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Vom ›System Natur‹ zum ›System Gesellschaft‹

Dezember 28, 2020 52 Kommentare

Von unseren Politikern hören wir zunehmend von der Segnung weiterer Zentralisierungen. Frau Merkel meint, dass wir in einer Neuen Weltordnung mehr Souveränität abzugeben haben (siehe). Selbst der Papst hatte sich die Tage wieder gemeldet und fordert eine Eineweltregierung ein (siehe). Siehe auch den Great Reset, der mehr Zentralisierung fordert. Dagegen stellen möchte ich nochmals das Konzept der Anarchie. Horst Stowasser hatte viele Jahre der Recherche damit verbracht, sich die anarchistischen Ansätze der letzten 150 Jahre in Theorie und Praxis anzuschauen. Ich habe das Buch Freiheit pur – Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft hinter meinem Rücken stehen (hier gerne als PDF erreichbar). Als ich vor 10 Jahren diesen Blog begann, wer es eine meiner damals aktuellen Lektüren. Sehr empfehlenswert. Er endet wir folgt:

Vom ›System Natur‹ zum ›System Gesellschaft‹

Horst Stowasser – Bild: Wikipedia

Natur und Gesellschaft sind nicht gleichzusetzen. Der Mensch braucht »die Natur« auch nicht zu romantisieren oder betend vor ihr niederzuknien. Es wäre schon genug, wenn er versuchte, ganz nüchtern und sachlich von den Strukturen der Natur zu profitieren.

Was nun die gesellschaftspolitischen Systeme angeht, zu denen ja auch der Anarchismus zählt, so gibt es in diesem Zusammenhang eine erstaunliche Beobachtung zu machen. Freiheitliche Bewegungen sind ja nicht aus dem Konflikt Mensch/Natur entstanden, sondern aus dem Konflikt Mensch/Mensch. Anarchismus kam nicht als Ökophilosophie auf die Welt, sondern als Schrei nach sozialer Gerechtigkeit und Befreiung: Es ging um Brot, Arbeit und weniger Prügel. Am Anfang war der Zorn – Ziel und Triebkraft aber wurde die Suche nach Freiheit. Sie, und nicht Natur, ist der anarchistische Zentralbegriff.

Auf der Suche nach konkreten Formen der Freiheit hat der Anarchismus in hundertfünfzig Jahren Modelle entwickelt, die diesem Ziel gerecht werden sollen. Gewisse Strukturen wurden dabei als untauglich verworfen, andere haben sich als tauglicher erwiesen. Wenn man sich nun diese ›freiheitstauglichen‹ Strukturen genauer ansieht und benennt, ergibt sich eine frappierende Übereinstimmung mit jenen, die die moderne Wissenschaft und Philosophie heute als ›naturtauglich‹ erkannt hat. Diese Analogie ist uns schon wiederholt begegnet: Dezentralität, Vernetzung, Interaktion, Horizontalität, Selbstregulierung, kleine Einheiten, gegenseitige Hilfe, natürliche Autorität, Kollektivität – all das sind Strukturbegriffe und
Organisationsformen, die sowohl auf die Natur als auch auf die von Anarchisten favorisierte soziale Organisation anwendbar sind.

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