ist „normalisiert“ worden. Die konzentrierte Elitenmacht führt dazu, dass das Verständnis der Menschen für das Wesen der Herrschaft des Großkapitals massiv verzerrt wird. Ihre hoch bezahlten Sprecher setzen sogar schamlos Konzepte wie „Freiheit“ („freedom“ and „liberty“) ein, um die Versklavung und Tötung von Millionen von Menschen für Profite in Ressourcenkriegen zu rationalisieren. Aber wir müssen auch verstehen, dass trotz dieser langen Herrschaft des (T)errors die Menschen den größten Teil ihrer Evolutionsgeschichte (eine viel längere Zeitspanne als die, in der Eliten herrschten) in nomadischen Jäger- und Sammlergesellschaften lebten, in denen die Lebensbedingungen eine grobe Gleichheit zwischen den paläolithischen Familiengruppen hervorbrachten. Wenn es hier etwas gab, das man als Freiheit bezeichnen könnte, dann war es die Folge eines primitiven Existenzminimums, das von allen die Teilnahme an der Beschaffung der Mittel zum Überleben forderte und gleichzeitig minimale Anreize für groß angelegte soziale Konflikte bot. Kooperation war das Primat; sie machte die menschlichen Gesellschaften aus – nicht die Konkurrenz. Diese Bedingungen hielten auch die menschliche Bevölkerung niedrig und im Gleichgewicht mit den verfügbaren Ressourcen, während sie, wie einige Anthropologen spekulieren (siehe Marshall Sahlins), beträchtliche Mengen an freier Zeit für die Pflege sozialer Beziehungen zur Verfügung stellten.

Weiterlesen …

Die verhinderte Demokratie

November 11, 2019 31 Kommentare
Foto: Anton Watman/Shutterstock.com

Nach der Wiedervereinigung eroberten die Sieger die Deutungshoheit und vereitelten so die historische Chance eines wirklichen Neubeginns.

Der folgende Text stammt von Rainer Mausfeld und wurde auf Rubikon unter einer Lizenz veröffentlicht, die es mir erlaubt, ihn auch hier ins Regal zu stellen. Es geht um den Zustand der Eliten!-Demokratie speziell hier in Deutschland. Nach allem, was ich bisher recherchiert habe: ziemlich gut auf den Punkt gebracht:

Eine Vereinigung — das wäre eigentlich ein Vorgang der Kompromissfindung, bei dem beide Seiten ihre Vorstellungen und Erfahrungen einfließen lassen. Aus These und Antithese könnte eine Synthese entstehen, die das Beste aus beiden Welten auf einer höheren Ebene vereinigt. Während des Wendeprozesses 1989/90 war vor allem Ostdeutschland ein Laboratorium kreativer Ideen, das Hoffnung auf die Schaffung einer wirklichen sozialen Demokratie weckte. Aber die Ostdeutschen wurden bewusst mit den Lockungen der Warenwelt eingekauft; die westdeutschen Lämmer schwiegen, eingelullt vom Versprechen des „Weiter so“. Der Endsieg des profitgetriebenen Kapitalismus erstickte alle Ansätze zu wirklich Neuem im Keim. Weder gab es eine gesamtdeutsche Verfassung noch ein Zusammenwachsen der beiden unterschiedlichen Mentalitäten. All das geschah auch, weil das Hauptwerkzeug eines sanften Totalitarismus, die West-Medien, in den Hirnen und Herzen der Deutschen ganze Arbeit geleistet hatte.

Das Schweigen der Lämmer ist kein unabwendbares Schicksal. 1989 hat das Volk sich selbst zum Sprechen ermächtigt und seine Stimme gegen die Zentren der Macht politisch wirksam werden lassen. Es hat den alten Hirten die Gefolgschaft gekündigt — und sich neue gesucht, die seine „Vertreibung ins Paradies“, so das treffende Bild von Daniela Dahn, organisierten: das Paradies der kapitalistischen Warenwelt, der grenzenlosen Reise- und Redefreiheit; das kapitalistische Paradies der individuellen Bedürfnisbefriedigung, der bunten Medienvielfalt und der unerschöpflichen Zerstreuungs- und Unterhaltungsindustrie. Keine Frage: Nach den Kriterien des westlichen Vorbilds ist der Lebensstandard für eine Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland gestiegen — und mehr noch das Ausmaß sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltungen.

Weiterlesen …
%d Bloggern gefällt das: