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Posts Tagged ‘Herrscher’

Unsere Bundestagswahl betreffend: was, wenn ich die Spielregeln nicht mehr akzeptieren mag?

September 14, 2013 110 Kommentare

Die Versklavung des Menschen beginnt damit, dass man ihn für dumm verkauft!
Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck (*1929), deutscher Immunbiologe und Aphoristiker

Ich trage mich seit einigen Wochen mit dem Gedanken, bei der gerade anstehenden Bundestagswahl ein großes Kreuz über den Zettel zu machen, da ich den Sinn in dieser Parteien-Demokratie nicht mehr erkennen kann (siehe auch Das Gesetz der Oligarchie). Die letzten Jahre haben klar gezeigt, dass dieses System nicht wirklich funktioniert und am Ende nur die oberen 10-15% bedient, denen schon über 50% aller Werte im Land gehören. Zudem lassen es sich die Politiker auf Kosten der Bürger gut gehen und lassen die Arbeit lieber die Lobbyisten machen, denn die wissen es ja besser. Hinzu kommt, dass Korruption die Regel sein muss, denn sonst hätten wir schon ein schützendes Gesetz.

Ich könnte nun selbst meine Argumente für ein Nichtwählen aufschreiben. Aber ob ich das so gut hinbekomme wie Heinz Sauren? Also lasse ich besser ihn auch hier zu Wort kommen:

Heinz Sauren

Wer wählt verliert (Quelle)

Wie auch immer die Bundestagswahl ausgehen wird, die nächste Bundesregierung wird nicht gewillt sein die tatsächlichen Probleme zu lösen. Jedes wahrscheinliche Wahlergebnis wird zur Folge haben, dass die Akteure, die die heutige politische Situation geschaffen haben, sie fortsetzen können.

Frau Merkel wirbt offen für das “weiter so” und wähnt sich als Fortsetzungsgarant vier vermeintlich guter Jahre. Herr Steinbrück vermag es nicht, sich gegen die Kanzlerin zu profilieren, da die meisten Entscheidungen der vergangenen Jahre von ihm und seiner Partei aktiv mitgetragen wurden und er selbst ein Befürworter der Agenda 2010 ist, deren Einführung und Umsetzung er maßgeblich mitgestaltet hat.

Die Agenda 2010 war und ist das größte gesellschaftliche Weiterlesen …

Das Bankwesen – Ausgeburt der Hölle?

September 9, 2013 77 Kommentare
Spinne im Netz - Foto: federleicht-leben

Spinne im Netz – Foto: federleicht-leben

„Die Menschen haben vor dem Tod zuviel Achtung, gemessen an der geringen Achtung, die sie vor dem Leben haben.“
Henry de Montherlant (1896-1972),
frz. Dichter

Über die gesellschaftlichen Zustände in Deutschland ließe sich trefflich streiten. Wäre da nicht der Blick auf eine andere Welt, die des unvorstellbaren Elends für Kinder, Frauen und Familien, für Tiere, für Bäume und Pflanzen. Sie hatten das Pech zu einer Zeit in einer Welt zu erscheinen, in der als Globalisierung etikettiert Entmenschlichung betrieben wird, rücksichtslos, gnadenlos, und, so scheint es, unaufhaltsam. Darum ist eine Geburt heute kein Glück mehr, weil für die allermeisten Menschen auf diesem Planeten das Glück in unerreichbare Ferne rückte.

Warum das so ist, fragen sich offensichtlich wenige, zu wenige der Menschen, die auch Antwort geben, die auch Lösung finden, die auch an der Auflösung des Übels wirken könnten. Warum sie das nicht tun, liegt auf der Hand: Sie sind Profiteure des Systems, sie sind Handlanger des Systems in Verwaltungen und Betrieben, in Politik und mafiös organisierten Zweckbündnissen, in denen als Erfolg nur Gewinn gilt. Aber vor allem sind sie tätig in einem Bereich, der über Wohl und Wehe von Familien, Unternehmen, Volkswirtschaften, ja, in dem bestimmt werden kann und bestimmt wird, ob die nötigste ego-soziale Versorgung der Menschen geschieht – oder nicht.

Ich spreche über das Bank-, Geld- und Kreditwesen. Hier bündelt sich menschliche Macht, hier fließen Ideen zusammen, um das Unsägliche noch unsäglicher zu machen. Auch um klar zu machen, dass es Übermenschen und Untermenschen gibt, solche, deren Willen geschieht, und solche, die darunter zu leiden haben. Und je mehr es Leidende gibt und je mehr sie leiden, je mehr sehen sich auch die Knechte des Weiterlesen …

Wem dient der Staat? Und sollten wir ihn dann nicht doch besser abbauen wollen?

September 8, 2013 9 Kommentare

Wenn ich mir anschaue, wie die Diskussionen um die aktuelle Wahl in Deutschland abläuft, so sehe ich immer häufiger die Ratlosigkeit: „Ich weiß gar nicht, wen ich noch wählen kann. Die machen doch immer nur das, was für mich eher schädlich ist.“

Ist es nun der Ausdruck dessen, dass unser Staatswesen immer offenkundiger zeigt, wem er nützt?

Ich hatte immer wieder Texte mit kritischen Beleuchtungen der Staatsfrage gehabt, und möchte diese Reihe nun fortsetzen mit einem Text von Silvio Gesell, der zu den Mitstreitern der Münchener Räterepublik nach dem 2. Weltkrieg gehörte.

Der folgende Artikel beruht im Wesentlichen auf „Der Abbau des Staates nach Einführung der Volksherrschaft“ von Silvio Gesell, der heute aktueller ist denn je. Stefan Wehmeier hat einige Formulierungen geändert, um Missverständnisse auszuschließen, sowie den Text auf das Wesentliche gekürzt und auf die heutige Zeit angepasst (Quelle), aber lest selbst die wieder äußerst denkanstößigen Zeilen, wo am Ende nur noch das Thema Verkehr beim Staat verbleibt:

Silvio Gesell – Foto aus Wikipedia

Vorwort

Die Anhänger des Staatsgedankens, des Gegenwarts- wie des Zukunftsstaates, erleben zurzeit herbe Enttäuschungen. Eine natürliche Folge davon ist, dass vielen, die sich nie Gedanken über den Inhalt des Staatsbegriffes gemacht hatten, der Staat nun zu einer Frage geworden ist. Und auf der Suche nach einer Antwort beginnen sie den Staat in seinen einzelnen Funktionen zu zerlegen und zu untersuchen. Das Ergebnis solcher Arbeit wirkt dann immer recht ernüchternd, indem der Staat sich dann als eine einfache Organisation zur Sicherung gesellschaftlicher Gewaltzustände entpuppt, genetisch hervorgegangen aus Schwächegefühlen der herrschenden Gesellschaft. Nichts Großes findet man im Staatsgedanken, nichts, was moralische Kräfte ruft, dafür aber vieles, was solche Kräfte abstößt und zerstört. Und nach solchem Einblick hat man gewöhnlich genug und lässt den oft lange, liebevoll gepflegten Staatsgedanken fallen, um dann vor der neuen Frage zu stehen: Ist Akratie möglich?

In der vorliegenden Schrift wird diese Frage bejaht. Die Anarchisten hatten sie ja schon immer bejaht. Da sie aber für die anarchische Gesellschaftsordnung, wie sie sich die Anarchisten vorzustellen pflegen, mit einer großen Mehrheit weitblickender Weiterlesen …

… die, die herrschen, sind nicht gewählt …

September 6, 2013 6 Kommentare

Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt,
und diejenigen, die gewählt werden,
haben nichts zu entscheiden.
Horst Seehofer

Die beiden letzten Artikel (1,2) ließen noch mehr erahnen, dass die Steuerung des Volkes nicht durch die offensichtlich Herrschenden erfolgt(e), sondern diese selbst von nicht öffentlich in Erscheinung Tretenden abhängig sind. Wir hatte auch schon mehrfach darüber gesprochen, dass diese wirklichen Herrscher auch Hitler mit aufgebaut haben. Der Eifelphilosoph hatte vor Kurzem einen Artikel geschrieben, der aufzeigt, dass sie nahtlos nach dem Zusammenbruch des „3. Reiches“ weiter machten: „das Hakenkreuz wurde nun nach innen getragen“, sprich die Gesinnung ist weiter braun. Und für ihn steht daher fest:

Deutschland vor der Wahl: Sieger stehen schon fest – bleiben aber geheim

Sehen Sie, dass es bei der aktuellen Wahl eigentlich nur darum geht, welche Jacke der Kellner trägt, der dem Bürger die Rechnung serviert?

Entweder wir wählen das System Kohl zwo, oder wir wählen den Vortragsmillionär, der als Finanzminister ganz offen und dreist bei Porsche um Spendengelder für ein privates Schachturnier nachfragt. (14)

Deutschlands interne Führungsstrukturen werden von der Wahl auf jeden Fall nicht berührt. Hier regieren eine Hand voll Leute, vor denen ein Dr. Helmut Kohl soviel Respekt hat, dass er lieber seinen Weiterlesen …

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Über die kapitalistische Transformation unseres Körperweltbildes …

September 4, 2013 21 Kommentare

Ich bekam gestern auf Facebook von David Küllgen zu meinem Artikel War die Befreiung aus der Leibeigenschaft nur ein Trick der neuen Herrscher? noch den Hinweis auf einen Text, der Silvia Federicis Buch Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation entstammt und interessante Darstellungen über die Transformation der Weltbilder der Menschen in den letzten ca. 400 Jahren bringt. Ich finde äußerst lesenswert, aber lest selbst:

Über den ideologischen und historischen Zusammenhang und Ursprung von Arbeit und „Vernunft“, Kapitalismus und „Wissenschaft“

(oder: Wie sich Schulmedizin, Infektionstheorie, Rassentheorie, Genetik, Darwinismus und mechanizistische Physik synchron mit dem Kapitalismus als dessen weltanschaulich-legitimatorisches Gefolge durchsetzten und notwendigerweise und unausweichlich u.a. zu Hexenverfolgungen, Lohnarbeit, Auschwitz, Staatsterrorismus, Krieg gegen den Terror und Hartz IV führen mussten…. :D)

„Der Kampf gegen den Körper, der das historische Kennzeichen des Bürgertums geworden ist, wurde im Kontext des Versuchs aufgenommen, eine neue Art von Individuum hervorzubringen. Max Weber zufolge bildet die Neugestaltung des Körpers den Kern der kapitalistischen Ethik, weil der Kapitalismus den Erwerb zum „Selbstzweck“ macht, anstatt ihn als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung zu behandeln; der Kapitalismus verlangt also von uns, dass wir allem spontanen Lebensgenuss entsagen (Weber 2004: 104). Der Kapitalismus ist auch insofern um eine Überwindung unseres „natürlichen Zustands“ bemüht, als er die Schranken der Natur durchbricht und den Arbeitstag über die durch den Auf- und Untergang der Sonne, den Zyklus der Jahreszeiten und den Körper selbst gesetzten, für die vorindustrielle Gesellschaft konstitutiven Grenzen hinaus erweitert.

Auch Marx begreift die Entfremdung vom Körper als ein charakteristisches Merkmal des kapitalistischen Arbeitsverhältnisses. Indem er die Arbeit zur Ware macht, veranlasst der Kapitalismus die Arbeiter dazu, ihre Arbeit einer ihnen äußerlichen Weiterlesen …

War die Befreiung aus der Leibeigenschaft nur ein Trick der neuen Herrscher?

September 1, 2013 37 Kommentare

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen
aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen,
sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Immanuel Kant (1784)

Ich möchte gerne eine These in die Runde werfen. Ich hatte gestern wieder Gelegenheit, während einer Zugfahrt zu diskutieren. Dieses Mal ging es um die Befreiung der Menschen aus der Leibeigenschaft aufgrund der Aufklärung. Dabei stieß uns Folgendes auf:

Im bis dahin herrschenden Feudalimus gehörten 90% der Menschen ihren Herren. Diese Menschen arbeiteten zu 90-95% auf dem Land (Menschenfarm). Und Jene, die noch frei waren, mussten den Zehnten an den Lehensherrn zahlen (heute ist der Zehnte übrigens für Gutverdiener deutlich höher).

Mit der Industrialisierung mit Beginn des 18. Jahrhunderts kamen zunehmend Fabrikanten und Händler auf die Bühne, die auch Menschen als Ressource brauchten und konkurrierten nun mit den adligen Großgrundbesitzern um diese.

Und was geht da besser als einen geschickten Schachzug zu machen: man wiegele die Leibeigenen auf, sich zu „befreien“ hin zur staatsbasierten Republik.

Die weiterhin Mittel- und Grund-losen Ex-Leibeigenen waren nun frei. Sich zumindest zu entscheiden, bei welchen Lohnherren sie ihren Leib zu Markte tragen wollten.

Ein wenig mehr Lohn als bei den Adligen zog die Menschen in die Fabriken der Neureichen (sicher gab es auch anderen Stadtzulauf …)

Unterm Strich bleibt festzustellen: das Herrschen ist geblieben, nur die Weiterlesen …

Über das Geistwesen der Macht

Licht (die Macht der) durchdringt Materie

Licht (= eine Macht) durchdringt Materie

Das Lebendige hat Angst vor dem Tod, während der Tod mit seiner Macht sich dem Menschen zuwendet und ihm seine eigene Ohnmacht als auch seine eigene Macht spüren lässt.

Vor ein paar Minuten verstarb meine Nachbarin. Ein Mensch, der niemals Böses tat, der Natur und Mensch zugewendet blieb und sein Bestes versuchte. Warum, das fragt der Tod nicht, warum das fragt die Herrschaft nicht. Warum fragt nur der Mensch, meist nicht sich selber.

Der Mensch trägt schwer an der Verheißung, sich die Erde untertan zu machen. Der Mann trägt schwer daran, sich die Frau untertan zu halten. Die Kinder tragen schwer an dem unsäglichen Zeitgeist und der Kultur, in die hinein sie geboren werden. Die Welt trägt schwer an der Verwirrung des Geistes, seiner Feindseligkeit und schöpferischen Maßlosigkeit. Wir alle tragen das „Kreuz“ EINES Geistes.

Geist ist etwas Wunderbares, wenn er als gestaltende Schöpferkraft auftritt. Schauen wir, wie viele Ideen nötig waren, um einen Vogel fliegen zu lassen, was Geist „denken“ können musste, um aus einem kleinen gesprenkelten Ei diesen Vogel entstehen zu lassen. Ein paar Tage nur, und das Ei sitzt auf einem Ast, im Hinterkopf schon den Gedanken an den Bau eines Nestes, und singt die schönsten Lieder – in eine andere Geisteswelt hinein.

Dem Schöngeist zur Seite steht der Herrschergeist, der seine schöpferische Kraft auf seinen Machterhalt richtet. „Teile und herrsche“ drückt nur sehr ungenügend seine kreativen Fähigkeiten aus. Die Kehrseite seines ungezügelten, grenzenlosen Weiterlesen …

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Philosophie als Entpassivierung unserer selbst

Gilbert Dietrich

Gilbert Dietrich hat auf Geist und Gegenwart wieder Mal einen bedenkenswerten Artikel über unsere Gedanken und Trägheit geschrieben. Er kommt zu einem Fazit, das ich gerne unterstreichen mag:

Dieser philosophische Dreischritt, der sich im Aneignen der Leidenschaften, im Gestalten der Gewohnheiten und im Ordnen der Gedanken zeigt ist ganz wesentlich auf Aktivität ausgerichtet. Zum einen manifestiert sich darin die – soweit wir wissen – einzigartige Fähigkeit des Menschen, sein Leben zu führen, zu gestalten, anstatt nur den Umständen ausgeliefert zu sein und sich der Umwelt anzupassen. Zum anderen hat es auch politische und damit ethische Relevanz. Denn verharrt man aus Trägheit und Faulheit – und andere Gründe gibt es beinahe gar nicht – in der Passivität, dann degradiert man sich selbst zur Verhandlungsmasse der herrschenden Mächte. Man gehört dann zum Heer der Bauern im Schachspiel der Macht oder zur Infanterie von Armeen, am Ende – um es zuzuspitzen – kann man Aufseher in einem KZ werden, aber Mensch im Sinne von Subjekt ist man damit nicht. Das ist die Pointe praktischer Philosophie, hier wird Philosophie wichtig – jeden Tag und für uns alle.

Gilbert hatte in seinem Artikel zur Sozialisierung zuvor schon das Thema der Gewohnheit besprochen und hatte hierzu geschlossen:

Werde, die oder der du insgeheim schon bist!

… Hier wird deutlich, dass sich Gewohnheit als eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung darstellt. Denn nur Gewohnheit, die auch bei neuartigen Situationen noch funktioniert, kann erfolgreich sein. Das ist alles andere, als die faule Routine. In diesem Sinne ist Gewohnheit bereits eine Art Training, ein Üben. Die alten Philosophen wie Aristoteles oder Thomas von Aquin, von denen Sloterdijk redet, sahen in der Gewohnheit ein eingeübtes Weiterlesen …

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