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Posts Tagged ‘Gehorsam’

Geschichte der Grundschule – Die Geleise der Innovation

Der folgende Text setzt die neun ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der neunte Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen. Der zehnte Teil geht auf die Komponente der Schulfabrik ein, die die Formierung der neuen Arbeitsdrohnen sicherstellt. Während bei mir in den vorherigen Kapiteln das Mitleid mit den Schülern anklang, tut es das nun auch mit den Lehrern. Der nun folgende Teil geht auf die größeren Optimierungen der anfänglichen Grundschulen ein.

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Texte

Die Geleise der Innovation

Die hier vorliegende Arbeit befindet sich aus Zeitmangel und der fehlenden Möglichkeit, Zugang zu den Dokumenten zu erhalten, die es erlaubt hätten, die Vielzahl der sich anbietenden und bisher kaum erforschten Recherchewege im Vorfeld auszuloten, in einem noch sehr frühen Stadium. Die Durchsetzung der französischen Sprache in der Schule ist ebensosehr wie die Durchsetzung der Arbeitsmoral ein Instrument der Veruntertanung, doch es fehlen in Paris die Angaben für eine Untersuchung, wie dies konkret vor sich gegangen und welche Widerstände es damals gegeben hat:

Auf die entsprechende Willenserklärung der Revolutionäre von 1789 hin mußte eine Institution ins Werk gesetzt werden, und es sind eben die Einzelheiten dieses Vorgangs, welche wir zutage zu fördern versucht haben, indem wir die exakte Gegenposition zu denen bezogen haben, welche die Geschichte des Bildungswesens in aller Regel meist bloß anhand von Absichtsbekundungen und Gesetzestexten zurückverfolgen. Die allgemeine Schulpflicht und die Kostenfreiheit des Schulbesuchs waren die zwei Bedingungen für die Machtnahme der städtischen Mittelschichtsfamilie über die Schule und mithin für die Orientierung der Ideologie der Schule auf die Familie und sind ein Produkt der Dritten Republik. Diese historische Periode ist hier aber beiseite gelassen worden; die Sammlung der Quellendokumente aus dieser Periode befindet sich {nicht öffentlich zugänglich} im Institut pédagogique national, wohingegen die Quellendokumente aus der Zeit davor in der Bibliothèque nationale vorliegen. Dem ist so, weil die Dritte Republik der Moment des Einschließens der Welt der Bildung bzw. der Welt des nun fertig aufgestellten Korps der Lehrerschaft in sich selbst ist; die Archive müssen sich von da an andernorts weiterfüllen, und es wurden ein spezielles Museum und eine Sonderbibliothek eingerichtet, welche ausnahmslos dem ruhmreichen Korps der Lehrerschaft bzw. den diesem Korps Angehörenden zugänglich sind.

Neben der Nennung der negativen Ursachen für die Grenzen dieser Arbeit, ist ihr positiver Aspekt hervorzuheben.

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Gehorsam ist nicht gleich verantwortlich

Lars Voller, Intrinsify-er,
Unternehmer und Unternehmungsberater

„… Mit welcher moralischen Begründung und mit welcher Motivation auch immer: Er stellt jedenfalls mit Gesetzen und Verordnungen zur Corona-Bekämpfung Unmengen von Regeln auf, bis weit ins Privatleben hinein. Der Staat reißt damit die Verantwortung für die Gesundheit der Bürger an sich. Er stopft sich die Torte in den Bauch. Wenn sich dann einzelne Bürger nicht an die Regeln halten, sich zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen zu nahe kommen, im Park ohne Masken spazieren gehen oder sich zuhause zum Kochen treffen, dann wirft der Staat ihnen vor „unverantwortlich“ zu handeln. Aber dieser Vorwurf ist falsch!

Denn Leute, die Corona-Parties feiern oder eine Maske als Kehlkopf-Wärmer verwenden, sind nicht verantwortungslos, sondern ungehorsam. Wenn der Staat sich als Obrigkeit versteht und von seinen Untertanen Gehorsam verlangt, dann soll er es gefälligst auch so sagen. Und es nicht als eine Frage von Verantwortung tarnen! Der paternalistische Staat hat den Bürgern mit der weitgehenden Verregelung des Alltags die Verantwortung an vielen Stellen längst entrissen. Dann kann er ihnen dort auch keine Verantwortungslosigkeit vorwerfen.

Wäre beispielsweise das Tragen von Masken in Supermärkten kein Zwang, dann könnte sich ein verantwortungsvoller Mensch überlegen, ob es für ihn und seine Mitmenschen sinnvoll wäre, in einer besonderen Situation wie der einer Epidemie einer ansteckenden Atemwegserkrankung eine Maske zu tragen. Dazu würde er sich selbstverantwortlich informieren. Er würde sich die Folgen bewusst machen. Und er würde am Ende selbst die Entscheidung treffen und selbst die Verantwortung dafür übernehmen.

Aber jemand, der einfach nur eine Regel befolgt, weil ihm eine Strafe angedroht wird, kann gar kein verantwortungsvoller Bürger mehr sein! Ihm wird die Chance zur Verantwortungsübernahme von vorne herein genommen. Und Menschen, die sich daran gewöhnen, keine Verantwortung mehr übernehmen zu müssen, sondern nur noch stumpfe Gehorsamkeit zu leisten, verrohen. Die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme verkümmert dann mangels Gebrauch.

Das ist im Übrigen der gleiche Missbrauch wie bei der „Solidarität“: Durch die Verstaatlichung der sozialen Verantwortung wird aus Solidarität Zwang. Und selbstverständlich sinkt dann die individuelle Bereitschaft anderen Menschen zu helfen. Sie wird ja substituiert durch staatliche Regeln und finanzielle Umverteilung. Was bleibt, ist dann nur noch gehorsames Abliefern von Steuern und Abgaben, um das Soziale kümmert sich dann der Staat. Die Bürger gewöhnen sich daran und werden zwangsläufig immer unsolidarischer. Ihnen allerdings dann soziale Kälte vorzuwerfen, ist einfach nur zynisch.

In Wahrheit resultiert die Übernahme von Verantwortung aus der Abschaffung von Zwängen. Nicht aus dem Errichten von Zwängen. Und aus Verantwortungsübernahme resultiert gesellschaftlicher Fortschritt. Nicht aus Paternalismus. Das Freie entwickelt sich weiter. Das Regulierte erstarrt.

Weiterentwicklung, gesellschaftlicher und technologischer Fortschritt ist aber doch gerade jetzt genau das, was wir dringend brauchen.“

Das ist zitiert aus dem aktuellen Vollmer Waschtag (Nr. 23)
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Serie zur Schule als Fabrik – Das Korps der Kinder

Februar 7, 2021 3 Kommentare

Der folgende Text setzt die acht ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe)und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der dritte Teil betrachtete mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernten wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennenDer vierte Teil stellt dar, aus welchen Gründen am Ende der mutuelle Unterricht scheiterte und der Simultane den Vorzug bekam. Der fünfte Teil geht der Frage nach, warum die mutuelle Schule sich nicht gegen die Brüder durchsetzen konnte. Der sechste Teil zeigt auf, wie Schule in Frankreich überall angeglichen wurde. In der zweiten Hälfte spricht Anne über ihre emotionale Lage während der Erarbeitung der Studie mit einer Bewertung, die die Administration zu Innovationen steht. Diesen Teil empfinde ich als den deutlich spannenderen. Der siebte Teil betrachtet die über alle Maßen stattfindende Kontrolle. Einer Kontrolle der Lehrer über ihre Schüler, aber auch der Inspekteure über die Lehrer. Sehr gruselig, wie ich finde. Der achte Teil befasst sich mit der Vereinnahmung der Eltern als Zuführer ihrer Kinder in die allgemeine Schule sowie den Zweck der Architektur der Schulen. Der nun folgende Teil geht auf die Ideologie ein, die Kinder allein auf die Reproduktion neuer Arbeiter und Soldaten des Vaterlandes zu fokussieren, sprich auf das Funktionieren als Familie auszurichten, um den Kreis zu schließen.

Das Korps der Kinder

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden,
ins Deutsche übersetzten Textes

Die Kinder zu einem Corps {frz. allgemein für: Körper, Leib, Hauptbestandteil, Körperschaft, Gesamtheit,
Berufsstand, Innung, Verband; milit. für: Korps} innerhalb des corps social, innerhalb der Gesamtgesellschaft zu machen und dieses Korps der Kinder weit mehr noch zum Kern der Gesamtgesellschaft werden zu lassen,
um den herum sich die Gesellschaft als große Familie versammelt, ist Aufgabe der Schule, ihre Mission. Angesichts der von außen drohenden Gefahren muss dieser Kern hart wie Lanzenstahl werden. Vermöge der sich unter der gesetzlichen Schreibschrift vereinheitlichenden Sprache und des Aufziehens des zukünftigen Soldatenkorps ist die Schule das bevorzugte Instrument zur Produktion und zum Schutz des Vaterlands. «Das bedeutendste Geheimnis hinter der militärischen Kraft eines Volkes liegt in der Vermehrung und Verbesserung der Rasse» (S. 3, Jules Simon, L’ouvrier de huit ans, Der Arbeiter von acht Jahren).

Als Jules Simon dies im Jahr 1867 niederschreibt, lässt die Qualität jener mit der Revolution entstandenen französischen Rasse – deren Geburtsstätte vielleicht oder vielleicht auch nicht die Schule war, die in jedem Falle aber durch die Musterungsstellen inspiziert wird – in einzigartigem Ausmaß zu wünschen übrig. Laut den von Jules Simon angegebenen Statistiken, sind von 325.000 Zwanzigjährigen 109.000 körperbehindert, missgestaltet und wehrdienstunfähig; im einzelnen sind dies 18.000 Kleingewachsene, 30.500 Schwächliche, 16.000 bei der Arbeit Verunfallte, 9.000 Bucklige, Hohl- oder Plattfüßige, 7.000 mit Sinneseinschränkungen, 1.000 Stotterer, 4.000 Zahnlose, 5.000 Straffällige, 2.500 Hautkranke, 5.000 mit Kropf und 8.200 mit verschiedenen anderen Einschränkungen. Es sind sicherlich nicht alle diese Anomalien zu verhindern. Doch sollten verringerte Arbeitszeiten der Kinder, bessere Ernährung, körperliche Ertüchtigung und bessere Hygiene die Zahl der Wehrdienstunfähigen zweifellos verringern können.

Die Gesundheit des Kinds ist das wichtigste Kapital.

Gérard de Brigode, L’architecture scolaire, Die Schularchitektur, Verlag: PUF 1966
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Denkst Du noch selbst oder wirst Du schon gedacht?

Hier auf diesem Blog findet sich eine deutsche Übersetzung von «l’ensAignement» (1976) der Soziologin Anne Querrien. Jene Publikation beantwortet die Frage nach der Herkunft der allgemein verbreiteten Schwäche der Fähigkeit zu kritischem Denken mit der Staatsschule, indem deren historische Entstehung nachvollzogen wird — Unterricht und Aderlaß, enseignement und ensaignée! Angefangen mit dem Heiligen Jean Baptiste de LaSalle (lasallefrance.fr), ist die moderne Grundschule unter dem Gesichtspunkt entwickelt worden, Kindern die Fähigkeit zu klarem, eigenständigen und logischen kritischen Denken auszutreiben wie einen Teufel.

Werden Kinder für ein Denken bestraft, das sie in offenen Widerspruch zu einer in ihrer Beziehungsumgebung vorfindlichen kognitiven Dissonanz bzw. Hippokrisie bringt, hören Kinder früher oder später auf, überhaupt noch eigenständig zu denken. Sind Hippokrisie und entsprechend auch die Bestrafung extrem, wie z.B. bei manifesten (körperlichen und seelischen) Kindesmißbräuchen, kommt es zu der als «Borderline» bekannten Erkrankung: Irrationalität in Denken und Verhalten sind ein markanter persönlicher Wesenszug geworden.

Kommentar von No_NWO an anderer Stelle, und weist auf eine Artikelserien hin, deren letzter Artikel dieser ist.

Ich habe mich gestern und heute ein wenig auf dem inzwischen stark meinungsbeschränkten Twitter-Portal umgeschaut. Ich empfand das dort inzwischen sehr gruselig. Es sind nur noch wenige kritische Stimmen wahrzunehmen. Viel dreht sich um die Verurteilung eben der Kritiker der Corona-Maßnahmen als asoziale Faschisten. Ich vermute wohl meist aus Angst, weil nur ein Teil der möglichen Fakten bewusst ist? Dass am Ende doch gerade diese Meinungsverengung selbst faschistisch ist, fällt nicht auf. Kritische Stimme kommen eher von Älteren, wohl weil diese nicht mehr so abhängig vom System sind?

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Zusammenführung der Kinder im Kollektiv

Dezember 15, 2020 13 Kommentare

Der folgende Text setzt die drei ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte (siehe), und wie die Sicht der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ausfiel (siehe), und wie Aufstellung des Heers der Arbeit als Zufuhr gehorsamer Arbeiter durchgeführt wurde (siehe).  Der folgende Teil betrachtet mehrere Strategien der Lehre in Bezug auf ihre Effektivität. Dabei lernen wir die Vorteile des mutuellen Unterrichts kennen:

Anne Querrien, Autorin des hier vorliegenden ins Deutsche übersetzten Textes

Um den Unterricht auf alle Kinder ausdehnen zu können, bedurfte es einer Methode, die es mit nur einer einzigen Lehrkraft ermöglicht, eine vergleichsweise große Zahl von Kindern erfolgreich zu unterrichten. Die traditionellen Erziehungsmethoden basierten auf der individuellen Beziehung von Lehrer und Schüler; und insofern, als diese Methoden die liebevolle Unterwerfung des Schülers unter den Lehrer vorsahen, was im antiken Griechenland sogar homosexuelle Form annahm, stand ein Unterricht lediglich jener Minderheit offen, deren Hauptbeweggrund für das Lernen war, dem Lehrer so nahe wie möglich zu sein. Sobald aber beschlossen ist, die Armen zu unterrichten, steht diese Homosozialität zwangsläufig nicht mehr zur Wahl – es muss die gesellschaftliche Distanz aufrechterhalten werden, damit der Unterricht nicht auf den gefährlichen Abweg führt, die gesellschaftliche Ordnung in Frage zu stellen. Der Lehrer von Kindern der Armen muss seine Handvoll Schülerlein nicht etwa liebhaben, sondern eine kleine Truppe dirigieren, die gezwungen ist, ständig nachzurekrutieren, da der Unterricht zur Aufnahme einer Arbeit führen soll und mit diesem Schlussakt beendet ist.

Eine militärische Disziplin

Wie einen Trupp von Schülern unterrichten, wie ihn führen? Das militärische Modell ist zunächst das einzig verfügbare. In seinem L’école paroissiale ou la manière de bien instruire les enfants dans les petites écoles, (Die Pfarrgemeindeschule oder über die Art und Weise, die Kinder in den Kleinschulen gut zu unterrichten, 1654), beschreibt Démia, Gründer der Schulen der Wohltätigkeit der Stadt Lyon, sehr detailliert, auf welche Weise der Lehrer Gerechtigkeit (Hauptaufgabe des Regierens in seiner Epoche) zu üben hat und wie die schulischen Räumlichkeiten beschaffen sein sollen, in denen einem jeden sein Platz zuzuweisen ist; die Armen werden wegen ihres Drecks und ihrer Parasiten abgesondert und bleiben unter Ihres-gleichen. [54] Es ist bemerkenswert, dass die ersten Fachbegriffe zur näheren Bezeichnung von Unterrichtsräumen denen gleichen, die bis heute hin für Gerichtssäle gebräuchlich sind: «Das Parkett mit den kleinen, wohlangeordneten Schülerbänken» (siehe: Ph. Aries, L’Enfant et la Vie familiale sous l’Ancien Régime, Kind und Familienleben unter dem Ancien régime). Die Schülerschaft ist mittels allgemeiner Aufgabenverteilung organisiert; die bereits disziplinierteren unter den Kindern sind beauftragt, über die Disziplin der anderen zu wachen. Aufstellungsappelle und abteilungsweises Marschieren sollen zur Disziplinierung beitragen, dies insbesondere anlässlich der Teilnahme an kirchlichen Prozessionen.

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Schule soll die Liebe zur Arbeit fördern …

November 18, 2020 17 Kommentare
Anne QuerrienFoto: Screenshot aus einem Interview

Der folgende Text setzt den ersten Artikel zur Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien fort, in der sie beschreibt, wie in ihr die Sicht auf die Schule als Maschinerie zur Formierung gehorsamer Arbeiter reifte. In diesem Teil zeigt sie die Perspektive der gesellschaftlichen Führungsschicht auf den ärmsten, den bildungsfernsten Teil der Bevölkerung auf.

Erziehung und Nachahmung

Obschon mir das vorstehende, erste Kapitel eine Vielzahl von Komplimenten eintrug – „sehr gut geschrieben“; „du solltest schreiben“ usw. – war ich selbst unzufrieden.

Die repressive Seite von Familie zu brandmarken, ohne die Mechanismen der innerfamilialen Repression bloßzulegen, mag angenehm sein, wohltuend sogar, führt jedoch zu keinerlei Veränderung. Ich bin nun selbst Mutter, stelle mir viele Fragen und experimentiere viel, um nicht in alte, ausgefahrene Gleise zu geraten. Ich suche das Gespräch mit meiner Mutter über das hier weiter vorn dargestellte Problem der Zensur meines Lesestoffs. Sie erwidert mir, so wie alle Welt, dass es Erziehung ohne ein Minimum an Repression nicht geben kann.

Bei mir war dies eine übrigens sehr sanfte Repression, der Rat, etwas zu unterlassen; Enttäuschung, falls ich es dennoch täte; nie Gewalt, nie brutale Verbote.

Trotz allem Repression, da es mir peinlich war, beschämend, und es mir Schuldgefühle verursachte. Warum? Ich denke heute, dass ich nicht ertragen konnte, wie argumentiert und wie die Enttäuschung begründet worden ist:

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Ist das aktuelle BUNT das neue BRAUN?

Egal, ob das nun Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus oder religiöser Wahn heißt – das Modell funktioniert immer nach der gleichen Blaupause. Kann man alles in schlauen Büchern quer durch diverse Epochen der Menschheitsgeschichte nachlesen. Aber wen interessieren Bücher, wenn man von den Morlocks mit BGE gefüttert wird und beim Sirenenton brav aufsteht und in die Höhle marschiert, um sich fressen zu lassen. Zusammenhang klar? Nein? Schade eigentlich.

Was treibt euch wirklich um? Was liegt hinter dem auswendig gelernten Gephrase, den Politparolen und dem Spaltungsgeschrei? Wo ist die wilde, individuelle, freiheitsliebende Seele, mit der jeder Mensch auf die Welt kommt? Eingemauert zwischen Fake Smile Selfies, eingetrichterter Existenzangst und Medienmüll?

Dieses Zitat des folgenden Textes mag als Fazit des Artikels gelten, jedoch, es gibt am Ende noch einen doch recht positiv stimmenden Ausblick.

Ich möchte einen weiteren genialen Text anreichen, bei dem ich mein inzwischen grauweißes Haupt beuge. Karin Elfman schreibt in einer brillanten frechen Art und Weise auf den Punkt und das zu einem Thema, was es in sich hat: unsere aktuelle gesellschaftliche Situation der grassierenden Verurteilung von kritischen Stimmen . Sie hat mir erlaubt, aus ihrem Artikel Euer Uniformismus macht euch kaputt! zitieren zu dürfen. Die Auswahl fällt mir schwer, aber dann also bringe ich den ersten Teil sowie ihr positiv ausblickendes Ende:

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wer geht gerne in die Schule, wer (ging)….?

November 24, 2017 47 Kommentare

Bild: Boot an Land von MiA. Lassen wir es fahren und Neues erkunden ….

Inzwischen pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern, dass mit unseren Schulen, die einer 200-Jahre alten Systematik der fabrikalen Produktion von Arbeitern (siehe unbedingt RSA Animate: Changing Education Paradigms) folgen, keine sittlich geistigen Menschen sondern gehorsame Personen (siehe Ulrich Mohr: die Fernsteuerung des zur Person reduzierten Menschen) geformt werden. Dass dies nur im Sinne Jener ist, die den Wert der Arbeit dieser Personen abschöpfen und nicht der Gemeinschaft der Menschen dient, wird immer offensichtlicher. Daher sind alle Aktivisten zu begrüßen, die Schule beginnen, anders zu gestalten, um eben den Menschen nicht von sich selbst zu entfremden (siehe Arno Gruen:  Wo bleibt der freie Wille, wenn wir uns selbst durch erfahrene Unterdrückung ein unbekannter Fremder sind?). Daher möchte ich dieses Projekt im Sinne es der goldenen Nuggets der zukünftigen wirklich freien Welt vorstellen:

wer geht gerne in die Schule, wer (ging)….? (Quelle)

Es geht um unsere Kinder und eine alternative Schule, die bereits aufgebaut wurde.

Der Zachhiesenhof
In Österreich, unweit der deutschen Grenze in der Nähe von Salzburg, wird von einer spirituellen und ökologischen Gemeinschaft eine öffentliche Schule betrieben, die ganz neue Wege geht.
In Zusammenarbeit mit Richard Kandlin, dem durch zahlreiche Vorträge und Seminare bekannten Absolventen der Schetinin-Schule in Russland,
wird dort ein neues ganzheitliches Lehr-/ Lernsystem „befreites Lernen“ umgesetzt, in dem Kinder selbstbestimmt, streßfrei und eigenmotiviert ihr volles eigenes Potential zur Entfaltung bringen können.

Freunde von mir haben sich diese Gemeinschaft am Zachhiesenhof in Seekirchen am Wallersee und ihre Schule, die Weinbergschule, genau angesehen und sie sind begeistert von dem, was dort bereits geschaffen wurde, und von dem Potential, das dort noch verwirklicht werden kann.

Da die Schule jetzt nach mehrjähriger erfolgreicher Vorbereitungs- und Entwicklungszeit dabei ist, sich zu vergrössern und ihr zukunftsweisendes pädagogisches System – die Weinbergpädagogik – auch anderen Schulen in Österreich, der Schweiz und auch in Deutschland zu vermitteln, sieht sie sich leider einer konzertierten Weiterlesen …

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Behindert „Gutmenschentum“ das Gedeihen zum eigenverantwortlichen Menschen?

November 23, 2017 13 Kommentare

Bild: MiA beschenkt uns mit diesem Bild mit wunder-volle Farben
der spitz-blättrigen Mahonie

In 2015 wurde der Begriff „Gutmensch“ zum Unwort des Jahres gekürt. Und ich bin ehrlich, ich habe meine Schwierigkeit damit, wenn ich als gut handelnder Menschen plötzlich als eigentlich böse-seiend dastehen sollte. Wer die voller Hass geführten Diskussionen zwischen den linken und rechen Lagern rund um die Verwendung dieses Begriffs beobachten, kann schon arg ins Grübeln kommen. Bernd Höcker hat gar ein Buch mit dem Titel Böse Gutmenschen: Wer uns heute mit schönen Worten in den Abgrund führt geschrieben und sieht es so:

Gutmenschen sind die neuen Blockwarte, die ihre Mitbürger bewachen und ihnen sagen, was sie zu denken und zu tun haben. Sie dulden es nicht, wenn jemand anders ist als sie. Wer von ihren Normen der politischen Korrektheit abweicht, ist für sie »rechts« und damit quasi vogelfrei.

Es scheint mir wie mit allen Dingen. Auch das Gutsein hat zwei Enden. Wer es damit übertreibt, wird wohl an seinem eigenen Ast sägen. Es gilt wie immer: in der Mitte liegt die Wahrheit. Ich hatte mir gestern mal wieder ein Video mit dem Arzt Ulrich Mohr angeschaut, dass diesem Gutmenschtum im Kontext unseres Recht-basierten Gesellschaftssystems auf den Grund geht und bringt damit Bedenkliches ans Tageslicht. Ich denke, es lohnt sich, mal ausgiebig darauf rumzukauen:

BGB, Handelsrecht und Erbsünde – die Fernsteuerung des zur Person reduzierten Menschen

Im folgenden Gespräch analysiert der Arzt Ulrich Mohr im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt die Steuerung des Menschen durch seine Reduktion zur Person durch Ethik, Moral und Humanismus. Seitens der Macher der Matrix wird wird uns zur Meinung gemacht, dass dies den Menschen zur Krone der Schöpfung mache und damit erhebend vom Tier unterscheide. Das Gespräch zeigt auf, dass es sich um einen tragischen Irrtum handelt, der unschwer an der geradezu perversen und überaus blutigen Menschheitsgeschichte der letzten Jahrhunderte zu erkennen ist.

Tatsächlich sind die genannten gesellschaftlichen Begriffe diffus, obwohl sie als Sozialkitt der Gesellschaft gelten. Herrschende Kreise hindert es jedoch nicht daran, sie von der Weiterlesen …

Ist die zunehmende Unterdrückung unserer Individualität die Ursache aller menschlichen Probleme?

November 18, 2017 43 Kommentare

Dr. Ulrich Mohr, Arzt und Philosoph

Wie weit wir uns von gelebter Individualität haben entfernen lassen, wie weit wir uns zur Personen haben reduzieren lassen, können wir daran festmachen, dass wir uns einen halben Kasten Bier reinschrauben müssen, um mal zwei, drei Tage auf Befehl rund um Fasching, ein bisschen bunter, eben individueller sein zu dürfen. Dass wir dafür sogar saufen müssen an Tagen, an denen es gestattet ist.
Ulrich Mohr, ‚Erfinder‘ der Simplonik

Laut Ulrich Mohr leben wir in einem Organismus, der hochgradig krank ist. Er wäre geführt von einem Kreis von Psychopathen, besser, von Personen, deren einziges Ziel es ist, in ihrer Selbstverlorenheit, in ihrer inneren Isolation nach außen hin die maximale Macht, die maximale Sicherheit, die maximale Kontrolle, und zwar ausschließlich für das eigene Leben sicherzustellen. Aber am Ende machten es auch alle nicht so mächtigen Personen (explizit nicht Mensch) in ihrer Isolation: es würden diese Weihnachten viele Überwachungskameras unter dem Weihnachtsbaum liegen. Und da wir uns zunehmend von unserem individuellen Wesen entfernen, in dem wir eine Rolle in dieser Gesellschaft spielen, führe es dazu, dass ‚wir‘ zunehmend das wollen, was uns kaputt macht. Es wird verstärkt, indem Kinder schon in aller ersten Jahren das kopieren (siehe Kita), was der Neoliberalismus im Arbeitsalltag fordert (siehe: ‚Förderung‘).

Eine absolute Weiterbildungsempfehlung, um wieder gesund zu werden, indem Mensch sich wieder über sein Rollenspiel bewusst wird:

Nun können wir uns fragen, wie es denn so gut gelingen kann, dass Menschen gleichgeschaltet werden. Dazu möchte ich auf einen aktuellen Artikel auf Rubikon hinweisen, der das am Beispiel von Wikipedia und dem Begriff ‚Esoteriker‘ aufzeigt. Darin lesen wir u.a.:

Was Sie hier erkennen, ist: Es gibt die guten, tüchtigen Unternehmer und die bösen Gauner. „Gauner“, also zum Beispiel „Esoteriker“ (wie wir ja alle brav gelernt haben), sind dabei auf der einen und „tüchtige Unternehmer“ auf der anderen Seite zu finden. So dienen sie als Vehikel für gut und böse (Freund und Feind) – und sind im Wandel der Zeit sogar austauschbar. Auf jeden Fall wurde der Begriff Esoteriker in unseren Köpfen mit etwas Negativem verknüpft. Diese Verknüpfung ist sehr stark und wird durch ständige Weiterführung des Prozesses auf uns aufrecht erhalten. Das, die Entlarvung von Esoterikern und Scharlatanen war ja auch Psirams primäre Aufgabe, als es noch unter EsoWatch firmierte.

Der dabei kaum beachtete hässliche Trick ist die Verknüpfung einer sehr wohl notwendigen Eigenschaft kollektiven Zusammenlebens: des bloßen anders Denkens (!) einerseits mit einer Fülle moralisch verurteilter Kategorien andererseits (so zum Beispiel Lügen, Betrügen, …).

„Es geht letztlich gar nicht um den konkreten Inhalt des anders Denkens, sondern darum, dass es ÜBERHAUPT anders ist; dass es schlicht von der Einheitsmeinung abweicht! Das schließt die vertretene Meinung gleichermaßen ein, wie den Prozess über den man zu dieser Meinung gelangte. Das Einzigartige wird so als fremd und Angst machend verstanden. Und damit können die entsprechenden Reaktionen der Menschen beliebig getriggert werden.“

Warum wird so etwas getan?

Es geht um Feindbilder, denn sie sind für Machterhalt unverzichtbar. Greifen können sie allerdings nur, wenn sie über einprägsame Namen (Marken) angewandt werden können. Damit sind wir in der Lage, wenn man es von unserem Unterbewusstsein abfordert, die Zuordnung von Menschen zu dieser Marke vorzunehmen und sie als Feinde zu betrachten. So sind wir infolge einer andauernden, sanften Manipulation auch geneigt, zum Beispiel Esoteriker als Feindbild zu akzeptieren.

Wozu nun jedoch das Gewese um eine Plattform, deren Wiki-Portalin einem halben Jahrzehnt insgesamt ein paar hunderttausend Zugriffe zu registrieren hatte? Mich interessiert, warum Wikipedia-Administratoren Psiram für relevant halten.
(Quelle: Selbst Psiram liebt den Rubikon)

„Unsere grösste Angst ist, grenzenlos mächtig zu sein“

November 1, 2017 6 Kommentare

Lasen wir doch in dem Artikel Wie ist es möglich, dass Menschen täglich auf eine Entwicklung hinarbeiten, bei der sie ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder und Enkel riskieren?“ darüber, dass unsere Gesellschaft so stark auf Gehorsam und Unterordnung aufgebaut ist, dass das Wegreden der persönlichen Verantwortung zum ganz normalen Verhalten geworden ist, und es an der Zeit sei, den Mut zu entwickeln und damit die umgreifende Angst zu bezwingen. Passend zum Thema fand ich gerade dieses hier:

Marianne Williamson

Unsere grösste Angst ist nicht, unzulänglich zu sein.
Unsere grösste Angst ist, grenzenlos mächtig zu sein.

Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, ängstigt uns am meisten.

Wir fragen uns: wer bin ich denn, dass ich so brillant sein soll?
Aber wer bist du, es nicht zu sein? – Du bist ein Kind Gottes.

Es dient der Welt nicht, wenn du dich klein machst.
Sich kleinzumachen, nur damit sich andere um dich
herum nicht unsicher fühlen, hat nichts Erleuchtetes.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem Einzelnen.
Und wenn wir unser Licht scheinen lassen,
geben wir damit unbewusst anderen die Erlaubnis, es auch zu tun.
Wenn wir von unserer Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch auch die anderen.

Ausschnitt aus dem Film: Coach Carter, der Marianne Williamson aus ihrem Buch Rückkehr zur Liebe: Harmonie, Lebenssinn und Glück durch „Ein Kurs in Wundern“ zitiert, so wie es Nelson Mandela in seiner Antrittsrede 1994 tat.

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Wie ist es möglich, dass Menschen täglich auf eine Entwicklung hinarbeiten, bei der sie ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder und Enkel riskieren?“

Oktober 29, 2017 50 Kommentare

Wir können nicht einfach so Böses tun.
Erkenntnis aus der Milgram-Studie

Dieser Frage geht Katrin McClean  in dem folgen empfehlenswerten Artikel, der auf Rubikon das erste Mal veröffentlicht wurde, nach. Eines ihrer Fazits ist,  dass unsere Gesellschaft so stark auf Gehorsam und Unterordnung aufgebaut ist, dass das Wegreden der persönlichen Verantwortung zum ganz normalen Verhalten geworden ist. Da ist die Erkenntnis von Jiddu Krishnamurti, dass es kein Zeichen von Gesundheit sei, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein, doch gut zu verstehen. Die Autorin ruft zum zivilen Ungehorsam auf, ähnlich wie wir es schon von Matt Damon vorgetragen erhielten (siehe):

Nur Mut!Quelle

Was wir noch heute von Stanley Milgram lernen können. Ein Aufruf zum zivilen Ungehorsam.

Foto: Anatoliy Karlyuk /Shutterstock.com

Täglich arbeiten Millionen von Menschen in komplexen Zusammenhängen, die direkt oder mittelbar mit sozialen Ungerechtigkeiten einhergehen, zur Zerstörung unserer Umwelt beitragen oder in anderen Ländern Armut und Krieg herbeiführen. Dieselben Menschen sind ehrlich entsetzt über das Ausmaß der Umweltzerstörung, über weltweite Hungersnöte und die Brutalität von Kriegen, also über die Folgen ihres Handelns.

Wie ist es möglich, dass Menschen täglich auf eine Entwicklung hinarbeiten, bei der sie ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder und Enkel riskieren? Und vor allem: Wie ließe sich das ändern? Durch einen politischen Massenaufstand mit starken politischen Führern? Aber lässt sich ein System, das (wie wir noch sehen werden) auf autoritäre Strukturen baut, dadurch ändern, dass man die Führung erneuert?

Mir scheint dringend geboten, die erste Frage genauer zu verfolgen: Wieso handeln Millionen von Menschen täglich gegen ihre eigenen Interessen und Wertvorstellungen?

Der alltägliche Gehorsam

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer Bank und ihr Chef erwartet von Ihnen, dass Sie einem Rentner ein Finanzprodukt vorschlagen, mit dem dessen ganze Ersparnisse einem enorm hohen Risiko ausgesetzt sind. Sie melden Ihren Zweifel an, doch Ihr Chef entgegnet: „Ohne Risiko keine Gewinne, machen Sie gefälligst Ihren Job!“ Würden Sie das Produkt trotz persönlicher Bedenken verkaufen? Etwa 90 Prozent der Erwachsenen in unserer Gesellschaft würden es tun.

In unserer Gesellschaft ist es zur Normalität geworden, regelmäßig oder zumindest gelegentlich gegen das persönliche Empfinden zu handeln. Beamte von Asylbehörden unterschreiben Abschiebungsurteile, obwohl „sie persönlich“ den Betroffenen das Bleiben gewünscht hätten. Mitarbeiter von Job-Centern setzen Sanktionen bis zum völligen Geldentzug durch, obwohl „sie persönlich“ die Strafen als zu drastisch empfinden.

Ärzte verschreiben 85-jährigen Kranken quälende Chemotherapien, obwohl sie wissen, dass sie dem Patienten kaum noch Heilung, dafür aber zusätzliches Leid bringen, obwohl sie sogar Mitleid mit dem Patienten haben. Aber wenn der Chef sagt: „Sie arbeiten hier nicht im Hospiz, sondern im Krankenhaus. Machen Sie Ihren Job“, dann ziehen sie die Sache durch.

Überall finden wir diese Situationen von Gehorsam. Und wie erschreckend seine Ausbreitung ist, wissen wir spätestens seit 1973, als Stanley Milgram die Ergebnisse seines berühmten Experimentes in einem Buch vorstellte. (1)

Ein berühmtes und gleichzeitig unbekanntes Experiment

Das Milgram-Experiment ist auf der ganzen Welt für seinen skandalösen Befund berühmt: Sechzig Prozent aller Versuchspersonen waren in einem vermeintlichen Lernexperiment bereit, einen vermeintlich ungelehrigen Schüler für falsche Antworten zu bestrafen und ihn dabei mit Stromstößen zu Tode zu foltern. Etwa neunzig Prozent verabreichten ihm Weiterlesen …

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„Gehorsam ist der Boden, auf dem Herrschaft wächst und gedeiht.“

Zeichen der Anarchisten

Die Herrschenden werden aufhören zu herrschen, 
wenn die Kriechenden aufhören zu kriechen.
Friedrich Schiller

Ein sehr schönes Buch, das sich mit der Nicht-Gehorsamkeit befasst, ist das Buch von Planet des Ungehorsams schon einmal schrieb. Dass die heutige Gehorsamkeit das eigentliche unserer Probleme ist, das hat auch schon Matt Damon uns schon so schon vorgetragen (wer es noch nicht kennt: hier mit deutschen Untertitel: Ziviler Ungehorsam). Dass gerade die Deutschen sehr gehorsam sind, das zeigte auch schon Karl Friedrich von Weizsäcker auf, siehe dazu nochmals der Artikel Der Deutsche: absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage!. Das ist sicher keines der Kriterien der deutschen Kultur, auf die eines seiner Vertreter stolz sein kann. Immerhin macht es den Herrschenden viel Freude, treibt es doch die Arbeiter dazu an, Deutschland zum Exportweltmeister zu machen, und dabei aber selbst wenig abzubekommen. Gerade Rüdiger Lenz einen Kommentar zur Huldigung unserer Kanzlerin Merkel geschrieben, in dem er das Thema Gehorsamkeit nochmals griffig beleuchtet. Viel Freude beim Draufrumkauen:

Goldene Merkel: Kanzlerin legt Wow-Auftritt hin! – Ein Kommentar von Rüdiger Lenz

Ob Regen oder Sonnenschein: Goldene Kanzlerin legt Wow-Auftritt hin! Na wenn das mal keine Sonderberichterstattung in den Mainstream-Medien wert ist. Unsere Goldkanzlerin hat Glück, denn sie hat bekommen, was sie wollte. Sie wollte und will weiterhin Deutschland dienen und damit gedenkt sie auch in den nächsten vier Jahren nicht aufzuhören. Merkel dient aus freien Stücken, sie dient freiwillig. Achja? Wirklich?

Ehe der Hahn kräht, wirst Du Dich drei Mal selbst verleugnen.

Apropos freier Wille.
Der kann manchmal ganz schön unfreiwillig sein. Nehmen wir das Experiment von Solomon Ash, einem Sozialpsychologen, der herausgefunden hat, dass die meisten Menschen sich keine freie Meinung bilden. Setzt man Menschen einem Gruppenideal oder Gruppenzwang aus, dann fügt sich der Einzelne diesem „Zwang der Gruppe“ und dies, obwohl er weiß, dass das, was er gerade mit Wahrheit beflockt oder mit Handlungen versiegelt, völliger Irrsinn ist. Der Zwang der Gruppe ist für den Einzelnen so stark, weil niemand sich ausgegrenzt fühlen will.

Nehmen wir zwei weitere Wow-Auftritte und fragen uns, wieso der Wow-Effekt der Goldkanzlerin überhaupt möglich ist. Schauen wir uns also die andere Seite der Medaille noch ein bisschen genauer an.

Heinrich Heine Sklaven

Stanley Milgrim schockte die Welt, als er feststellen musste, dass es kein Nazi-Gen gibt sondern, dass fast alle Menschen zu unbedingtem Gehorsam neigen, wenn Weiterlesen …

Eltern wissen das nicht! – unsere Bildung betreffend

Januar 13, 2017 1 Kommentar

eltern-wissen-das-nicht

Autor: Dr. Antonio Quanto

Ich wollte die Tage noch eine Rezension zu einem kleinen Büchlein mit dem Titel ELTERN wissen das nicht! verfassen, das den Weg in meinen Briefkasten gefunden hatte. Nun ist mir heute eine hereingekommen, die mir schon recht passend ist, daher hier direkt vorgestellt. Bevor es aber los geht, möchte ich noch von meiner Assoziation und die meiner besseren Hälfte zur Gestaltung von Titel und Umschlag erzählen:

Hallo, ich bin ELTERN und warum werde ich hier über den Kamm geschoren? Woher weiß der Autor das? Das ist aber jetzt herablassend … Und dann auch noch die Nationalflagge, die uns vermutlich mit Absicht auf dem Kopf stehend verpasst wurde 😦

Wenn ich nicht auch einen netten Brief mit dem Buch bekommen hätte, wäre ich vermutlich nich so schnell ans Lesen gegangen. Und ich habe doch noch Einiges neue über unser Bildungssystem erfahren, obwohl es ja hier regelmäßig Artikel dazu gab (wobei mir der mit am Besten gefällt: Der heimliche Lehrplan die Schulpflicht betreffend). Genug der Vorrede, hier nun die Rezension

ANTONIO QUANTO <Eltern wissen das nicht> -Kundenrezension einer Mutter (bei amazon)-

Der Titel hat mich angesprochen. Ich wurde hineingenommen in ein leicht lesbares, fiktives Gespräch, zu dem der Bundeselternrat eingeladen hat. Zwischen dem Referenten Dr. Antonio Quanto und den interessierten Eltern entwickelt sich ein Dialog über den “blinden Fleck” im Bildungssystem, der auch anderen Eltern die Augen öffnen könnte, — und auch Lehrern und hoffentlich auch Bildungspolitikern.

Drei Aspekte sind für mich neu:

  1. Es sind dies die zwei Prinzipien, die Dr. Quanto in die Diskussion einführt.
    Er nennt sie das “maskuline Bildungsprinzip” und das “feminine Bildungsprinzip”. Mir wurde plötzlich klar, dass gerade der Leistungsdruck, unter dem unsere Schulkinder leiden, der aber auch uns Eltern – als sog. “Hilfslehrer der Nation” – manches Mal zur Verzweiflung bringt, die Folgen eines maskulin orientierten Schulsystems sind. Wenn das Schwergewicht in der Schule auf der Beurteilung der Leistungen liegt und die Schulbildung im Hinblick auf Sozialkompetenz und Selbstkompetenz jede Menge Defizite aufweist, – ist das auf ein maskulin orientiertes Wertesystem zurückzuführen.
  2. Der zweite – für mich neue Aspekt – zeigt mir zum ersten Mal, wie die PISA-Studie als Ausdruck des maskulinen Prinzips eine Schulbildung verhindert, in der unsere Kinder auch in ihrer Persönlichkeit ernstgenommen und gefördert werden.
  3. Als dritten Aspekt und Lösung bietet Dr. Quanto die Grundlage eines jeden Bildungsprozesses, nämlich die “Anatomie des Selbst” nach Sören Kierkegaard. Er stellt sie in anschaulicher Form und in einer Sprache dar, die alle verstehen können.

Dieses Buch regt auf neue Weise zum Nachdenken über unser Schulsystem an und geht m. E. über die bereits bekannte Kritik an unserer Schulbildung hinaus.
Die tieferen Ursachen und historisch begründeten Bildungsprinzipien sind mir als betroffene Mutter besonders deutlich geworden und ich stimme mit dem Autor darin überein, dass die Bildung der Zukunft als Synthese von maskulinem und femininem Prinzip ganzheitlich sein muss, also integral.

Ich hoffe sehr, dass die verantwortlichen Bildungsexperten sich von den Thesen des Autors ansprechen lassen, – mit wachem Bewusstsein und offenem Herzen. Ich vertraue darauf, dass der Quantensprung in der Schulbildung bevorsteht und die Vorschläge des Autors für eine Bildungsrevolution Eltern und Elternvertretungen aufrütteln. Ich bin überzeugt, dass die bisherigen Bemühungen, mit denen in freien Schulen experimentiert wird, ein Schritt in eine integrale Zukunft sind und den Erfordernissen des dritten Jahrtausends gerecht werden.

Etwas befremdlich wirkt in unseren Tagen des Genderismus die Unterscheidung von maskulin und feminin. Der Autor führt uns Anfangs in die Weiterlesen …

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Ausstieg aus der Megamaschine

Oktober 22, 2016 20 Kommentare

Daniel Scheidler - Autor und Dramaturg

Daniel Scheidler – Autor und Dramaturg

„Erziehung nach meinem Plan umgesetzt zu sehen, wird so erfolgreich sein, wie eine automatische Maschine zu betrachten.“, so  Johann Amos Comenius – Vater der modernen Pädagogik im 17. Jahrhundert – hatte dabei die Druckerpresse vor Augen, mit der man Schüler gerade zu mit [In-FORM-ation] bedrucken kann.

Eltern versuchen ihre Kinder schon im Vorschulalter für den globalen Wettbewerb zu positionieren, die Apple-Watch misst non-stop die Biodaten und übermittelt sie nach Kalifornien. Das Leben nimmt zusehends den Charakter eines Wettrennens gegen die Zeit, gegen die Konkurrenz, gegen den Rest der Welt an. Im Zeitalter des Neoliberalismus werden die klassischen Disziplinarinstitutionen – Militär, Schule, Lohnarbeit – durch den vorauseilenden Gehorsam einer verinnerlichten Selbstdressur ergänzt. Freudvoll, mühelos und authentisch soll es auch noch sein. So erleben wir eine umfassende Glücks- und Zufriedensheitssimulation bei gleichzeitiger innerer Implosion. Die besondere Tragik dabei: Die globale Megamaschine, für die sich Menschen zu optimieren versuchen, ist selbst dabei zu implodieren. Finanzcrashs, Klimachaos, zerfallende Staaten: Die Wohlstandsinseln schrumpfen und der Kampf intensiviert sich. Um aus dem Wahnsinn auszusteigen, müssen wir nicht nur uns selbst therapieren sondern auch das größere System, das uns verbindet. Es ist höchste Zeit für einen Ausstieg aus der Megamaschine.

Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie in Frankfurt/M. hat Fabian Scheidler (auf Wikipedia) am 23.9.2016 einen mehr als hörenswerten Vortrag zum „Ausstieg aus der Megamaschine“ gehalten. Er bringt vorne weg einen geschichtlichen Abriss von 6.000 Jahren barbarischer Herrschaft, auf die Herrschaft über die Natur und die Tyrannei des linearen Denkens, auf das unsägliche Gehorsamtrimmen in unserer Schule ein (siehe auch Ausbildung 2.0), auf die Grenzen des Systems, und wie wir aus dieser Megamaschine (Buch: Das Ende der Megamaschine: Geschichte einer scheiternden Zivilisation) aussteigen können.

Dem Vortrag ist sehr angenehm zu folgen, Danke dafür:

 

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