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Posts Tagged ‘Kampf’

Vom Nichtkampf-Prinzip …

Friede ist mein Weg.
Und es bleibt mein Weg.
Und es sollte der Weg von Jedermann werden.

Rüdiger Lenz

Anknüpfend an den Artikel Die Ich-kann-Schule statt der Du-mußt-Schule, in der Franz Josef Neffe zu Wort kommt und klar macht, dass uns Unterricht nach unten richtet genauso wie Unterhaltung uns unten hält, möchte ich einen Vortrag von Rüdiger Lenz empfehlen. Er ist Opfer-Täter-Therapeut, Gewalt- und Friedensforscher, sowie Autor der Bücher „Das Nichtkampf-Prinzip“ und „Die Fratze der Gewalt“. Sein Buch „Das Nichtkampf-Prinzip“ erschien bereits im Jahr 2005 und rät dem Leser, der sowohl Kampfsportler, als auch Otto-Normal-Verbraucher sein kann:

HÖR AUF ZU KÄMPFEN! Denn damit schadest du vor allem dir selbst.

Der Zweikampf, egal in welcher Art, ist überflüssig und bringt uns nur dazu, unsere eigene Unversehrtheit und die des Gegenübers aufs Spiel zu setzen. Es ist ein Prinzip, das auf Deeskalation und Konfliktlösen ausgelegt ist und zugleich auch noch eigene Ich-Schwäche in Ich-Stärke wandelt.

Das Nichtkampf-Prinzip zeigt uns einen Weg aus unserer selbst verschuldeten Unmündigkeit, welche vom Bildungssystem im Grunde sogar mit gefördert wird. Es zeigt uns einen Weg aus der von uns angetriebenen mörderischen Zivilisationsmaschine auf, der wir beginnen müssen unsere Kraft zu entziehen.

Wir müssen stattdessen beginnen, uns selbst zu leben und nicht mehr gelebt zu werden.

Vor allem müssen wir aufhören, an ein Kapitalsystem zu glauben, das den Krieg produziert als Lösungsmoment für eine Weiterentwicklung.

Unser herrschendes Weiterlesen …

Sollten wir besser vom Gewinner- zum Nicht-Kampfprinzip wechseln?

September 30, 2013 46 Kommentare

Ein gewisses Maß an Ignoranz führt zum Glück, stellte Erasmus von Rotterdam fest.
Dem hält Rüdiger Lenz entgegen, dass Ignoranz die höchste Form von Gewalt sei.

Startschuss beim Wettlauf - Foto Paulwip  / pixelio.de

Startschuss beim Wettlauf – Foto Paulwip / pixelio.de

Auf diesem Blog haben wir immer wieder darüber gesprochen, dass wir in unserer Gesllschaft das Prinzip der Konkurrenz viel stärker gewichten als die Kooperation, und dass letztere aber für eine gesunde Gemeinschaft wesentlich tauglicher ist. Rüdiger Lenz meint zu unserer auf Konkurrenz aufbauenden Ökonomie:

Wettbewerb ist eine schönere Beschreibung für das Wort Wettkampf.

Eine Gesellschft, die den Kampf um Alles und gegen Jeden als sinnvoll erachet, tut dies, weil in ihr der Zins und ZinsesZins als Werkzeug zur Umverteiling von Arm nach Reich manipuliert durchgesetzt wurde. Der Motor unserer Kampfkultur sei das Schuldgeldsystem….

Dieses Prinzip fördert zunächst den Wettbewerb, der aber dann im Wettkampf mündet und zum Motor eine „Angriffskriegsführung“ und Kriegsinszenierung gegen einen äußeren Feind das vorherrschende Finanzwirtschaftssystem perpetuiert.

Das Nichtkampf-Prinzip von Rüdiger Lenz ist eine brillante Möglichkeit, einmal darüber nachzudenken, in was für einer Gesellschaft wir leben würden, wäre das oberste Prinzip Weiterlesen …

Krieg hat seine Ursache im Inneren des Menschen …

Die ältere Philosophie kannte noch den Gegensatz zwischen Mensch und Tier und schrieb dem Menschen, den man kosmologisch zwischen Göttern und Tieren ansiedelte, die Möglichkeit zu, entweder über sein Menschsein hinauszuwachsen und sich dem göttlichen Dasein anzunähern, oder aber mit größter Bestialität sogar unter das Tierische hinunterzusinken. Goethe, der vielfach aus der Weisheit der Antike schöpfte, hat dem Ringen dieser Doppelnatur des Menschen, das zerrissen-sein zwischen seiner göttlichen und seiner menschlichen Natur in seinem „Faust“-Drama künstlerischen Ausdruck verliehen. So lässt er Faust beim berühmten Osterspaziergang sprechen:

Goethe Osterspaziergang (Bildquelle: http:www.goethezeitportal.de)

Goethe Osterspaziergang (Bildquelle: http:www.goethezeitportal.de)

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.

Jeder Mensch kennt diese beiden „Seelen“ wohl zu gewissem Grad aus eigener Erfahrung und bei demjenigen der sie meint, nicht zu kennen, dürfen wir vermuten, dass der Kampf zwischen beiden Seiten seiner Natur zwar vorhanden ist, aber ihm infolge gewisser Kompensationsstrategien noch nicht bewusst geworden ist.

So liegt der „Krieg“, der Kampf der beiden Seelen gegeneinander, schon in der Natur des Menschen begründet und vieles hängt davon ab, wie sich der Einzelne dieser in ihm liegenden Entwicklungsforderung stellt. Hier, im Herzen des Menschen scheint der eigentliche Kampf stattzufinden und ob wir im Frieden mit uns selbst sind und damit auch um uns herum Frieden herrschen kann, hängt davon ab, inwiefern es uns gelingt, diese beiden „Seelen“ auf günstige Weise miteinander zu versöhnen.

Wird eine der beiden Seiten unseres Wesens unterdrückt oder kompensiert, sind wir, ob bewusst oder unbewusst, in einem Zustand des Unfriedens mit uns selbst, der auch nach Aussen, zu unseren Mitmenschen hin, als Druck, Ausgrenzung oder Verurteilung spürbar werden kann.

Philosophie und Religion der verschiedenen Kulturen und Menschheitsepochen beschäftigten sich daher seit jeher mit dieser zentralen Frage: Wie kann der Mensch – hineingestellt zwischen Geist und Materie – eine günstige, entwicklungsfreudige Synthese zwischen seinen Idealen und geistigem Verlangen und seiner irdischen Natur finden? Ist ihm das überhaupt möglich? Oder bleibt ihm nur die Möglichkeit, eine dieser beiden Seiten bestmöglich zu unterdrücken, um die andere Leben zu können?

Ich möchte behaupten, dass es dem Menschen möglich ist, eine solche Synthese von Geist und Welt zu leisten, wenn er dieser Entwicklungsanforderung, die nicht von Aussen, sondern von Innen an ihn herantritt, nicht ausweicht und sich überdies seiner Individualität und schöpferischen, Gegensätze verbindenden Kraft als Mensch bewusst wird.

 Prometheus

Prometheus brachte dem Menschen das Feuer. In einer erweiterten Betrachtung können wir sagen, dass er dem Menschen damit das Ich überbrachte, das von alters her mit dem Feuerelement gleichgesetzt wurde. Bezeichnenderweise kommen mit der Büchse der Pandora in der Folge auch Krankheit, Tod und alle Übel in die Welt. Das Ich, das den Menschen von seiner Umgebung trennt und ihn damit aus der Schöpfung abschliesst und isoliert ist so in der Sage einerseits Grund für das Übel, aber andererseits, sofern er seine Feuerkraft zu nutzen versteht, auch Mittel zur Überwindung der Leiden des Menschen.

Wir können uns ebensowenig ungestraft von unserem Drang zu Entwicklung und Evolution trennen, wie wir uns einfach über unsere emotionalen Grundbedürfnisse, Triebe und Ängste hinwegsetzen können, ohne früher oder später von ihnen eingeholt zu werden. Wenn wäre es, wenn – wie es Goethe wohl ausdrücken würde – die Götter uns die Gabe verliehen hätten, Himmel und Erde miteinander zu versöhnen, aber uns die Freiheit liessen, uns dieser Fähigkeit zu bedienen? Würden sie es nicht als Frevel ansehen, wenn wir diese Möglichkeit nicht wahrnehmen würden?

Wären sozialer Unfriede und letztlich Krieg dann nicht die logische Folge eines nicht ergriffenen Kampfes im eigenen Inneren? Ist es nicht zwangsläufig so, dass wir, sobald wir das Ringen um die Synthese zwischen unseren Idealen und dem äußeren, praktischen Leben nicht ergreifen, diesen Kampf nach Aussen tragen müssen indem wir immer größere Ungleichgewichte, Drücke und letztlich Unfrieden und Krieg erzeugen?

Bereits ein kleiner Blick auf die äußeren Faktoren der gegenwärtigen Weltlage z.B. die Ungerechtigkeiten in der Weltwirtschaft, lässt uns erahnen, dass der von übermäßigem Konsum geprägte Lebensstil unserer Kulturen, unsere Gier nach Rohstoffen und Energie, die so viel Leid und soziale Ausbeutung mit sich bringt, ihre Ursache nur in einer inneren Leere und einem emotionalen unbefriedigt sein haben können. Kein Mensch braucht diese Überfülle an Konsumgütern, und künstlichen Erfahrungs- und Erlebenswelten um glücklich und zufrieden leben und arbeiten zu können. Unsere gegenwärtige Kultur zeichnet sich durch eine einseitige Betonung des Diesseitigen aus, oder um im Bilde Goethes zu bleiben, in der Betonung desjenigen Seelenanteils in uns, der „in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen“ bindet. Goethe, der zu seiner Zeit noch von einem tieferen, integraleren Bild des Menschen ausging, zeigt schon mit seiner Formulierung „klammerns“ dass es sich dabei um eine Art Angst handeln muss, die den Menschen treibt, sein Heil ganz im Diesseitigen zu suchen und den anderen Seelenanteil, der immerwährend danach strebt, bisher unbekannte Ideale und die Grenzen des bisherigen sprengende neue Lebenszielsetzungen in das Dasein zu integrieren möglichst zu negieren, sich „ganz von ihm zu trennen“. Eine solche Lebenshaltung muss in einer Welt mit endlichen Ressourcen wohl zwangsläufig zu Verteilungskämpfen und schliesslich zu und Krieg und Zerstörung führen.

Euer Bernhard Spirkl

Erstveröffentlichung auf meinem Blog Move on Freedom
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